Mittwoch, 24. Dezember 2008

Vierundzwanzig: Last Minute * Morgenstern

An erster Stelle der Last Minute-Einkaufenden: junge Menschen auf der Suche nach Wein für Papa und Mama. Mehr als an Roat'n war auf der Frage nach Spezifizierung der Wünsche nicht zu vernehmen. Dafür heitere Bonmots wie die Feststellung angesichts des Aktionsregals "Monatsweine": Na de nimm i ned, de san ma viel z'jung!. Einer reißt gar die Türe auf: Hobt's es a Backhendl?

Heimfahrt durch ein sonnenbeschienenes Inntal, durch die getönten Brillen wirkt alles frühlingshaft. Morgensterns Texte bringen sofort heitere Entspannung nach letzten Tagen der Überanstrengung, die so viel Groteske in sich bargen, dass eine Groteske wie die folgende Labsal ist:

Drei Hasen tanzen im Mondschein
im Wiesenwinkel am See:
Der eine ist ein Löwe,
der andre eine Möwe,
der dritte ist ein Reh.

Wer fragt, der ist gerichtet,
hier wird nicht kommentiert,
hier wird an sich gedichtet;
doch fühlst du dich verpflichtet,
erheb sie ins Geviert,
und füge dazu den Purzel
von einem Purzelbaum,
und zieh aus dem Ganzen die Wurzel
und träum den Extrakt als Traum.

Dann wirst du die Hasen sehen
im Wiesenwinkel am See,
wie sie auf silbernen Zehen
im Mond sich wunderlich drehen
als Löwe, Möwe und Reh.


Frohes Fest!

Dienstag, 23. Dezember 2008

Dreiundzwanzig: was wahr ist

Sie standen da, überraschend, zwei der Liebsten, trafen mich an inmitten des letzen wirklichen Weichnachtseinkaufs-Tages, und so blieb kaum Raum, eine Umarmung nur, sie aber wog wie 99 andere.

Ich sah ein vom Friedhofsgang gezeichnetes Gesicht, schön gerade auch in seiner Trauer, und sah viel mehr. Was immer geschrieben ward und wird, nichts erfasst, was Aug in Aug und Haut an Haut vermag. Einzig darin ist Wahrheit.

Sonntag, 21. Dezember 2008

Einundzwanzig: Zuckerschock

Das beste am Keksebacken ist das Kosten und Schlecken.
Eisenbahner und Zimtsterne.

Achtzehn: Steiß

Morgens um sieben ist die Welt noch dunkel.
(Der kürzeste Tag hüllt sich in trübes Licht, während ich dies schreibe; doch von morgen weg wendet sich wieder alles unaufhaltsam dem Wachsen zu.)
Schneegeriesel schenkt selbst der Autobahn friedliche Weichheit, der Winterwald zu beiden Seiten ist so Gedicht. Eine Stunde gut schenkt mir der Osteopath, Mitwisser meiner Haltung, die Wohltat seiner Hände. Seine Arme legen sich um Steiß und Schenkel, zu öffnen, wo der freie Fluß gefährdet, zu weichen, wo mit Kraft gehalten wird. Am Ende steh ich fest am Boden und vermeine doch, ganz leicht und schwerelos zu sein.

Freitag, 19. Dezember 2008

Neunzehn: Stille Zeit

Die Advente meiner Kindheit waren geprägt von beschaulichem Besingen und Texten von Karl Heinrich Waggerl, Das ist die stillste Zeit im Jahr hallte noch lang wider.

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Ruhig ist es bislang gewesen, zu ruhig aus Handelssicht. Aber langsam macht sich Unruhe breit, ehelicher Zwist entlädt sich vorm Champagnerregal: Letztes Jahr hab ich ihn ausgesucht, da war's der falsche, heuer bist du dran, die Schärfe des Tonfalls kennt keinen Genierer. In der adretten Reihenhaussiedlung in der Nachbarschaft fährt ein größeres Polizeiaufgebot vor, drei Einsatzwagen, wo sich sonst nie was rührt zur späten Stunde.

