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Montag, 9. November 2009

Mauersong

Wo waren Sie, als die Mauer fiel? hatte der Standard schon zum 3.Oktober hin gefragt, und die Antworten mehr und weniger prominenter Ossis, Wessis und Ösis waren, färbig unterlegt, über die ganze Wochenendausgabe verstreut. Was mich bei manchen Sätzen zumindest verwunderte (vielleicht zunächst auch erschreckte), was die bekundete Ferne zu dem, was vor 20 Jahren geschehen war, aus dem Munde von jenen, die zwar noch Kind , aber doch nah dran gewesen waren.

Ich selbst, ich war im November wieder daheim gewesen; im Mai zuvor aber in Berlin, eine Woche mit einer Freundin (die Kinder hatten wir in Obhut der Männer gelassen), und wir tauchten in eine lebendige West-Lokalszene (Wien war 1989 mit ein bisserl Bermudadreieck-Aufbäumen noch sehr in den diesbezüglichen Anfängen) ein ebenso wie in eine im distanzierten Blick fast mystisch-karge Leere (und gastronomische Dürftigkeit) des touristisch besuchbaren Osten. Am eindrucksvollsten für mich blieben die in Düsternis geschlossenen, zügig durchrasten U- bzw. S-Bahnstationen, die der Phantasie Nahrung gaben. Vielleicht wurde aufgrund jener Berlin-Ersterfahrung Cees Nootebooms Allerseelen zu meinem Lieblingsbuch?

Jedenfalls waren mir Blick und Ohr geschärft nach dieser als Hausfrauen-Vergnügungs-Auszeittour angelegten Reise, und was in jenem Sommer in so unmittelbarer Nachbarschaft Wiens (Unizeit-70er-Jahr-Ausflüge nach Prag hatten auch diese Stadt in der Empfindung sehr nah wachsen lassen) geschah, war mehr als ein einfach irgendwo stattfindendes Geschehen - ich fühlte mich vielmehr inmitten von GESCHICHTE lebend.


OE!, mein verlässlicher Reisebegleiter, sendet (gerade noch) mit einem etwas weit her geholten Bezug zum Mauerfall (weil Brecht und Dreigroschenoper auch gesungen) ein Konzert von Marianne Faithful vom Sommer diesen Jahres - aber es sind so schöne Songs dabei, dass sie für jede Gelegenheit passen.

Freitag, 6. November 2009

AUDItorium, MAXimiert.

Stürme der Begeisterung und solche der Entrüstung wehen gegeneinander, die große Tochter, die die Enge eines FH-Studiums kannte, genießt enthusiastisch ihre After-Work-Solidaritätsabende auf der Uni, und als gar Otto Brusatt als Ausklang seines morgendlichen Pasticcios den Studenten alles Gute für den fortlaufenden Tag und ihre Proteste wünscht, konstatierte ich einen Hauch von Rührung in mir. Und weiß die (Studien)Freiheit, die mir war (und wie sie Robert Menasse am Abend zuvor in einer verzweifelten Diskussion auf ATV auch aus der eigenen Erinnerung geholt hatte), noch mehr zu schätzen.

Mittwoch, 4. November 2009

Wurzelkreuz

Zefix halleluja ... luja sog i

Das Kreuz sei die Wurzel Europas höre ich in den religiösen fünf Minuten vor sieben, als Teil der Entrüstungs-Statements zum italienischen Entscheid des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Das Kruzifix als europäische Wurzel? Es wär ein Kreuz mit dem Kreuz, sollt es gesamteuropäische Wurzel sein - da könnten auch andere Wurzeln beansprucht werden! Aber das Kreuz hat nachhaltig seinen Stempel aufgedrückt.

rebkreuz

Als wine-addicted person freu ich mich über Kreuzfunde allenthalben, vor allem aber über Tiefwurzler, wenn sie dann endlich auf Flasche gefüllt sind und das, wo sie wurzeln, schmecken lassen.

P.S. Ein präsentes Kreuz hab ich nicht fotografiert: eine Art Herrgottswinkel (die ich als Teil des Volks-Kulturgutes durchaus schätze) im Gasthaus Nigl, das Kreuz gekrönt von einer - Lautsprecherbox!

Samstag, 3. Oktober 2009

Bananarama

Im Film Indien wird die (vom "richtigen" Ende gegessene) Banane zum Symbol für eine Art Wiedervereinigung zweier sich mühsam Verständnis und Sympathie erstritten Habender im vermeintlichen nächsten Leben (des einen).


Fellner: "Ich hab ja so die Theorie, daß das Essen sehr oft in Zusammenhang steht mit der betreffenden Landschaft. Also dort, wo die Landschaft eher karg is´, gibt´s sehr oft gegrillte Sachen. "Bei uns ist die Landschaft a bißl üppiger, daher haben wir diese vielen Mehlspeisen." Bösel: "Aha. Ums Siaße reiß i mi net so." Fellner: "In Indien zum Beispiel, die essen überhaupt nur Reis. Die sitzen auf der Straß´n, essen Reis, lachen dabei, manche verhungern. Das muß irgendwie eine ganz eigene Landschaft sein."



