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geschichten von gestern

Sonntag, 26. Juli 2009

lightning

Feier.Abend. Hoffnungsvolles Licht

rainbow

und Gegenlicht, das Leuchten macht.

gegenwolken

Dienstag, 23. Juni 2009

Umkehr.

Vor einer Woche befiel mich Wehmut, weil die wachsenden Tage gezählt waren, ein Auskosten nicht mehr ausreichend möglich. Nun kürzen sie wieder, und diese Gewissheit macht mich ruhiger. Der gestrige Morgenblick in seiner nahen Schneekühle passte da gut:

nachsonnwend

Leutasch, 7:30

Freitag, 9. Januar 2009

Der Geruch von gekochter Milch

Scharlach - das war zu meinen Volksschulzeiten noch ein F'all für Desinfektion, Quarantäne, Krankenhausaufenthalt in einer geschlossenen Abteilung für vier Wochen. Bei mir war's über Ostern, Scharlach-Pavillon im Wilhelminenspital, Besuch nur hinter Glas. Die alte Krankenhausarchitektur wusste ich damals nicht zu würdigen, die entwürdigende "Pflege" ist mir bis heute so präsent in der Erinnerung, als wär's nicht über 40 Jahre her.

Ich war ein Beispielfall, durfte mich von Studenten examinieren lassen. Und so lag ich, knapp 10jährig, auf dem Untersuchungstisch, sie schoben mir das Hemdchen hoch, unter dem ich weiter nichts trug, um den Ausschlag begutachten zu können. Und so lag ich da, hilflos, ausgesetzt, angestarrt. Und dann die Zunge: die Himbeerzunge. Mach den Mund auf, sagten sie, ich schüttelte den Kopf, presste die Lippen aufeinander. Doch ich musste, und so sahen sie keine Himbeerzunge, ich hatte zuvor ein Schokolade-Osterei gegessen. Aber ich konnte das nicht als kleinen Triumph verbuchen für die Schmach der Nacktheit, ich fühlte mich so ohnmächtig und verlassen.

Schon um 6 Uhr morgens mussten wir ins Bad, Badewanne, danach mit nassen Haaren wieder ins Bett gesteckt. Die Putzfrau war eifrig mit lüften, als ich entlassen wurde, hatte ich fast eine Lungenentzündung. Und dann war da die Milch in der Früh, die war einmal so verkocht, dass ich danach nie mehr Milch pur trinken konnte, auch nicht kalt. Vorhin ist mir die Milch für den Kaffee übergekocht: der Geruch hat mir sofort wieder die alte Scharlachgeschichte hervorgeholt. Wär da nicht ein etwas älterer, lieber Junge gewesen, der mir manchmal am langen Esstisch gegenüber saß und ebenso wie ich am Sonntag in irgendwelchen übertragenen fremden Gewändern zur Kirche ging (das war Pflicht - eine Extra-Messe für die "Aussätzigen") und dessen Anwesenheit mich zu Tapferkeit anspornte, ich hätte wohl öfter ganz still ins Kopfkissen geweint.

Dienstag, 6. Januar 2009

Einhundertzehn

Die nächtliche Autobahn liegt in Düsternis. Der Himmel hängt weit übers Mittelgebirge herunter, Sterne und Mond verkriechen sich in ihren Nebelverstecken. Aus der Eintönigkeit gedrosselter Geschwindigkeit reißt ein plötzlich über dem Kopf auftauchendes Leuchten, weiße Ziffern in rotem Kreis, Einhundertzehn! ruft es in die Dunkelheit, und wenige Meter danach wieder: Einhundertzehn! Und wieder ein drittes, viertes, gar fünftes Mal, wie sähe dies bei David Lynch aus? Da wüchse diese Geschwindigkeitsansage plötzlich aus der Fahrbahn heraus, käme direkt auf den Schädel zu, riesengroß, und knallte gegen die Stirn. Trotz Schwere des Beines ist der Fuß nicht in der Lage zu beschleunigen, Hundert zeigt der Tacho beharrlich, ein irritierend flirrendes Hosanna in Excelsis ertönt aus dem Autoradio, schwebt mir mir durch die Nacht, Orgel, Stimmen, Akkordeon, mittelalterlich und doch nicht, Zeitton, Hosanna, wie lang noch der Weg?, Einhundertzehn wandert beharrlich über den Kopf hinweg, doch endlich erlöst die ungerührt in Talesmitte thronende Festung in ihrem nächtlichen Lichtgewand.

Samstag, 3. Januar 2009

Foolish Things

Freilich fielen mir Geschichten ein oder Gescheh'nes zu erzählen, dass ich so früh im Jahr wie nur einst zu Schulzeiten auf der Piste war, Hasensprung und Weibermahd, Neujahrsschilauf, weil ich den Hirschen zu einem spontanten Silvesterausflug nach Lech überreden konnte, nach getaner Arbeit, ja, diese getane, zu viel getane Arbeit der letzten Wochen ist es wohl, die mich so selten an die Tastatur treibt und mich, wenn einmal davor festsitzend, weniger an die Ausformulierung der Einfälle von Unterwegs denn vielmehr an foolish things (dankenswerterweise im heutigen Diagonal zu Simone de Beauvoir gehört) denken lässt. Nein, Neujahrsvorsätze gab es keine, es gibt nur viel zu tun.

