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privat

Donnerstag, 12. November 2009

Who's that girl?

Niemals war ich älter als heute.

me




Who?

Dienstag, 10. November 2009

Titanbrust.

"Erschrick nicht", schrieb sie, und weiter: "Sorge dich nicht". Kein Anruf, auch kein sms, nur eine trockene Mail, spätabends, die andeutete, nicht aber aussprach. Eine Untersuchung hätte es gegeben, mit einem Verdacht, und eine genauere, mit einem Ergebnis. Erst heute die Details, mündlich, weil ich sie dazu zwang, hab sie vom Frisör abgeholt, "nein, warte nicht, es dauert noch"; sie schien zwischen Erleichterung und Abwehr zu schwanken, es sei ja nichts, sie spüre ja nichts, die Koordination zwischen Augen und Händen mache ihr mehr zu schaffen.

Selbst auf mein Drängen hin blieb sie wortkarg, in die Klinik sei sie dann halt gefahren, es wurde gleich eine Biopsie angeordnet, und ja, positiv, ja was denn nun? werfe ich ein, na positiv eben, sagt sie, ungehalten. Kein einziges Mal spricht sie aus, was sein könnte. Nur Oberfläche? Oder invasiv? Das Wort KREBS jedenfalls spricht sie nicht aus, ich bleibe im Ungewissen. So professionell waren sie dort, sagt sie nur, und damit die Stelle wiedergefunden werden könne, haben sie ihr einen Titanfaden in die Brust gelegt. Und weiter? frage ich ungeduldig. Das wird sie morgen mit der Hausärztin besprechen, wenn sie den Befund hat, aber für eine Behandlung will sie nicht immer so weit fahren müssen. Ich bringe dich! sage ich; nein, du stehst so früh auf, das ist nichts für mich, wehrt sie ab, das muss auch hier gehen, und sie steigt aus dem Auto aus, als sei nichts gewesen, keine Umarmung, kein Fallenlassen, nichts. Meine Mutter.

Montag, 28. September 2009

Der plötzliche Tod des Piraten

Das Höchste, das man als Mensch erreichen kann, ist Tiroler zu sein. So zitiert eine Tochter ihren Vater, als eine Messe gelesen wird ihm zu Ehren und zum Tode in seinem Heimatdorf, seiner Herkunft; dem Zuhause, das den fremdgeborenen Kindern als einziger Fixpunkt auch eins geworden ist. Diese Messe in der goldgänzenden Barockkirche, mit den Fürbitten lesenden Dorfkindern und den routiniert betmurmelnden alten Frauen und dem unsensibel trockenen Pfarrer, der nur eine Pflicht herunterzuleiern scheint, und die flotten Weisenbläser als feine und doch seltsame musikalische Umrahmung, das alles mag dennoch, trotz diesen Tirolerstolz-Satzes, nicht so recht passen zu dem Mann, den ich als wilden, immer nach neuen Grenzen suchenden Koch in seinem Global Bistro kennenlernen durfte. Denn da ist auch das Erinnerungskärtchen, das bei Begräbnissen immer mitgegeben wird, mit den Lebensdaten und dem Foto des Verstorbenen: und auf der Vorderseite ist nicht ein heiliges, trauerwürdiges Motiv, sondern eins seiner Gerichte, das letzte, das er, der Sepp, kreiert hatte, bevor er so plötzlich gestorben war.

parte-pirat

Als ich um die Kirche herumging, durch diesen wunderbaren Friedhof, nur schmiedeeiserne Kreuze, an jedem Grab brannte ein Licht (Wer zündet all diese Lichter an? fragte verwundert eine der asiatischen Verwandten oder Freundinnen), kamen manche auf mich zu und fragten: Und Sie sind sein letzter Gast gewesen? Ja, wir waren dort gewesen am Vorabend dieses plötzlichen Todes, wie wir so oft (ich wohl weniger oft als die Freunde) dort beieinander gesessen waren, wir hatten auch Piratensuppe gegessen, und als ich meinen 50. Geburtstag dort gefeiert hatte, da hat er uns diesen fantastischen Napoleon-Burger gemacht.

kokoro_napoleon_klein

Doch dann stand ich auf einmal auf diesem Dorffriedhof und umarmte die Witwe, diese wunderschöne Frau, die immer so ruhig und fürsorglich und viel zu unbeachtet im Hintergrund für unsere Bewirtung gesorgt hatte, und nichts schien mehr wahr zu sein.