Mimi, die Witwe, hat ihren Charlie verdoppelt - einer liegt am Friedhof, der andere kommt nicht heim, ist bei einer anderen. Und den Wohnungsschlüssel hat er auch mitgenommen! Sie kann die Tür nicht öffnen, der Hirsch, besorgt um ihren Zustand nach Wien gereist, und ein junger Sozialarbeiter harren 2 Stunden auf dem Gang aus. Der Schlüsseldienst hat nicht den richtigen Koffer dabei, die alte Dame fingert drinnen mit Werkzeug herum, irgendwann geht sie ins Schlafzimmer, unterm Kopfkissen liegt der Schlüssel, da, wo sie ihn doch eh immer hintut, sagt sie trotzig. Erschöpft und ratlos kommt er heim, der Geliebte, möcht helfen um der gewesenen Freundschaft willen; dass er mit seinem Vernunftgehaben scheitert, scheitern muss, macht ihm zu schaffen. Morgen kocht er mir Kruspelspitz mit G'rösteten und Spinat.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Siebzehn: Wichteln

Ich sollte anderswo sein heute, im Kreis der fernen Freunde und derer Freunde. Die Wehmut des Blicks aus der Ferne lässt mich ein wenig wie das Mädchen mit den Schwefelhölzern fühlen, ich blicke durchs Fenster, sehe den aufgeputzen Baum, die kleinen Päckchen drunter, keines kostete mehr als ATX 50,- , doch was bekommt man heute schon um 3,63, genau das ist die Kunst. Kekese machen die runde, angefangene Gespräche werden fortgesetzt und neue begonnen. Manchmal schwappt vielleicht auch eine Welle von Trauer ins Gewirr der fröhlichen Stimmen, der Alkohol schafft eine falsche Glückseligkeit.

Habt es gut heute.

Montag, 15. Dezember 2008

Fünfzehn: Figln

Sonntagsausflug mit neuem Ritual: den alten Freund des Hirschen bei einer kleinen lokalen Advent-Kunstausstellung zu besuchen. Der alte Herr, gezeichnet von seiner Unbeweglichkeit in den Beinen, hält im Rollstuhl lächelnd Hof, hat Pläne - denn wenn auch die Hände gichtig gezeichnet sind, er zwingt sich zu Disziplin, malt kleine Aquarelle von Gebirgslandschaft und Stimmungen darin und möchte sich nun noch dem Hölzernen Glachter zuwenden. Für die Gitarre reicht seine Beweglichkeit nicht mehr, aber ganz ohne Musikausübung mag er auch nicht sein. Früher, da hat er gern gesungen, lateinamerikanische Musik, die hat er von seiner Schilehrertätigkeit in den argentinischen Anden mitgebracht. Dort war er in unseren Sommern, die Winter verbrachte er in Vermont, hat eine große Schischule gegründet, mit der Familie 30 Jahre ein Hotel geführt. Die ehemaligen Angestellten waren allesamt aus der Heimat, besuchen ihn auch heute noch - eben bei Gelegenheiten wie dieser Ausstellung.

Dass er, der ursprünglich Techniker mit Bürojob gewesen war, am liebsten in der Natur unterwegs war, so abenteuerlich als möglich, erfährt man so nebenher - und dies hat sein Leben und seine Lebendigkeit grundlegend geprägt. Die Berge haben unser Alter möglich gemacht, sagt ein Jugendfreund. Und inspiriert - private Quellen bekunden, dass er der Erfinder der Firngleiter vulgo Figl war - ein neuerdings wieder höchst aktuelles Gerät für Fortbewegung auf Schnee.

Freitag, 12. Dezember 2008

Dodici bis: Luna Piena

Bruckners Zweite und Vollmond: da verliert auch Tempo Hundert seinen Schrecken.

Zwölf: WortdesJahres

Ich will Herrn P. nicht nahetreten, weil ich ungern jemandem nahetrete. Aber dass seine öffentliche Verzweiflung ein Thomas-Bernhard-Wort zum Wort des Jahres gemacht hat, grenzt für mich Vergebungsbemühte ans Unverzeihliche.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Elf: KU-SZ

Wetterscheide Zillertal?: An der Bezirksgrenze wird von ungehindertem Lauf wird auf IG-L-taugliche Geschwindigkeit heruntergebremst. Auf der späten Rückfahrt ist es umgekehrt - erst freie Fahrt, mit ein paar fürsorglichen kurvenbedingten Einschränkungen wegen befürchteter Schleudergefahr, und dann doch nächtliche Sorge um die Luftqualität.

Unverändert morgens wie nachts: eine ununterbrochene LKW-Kette zeugt von florierendem vorweihnachtlichem Warentransport.

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