geschichten aus dem großraumwagen

Dienstag, 22. Januar 2008

Blumen im Hintern

Lähmender Halbschlaf im Morgenzug. Die Vollmondnacht brachte schwere Träume und unruhigen Schlaf, aber keine Erholung. Langsam dringt die Stimme des immer pausenloser vor sich hin plaudernden Mädchens in mein Bewusstsein. Es scheint Gefallen an dem Burschen gegenüber gefunden zu haben, der dem unbekümmert auf ihn niederprasselnden Wortschwall nichts entgegenzuhalten vermag. Er muss irgendwann einmal angemerkt haben, bei der Rettung zu helfen, denn plötzlich ergießt sich eine Fülle an makabren Vorstellungen von Hilfseinsätzen in den Raum. Blumen im Hintern war noch die harmloseste, stell dir vor, die müssen dann im Krankenhaus so warten!

Freitag, 21. Dezember 2007

Entgleisung

Ein Zug ward übermütig und sprang aus den Geleisen, was für ein Feuerwerk wär's wohl gewesen, wenn der eine Waggon nicht stillgehalten hätte!

Mein Großraumwagen wurde so zu einem komfortablen Businterieur, Schienenersatzverkehr heißt das. Und was für ein Buschauffeur! Nimmt angesichts einer kurzfristigen Autobahnsperre den Weg über die Wiese, um auf die Ersatzstrecke (id est Landstraße) zu kommen, und parliert nebenbei noch ganz gekonnt auf Englisch mit sich ankündigenden Schifahrfreunden. So wurde es denn doch ein entspannter Morgen, mit Morgensonne über langsam aufsteigenden Chiemseenebeln und einer im Reif erstarrten Winterlandschaft.

Dienstag, 27. November 2007

Geschichten aus dem Großraumwagen / Popo pickt

Was hast’n g’macht, dass der Popo pickt?

Derlei Fragen öffentlichen Interesses werden im Großraumwagen (den ich dennoch regelmäßig benütze, weil hier die Ausbreitungsmöglichkeiten gemeinhin größer sind) gerne in den Raum geworfen. Und auch wenn es sich nicht vermeiden lässt, Zeuge von ausgiebigen Geburtstagsgrüßen per Handy zu werden (sehr fröhlich um halb neun Uhr morgens mit tragender Stimme und somit für alle ungehindert verständlich durchgeführt), ist die Distanz zu den mitteilsamen Mitreisenden immer noch größer als in einem Sechserabteil, wo der pickende Popo auch noch seine olfaktorische Wirkung täte.

Die Usurpierung des öffentlichen Raumes, der ganz selbstverständlich zum privaten gemacht wird, indem ausgiebige Telefonate per Handy oder mit unangebrachter Lautstärke vollzogene Halbselbstgespräche (freilich wohl in der Absicht, etwas Anteilnahme zu erheischen) zelebriert werden, greift um sich und scheint mir in Korrelation zu Veröffentlichung privatester Inhalte in den bekannten Privat-TV-Formaten zu liegen: eine Form von Schamlosigkeit, von fehlender Distanz zum eigenen Sein, allerdings mit der Einschränkung, dass dies nur funktioniert, solange die Selbstdarstellungsqualität gesichert ist. Denn in dem Augenblick, wo eingehakt würde, etwa in Erziehungsfragen oder mit einer Bitte um Schonung vor so viel fremder Intimität, könnte einem sehr wohl das Recht auf Privatsphäre entgegengeschleudert werden!

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