Samstag, 5. September 2009

Lost People

gormley


Unterwegs mit der Mutter. Drei Tage in Vorarlberg, heute zeigte ich ihr ein Bregenz, das sie nicht kennt. Vor 55 Jahren hat sie hier ein Jahr im Sacre Coeur als junge Lehrerein, eben von der Gewerblichen LBA aus Wien kommend, unterrichtet, adelige Mädchen, Töchter aus guten Häusern. Sie hat wenig Erinnerung an die Stadt damals, denn die war nur ein Zwischenort gewesen unter den Stationen ihres Lebens (zu denen, nicht vollzählig freilich, wir Kinder ihr je eine Reise zum 80. Geburtstag schenkten). Viel lebendiger waren ihr die Menschen aus jener Zeit geblieben, Mitglieder einer Laienschauspiel-Gruppe, mit denen sie viel unterwegs gewesen war - aber den Verehrer von damals haben wir nicht erreicht.

Die Antony Gormley-Ausstellung im KUB hat uns gleichermaßen beeindruckt und verstört,; vom Pfänder aus weit über den Bodensee hinausblickend fanden wir dann wieder zu versöhnlicher Ruhe. Wenn ich den Erzählungen meiner Mutter aus jenen Jahren zuhöre, wird sie zu einem ganz anderen Menschen, einem viel vertrauteren sogar in diesem seinen frühen Frau-Sein, als sie als MUTTER jemals gewesen ist, gewesen sein konnte. Das Verständnis dafür erschließt sich erst aus diesen Erzählungen.

Sonntag, 23. August 2009

Manderbild mit Dame

Mander, sagt der Hirsch, wenn er die Gruppe seiner verstreuten Freunde, einst Arbeitspartner ("Netzwerk" würde das heute heißen) zu einer geeinten Aktion bewegen will, Mander, wia moch ma des?

Sie waren fast alle gekommen, den bevorstehenden Geburtstag des Hirschen vorzufeiern, Sterne zu schauen, zu wandern, zu essen und zu trinken, zu reden. Sie kamen aus Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten, Osttirol; der jüngste wird 60, ist erst spät zu dieser Kaufmannsgruppierung hinzu gestoßen, sein Vater war Gründungsmitglied gewesen. Der beste Freund, ein Jäger, wird 70, die anderen sind 80, 82, 83. Der Bruder, auch schon über 80, der sich von selbst nicht mehr auf den Beinen halten kann, lässt sich dennoch einen kurzen Besuch im Sommerhaus nicht nehmen, die Idee zur Gruppe stammte von ihm. Für wenige Augenblicke blitzen die Augen noch einmal auf, kehrt etwas von deren lebendigem Glanz zurück bei einem, der sich von überbordender Heiterkeit in die absolute innere Emigration zurückgezogen hat.

Zwei Tage, sechs Männer und ich. Mir kommt immer der Kopfplatz an der Tafel zu, beim späten Abendessen unten nahe des Sees, beim Frühstück im Garten der Konditorei, beim langen Abendessen an der warmen Abendseite des Häuschens, bei Forelle blau und dann stundenlang geschmorter Lammkeule. Sie sind allesamt noch trinkfest, die Gespräche bewegen sich um Persönliches und Historisches, die Akribie des einen Geschichtsbeflissenen vermittelt neue Blicke auf scheinbar längst Vergangenes, das doch im kollektiven Gedächtnis der Völker gespeichert bleibt. Nächtliche Heiterkeit unter Sternenhimmel, unbeschwerte Stunden, die die gewachsene, nachhaltige Nähe dieser Männer dokumentieren.

Mander, es war Zeit nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, zu spüren.

Montag, 10. August 2009

Sommerhaus, Sonntag.

An der Abendseite stand ein Strauß aus fruchtbehangenen Zweigen.

abendseite

Es gab gerührtes Schaf, Strudel mit Ziegenkäse, Marillen und Nüssen, Tabbouleh, Garnelenquiche, und noch anderes. Die Freunde waren gekommen, das entfallene Beisammensein vom Juni nachzuholen, ein kleinerer Kreis, ohne die Familie, aber doch irgendwie geburtstäglich, nachträglich, sonntäglich, gemütlich die Stunden vom warmen Mittag bis in den kühlen Abend ziehen lassend. Alles war da vor mir, vor allem Geborgenheit, und doch war mir, als wäre Ich, dieses Ich, gar nicht anwesend.

Das kleine Mädchen, das mit war, wollte beschäftigt sein, wir bastelten Boote,

segelhafen

sie schnitt mit dem Messer Früchte vom Baum und bastelte Bilder:

kriecherlgesicht

Es war ein Sonntag wie in einem französischen Film.

