einfach zum nachdenken

Freitag, 28. November 2008

Leben, sinnfrei.

Ganz ehrlich, ich wusste nicht, dass Claude Lévi-Strauss noch lebt. Heute wird er 100. Das ist für einen, der sagt: Ich bin fest davon überzeugt, dass das Leben keinen Sinn hat, dass nichts irgendeinen Sinn hat*, schon eine beträchtliche Zeitspanne. Eine ausgefüllte zudem.

Nehmen Sie Ihr Leben nicht so persönlich, sagte der Kommissar in einem Fernsehkrimi unlängst, das Leben kommt auch ohne Sie aus. Je mehr ich sinniere, umso friedlicher stimmen mich diese Zitate.



* zitiert nach Cicero

Donnerstag, 28. Juni 2007

Schmunzelnder Tod

Die Schrunser Zimmerwirtin beginnt beim Frühstück zu erzählen, Geschichten vom Sterben und vom Tod. Fast eine Stunde lang spricht sie, traurige und weniger traurige Erzählungen, Erinnerungen aus lang vergangener Zeit und jüngster Vergangenheit.

Von ihrem Mann zum Beispiel, der vor vier Jahren gestorben ist, in Wien, auf einem Feuerwehrausflug, nach einem fröhlichen Festabend, tot im Bett gelegen ist er in der Früh, und noch zwei Tage später, als er heimkamim Sarg , lag ein Schmunzeln auf seinem rosigen Gesicht. Von ihrem Vater, der Tischler war im Rheintal, und auch Tote hat einsargen müssen. Wie er einmal heimgekommen ist am Heiligen Abend, sich zum Kachelofen gesetzt und geweint hat. Tati, was hast denn? fragen die Frau und die Mädchen, sie selbst war vielleicht 10 Jahre alt gewesen. Eine junge Mutter hat er einsargen müssen, mit vier Kindern, alle jünger als seine Töchter, diese Ungerechtigkeit des Todes, mit der ist er an dem Abend nicht fertig geworden.

Ganz anders bei den Toten vom Armenhaus, das war das Altersheim damals, da waren nur die Armen und Einsamen im Heim, die anderen hatten ja die Familien. Wenn er für einen von denen einen Sarg vorbereitet hat, war ein Lächeln in seinem Gesicht, weil wieder einer erlöst war.

Eines Tages, erzählt die Wirtin, hat sie einen Mann getroffen, der aus demselben Dorf stammte wie sie selbst. Geh, sagt sie, kannst dich noch erinnern an den Tod deines Vater? Dass er tot ist, ja, entgegnet der Mann, aber sonst nix. Vier Jahre warst alt, sagt sie, und bist hinter meinem Vater hergelaufen und hast laut gerufen: Du böser Mann, du böser Mann, hast meinen Vater in die Kiste getan! Nein, davon ist dem Mann nichts mehr erinnerlich, die Wirtin aber weiß so viele Geschichten, ist aufgewachsen mit so vielen Toten, den fremden und den eigenen, zwei Geschwister, die Schwiegereltern - der Schwiegervater, gsund und tot! - und zuletzt der eigene Mann. Und immer noch der große Trost, dass er ein Schmunzeln hatte in seinem Gesicht.

Montag, 27. November 2006

Streeruwitz, Jelinek und sprechende Vaginas

Ich hatte zunächst Schwierigkeiten, die Aufregung der Streeruwitz um die Darstellung ihrer Person in der aktuellen Aufführung des Jelinek-Stückes Ulrike Maria Stuart im Hamburger Thalia-Theater zu verstehen.Vor 10 Jahren allerdings wäre es mir ein Leichteres gewesen. Fast 10 Jahre alt ist auch der Text, um den es in den inkriminierten Vagina-Dialogen geht. Sich Zitate aus einem Zwiegespräch, das einmal geführt worden war über Schreibende Frauen als Fremde in dieser Welt, abgelten lassen zu wollen im Sinne eines Urheberrechtes – das kann nur verstanden werden, wenn man die Positionen kennt bezüglich Frau, Kunst, Schreiben. Und die werden in diesem für Emma geführten Gespräch sehr deutlich gemacht. Während aber Marlene Streeruwitz irgendwie aus einer Opferhaltung heraus argumentiert, liegt in Jelineks Rückzug ein trotziger Stolz.

Streeruwitz beklagt auch, dass auf den Interview-Text ohne Rückfrage zugegriffen wurde. Ich weiß nicht, ob (und glaube ja nicht, dass) ihre Reaktion aus jenem Unbehagen kommt, dass mich bisweilen ergreift, wenn ich sehe, wie Sätze von mir anderswo zitiert werden. Das fühlt sich an, als wäre mir ein Seil ums Handgelenk geschlungen, und der Arm würde hinausgezogen, weg von mir, oder von meinem Ort, hin zu einem anderen. Ein zwiespältiger Reiz. Das selbstverständliche Verlinken, wie es hier in den Blogs geschieht, gehört auch dazu. Ich tue es ja selbst. Es ist wesentlicher Bestandteil der Arbeit hier. Und doch entsteht immer wieder ein eigenartiges Gefühl von Übernahme.

Bleibt noch das Sprechen aus der Vagina: das kann ich nicht per se als Reduzierung begreifen. Allerdings müsste die schrille Inszenierung dann wohl die meine sein. Die Empfindlichkeit gegenüber männlichem Zugriff kann ich sehr wohl verstehen.

