zettelkasten

Montag, 26. April 2010

In einem anderen Garten.

Ich saß in einem Garten, der wilder war als die wenigen Ausschnitte, die manchmal preisgegeben waren, und sah in ein Gesicht, von dem ich nichts kannte als die schriftliche Stimme, die ich oft einfach nur ritualhaft hören wollte. Ich wunderte mich nicht, dass die Frau an der Bushaltestelle so selbstverständlich da stand, nicht, wie selbstverständlich ich bei ihr sein konnte, ihren Tee zu trinken und mit ihr zu essen: die Lebendigkeit dieser Stimme verband all die kleinen Informationen, die ich im Vorüberlesen aufgesammelt hatte, zu einem kontinuierlichen Sein. Und so saßen wir im blühenden Garten und erzählten uns die Bruchstücke zweier Leben, die in der Auswahl des Erzählten so viel Verbindendes enthielten, wie es eben geschieht, wenn zwei Frauen, denselben Jahren entsprungen und in ähnliche Richtungen blickend, aufeinander treffen.

Sonntag, 30. August 2009

Klarsicht.

bergenklar

Bewegung bringt Ordnung, Berge aber schenken Klarheit.




Lech, Blick aufs Karhorn.

Dienstag, 20. November 2007

Im Dazwischen

Ihr Leben war noch viel mehr eines des Dazwischen geworden. Die Stunden, die ihr alleine blieben, waren im Unterwegs angesiedelt. Wo sie für andere da schien, empfand sie sich zwischen Kommen und Gehen. Dass sie dennoch als da wahrgenommen wurde, lag in den Spuren begründet, die sie hinterließ, sie suggerierten eine anwesende Gestalt.

Nur einer flüsterte ihr hin und wieder tief ins Ohr: Es tut gut, dich zu spüren. Das waren jene Momente, in denen auch sie sich spürte. Und da war.

Donnerstag, 26. Juli 2007

Machen Sie Sinn?

Irgendwann ist sie aufgetaucht, diese Phrase, aus Journalistenfingern, aus Politikermündern, wird unhinterfragt benützt, auch von denkenden Menschen, als wär sie immer schon dagewesen. Stimmt aber nicht. Ist aus dem Englischen "make sense" (wo es aber im Grunde in der Verneinung benützt wird) genommen.

Irgendwann stieß ich mich daran. Und seither ständig. Grad erst wieder, in diesem Blogmeer, irgendwo aufgetaucht, "xxx macht Sinn". Aber wie ist das denn mit dem Sinn? Ist der nicht in den Dingen? Da ist etwas, und in diesem Etwas wohnt ein Sinn. Das Ding macht den Sinn nicht. Hat ihn. Oder, wie es vor allem bei Verhaltensweisen so oft anzumerken ist, hat eben keinen. (Obwohl ich da der Meinung bin, dass immer eine Art von Sinn da ist, nur halt ein "negativer" vielleicht).

"Sinn machen" wird meist dort verwendet, wo gemeint ist "ist sinnvoll", "leuchtet ein". Und in der Verneinung "ist sinnlos". Über die Machbarkeit von Sinn denkt da niemand nach. Da könnte man ja gleich fragen, ob derjenige, der so unbedacht spricht, selbst Sinn macht?

Sinnstiftend mögen viele Angelegenheiten ja allemal sein. Weil sich aus ihnen und ihrem Sinn etwas Anderes, Neues ergibt. Das dann wieder seinen Sinn hat.

Vielleicht rührt der unreflektive Gebrauch der Phrase auch daher, dass wir so gerne machen. Oder gerne machen würden. Und unser persönliches Sinnempfinden, weil uns gerade etwas besonders sinnvoll erscheint oder auch unsinnig, dann einem Machen unterwerfen. Den inhaltlichen Sinn als veränderbaren annehmen. Damit vermischt sich das Gemachte mit dem Inhaltlichen, mein Gemeintes wird durch das Wörtchen machen zum Inhaltlichen, und damit habe i c h Sinn gemacht. Dieser eigentlich in der Sache seiende Sinn, der plötzlich von außen hineingetragen wurde, muß auch gar nicht sinnvoll sein, kann vielmehr Unsinn sein. Unsinn aber soll man doch nicht machen? (Ah, die vielen Rügen der Eltern im Hinterkopf!) ....

Machen Sie Sinn?

Mit diesen philosophischen Sommergedanken ziehe ich mich ein wenig in meine Sinne zurück.

Samstag, 23. Juni 2007

Gedanke während der Feuilletonlektüre im Zug

Da weiß ich noch gar nichts und habe es schon geschrieben.
So wie es dasteht, wird es dann auch gewesen sein.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Herzlust

Noch mehr Emily:

Das Herz sucht Lust – zuerst
Und dann – Erlass von Leid.



