speisenreisen

Mittwoch, 24. November 2010

Lebenshilfe:Essen

Fremdessen einmal anders: auf dem Weg zu den Spazierwegen und zum zenbuddhistischen Masseur gelegen, wähle ich mir neuerdings das Café der Lebenshilfe zur Einkehr. Montag bis Donnerstag ist es geöffnet, nur mittags: an zwei Tagen Fleisch, einmal Gemüse, einmal Fisch, zweimal mit Suppe, zweimal mit Dessert. Das klingt jetzt nach einem dieser Kombinationsrätsel: was gehört zusammen? Wie viele Menüs gibt es? Und wann ist der vegetarische Tag?

Keine Fotos hier, die Gerichte, so solide sie auch zubereitet sein mögen, sind nicht so fotogen, und das Servicepersonal zu fotografieren erschiene mir fast obszön. Da ist der junge Mann mit schwabbelnden Busen, der hinter seiner dicken Brille scheu blinzelt und so in Vorlage geht, dass man fast befürchtet, die Speisen könnten vom Teller direkt auf den Tisch gleiten. Doch er hält das Geschirr mit beiden Händen fest und sicher, nimmt auch die Bestellungen auf, kreuzt auf einem kleinen Tablett liegenden Menü- und Getränkezettel die Wünsche an. Da ist das Mädel mit dem langen Haar, das beim Sprechen immer die Zunge zwischen den Zähnen hat und viel zu geschwind ist beim Abräumen, damit nur ja kein gebrauchtes Geschirr den Tisch verunziert. Oder die andere, dürr und nervös, die plötzlich auf die Gäste zuschießt, ihren Namen nennt und die Hand so fest drückt, dass es schmerzt. Eine Neue ist auch dazu gekommen, verhältnismäßig zart mit Down-Syndrom, die kleinen Augen blitzen hellwach, sie trägt die grüne Schürze mit offensichtlichem Stolz. Es gibt viele Stammgäste und viele, die mehr als nur sporadisch hier essen: die Volksschullehrerin mit Montessori-Hintergrund, die Familie des Totengräbers aus der Nachbarschaft, der Ex-Bürgermeister und Ex-Nationalrat mit Gattin, die Gymnasiallehrerin in Pension, Handwerker auf Mittagspause, das Raumausstatter-Ehepaar, das auch in der Gegend wohnt. Schließlich ist das Essen gut und günstig, 5,50 fürs Hauptgericht, 7,50 fürs ganze Menü. Heute gab es Schwarzwurzelsuppe mit Kreuzkümmel, Kokos-Gemüsecurry, ganz mild, dafür mit Gerstl, Kohlrabi, weißen und schwarzen Bohnen, Karotten, Stangensellerie; dazu noch Salat von in dünne Streifen geschnittener Gurke, etwas Vogerlsalat und enthäuteten Tomatenvierteln, mit viel Dill im Sauerrahmdressing.

Ich hab nun auch eine Abokarte, die jedesmal mit einem Herzerl abgestempelt wird: das dreizehnte Essen ist gratis.

Montag, 9. August 2010

Frau Alma fährt.

Sie fährt nach St. Wolfgang am Wolfgangsee, weil jetzt Sommer ist, grad noch, und ihr Sommer immer erst dann beginnt, wenn die Schatten schon wieder länger werden und die Ernte eingefahren wird.

Ich begleite Frau Alma, weil ich dann vielleicht ein Quentchen an Erholungsmöglichkeit habe, obwohl ich mir schon wieder ein Vorhaben aufgehalst hab, von dem noch zu berichten sein wird. Deshalb fahren wir ja an den Wolfgangsee, weil es da möglicherweise sehr fein sein wird. Auch wenn's nur eineinhalb Tage sind. So ein Sommereinwurf. Am Donnerstag kommt schon wieder der Regen in den Westen, aber da wartet ja auch die Arbeit.

Irgendwann dann fahren wir noch richtig weg, in den Norden, ordentlich Norden, das teilen wir aber schon noch mit.

Aber erst mal da hin.

Mittwoch, 1. Juli 2009

eat art

Wie äßen Sie lieber?

Kühl

bluntausaibling

Bluntausaibling by Andreas Döllerer

oder warm?

fleischeslust

Teilstück eines Bildes von Petra Mühlmann, im Gannerhof ausgestellt

Wienessen

kurz & bündig:

wienessen

Samstag, 16. Mai 2009

rea (l) (good) food

Als ich sie das erste Mal sah, bestand sie aus großen Augen, einem überwältigendem Lachen und einem fast zum Platzen gespannten Bauch, stolz nach vorne getragen.

Der Bub läuft inzwischen auf eigenen Beinen fröhlich durch sein noch anfängliches Leben, und sie hat weder das Lachen noch ihr Eigenleben verloren. Die ihr zu eigenen Feinfühligkeit, ihr Spürsinn, ihre Suche nach Harmonie, ihre Neugierde formen sich in ihren Händen zu wundersamen Gebilden, die als fingerfood, Catering kalt und warm oder auch außergewöhnliche Tramezzini-Füllungen nur unzureichend beschrieben sind - es ist einfach rea food!

