Sonntag, 10. Juli 2011

der süden in mir

standardlektüre auf dem balkon, noch im schatten. da floss es wie von selbst.

der süden in mir

als ich das erste mal in den süden kam, war ich vierzehn und schämte mich für meine eltern. den vater fand ich unerträglich in seinem exhibitionismus am nacktbadestrand, die mutter peinlich in ihrem bemühen, welttauglich zu sein mit extra genähten neuen kleidern fürs abendessen im hotel am jugoslawischen adriastrand. ich versteckte mich hinter meiner großen sonnenbrille und bemühte mich, die selbst genähten hot pants, die viel zu lang waren, um eine solche bezeichnung überhaupt zu verdienen, mit angemessener coolness zu tragen, auch wenn cool damals noch keine gängige bezeichnung für jugendbefindlichkeiten war. als ich das nächste mal in den süden kam, war ich bereits sehr viel älter, dreiundzwanzig. was dazwischen gewesen war, zählte noch nicht so recht, venedig nicht, weil es kühl und nebelig war und ohnehin zu nah an wien und voll von peinlichen österreichern, und die ausflüge per autostop, mit studienkolleginnen recht waghalsig in lkws, irgendwo im ligurischen zu einer verrückten jugendherberge mit coedukativen schlafsälen, die deuteten erst an, was da möglich sei, im süden.

dann aber: allein, ohne die sprache zu können, sommerjob am campingplatz. römer und napoletaner zu gleichen teilen, zwei sprachen, und eine dritte, das abbruzzesische, dank der campingbesitzerfamilie gleich noch dazu, mein hartes ,attentzione‘ am lautsprecher verlor ich dennoch nicht, obwohl ich mich der weichheit des napoletanischen und auch dem weichen leib eines napoletanischen fotografen gern hingab. am meisten aber genoss ich es, für mich zu sein, wer auch immer um mich war, ich verlor mich ans licht und den sand und den wind und den klang, der in allem war, in den felsen und dem gestrüpp, auch in den bombe, die wir um vier uhr morgens in der pastificeria holten, weil schlafen gehen viel zu verschwenderisch gewesen wäre. danach wollte ich nicht mehr zurück, zog für zwei wochen nach neapel, wo ich mich so selbstverständlich bewegte, als wär ich ein teil davon, und setzte mit dem schiff über nach lipari, ließ mich über sizilien wieder an die stiefelspitze schaukeln, umrundete apulien, ließ mich weitere zwei wochen im schoß der campingfamilie in lanciano nieder, wechselte nach rom über, wo ich von einem markt zum anderen zog, und als ich schon bereit war, mich dauerhaft niederzulassen, dachte ich an die mutter daheim und dass ich ihr eine erklärung schuldete, sah mit schrecken den schnee auf dem brenner und verfiel, mich daheim selbst zur gefangenen machend, in eine anhaltende melancholie. doch es kam wieder ein sommer, und von da an wurde der süden zur gewohnheit, neapel zur auserkorenen, ich nahm den neuen geliebten mit für drei wintermonate und später die erstgeborene, und als ich einmal einem jungen bauern im monferrato einen besuch abstattete, dachten die freunde dort, ich käme aus dem süden. da hatte ich diesen schon längst in mir, und auch als die reisen seltener wurden und irgendwann aufhörten, weil ich nicht nur mehr die felsen sah und den sand und das gestrüpp und das licht, sondern auch die politischen veränderungen und die grausame, charakterlose, amerikanisierte oberfläche des alltagslebens, waren sie nicht mehr wichtig. luft und liebe und der augenblick, in erster linie lebte ich, egal wo, und wenn ich wieder, so wie vor langer langer zeit schon, als ich den norden in jugendlicher schwärmerei zu meinem mythos gemacht hatte, in den norden fahre, weil es dort ist wie in den bergen, nur am meer, und mich diese wundervolle ruhe überkommt wie droben in den bergen auch, dann weiß ich, dass ich das nur ertrage, weil der süden in mir ist und die melancholie keine chance hat.

sommerschreibtisch

das bild ist einfach zu gut. deshalb hab ich den schreibtisch aufgeräumt, damit man's auch sieht.

sommerschreibtisch

Samstag, 9. Juli 2011

Get the A-Train!

