gelesen

Donnerstag, 11. Februar 2010

Rhetorisch bewanderte Verhältnisse

K., rhetorisch bewandert, werden Verhältnisse mit mehreren Mitarbeiterinnen nachgesagt.

aus: Der Standard


Dieser Satz unterstellt einen direkten Zusammenhang von Sprechbegabung und erotischem Erfolg und lässt mich rückblickend schaudern: meine Liebeslaufgeschichte als eine Sammlung rhetorischer Verhältnisse? Liebestaumelnd verfallen um der Sprache willen?

Montag, 28. Dezember 2009

Das Stichwort ist ein Muster.

In der schnellen Frühmorgen-Gratis-Ausgabe der Landes-Tageszeitung geschehen - eilbedingt - immer wieder Fehler, dass etwa die verkürzten Artikel gewisse wesentliche Satzteile entbehren müssen.

muster

Eine solche Titelzeile aber, die schlichtweg nur aus dem Muster besteht, war mir bislang noch nicht aufgefallen. Allerdings lese ich normalerweise auch meine eigene Zeitung ....

Donnerstag, 2. Juli 2009

Denisa Soltísová - Werden Sie lieber keine slowakische Pflegerin.

Die Ignoranz der heimischen Justiz wird in immer neuen Geschichten manifest, eine besonders erschütternde hat Martin Leidenfrost zum Buch gemacht. Mit welcher Beharrlichkeit das Wegschauen kultiviert wird, sich auch die Provinz-Medien, allen voran die Krone, am Ignoranz-Komplott beteiligen, kann hier nachgelesen werden.

Es ist so vieles zutiefst Österreichisches in dieser Geschichte, dass es einen schaudert. Es ist aber auch eine Geschichte, die eine gute Vorlage für einen guten österreichischen Film ergäbe.

Freitag, 21. November 2008

dailyric

A., en-passant-Geliebter aus dem Zufallsgenerator des Netzes, hatte sich damals das tägliche Gedicht zum Neujahrsvorsatz gemacht. In diesem November habe ich derer drei - die Wurfgedichte-Aktion des Standard beschert Wiederlesen (Peter Waterhouse etwa), Neufinden (Oswald Egger zb) und Lachen wie heute, wenn Brigitta Falkner, die ich im Mai bei den Literaturtagen Salzburg gehörtgesehen hatte, ihr Prinzip-i-Filmclip auslegt.

Aber so gut wie täglich lese ich eigentlich hier.

Samstag, 6. September 2008

Herzzeit

Von den Sehnsuchtspaaren, meinen persönlichen Mythen, waren mir Ingeborg Bachmann und Paul Celan das verwunschen nächste, ihrem Miteinander war nur in Gedichten nachzuspüren. Nun gibt es deren Briefwechsel editiert - er steht ganz oben auf meiner Wunschliste.

Ich habe oft nachgedacht, "Corona" ist Dein schönstes Gedicht, es ist die vollkommene Vorwegnahme eines Augenblicks, wo alles Marmor wird und für immer ist.
Zitiert aus der Zeitung Volltext

Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn:
die Zeit kehrt zurück in die Schale.

Im Spiegel ist Sonntag,
im Traum wird geschlafen,
der Mund redet wahr.

Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der Straße:
es ist Zeit, daß man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.

Es ist Zeit.

Samstag, 14. Juni 2008

Hatschi Bratschi Uuuh

Sind Sie auch mit Hatschi Bratschi groß geworden? Mein kindliches Morgenland war aber doch mehr von Wilhelm Hauff und dem Kleinen Muck, Kalif Storch oder Zwerg Nase bestimmt.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Vermutungen und Schönheit

Manche Vermutungen sind richtig. Viele aber auch falsch. Auf emotionalem Feld tragen die falschen Verletzungspotential in sich. Wenn Mathematiker Vermutungen anstellen, so haben sie oft mit Schönheit zu tun. Ob sie richtig sind oder falsch, stellt sich oft erst nach Jahren heraus, gar Jahrhunderten. Das nimmt nichts von deren Schönheit.