Eine Verbindung von Streeruwitz, Opferhaltung und Amoklauf stellt Robert Misik im Standard her

Donnerstag, 21. September 2006

Astig

Wechselbad der Stile: auf ins triefende Leben!
Der Gefühlskonserve verdanke ich den Hinweis auf diese Geschichte. Und dazu fällt mir dieser wunderbare umgangssprachliche Ausdruck aus der Region ein:
astig

Wenn ein Mann von seinen Trieben übermannt wird. Ich konnte da mal eine Diskussion mitverfolgen, ob Rotwein besser geeignet sei, astig zu machen, als Weißwein - oder umgekehrt. Einen Zusammenhang mit Wahlverhalten konnte ich allerdings nicht feststellen. Aber in den Bergdörfern dürfte es wohl seit Generationen eingespielt sein, sich eine Frau zu teilen.

Mittwoch, 12. Juli 2006

unumkehrbare momente (cover version)

Der Titel ist bei anobella geklaut, die anlässlich der Kopfstoß-Debatte den nachhaltigen Beriff der unumkehrbaren linearen Achse geführt hat (schönes Kafka-Zitat dann im Anschluss).

Diese Unumkehrbarkeit von Momenten muss man nicht extern sammeln, die kennt man ja zur Genüge aus dem eigenen Leben. Das Verrückte ist: man erkennt sie meist auch sofort, im Augenblick noch. Und doch hat man keine andere Handlungsmöglichkeit. Danach kann man nur so gerade und erstarrt wie Zidane das Spielfeld verlassen. Man wusste es.

Puuh. Beängstigend.

Dienstag, 20. Juni 2006

Männer und Männchen

Bei Alban Nikolai Herbst gefunden

Dienstag, 23. Mai 2006

SOS ORF

Armin Wolf hat es in seiner Rede zum Robert-Hochner-Preis ziemlich auf den Punkt gebracht. Der ORF, ein feudales Gebilde? Jetzt rührt sich jedenfalls was. Unterschreiben Sie!

Hier!

SOS-ORF (gif, 1 KB)

Sonntag, 21. Mai 2006

Kleiner großer Abschied

Gestern habe ich mich getrennt. Hab mich von einem Büchlein getrennt, einem Schreibbüchlein, das irgendwann mal für 2 gedacht war, für Die Zwei möglicherweise in der Intention des Schenkenden, die dann doch eher One and One (nicht mal so recht plus) blieben.

[Wieso rutscht mir da jetzt dieser Godard-Titel herein?
Einmal soll Godard gesagt haben, ONE PLUS ONE sei nicht Zwei, sondern ONE PLUS ONE. Ein Verweis auf die Relevanz des Konstrukts und dessen Einzelteile. (siehe obiger Link)]

Das Büchlein also. Nicht mehr bei mir. Es war mir, nach einer unglücklich herbeigeführten Kommunikationsunterbrechung, Möglichkeit des Trostes und der Bezugnahme gewesen. Ich habe es aus der Hand gegeben, übergeben, keinen schlechten Händen, wie ich denke, und nach wie vor und trotzdem vertrauensvoll tat ich dies. Aber es fehlt mir. Es fehlt mir sehr! Das spüre ich gerade ganz stark beim Anhören von Mahlers Vierter. Wer hätte das gedacht ...

Donnerstag, 20. April 2006

Ich-Puzzle

Gespräche zwischen Ich und Ich (unerheblich hiebei, ob sie in ständiger, stiller Gewohnheit gehalten werden oder gegebenheitsbedingt eine fiktive Öffentlichkeit suchen) sind wie ein Puzzle, das, irgendwann auseinandergefallen, Stück für Stück wieder zusammengesetzt wird. Und dabei entdeckt man, dass es ja nie halten konnte, weil einige wesentliche Teile irgendwo in staubigen Ecken verborgen lagen, unsichtbar für sich selbst und noch unsichtbarer für andere. Es ist nicht immer leicht, diese Puzzleteile einzufügen, denn die Paßstellen sind den Kontakt nicht gewöhnt, das kann schmerzen. Aber das so entstehende Gesamtbild macht die frühere Verzerrung erst wirklich deutlich.

Damit dieses komplette Puzzle aber auch halten kann, in sich genügend Geschmeidigkeit entwickelt, um auch einem nahen Blick eines anderen standzuhalten, bedarf es ausreichend Zeit. Es muss sich ja erst mit sich anfreunden.

Sonntag, 26. März 2006

futurum exactum

Eigentlich möchte ich ja zu Handke keine Stellungnahme abgeben, aber in dem bei anobella erwähnten Zeit-Interview kommt der schöne Halbsatz vor (das Dilemma mit Künstlern: auch bedenklich bis verachtungswürdig wahrgenommene Figuren produzieren Schönes):

*wird es ein Vergnügen gewesen sein*

Am Ende (des Lebens) sagen zu können: es war ein Vergnügen - und jetzt im Bewusstsein zu leben: es wird ein Vergnügen gewesen sein:
schließt das nicht ein anderes Futurm exactum, wenn man recht gehabt haben wird, aus?

Hindert nicht die Einschränkung des Rechthabenmüssens am Vergnügenhaben? Es sei denn, man hat Vergnügen am Rechthaben?

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karrri - 2014-06-24 12:18
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uferlos - 2011-10-08 00:28
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ConAlma - 2011-10-07 11:40
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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
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books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
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profiler1 - 2011-10-06 21:55
Erwischt... und Sie fehlen...
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katiza - 2011-10-06 10:34
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