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Montag, 25. Mai 2009

Körperleben

Es ist unermesslich, was ich bei der Berührung deines Körpers empfinde, sagt der Hirsch und lächelt in seinem hoffenden Glück, vielleicht auch zufrieden, so be s t e h e n zu können. Ich aber werde traurig, be-stehe nicht, finde meinen Körper nicht, ver-stehe ihn nicht. mehr. Postmenopause, sagte die Ärztin, da kann manches geschehen. Doch nicht das, dieses Abgetrenntsein von mir, von einem wesentlichen Teil meiner selbst, meines Selbst. Der Fluss unterbrochen, die Quelle versiegt. Nicht einmal ein Fingerlein mag s i e da unten zu mehr erdulden, geschweige denn Fleischiges, Hartes, sie spricht nur noch mit trockenem Schmerz.
Freilich könnt ich mich an ihm reiben, den Leib in Schwingungen versetzen, die dringen auch ins Innere, die Wellen kommen, ich spür’s im Kopf. Aber unten bleibt’s Wüste. Ja, fürs Gleiten gäb’s Hilfe, das ist auch nicht das Problem. Es ist im Kopf. Dass etwas nicht mehr von selbst will. Mich ausschließt. Sich ausschließt. Dass die spontane Selbstverständlichkeit des Ineinander versagt scheint, dieses schwebende Versunkensein mit Auflösung, das unser Miteinander so grundlegend ausmacht, das macht mich still. Und streng. Ich bin doch in Relation zum Hirschen noch ein junges Ding!

Der Traum vom Norden

Über Intervention der Cellistengattin, die aus unserer Kleinstadt stammt, wurden uns 2 Karten für die gestrige Matinee zuteil, erste Reihe Balkonloge, da seht ihr unseren Stardirigenten besonders gut, den ungepflegten den ..., der Rest verschwand in Gemurmel.

Erste Symphonie Sibelius, für den Geliebten eine so wichtige Musik, in der er seinen Traum vom Norden verbildlicht sieht; seine Ergriffenheit war in seinem festen Griff um mich spürbar. Ich mochte mich nicht über die Brüstung beugen, um von Valery Gergiev mehr zu sehen als seine beginnende Glatze; mit geschlossenen Augen konnte ich besser hören. Und auch wenn der Klang des Goldenen Saales oben ein anderer ist, die Bläser viel prägnanter, überhaupt die einzelnen Gruppen im Orchester viel deutlicher als solche wahrnehmbar - aber doch auch mir inzwischen wichtig und angesichts des riesigen Saales der Münchner Philharmonie am Mittwoch wieder so spürbar geworden: die Intimität dieses Raumes in Wien, die a u c h zum Hörerlebnis beiträgt, gerade das enge Sitzen, merkwürdig, bei aller Akustikperfektion zum Beispiel auch in Luzern, aber das Erleben in diesem Saal geht über das Hören weit hinaus - ich erlebte also eine intensive, aber nicht breitgetretene, vielmehr eine ungemein lebendige Interpretation der Symphonie. Dem Feuervogel nach der Pause indes fehlten die getanzten Bilder. Oder aber der schlemmerische Vorabend auf der Terrasse des Grandhotels zeigte seine Wirkung.

Welche Sendung war das nochmal, die sich eine Passage aus dem Feuervogel für die Signation geliehen hatte?

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