Mittwoch, 21. Februar 2007

Almträume

Der Träume waren es mehrere. Dass ich einem sympathischen Kellner, der drei gänzlich unzureichende, zerfranste Brotschnitten mit lächerlichen nachlässig draufgeschmierten Aufstrichen nicht als kulinarische Anregung durchgehen lassen kann, ist mir, obwohl ich am Abend ganz hervorragend zünftig gegessen hatte, ja noch irgendwie aus beruflichem Zusammenhang erklärbar.

Wenn ich aber in einem riesigen quadratischen Altbau-Raum erwache, mit hübscher Stuckleiste unter dem gold-rot-färbigen Plafond, und mit mir unter der Decke des großen Bettes im Eck ein bis dato unbekannter Mann liegt, wobei das unbekannt sich auf seine äußere Erscheinung beschränkt, da mir sein schriftliches Wesen wohl geläufig war, und eine nicht mehr erinnerte Intimität der Nacht sich sogleich in neuerlichen Umarmungen manifestiert, dann entkommt mir selbst im Traum verwundertes Lächeln. Und erst recht im tatsächlichen Aufwachen:

Was für Kapriolen schlägt da der Körper (und schickt sie dem Geist), der doch höchst befriedet und mit ausreichend frischer Höhenluft versehen mit einem ruhigen Schlummer das Auslangen haben sollte?

Kehraus

Der Hirsch hatte darauf bestanden: Am letzten Faschingstag hinauf auf die Alm, Musik gäbe es und überhaupt sei so eine Nacht am Berg doch eine feine Sache. Um die Sonne recht lang auszukosten, nahmen wir den Weg über die Almböden, nicht minder steil als die Direttissima durch den Wald, aber ungleich anregender und auch friedlicher.

Der Hirsch war mir mit seiner Leichtfüßigkeit natürlich weit voraus, als könnte er seine 28 Jahre Lebensvorsprung auch in Vorsprünge anderer Art umlegen. Mir war's allerdings ganz recht, der mangelnden Kondition halber beschaulicher unterwegs zu sein; so wintertrüb, wie es ein oberflächlicher Blick denken lassen würde, waren die Almwiesen gar nicht. Aus den sonnengewärmten Mugeln stieg immer wieder die Würze eine getrockneten Sommers auf, als wäre der gar nie vergangen, sondern hätte nur kurz geschlafen. Weiter oben dann war es intensiver Rauchgeruch, wie aus einer Speckselche, einiges an Erikabüscheln war ganz schwarzverkohlt - auch dies wohl noch Reste des letzten Jahres.

Die Ritzau ist ja normalerweise schon eines der beliebtesten Ziele im Kaisertal, gestern aber war der Andrang noch um einiges größer. Und die Musi (leider nicht ganz so zünftig-bodenständig wie erwartet) hatte offenbar schon einige Runden Schnaps spendiert bekommen.

Aus der dampfigen Stube trieb es mich immer wieder in die Luft hinaus, so entging mir auch die Abendstimmung nicht.

Irgendwann machten sich auch die Hartnäckigsten auf den Rückweg ins Tal auf, uns blieb die Stille. Und ein leuchtender Morgen:

Talwärts aber kamen dann schon wieder die Aschermittwochs-Horden entgegen.

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ConAlma - 2008-07-23 19:39
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