So zart und manchmal durchscheinend sie auch wirken mag - vor Abenteuern ist sie nie zurückgeschreckt, und so muss es auch nicht verwundern, dass ein indisches Angebot als bedenkenswürdig erachtet wird. Noch aber dürfen ihr Künste hierzulande in Anspruch genommen werden!

Samstag, 2. Mai 2009

Frühstückstisch

fruehstueckstisch


Eine der vielen kleinen Aufmerksamkeiten hier. Großzügig, geruhsam, Stressabbau-förderlich.

Erster Mai.Bock

Wann immer dieser Bock geschossen worden war - er kam pünktlich zum 1. Mai auf den Teller,

maibock


als zarter Rücken und saftiges Stück Haxerl, mit griffigen Topfenknöderl, Wildspinat ("Wo wächst der?" "Auf der Wies'n!") und Inzersdorfer Grünspargel. Traisental also, Traismauer genauer, bei Rainer Melichar und seiner liebenwürdigen Familie. Hauptgang in einem Menü voller Spannung, mit ungewöhnlichen Zutaten, etwa Zitronenkaramell als Salatmarinade. Am folgenden Tag zu Mittag dann bodenständige gefüllte Schweinsbrust, die macht die Schwiegermutter, flaumig-zarte Semmelfülle, Kartoffel in der Schale, leicht angeröstet, wie vom offenen Feuer, mit grobem Salz bestreut, und ganz viel Natursafterl, besser geht's nicht.

Freitag, 20. März 2009

1872 m fühlen sich gut an

zum Beispiel an der Grenze zwischen Paznaun und Samnaun.

hoehengrenze


Gefühl für Schnee: lange, breite, weite Pisten für ungehindertes Gleiten, perfekte Bedingungen für eine Konditionslose wie mich.

Genüsse an der Sternengrenze an den Abenden,
zum Beispiel best backerl & bries ever

backerl-bries

Mittwoch, 19. November 2008

Burano im November

Novemberreisen haben ein besonderes Licht, in der Lagune ist es ein stilles Schimmern. Um drei Uhr nachmittags reicht die Sonne nicht mehr an die Hausmauer des Riva Rosa in Burano, die kleinen Fischerhäuser aber leuchten noch in ihren Bonbonfarben, Venezianer und Dorfbewohner flanieren zum Sonntagsnachmittagsspaziergang durch die Gassen neben den Kanälen, überall hängt die Wäsche an den Leinen.

Wir nehmen doch noch im Freien - Mitte November im Freien und im Schatten, wer hätte das gedacht! sagt der Hirsch - Platz zu einem späten Mittagessen, den letzten Branzino in sale hatten schon andere gegessen, die orata al forno mit reichlich Gemüse, Oliven und Kapern ist wohl nicht minder vorzüglich. Questa qualità die pesce non si trova a Venezia, sagt der souveräne und charmante Kellner, 'sta freschezza, mai! Vor allem aber auch die umfangreiche Weinkarte könnte mich zu regelmäßigen Besuchen verführen, das Oberstübchen im zweiten Stock mit dem einen großen Tisch mit Lagunenblick und die kleine, überm Dach aufgesetzte Terrasse als intimes Refugium und perfekter Platz für lange Sommerabende sowieso.

Daheim riecht's nach Schnee.

Mittwoch, 20. August 2008

Bodenhaftung

Auf der Suche nach dem entschwundenen Lieblingswirt wollten wir den Weg erst über kleine Pässe und dann der Südgrenze des Landes entlang nehmen, das Spuckerl* wär grad das rechte Fahrzeug dafür gewesen.

Doch Unwetterwarnungen ließen uns das Land von West nach Ost im kommoden Reisewagen queren, gut für (W)einkäufe. Am Retourweg tat's dann doch weh, die durchwegs in makellosem Sommerlicht sich öffenden Landschaften vom Grassnitzberg über Soboth, Rosental, Gailtal und Pass Thurn nach Haus nur "von oben" zu sehen, statt sie, mit reichlich triumphener Bodenhaftung, fast greifbar nah zu erfahren.

Aber die kleine Fahrt zum Osteopathen tags darauf, kurvenreich über Sudelfeld und Tatzelwurm führend, entschädigte ein wenig und ließ den Unterschied in Straßenlage und Unmittelbarkeit des Fahrgefühls noch deutlicher werden.

Der Lieblingswirt ward jedenfalls gefunden, kein Wirt allerdings mehr, sondern Projektvisionär, gastronomischer Mentor, strahlender Wegweiser innerhalb eines ehrgeizigen Gesundheits-Genuss-Unterfangens. Dafür aber führte er uns zu seinem neuen Lieblingswirt, der auch sofort der unsrige sein könnte, läge er denn bloß ums Eck, wie sich's für einen Lieblingswirt gehört. Best Backhendl ever. Lammleber. Rehbeuschl. Atemberaubendes Fingerspitzengefühl mit nur 23 Jahren.

extrazimmer



*[nicht das unsrige, aber die Landschaft passt ;-)]

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karrri - 2014-06-24 12:18
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uferlos - 2011-10-08 00:28
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lasst mir noch ein bissl zeit. vielleicht gibt es ein...
ConAlma - 2011-10-07 11:40
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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
!
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books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
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profiler1 - 2011-10-06 21:55
Erwischt... und Sie fehlen...
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katiza - 2011-10-06 10:34
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ConAlma - 2011-10-05 23:45

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