Donnerstag, 6. August 2009

Sommerhaus, früh.

sommerhaus

Erste Schritte in die Gebundenheit. Kurze Nacht und langer Gesprächsmorgen. Taunasses Gras unter den nackten Füßen, Brunnengemurmel und Morgennebel. Und dann ein strahlend klarer Tag.

Sonntag, 2. August 2009

Gefühltes Daheim

Soll ich ihn binden? Lässt er sich binden? Will ich, darf ich gebunden sein? homeless me...

Sonntag, 17. Mai 2009

Familienfest

Der Vater entschuldigt sich dafür, die Frau mit fünf Kindern allein gelassen zu haben. Die Mutter bedankt sich, dass er ihr zumindest finanzielle Sorgen erspart habe. Die eine Tochter bedankt sich, dass die Mutter die Idee zu diesem Familientreffen gehabt habe. Die andere Tochter klagt, mit einem kurzen Blick auf die unreflektierte Selbstverständlichkeit des Mutterseins, die stattgefundene Benützung der Mutter an und entschuldigt sich im Namen der Geschwister für die gefehlt habende Wertschätzung ihres Tuns unter Verzicht auf (oder Unmöglichkeit von) Eigenleben; nicht jeder hat das Glück wie ich, eine Tochter zu haben, die zumindest einmal in der Woche ein "ich hab dich lieb, Mama" bekundet.

24 Stunden Familienfest, anlässlich des 80. Geburtstages der Mutter trafen aus West, Ost und Süd Mitglieder einer Familie in einem Dorf mitten im Wienerwald zusammen, die einander teilweise seit langen Jahren nicht gesehen hatten - oder noch gar nie, wie die Enkelkinder die Kinder der Großtante. Die sind anders, sagt die eine Enkeltochter, das dachte sich die Familie meiner Tante vielleicht auch von uns.

Doch sonst das gewohnte lebendige Durcheinander, immer ein wenig zu laut, in Teilen ausufernd, die Eltern nebeneinander, in nicht mehr von der Vergangenheit belastetem Gespräch, die fünf Geschwister quer über die Tafel hin und her rufend, deren Kinder, ob noch Kind oder schon erwachsen, in fröhlichem Kartenspiel vereint. Das Familientrauma scheint endgültig ein Gewesenes, nur in Nebensätzen der Schwester erahnt man deren zutiefst erlebte Verletzung noch da und dort flammend. Ihr Ehemann, Tiefbauingenieur, geht wohl mit ihren Tiefen sorgsam um.

In den Dank des Vaters eingeschlossen: das trotz seiner Abwesenheit "großartige" Werden nicht nur der eigenen Kinder, sondern auch der Kindeskinder.

the-kids-are-alright

the kids are alright

Sonntag, 3. Mai 2009

Trägheit, wider.

Ich setze die trägen Hüften und Oberschenkel in Bewegung. In den letzten Sonnenstrahlen, die noch über den Bergkamm kommen, laufe ich durch widersprüchliche Düfte, aus den Gärten Flieder und anderes blühendes, allzu süßes Gesträuch, am Waldrand unter stillen hohen Kastanien und Linden die konservierte Feuchte der letzten Tage, und zuletzt, am Inder vorbei, staubiger Curry minderer Qualität.

Ich erlaufe mir, aus der Weite zurückgekehrt, wieder die Enge der beginnenden Bergwelt, aber diese Woche wird sich noch lange bemerkbar machen, 19 Jahre mühsam erarbeitete Akzeptanz der Umgebung mit zuletzt gelungener Friedfertigkeit brach plötzlich weg, da ich dort, wo ich zu atmen lernte, die herzwärts wachsenden Wurzeln so unmittelbar spürte. So laufe ich durch meine eigenen Ambivalenzen, Werte da wie dort, was gilt?


Keine Nachricht vom Geliebten, der bei sich daheim harrt, die eine Tochter gebärt seit 18 Stunden ihr zweites Kind, vor vier Jahren war's ein Kaiserschnitt, diesmal sollte es eine natürliche Geburt werden, ich wage nicht anzurufen, gestern waren da so dunkle Ahnungen ....

Edit: "nur" 13 Stunden, Kaiserschnitt, Helene. Ich muss seine Ängste, von denen ich freilich nichts wusste, übernommen haben. Wer erst den Sohn, ganz klein noch, und viel später die Frau, qualvoll, verloren hat, ist solchen Vorgängen wie einer längeren Geburt nicht mehr mit Ruhe gewachsen.

Diese hier haben wohl auch tiefgreifende Wurzeln:
alte-rebe

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katiza - 2009-11-18 12:39
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dfw - 2009-11-18 07:26
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steppenhund - 2009-11-17 14:29
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ConAlma - 2009-11-16 23:09

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