Mein Herz schwirrt zumeist im Kopf, wie ein Schmetterling, leicht und zart, sucht sich die zarten Flügel nicht zu stoßen.
Oft aber, sehr oft in den Tagen, die da waren und sind und weiterhin kommen, sinkt es lüstern schwer in den Uterus, gleitet von dort durch die Öffnung in die unbesetzte Höhle, schmiegt sich an die Wände und wartet, geküsst zu werden. Der erste, zaghafte Kontakt mit dem kleinbelippten Äuglein löst bereits solches Herzbeben aus, macht es drängen und sehnen, doch nein: im Innehalten und puren Wachen und langsamen Aufnehmen und wieder Innehalten wird aus der Höhle Weite, das Herz weitet sich mit, ist offen wie nie, fließt in ein so lustvoll’ Verlangen, dass Küsse nie reichen, die wildesten nicht, es zu stillen, zu bändigen. Die Herzlust fährt in die Glieder, die Gier wird zum Rhythmus, betäubtes Verlangen täuscht Sättigung vor. Doch nein.

Das Herz atmet tief, lächelt sanft, lässt von der Lust (für den Augenblick), birgt auch sein Sehnen in den Falten der Kammern - hier trifft es kein Leid. Erlassen aber ist nichts.

Freitag, 20. April 2007

Es ist an der Zeit

Als ich mich aus der kreiselnden Kurve auf die Autobahn gewunden hatte, hing der Mond tief über der Nordkette, die Sichel hell schwebend und in sie gebettet das dunklere Rund des Trabanten. Die Sterne tanzten über den nachtschwarzen Grund, zwischen den kleine roten Lichtern am Armaturenbrett kam eine warmfrohe Stimme zu mir und führte mich sicher durch die Nacht. "Das Wort ist meine Heimat" sagt Dimitre Dinev, ja denke ich, die kenne ich auch, und lasse mich in seine Engelszungensprache fallen.

Heute, im Garten: Es ist an der Zeit, dass ein großer Regen käme und dem Gras die Trockenheit nähme, die ein schneeloser Winter hinterlassen hat.

Das Mond-Tube

Donnerstag, 15. März 2007

Landschaft mit Klang

Nach fünf Wochen fuhr ich wieder durch dieselbe Landschaft; der Schnee hatte sich mittlerweile auf die Bergspitzen zurückgezogen, nur im Ennstal führte er noch zungengleich ins Tal, darauf die unersättlichen Schifahrer sich im letzten Weich vergnügten. War im Salzburgischen der Himmel noch ein tiefes Blau gewesen, so löste sich nach dem Gleinalmtunnel alles in einer immer undifferenzierteren glasigen Helle auf, südliches Licht. Während ich auf die südsteirischen Hügel zufuhr, rechterhand gleißen die Schneekuppe der Koralpe im Blick, verströmte Isolde ihren Liebestod über die Landschaft, Astrid Varnay und Eugen Jochum füllten den gesamten Raum, als gehöre nichts anderes hierher: weiteten mir das Herz zerrend, Tränen zeichneten das Gewerbegebiet von Kaindorf weich, wie ein Stürzen war es, das unerfülltes Sehnen bloßlegte.

Mittwoch, 21. Februar 2007

Almträume

Der Träume waren es mehrere. Dass ich einem sympathischen Kellner, der drei gänzlich unzureichende, zerfranste Brotschnitten mit lächerlichen nachlässig draufgeschmierten Aufstrichen nicht als kulinarische Anregung durchgehen lassen kann, ist mir, obwohl ich am Abend ganz hervorragend zünftig gegessen hatte, ja noch irgendwie aus beruflichem Zusammenhang erklärbar.

Wenn ich aber in einem riesigen quadratischen Altbau-Raum erwache, mit hübscher Stuckleiste unter dem gold-rot-färbigen Plafond, und mit mir unter der Decke des großen Bettes im Eck ein bis dato unbekannter Mann liegt, wobei das unbekannt sich auf seine äußere Erscheinung beschränkt, da mir sein schriftliches Wesen wohl geläufig war, und eine nicht mehr erinnerte Intimität der Nacht sich sogleich in neuerlichen Umarmungen manifestiert, dann entkommt mir selbst im Traum verwundertes Lächeln. Und erst recht im tatsächlichen Aufwachen:

Was für Kapriolen schlägt da der Körper (und schickt sie dem Geist), der doch höchst befriedet und mit ausreichend frischer Höhenluft versehen mit einem ruhigen Schlummer das Auslangen haben sollte?

Samstag, 17. Februar 2007

hellwach

Mittendrin werde ich hellwach. Mitten in diesem Fließen, zu dem mein Leben nach einem langen Stocken wieder gefunden hat, in Arbeitsströmen, "Love Streams", sehe ich plötzlich das Loch. Im weichen Gewebeband dieses Lebens ein kleines, scharf umgrenztes Loch, aus dem nur ein grelles Licht dringt, doch ich weiß, dahinter ist diese andere Welt, aus der jederzeit ein kalter Zugriff erfolgen kann auf meine warme Scheinsicherheit.

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karrri - 2014-06-24 12:18
einfach nur schön...
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uferlos - 2011-10-08 00:28
lasst mir noch ein bissl...
lasst mir noch ein bissl zeit. vielleicht gibt es ein...
ConAlma - 2011-10-07 11:40
Was gab's denn so wichtiges...
Was gab's denn so wichtiges anderswo?
rinpotsche - 2011-10-07 00:37
!
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books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
sang und klanglos :-(
profiler1 - 2011-10-06 21:55
Erwischt... und Sie fehlen...
Erwischt... und Sie fehlen...
katiza - 2011-10-06 10:34
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ConAlma - 2011-10-05 23:45

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