gesehen

Montag, 25. Februar 2008

Rouge

Es sei, sagt der alte Richter, doch einem Mangel an Bescheidenheit zuzuschreiben, wenn man bestimmen könne, was Wahrheit sei. Selbstgefälligkeit? fragt die schöne junge Frau.

Rot, der letzte Teil der Drei Farben, war heute wiederzusehen. Trintignant in einer Altersrolle - was für ein transparentes Gesicht! Und Zbigniew Preisners wunderbar schwebende Musik trägt nicht nur durch den Film, sondern lässt mich zu seinem Ende in eine plötzliche Traurigkeit verfallen. Ich denke an den akuten Schmerz der einen Tochter, an die Verzweiflung und die Sorgen der einen Freundin, nehme vielleicht eigene künftige Traurigkeiten vorweg.

Weiß und Blau hab ich versäumt diesmal ...

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Männeraufbewahrungsanstalt

Salzburg kümmert sich um die Männer:

maenneraufgewahrung

Donnerstag, 4. Oktober 2007

kunst-wurscht

Mit Dank an Adele

Freitag, 17. August 2007

Trakl in Salzburg

trakl-klein

Dienstag, 17. April 2007

Days of Wine and Blossoms / Hallelujah

Rosen wuchsen auch, später, eine sehr schöne zu beschwingter Nachtstunde in der Himmelsbar. Der Sonntagvormittag aber blühte weiß.

Blueten

Am Abend entfalteten sich Stimmen, ließen den Goldenen Saal erneut glänzen - dem Altruismus eines besonderen Menschen dankte ich ein tiefgreifendes Musikerlebnis. Die sich bis zu einem überwältigenden Hallelujah steigernde Intensität von Orchester, Dirigent und vor allem Chor war zunächst eindrücklich an meinen Händen zu spüren; wie sehr der ganze Körper sich hatte mitnehmen lassen von dieser Musik, war erst danach am anhaltenden Schwindel abzulesen.

Zum Ausklang dieses Abends fanden zwei Dreiecke zu einem Viereck zusammen, etwas windschief zunächst noch, doch in der Fortsetzung eines nächsten Abends wurde das Gefüge immer geschmeidiger - nicht zuletzt dank feinen Weinflusses.

Was aber am Beginn der Fahrt noch verschlossen schien, öffnete sich mit jedem Sonnentag mehr, war heute ganz aufgebrochen: Flieder! Doch irgendwann endet jede Reise.

Donnerstag, 8. März 2007

Verurteilt zur Landschaft

Ich stehe auf dem Balkon einer Villa über dem Bodensee, genauer dem Untersee und blicke auf die aufsteigenden Nebel über dem Wasser. Noch ist alles ruhig rundum, der bereits begonnene Frühling hält für einen Tag inne. Ich versuche mir vorzustellen, wie es sei, in diesem Viel an Landschaft zu leben. Ein schönes Paradies. Zum Kotzen schön fand es Otto Dix. Es ist seine Villa, in der ich durch die noch stillen Räume gehe. Die Familie - Jan, einer der Söhne, und Andrea, seine Frau - bereiten das Haus , nunmehr ein Museum, für die bevorstehende Saison vor.

Wenige Kilometer weiter war Hermann Hesse ganz anders in die Landschaft eingetaucht. Keine Verurteilung zur Natur, sondern eine geradezu religiöse Beziehung zu ihr, nachvollziehbar in den Texten, und zeigt sich auch in den großformatigen Fotos beim Höri-Museum in Gaienhofen: träumerische Innigkeit mit Sonnenblumen und Tomaten.

Donnerstag, 1. Februar 2007

Kunst vorm Essen

Gestern empfand ich es als sehr angenehm, dass im Gebäude, in welchem ich zu speisen geruhte, auch eine Galerie untergebracht ist: so musste ich die Zeit, die ich umständehalber zu früh gekommen war, nicht in der mir für diese Vorabendstunde zu lauten Bar durchbringen, sondern konnte mich den Wahren Bildern widmen. Bühne, Kulisse, Inszenierung - wieviel davon betrifft mein Leben, auch ohne Kamera? Vor allem aber Erwin Wurm und René Magritte mit ihren Absurditäten führten mich in lächelnde Leichtigkeit.

Dienstag, 16. Januar 2007

Sollte ich wiedersehen: den Nachtportier.

