Samstag, 9. Mai 2009

oh mother!

Margit Schreiners Geschichte im heutigen Standard hat mich an längst vergessene Peinlichkeiten erinnert: den Topf mit mickrigen, bald verfallenden Vergissmeinnicht um fünf Schilling (woher hatte ich nicht mal 12jährige damals das Geld? Taschengeld gab's vor über 40 Jahren nicht) - irgendwie hatten die Blümlein ein dezenter Hinweis an meine Mutter sein sollen. Oder an das rosafärbige Tablett mit geflochtener Peddingrohrumrahmung, die bemalten Blumentöpfe ....

Vor zwei Tagen hatte ich mich in einen Disput mit einem mir im Grunde lieben Koch verstrickt, der als Muttertagsmenü Rindsfilet mit Spargel und Gratin (ok es heißt "vom heimischen Ochsen" und Heiße Liebe anbietet, dabei hat er normalerweise wesentlich Kreativeres in petto. Und ok ok ich weiß, an dem Tag kommen Familien, die sonst nie den Fuß über die Schwelle setzen, und für die Muttis und Omis soll keine Verwirrung geschaffen werden, ein Tag auch, um ein bissl Geld zu machen - aber dennoch, bei aller feinen Kocherei auch mit schlichteren Rezepten, muss das so sein? Und wozu überhaupt: Muttertagsmenü? Ist wie Kinderkarte, Ghetto für Unverständige, das hat mich glaub ich echauffiert. Überhaupt irgendwie ein Mutterghettotag, das.

Immerhin lieb vom Standard, auch an mothers little helpers zu denken, aber mir ist jetzt mehr nach den erfinderischen Müttern zumute. Und Frühstück zur Unzeit bleibt mir erspart, die Kinder schlafen aus.

Slow.Food.Tirol!

Irgendwie doch geschafft, Treffen, Termine, und nun auch online. Jetzt sind nur noch willige Mitglieder vonnöten, solche mit Ideen und Bezug vor allem.

Und ich hab mir noch ein Schäuferl Luxusarbeit* draufgelegt.





*Unentgeltlich, zeitraubend, aber .... irgendwie scheeen.

Freitag, 8. Mai 2009

Abendblick 8

Juliette



en tv. Eben sang sie "Ne me quitte pas" - überwältigend.

Die Freundin wird auf der After-Show-Party sein, ich bin grad erst von der Hackn heimgekommen. Hab nur den Blick aus der Ferne.

Donnerstag, 7. Mai 2009

Abendblick 7

Stubai-abends






Heute wortlos.

Sex, alterlos.

Wie schön: Oswalt Kolle ist höchst lebendig. Und offenbar tut auch bei Sex in reiferen Jahren immer noch Aufklärung not. In diesem Interview stehen ein paar nette Sätze wie Wer früher anfängt, hört später auf - wobei das "früher" schon diskussionswürdig ist, weil das früh ebenso relativ ist. Oder Ich war schon mal 36, aber Sie noch nicht 80 - das könnte auch der Geliebte gesagt haben. Jedenfalls könnte ich zum spät aus eigener Erfahrung beitragen - wie sich achtzig durchaus wie siebzehn anfühlen.


Hinweis: Heute ist Herr Kolle in Wien zu hören, bei der Ausstellung The Porn Identity.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Feuer

Dem Flieder mag's ja passen, mir ist zu kalt.
Der letzte Kachelofen, den ich befeuert hab, stand - 30 Jahre ist's her - in der Stube unseres damals gemieteten Bauernhofes. Jetzt, in der neuen Wohnung, hab ich einen weiß getünchten, ich musste erst Asche und Schrott der letzten Feuerungen draus entfernen, um wieder ein wenig Gemütlichkeit in den schon ausgekühlten Raum zu bringen. Cool fire!

Dienstag, 5. Mai 2009

unverschämt Flieder

Selbst in der kühlen Nachtluft (geschätzte 8°) verströmt der Flieder unverschämte Süße.


Ein Trotzen, den Eisheiligen ihre Schneid abzukaufen.






Trübnis eines sonst von flow durchwehten Tages: es ist der Sterbetag der Frau des Geliebten, selbst neunzehn Jahre werden da zu einer Nichtigkeit.

Montag, 4. Mai 2009

MVEMJSUN(P)

Pluto ist kein Planet mehr. Und deshalb kann der zu Schulzeiten eingeübte Merksatz so nicht mehr stimmen. Kepler und Galilei einigen sich in einem ihrer Dialoge, die nie stattfanden - eine der vergnüglichsten Serien der letzten Zeit, am 2.6. geht's weiter über die Sonne - letztendlich auf

Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unseren Nachthimmel

Warum der Merksatz noch kürzer ausfallen müsste, steht hier.

Sonntag, 3. Mai 2009

Trägheit, wider.

Ich setze die trägen Hüften und Oberschenkel in Bewegung. In den letzten Sonnenstrahlen, die noch über den Bergkamm kommen, laufe ich durch widersprüchliche Düfte, aus den Gärten Flieder und anderes blühendes, allzu süßes Gesträuch, am Waldrand unter stillen hohen Kastanien und Linden die konservierte Feuchte der letzten Tage, und zuletzt, am Inder vorbei, staubiger Curry minderer Qualität.