Fundstück im Zug

Dienstag, 25. Dezember 2007

Bewahrung der Erinnerungen

Was ich an Vorweihnachten mag, ist überraschende Weihnachtspost (ja, Frau Nahlinse, es gibt auch eine der angenehmen Sorte!)

Dass zum Beispiel ein Wiener Palais eine ungewöhnliche Flasche Wein schickt - irregular vom Weingut Schwarz in Andau, auch bekannt als ''The Butcher" und natürlich eine unverkäufliche Sonderabfüllung mit 14.5 % vol; die Gelegenheit für diesen Wein muss erst kommen.

Oder dass der heurige Weihnachtsbrief des Philosophenonkels eine ganz und gar wundersame kurze Textstelle enthält, die auf neue Spuren führt:

Bewahrung der Erinnerungen

Wenn die Famen ihre Erinnerungen bewahren wollen, pflegen sie sie folgender Gestalt einzubalsamieren: Nachdem sie die Erinnerung haargenau festgehalten haben, hüllen sie sie von Kopf bis Fuß in ein schwarzes Laken, stellen sie aufrecht an die Wand im Zimmer und heften ihr ein Schildchen an, das besagt: "Ausflug nach Trippstrill" oder "Frank Sinatra".
Hingegen lassen die Cronopien, jene unordentlichen und lässigen Wesen, die Erinnerungen lose zwischen fröhlichen Juchzern im Hause herumliegen und bewegen sich in ihrer Mitte, kommt aber eine Erinnerung gelaufen, liebkosen sie sie und sagen zu ihr: "Dass du dir ja nicht weh tust" oder auch: "Gib auf die Stufen acht". Daher sind der Famen Häuser immer aufgeräumt und still wie das Grab, während in denen der Cronopien die Türen schlagen und großer Radau herrscht. Die Nachbarn beklagen sich ständig über die Cronopien, und die Famen nicken dazu vielsagend mit dem Kopfe, gehen heim und sehen nach, ob die Schildchen alle sind, wo sie waren.


[Julio Cortazar]

Heute werden ein Fame und eine Cronopie zum ersten Mal gemeinsam ein Festmahl kochen.

Mittwoch, 28. November 2007

ANH verbeugt sich

Alban Nikolai Herbst hat für die Literaturzeitung Volltext, welche die einzige ist, die ich lese, weshalb ich nicht weiß, ob sie eine wie keine ist oder eine wie die anderen, für Volltext also einen Text verfasst zu Marianne Fritz. Einen vollen Text, einen Text voll Anerkennung, einen Text über Ästhetik, über Schönheit, über Haltung, über Poetik, über Sprache. Er ist eine Verbeugung vor einem Leben, das nach einer eigenen Sprache suchte, ein Plädoyer dafür.

Ja und gerade er, ANH, der ein so überaus mann-haftes Auftreten hat, vermag die "a-patriarchale Sprachordnung" der Marianne Fitz so eingehend darzustellen: weil er eine stets klare und unbestechliche Sicht auf die Dinge - hier: auf Sprache - hat. Matriarchal nennt er ihre Sprache, eine, die nach einem "schweifenden Lesen" verlange - weil die Sekunden zu einem "potentiell unendlichen Raum" gedehnt würden. Ach, allein das macht neugierig.

Es ist eine schöne Verbeugung.

Donnerstag, 13. September 2007

Stürme

Stürme haben gewütet
In diesem einen Herbst
Wie noch nie
In all den Jahren zuvor
Verwüstungen
Auf deiner und meiner Seite
Beide stehn wir
Wie Gerippe
Bloßglegt
Bis auf die Wurzeln
Keine Rätsel
Keine Versprechungen mehr
Einander
Welten
Anders geschaffen und
Unergiebig füreinander
Stehen wir
Jeder auf seinem Hügel


[Galsan Tschinag]
Für M. und S.

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