Vorhin in Kulturzeit auf 3sat: die leidenschaftliche Schilderung einer Wiederseh-Begegnung mit Liliana Cavanis "Nachtportier". Ganz abgesehen davon, dass Charlotte Rampling immer schon zu meinen Großen Darstellerinnen gehört hat und ich diesen Film seit damals nicht mehr gesehen habe, sollte er nun in allen Details der Erzählung und Darstellung viel verständlicher sein, so dreißig Jahre später. Auch die brisante Täter-Opfer-Beziehung, wie sie eine Zeit lang zum Beispiel hier (und in weiteren Einlassungen drumherum) angesprochen wurde, kann heute erst so recht verstanden werden.

Viele Gründe also zum Wiedersehen.

Donnerstag, 11. Januar 2007

Kunst im Schein des Blitzes: Nobuyoshi Araki

Nach drei Tagen Weinberge an der March dürstete mich nach Kunst; heute am Programm, gerade noch rechtzeitig: der japanische Fotograf Nobuyoshi Araki mit Love by Leica. Ich kannte Araki schon von früheren Ausstellungen, er hat ein Faible für Österreich - oder Österreich für ihn. Jedenfalls sind die großformatigen Kinbaku-Bilder (Bondage-Sujets) extra für Wien aus dem Fundus gesucht.

Ich bin die Kamera sagt er; zu den bevorzugten Objekten seines suchenden Auges zählen Frauen. Vornehmlich nackt. Und bisweilen gefesselt. Die Seele lässt sich nicht fesseln (gut), die Körper schon (nun, auch gut).
Mit seinen frühen Tabubrüchen wurde er zur Kultfigur; ich mochte heute besonders die morbiden farbleuchtenden Blumenbilder der Serie "Flower and Jamorinsky" - auf welkenden Blumen eine trockene, teilweise zerfressene kleine Echse: der welkende Schwanz des Künstlers.

Die Galerie Westlicht ist aber auch ohne Araki (nur noch bis Sonntag!!) einen Umweg in die Westbahnstraße wert: mit Leica-Shop nebenan und der permanenten Ausstellung alter Geräte.

Freitag, 27. Oktober 2006

Das geheime Leben der Worte: Die Scham des Überlebens

Der gestrige Tag war so erfüllt gewesen, und doch war noch Platz für einen Kinobesuch, da dieser Film nur an diesem einen Abend hier zu sehen war. Zwei beschädigte Menschen treffen aufeinander, in der Atmosphäre einer stillgelegten Ölplattform. Er sieht nichts, sie hört nichts. Wenn sie nicht will. Ein traumatisches Erlebnis hat ihr den Gehörssinn genommen, sie kann sich mit dem off ihres Hörgerätes aus der Welt entfernen. Aber sie, Hanna, scheint auch sonst nicht in der Welt zu sein, lebt ein solch reduziertes Leben, das in seiner Einfachheit und Stringenz zunächst so verlockend scheint, in den Bann zieht - doch als sie sich gegenüber dem vorübergehend Blinden Josef (großartig: Tim Robbins), der sich ihr nach und nach offenbart in seiner schuldhaften Verstrickung, anvertraut, trifft es den Zuseher mit einer Vehemenz, die keine Distanz mehr zulässt.

Hanna gehörte zu den mit unvorstellbarer Gewalt missbrauchten Frauen des Balkankrieges, dieses vergessenen Krieges, die kaum Kraft zum Überleben hat und noch weniger zum Sterben. Vor allem aber ist es die Scham des Überlebens, die sie so unscheinbar macht, zu einem perfekten Rädchen in einer trostlosen Maschinerie. Die Tage zwischen den wenigen Menschen auf der Bohrinsel, jeder von ihnen eine eigene Insel, die nur in Ruhe gelassen werden will, öffnen sie langsam, lassen sie neue Geschmäcker erleben und Worte wieder zu ihr dringen. Die eindringlichsten kommen von Josef, der die Frau seines besten Freundes geliebt hat, dieses ihm auch gestanden hat, und ihn vor dem Feuertod nicht zu retten vermocht hat: Scham auch hier, doch im Vergleich wiegt alles weniger, und vielleicht sucht er deshalb Hanna, die nach erfolgreicher Pflege verschwunden ist.

Auch wenn das scheinbare Happy-End des Filmes irritiert: die Regisseurin Isabel Coixet muss man sich merken. Sarah Polley sowieso.

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montgelas - 2008-05-16 15:22
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steppenhund - 2008-05-15 11:46
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ConAlma - 2008-05-15 07:35
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walhalladada - 2008-05-12 12:15

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