Wie aber muss es um eine Landschaft bestellt gewesen sein, wenn ihr die Banane als Symbol für Freiheit erwuchs?

httpderstandard-at1253807802383Boese-gaaanz-boese


Bildquelle: Standard

Wiedervereinigung: Scheinwerferlicht auf Verständnis und Sympathie ohne Mauer. Und nach diesen 20 Jahren?

Mittwoch, 30. September 2009

Scheissen kostet.

Der Besuch einer öffentlichen Toilette kostet mehr als wir für einen Liter Milch bekommen - diese denkwürdige Relationsüberlegung stellte eine Bäuerin anlässlich der jüngst gelaufenen Diskussion zum Milchpreis an.

Und heute im Morgenjournal bekundete ein Exponent von Ryanair, dass man künftig den WC-Besuch im Flugzeug kostenpflichtig machen wolle - dann brauchen wir nur mehr eine Toilette, die Flugzeuge können auf mehr Sitze umgebaut werden, Fliegen wird billiger.

Verkneifen Sie sich also die Notdurft, zumindest öffentlich, aber bitte: Trinken Sie Milch!

Sonntag, 20. September 2009

Absent.

Seit dem Flammenmorgen ist so viel geschehen, dass ich voller Wörter und Sätze bin, doch nicht Ruhe noch Kraft finde, sie niederzuschreiben. Und so werden die meisten davon dem ungeschriebenen Berg der Geschichten von gestern anheimfallen.

Montag, 14. September 2009

Herbst(an)fall

Kaum finde ich mich im späten Sommer zurecht,
kommt dieser Anfall von Herbst mit kühlem Regen und zwingt mich zu Erinnerungen zurück.

abendleuchten

Sonntag, 14. Juni 2009

Sommeranfall

In diesen wachsenden Tagen hat Frau Alma Besseres zu tun als hier sich elegisch zu verbreiten.


Vielleicht schickt sie eine nahe Freundin vorbei, aber auch das ist ungewiss.
Gewiss nur: Lind(en)nächte. Und -tage.


steilwiesenarchitektur


[Innervillgraten, Steilwiesenarchitektur]

Sonntag, 31. Mai 2009

Wild Wild Web

Die Nutzer des Netzes reagieren empfindlich auf jede Einmischung in ihren Lebensraum ist in der Titelgeschichte der ZEIT zu lesen - manche auch auf Nichteinmischung, aber der Satz ist ja anders gemeint, Einmischung von außen, und außerdem ist es nicht an mir, BB zu betreiben :)

Nachmittagskaffe auf dem sonnigen Balkon, reichlich Lektüre, die Arbeit wieder mal ins Morgen verschoben, dafür noch Laufprogramm anvisiert und einen abendlichen Seeausflug zur Nahrungsaufnahme. Sonntag eben.

***

Titeländerung nach der ersten gelesenen Seite.
"... Weil jeder Kontrolle, Jedem Eingriff, jedem Regulierungsversuch ein mächtiger Gegner gegenüberstand. Eine große, unwiderstehliche, überwältigende Erzählung. Ein Heilsversprechen. Eine Ideologie: die Ideologie vom wilden, freien, unabhängigen Internet, in dem keine Regeln gelten. Und keine Regeln gelten sollen."
Freiheit vor Recht. Der Mensch aber ist der Freiehit nicht gewachsen. Oder, in Abwandlung: die Freiheit ist dem Menschen nicht zumutbar.

Samstag, 9. Mai 2009

oh mother!

Margit Schreiners Geschichte im heutigen Standard hat mich an längst vergessene Peinlichkeiten erinnert: den Topf mit mickrigen, bald verfallenden Vergissmeinnicht um fünf Schilling (woher hatte ich nicht mal 12jährige damals das Geld? Taschengeld gab's vor über 40 Jahren nicht) - irgendwie hatten die Blümlein ein dezenter Hinweis an meine Mutter sein sollen. Oder an das rosafärbige Tablett mit geflochtener Peddingrohrumrahmung, die bemalten Blumentöpfe ....

Vor zwei Tagen hatte ich mich in einen Disput mit einem mir im Grunde lieben Koch verstrickt, der als Muttertagsmenü Rindsfilet mit Spargel und Gratin (ok es heißt "vom heimischen Ochsen" und Heiße Liebe anbietet, dabei hat er normalerweise wesentlich Kreativeres in petto. Und ok ok ich weiß, an dem Tag kommen Familien, die sonst nie den Fuß über die Schwelle setzen, und für die Muttis und Omis soll keine Verwirrung geschaffen werden, ein Tag auch, um ein bissl Geld zu machen - aber dennoch, bei aller feinen Kocherei auch mit schlichteren Rezepten, muss das so sein? Und wozu überhaupt: Muttertagsmenü? Ist wie Kinderkarte, Ghetto für Unverständige, das hat mich glaub ich echauffiert. Überhaupt irgendwie ein Mutterghettotag, das.

Immerhin lieb vom Standard, auch an mothers little helpers zu denken, aber mir ist jetzt mehr nach den erfinderischen Müttern zumute. Und Frühstück zur Unzeit bleibt mir erspart, die Kinder schlafen aus.

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katiza - 2009-11-18 12:39
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steppenhund - 2009-11-17 14:29
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ConAlma - 2009-11-16 23:09

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