Samstag, 27. Mai 2006

Tischgespräche

Not macht erfinderisch, Personalnot in Sachen Essensbegleitung (Sie glauben nicht, dass es derlei gibt? Oh doch!), wo es für mich wohl um einen Qualitätsentscheid geht (bin bekennende Anspruchsvolle) führt auf unerwartete Wege, an einem solchen Wegesrand könnte zum Beispiel ein Schulkollege stehen (warum steht er ausgerechnet jetzt da?), bei sporadischen Maturatreffen als lieb, schwul, juristender Beamter zur Kenntnis genommen und weiters in der Peripherie belassen, der sich beim mittlerweile zweiten Tischgespräch als wertvoller Anreger, Frager, Austauscher, Weiterführer und vor allem und gewiss nicht zuletzt mitteilender Mitgenießer einen Fixplatz erobert hat.

Eine yogihafte Gelassenheit, große professionelle Kompetenz und vor allem ein sehr konsequentes, konsistentes Leben bei gleichzeitig jungenhafter Heiterkeit – da bieten die vertrauteren Freundinnen mit ihrem ewiggleichen Gefühlsstrudelknotengewirr leider, ja leider weniger Begleitungsanreiz. Wenn er sagt: „Ich habe immer so viel Glück“, dann kann ich wohl erkennen, dass das aus seiner Haltung, seiner Arbeit an sich, seinem Wesen entspringt.

Otto M. Zykan fährt mich heim

Um den gestrigen Abend mit wohltuenden Tischgesprächen auch entspannt genießen zu können, wählte ich als Transportmittel durchs Inntal die Bahn. Das ist, will man nächtens unterwegs sein, leider auch eine limitierte Angelegenheit, stellt man doch fest, dass Kufstein so ab halb elf im Abseits zu liegen kommt (egal übrigens, ob man aus Ost- oder Westrichtung heimkehren will.). Also: mit dem Auto bis Wörgl, denn ab und bis da tun sich völlig neue Fahrtzeitgelegenheiten auf!

Der mitternächtliche Eilzug - eine bemerkenswerte Definition seiner Bezeichnung konnte ich bei einem Handygespräch irgendwo aus der Mitte des Waggons mitlauschen: dass er zwar in jedem Bahnhof stehenbliebe, aber dazwischen viel schneller fahre! (Die Rechtfertigung eines jungen Mannes, warum er mit diesem späten und langsamen Zug erst käme) - ließ allerdings von irgendwelcher Eile nichts verspüren, der balearische Syrah und die köstlichen vier Gänge zuvor taten ein Übriges, ich entschlummerte in schnelle Träume. Die hätte ich auch gut und gerne noch im Auto, in den letzten 15 Minuten meiner Wegstrecke, fortsetzen können, wäre da nicht die lange Zykan-Nacht auf OE1 gewesen. Dessen Wortsprudeleien, justament kurz vor eins, rissen mich aus meiner gefährlichen Döserei und machten mir bewusst, dass ich gar nichts, rein gar nichts über diesen Mann wusste. Außer Humanic-Fraaaanz. Dass vor 2 Jahren ein Violinkonzert in Tirol zur Uraufführung gekommen war, das ich nie gehört habe. Dass ich ihn aber zuletzt wohl als Kommentator zu schätzen gelernt habe.

Aber: ich kam wohlbehalten und erfrischt zu Hause an. Otto M. Zykan hat mich heimgefahren.

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ConAlma - 2008-07-23 06:28
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nömix - 2008-07-20 11:02

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