Nun aber werde ich (der Dank geht an 3sat) das Schneegenuss-bedingt versäumte Neujahrskonzert nachholen, weil es offenbar Bemerkenswertes zu sehen gab - wie ist's wirklich gewesen, Musicus?

Sonntag, 21. Dezember 2008

Achtzehn: Steiß

Morgens um sieben ist die Welt noch dunkel.
(Der kürzeste Tag hüllt sich in trübes Licht, während ich dies schreibe; doch von morgen weg wendet sich wieder alles unaufhaltsam dem Wachsen zu.)
Schneegeriesel schenkt selbst der Autobahn friedliche Weichheit, der Winterwald zu beiden Seiten ist so Gedicht. Eine Stunde gut schenkt mir der Osteopath, Mitwisser meiner Haltung, die Wohltat seiner Hände. Seine Arme legen sich um Steiß und Schenkel, zu öffnen, wo der freie Fluß gefährdet, zu weichen, wo mit Kraft gehalten wird. Am Ende steh ich fest am Boden und vermeine doch, ganz leicht und schwerelos zu sein.

Montag, 15. Dezember 2008

Fünfzehn: Figln

Sonntagsausflug mit neuem Ritual: den alten Freund des Hirschen bei einer kleinen lokalen Advent-Kunstausstellung zu besuchen. Der alte Herr, gezeichnet von seiner Unbeweglichkeit in den Beinen, hält im Rollstuhl lächelnd Hof, hat Pläne - denn wenn auch die Hände gichtig gezeichnet sind, er zwingt sich zu Disziplin, malt kleine Aquarelle von Gebirgslandschaft und Stimmungen darin und möchte sich nun noch dem Hölzernen Glachter zuwenden. Für die Gitarre reicht seine Beweglichkeit nicht mehr, aber ganz ohne Musikausübung mag er auch nicht sein. Früher, da hat er gern gesungen, lateinamerikanische Musik, die hat er von seiner Schilehrertätigkeit in den argentinischen Anden mitgebracht. Dort war er in unseren Sommern, die Winter verbrachte er in Vermont, hat eine große Schischule gegründet, mit der Familie 30 Jahre ein Hotel geführt. Die ehemaligen Angestellten waren allesamt aus der Heimat, besuchen ihn auch heute noch - eben bei Gelegenheiten wie dieser Ausstellung.

Dass er, der ursprünglich Techniker mit Bürojob gewesen war, am liebsten in der Natur unterwegs war, so abenteuerlich als möglich, erfährt man so nebenher - und dies hat sein Leben und seine Lebendigkeit grundlegend geprägt. Die Berge haben unser Alter möglich gemacht, sagt ein Jugendfreund. Und inspiriert - private Quellen bekunden, dass er der Erfinder der Firngleiter vulgo Figl war - ein neuerdings wieder höchst aktuelles Gerät für Fortbewegung auf Schnee.

Montag, 8. Dezember 2008

Fünf: Teifi

Vor zwei Jahren war er noch selbst im Zottelpelz unterwegs, mit einer düsteren, selbstgeschnitzten Perchtenmaske. Der auswärtige Schulbesuch aber hat den Sohn von allen Ritualen daheim entfernt, die Maske hockt schwer oben auf dem Bücherregal. Was empfindet er als daheim? frag ich mich, sie sind keine Kinder mehr hat die neue Gefährtin des Kindsvaters entschieden, die Kinderzuflüchte bei ihm im Haus kurzerhand entfernt, ein Schlafzimmer draus gemacht, in dem nun nicht Kindheitserinnerungen, sondern ihr Krimskrams die Oberhand hat.

Vier: Charlotte

Der Geliebte hatte schon in der Früh die Zweige aus dem Garten geholt.
Aber schön, dass du danach fragst.
Barbara ist ein seltener Name geworden, zu meiner Schulzeit war er noch häufiger anzutreffen. Damals liebte ich Préverts Barbara und alles Französische. Eine falsche Französin und doch untrennbar mit dem französischen Kino verbunden ist Charlotte; sie mit ihrem heutigen Gesicht wiederzusehen versöhnte mich mit der Tendenz meiner Augenlider, an den Seiten zunehmend schwer auf die Augen sich zu legen. Welker Morgen, denke ich zuweilen und finde vor dem Spiegel Mutter wie Vater in meinem Gesicht.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Masturbatieareal

Es begann mit Quetschungen. Ich stand leicht nach vorne geneigt, in der Hüfte schräg gedreht, eine Hand zog erst an der einen, dann der anderen Brust, drückte sie nacheinander auf die Platte, ein Plastikteil presste sich mit großem Druck auf das Wenige, was mein Busen ist; das Luftanhalten für Sekunden schien Minuten zu währen.

Der junge Mann, der sich dann an mir zu schaffen machte, sprach in einer mir größtenteils unverständlichen Sprache. Masturbatieareal murmelte er, während er mit dem Stab durch die glitschige Masse auf meinem Oberkörper glitt.






Es heißt natürlich Mastopathie, aber da ich die routinemäßige Mammographie diesmal nicht im Provinzkrankenhaus, sondern in der Landeshauptstadt hatte machen lassen, bin ich mit sonst nicht kommunizierten Details versorgt worden.

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Die stehen ihr gut. Unglaublich, wie die Zeit vergeht!
steppenhund - 2009-11-17 14:29
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ConAlma - 2009-11-16 23:09

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