Freitag, 20. Juli 2007

Eigentlichkeit Musik

...dass Musik tatsächlich vom Eigentlichen ablenken kann“ – diesem sichtlich unter dem Eindruck einer Aufführung herausgeworfenen Satz, der umso mehr Befremden auslöst, da er von einem Auch-oder Fast- Musiker geschrieben ist – könnte man entgegnen, dass gerade Wagner mit seinem Gesamtkunstwerkanspruch keins der Teile vor die anderen gestellt hat. Und wenn ich hier eine Analogie aus meinem Alltagsleben nehme: da schafft ein Koch auch eine aus vielen Komponenten zusammengesetzte Einheit, und dann geht der Esser her und zerpflückt wieder in einzelne Aromen und Konsistenzen, anstatt die Wirkung des Gesamten, so wie sie ja vorgesehen war, aufzunehmen [auch ich war darob einmal gerügt worden ;-)].

Mir fiel aber spontan eine ganz andere Entgegnung ein: bei einem vor bald 10 Jahren stattgefundenen Kongress in Alpbach hat ein mongolischer Schamane den wirkungsvollen Satz getan, dass er das Bestreben der Menschen im Westen, mit östlichen Methoden der Meditation weiterzukommen, seltsam und unpassend fände, wo sie doch selbst eine ureigene Meditation hätten – die der Musik. Mit einem solchen Gedankengang wird der Musik eine Eigentlichkeit gegeben, die sie nicht unter und nicht über anderes stellt, aber dennoch auch für sich stehen lässt. Weshalb sie auch nicht ablenken kann.

Dieser Schamane hat auch wunderschöne Liebesgedichte geschrieben, allein schon der Titel des Bandes ist wie ein Gedicht: Nimmer werde ich dich zähmen können. Wunderschön sind sie auch dort, wo sie traurig sind, und so wähle ich heute eines dieser traurigen aus, weil um mich herum ein paar Traurigkeiten aufgebrochen sind, ich widme es jenen, die sie erfahren müssen:

In dir liegen
Tote Jahre
Ich darf darin
Nicht graben
Tote Zeit ist
Anders als
Tote Menschen
Kann aufspringen
Und Bosheiten anrichten.

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