miniaturen

Dienstag, 22. Mai 2007

Brother and Sister

Hand in Hand schreiten sie entlang des Ufers. „Brüderchen, komm tanz mit mir“ sagen die Blicke des Mädchens. Beider Augen lachen, ausgelassen laufen und springen sie. Den Tanz aber, den taumelnde Tanz lassen sie den Träumen.




Die Hollies kann ich mir da nicht verkneifen

Freitag, 18. Mai 2007

Gestohlene Stunden

Die Blicke treffen sich in den Blüten
Die Zeit ist außer Kraft gesetzt
An den Flussufern ist das Strömen nicht aufzuhalten
Ein Sein ohne Fragen und Antworten

Donnerstag, 12. April 2007

Nahrung

mein leib so weich
den ich füllt' mit den schätzen der tische,
mit lämmern und tauben
und enten, mit krebsen und fischen.
mit lust verzehrt' ich
die früchte von äckern und gärten.
die lenden genährt
und die schenkel: genuss dem gefährten.
mein leib so weich
wie noch nie.

Mittwoch, 4. April 2007

Deutsch-Verzeichnis 810

Wild sind wir, die wir an diesem Leben hängen,
Als könne uns kein anderes sein.
Er nicht, der Tod, der dir seine Hand
So schwer und dunkel in den Nacken legt,
Als wolle er dem Ungestüm der späten Jahre
Erzählen, dass es sich verlief.



[Heute, beim Anhören von Schuberts Streichquartett Nr.14 in d-moll "Der Tod und das Mädchen". Meinem Vater]

Montag, 26. Februar 2007

zweieinig

In der sehnenden Umarmung wird der Eine zu zweien: aus der Hülle des alten Körpers tritt der Jüngling. Ihn aufnehmend kehrt mir meine eigene Jugend zurück.

Sonntag, 28. Januar 2007

Der Ton

Ein zarter Geigenton zog durch den Raum
von einem fernen Instrument gewoben
er schwebte seiden, ich vernahm ihn kaum
und spannte doch von dort nach da den Bogen

Sonntag, 21. Januar 2007

Inwendige Zwiesprache

Der Hirsch klopfte frühmorgens an meine Pforte, begehrte drängend Einlass.
Legte sich hierauf friedlich ins Zentrum des Lebens und hielt stille Zwiesprache mit mir.

Mittwoch, 17. Januar 2007

Der Tao-Hirsch

Der Wanderer kam aus einer anderen Zeit.
Er nahm mich unter den Mantel seiner Geschichten,
dort hocke ich seither und lausche.
Im Gemurmel von Gewesenem, das ins Seiende ging, bin ich geborgen.

Allabendlich aber blitzen seine Augen.
Dann wandelt er sich zum Tao-Hirschen und springt mit mir über die Gräben der Angst.

Mittwoch, 27. Dezember 2006

sei auf der hut

sei auf der hut
sprach sie
nimm mein wort nicht für mich
du könntest daran verbrennen

der liebende mann aber suchte das feuer





[Für HH]

Freitag, 8. Dezember 2006

es gab eine taumelnde zeit

es gab eine taumelnde zeit
da wir uns drehten
trunken von früchten und wein
im säumigen tanz

der prinz im kettenhemd zog
in den fremden sommer
die wirbelnde herbstluft nahm er
mit übers meer

prinz jussuf, lass nicht vom flug!
ruft mir der wächter
ach gönn mir die kosende stille
sie nährt mich mit mut


für CF

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