Ich erlaufe mir, aus der Weite zurückgekehrt, wieder die Enge der beginnenden Bergwelt, aber diese Woche wird sich noch lange bemerkbar machen, 19 Jahre mühsam erarbeitete Akzeptanz der Umgebung mit zuletzt gelungener Friedfertigkeit brach plötzlich weg, da ich dort, wo ich zu atmen lernte, die herzwärts wachsenden Wurzeln so unmittelbar spürte. So laufe ich durch meine eigenen Ambivalenzen, Werte da wie dort, was gilt?


Keine Nachricht vom Geliebten, der bei sich daheim harrt, die eine Tochter gebärt seit 18 Stunden ihr zweites Kind, vor vier Jahren war's ein Kaiserschnitt, diesmal sollte es eine natürliche Geburt werden, ich wage nicht anzurufen, gestern waren da so dunkle Ahnungen ....

Edit: "nur" 13 Stunden, Kaiserschnitt, Helene. Ich muss seine Ängste, von denen ich freilich nichts wusste, übernommen haben. Wer erst den Sohn, ganz klein noch, und viel später die Frau, qualvoll, verloren hat, ist solchen Vorgängen wie einer längeren Geburt nicht mehr mit Ruhe gewachsen.

Diese hier haben wohl auch tiefgreifende Wurzeln:
alte-rebe

Sohn, verdoppelt.

Der Kindsvater hat während meiner Abwesenheit die Wochenendwäsche des Sohnes übernommen, allerdings blieb die Tasche bei ihm stehen, muss geholt werden, der Zug zur Schule zurück wartet nicht. Als wir in die Einfahrt biegen, zucke ich zusammen: wie eine Verdoppelung meines Kindes sitzt da ein Halbwüchsiger mitten auf der Terrasse an einem Tisch, in den Laptop versunken, dieselbe Haltung, die Schultern etwas hochgezogen, den Kopf nach vorne gereckt, die Haare irgenwie lang, in Gesicht und Stirne gelegt, dieselbe Wortkargheit. Nur die Baseballkappe passt nicht, mein Sohn trägt Hut.

Dass da ein anderer Sohn, jener der Freundin/Fastverlobten, so selbstverständlich da sitzt, wie der eigene Sohn niemals da säße, trifft mich offenbar mehr als den Sohn. Du psychologisierst zu viel, sagt er ungerührt, hat den anderen Buben noch nie gesehen in den zwei Jahren, die es ihn im Leben des Vaters gibt. Der trennt fein säuberlich zwischen den beiden Familien, ich kenne alles aus vielen Erzählungen, aber nicht aus eigener Anschauunt, bin immer die Anlaufstelle für Nöte und Sorgen, die Gedanken, die er sich macht um Geliebte und Kind.

Ich kann nicht sagen, ob der feste Platz, den beide Kinder, Tochter und Sohn, da draußen hatten, nicht mehr da ist, weil sie ihn selbst nicht mehr so wollten, oder er ihnen genommen wurde (Es sind keine Kinder mehr, die brauchen das Kinderzimmer nicht mehr - und schwupps wurde daraus das gemeinsame Schlafzimmer, selten genützt, weil sich das neie gemeinsame Leben mehr bei ihr abspielt). Und ich weiß nicht, ob die Wahrnehmung dieser Veränderung tatsächlich so cool aufgenommen wird (Tochter: Mei Mama, des is hoid amoi nimma so wia friara!). Ich weiß nicht einmal, ob ich für sie so getroffen bin, oder ob mir da nicht plötzlich so etwas wie eine eigene Verantwortung/Schuld an diesem Nichtmehrsein aufsteigt. Um so froher aber bin ich, dass bei mir dieser feste Platz einfach da ist, auch auf Kosten meines eigenen Platzes.

Samstag, 2. Mai 2009

Der Süden beginnt in der Mitte.

fichi-di-wachau



Fichi e vino. Mitten in der Wachau.

Frühstückstisch

fruehstueckstisch


Eine der vielen kleinen Aufmerksamkeiten hier. Großzügig, geruhsam, Stressabbau-förderlich.

Erster Mai.Bock

Wann immer dieser Bock geschossen worden war - er kam pünktlich zum 1. Mai auf den Teller,

maibock


als zarter Rücken und saftiges Stück Haxerl, mit griffigen Topfenknöderl, Wildspinat ("Wo wächst der?" "Auf der Wies'n!") und Inzersdorfer Grünspargel. Traisental also, Traismauer genauer, bei Rainer Melichar und seiner liebenwürdigen Familie. Hauptgang in einem Menü voller Spannung, mit ungewöhnlichen Zutaten, etwa Zitronenkaramell als Salatmarinade. Am folgenden Tag zu Mittag dann bodenständige gefüllte Schweinsbrust, die macht die Schwiegermutter, flaumig-zarte Semmelfülle, Kartoffel in der Schale, leicht angeröstet, wie vom offenen Feuer, mit grobem Salz bestreut, und ganz viel Natursafterl, besser geht's nicht.

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