Sie haben am Montag elften Juli zweinullelf und zwanzig uhr zwanzig eh nix besseres vor?

then get the A-Train

Mittwoch, 6. Juli 2011

wild entschlossen

ich bin, schlüsselbeingeschirr zum trotz, wild entschlossen, mich sommerliech zu fühlen.

enzian

Donnerstag, 30. Juni 2011

naturheilkunde

aus einer kleinen ausstellung zur osttiroler volksheilkunde:

kuhflade

Montag, 27. Juni 2011

bein-pein und seelen-schlüssel

So sehr er schmerzt, dieser absolut unnötige Schlüsselbeinbruch, und mich zwingt, eine Menge an attraktiven, wundervollen Terminen abzusagen - er zwingt mich aber auch, endlich innezuhalten, zu verlangsamen, den fast manischen drang zur bewegung zu unterbrechen. bein-pein und doch ein schlüssel, die seele mal im haus zu halten.

Freitag, 24. Juni 2011

Was spricht die tiefe Mitternacht?

Mahlers Dritte lässt sich nicht einzwängen, nicht in ein Autoradio auf dem Weg durchs Land, nicht mit bester CD-Aufnahme. Auch Konzertsäle reichen nicht, nicht die beste Akustik, die Schönheit des Saales - ein ständige Zerfließen, nur wenige Passagen, die ganz konzentriert und geschlossen sind und ins Schwelgen (ver)leiten; so viel Offenheit muss man erst einmal vertragen, aus- und durchhalten: die Orchester werden an ihre Grenzen getrieben, mitsamt den Dirigenten, wer hält wen, ist manchmal die Frage.

Und die Bläsersolisten dürfen sich keine Konditionsschwäche erlauben, aber das stehen nicht viele durch; vor vier Tagen erst, als ich die Symphonie wieder im Lebendigen gehört hab, war dem so. Den Symphonikern begegne ich, instinktiv, mit Vorsicht, statt Gatti war ein mir gänzlich unbekannter Dirigent (aber was will das heißen), Christian Arming, eingesprungen (nicht dass ich Gatti vermisst hätte: sein italienisches Gezappel ist mir meist zuviel), der alle klischeehaften Attribute eines Dirigenten mitbrachte: heftig geworfener Kopf, weiche Bewegungen aus Schulter und Handgelenk, sich steigerndes Beugen und Wiegen, immer mit tadelloser Eleganz. Doch nichts davon half, das Orchester zu jener Präzision zu bringen, die vonnöten ist, wenn ein Werk so zerfällt, mit all den angerissenen, unterbrochenen Stimmungen, die vom Hoch ins Tief stürzen und sich wieder hinaufschwingen ins Höchste. Und wenn auch die Stimme nicht passt für Nietzsches „Oh Mensch“ -
[Einschub:Mahler und seine Lieder!
Allein eine Textzeile wie Es ist mir auch gar nichts daran gelegen mit einer solchen Intensität zu behaften, einen im Grunde trockenen Text - im Zusammenhang ist er es freilich nicht - zu solchem Klingen zu bringen, das ist jedes Mal wieder ein absolut berauschendes Erlebnis, wie überhaupt Ich bin der Welt abhanden gekommen mich in einen Zustand der totalen Öffnung, Weitung, eines Zerfließens versetzt.]
- wenn auch hier zu wenig Kraft da ist, die Partie zu stemmen, dann fehlt schon viel für ein wirklich glückhaftes Konzerterlebnis.



O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
"Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht,
Tief ist ihr Weh -,
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
- will tiefe, tiefe Ewigkeit!" (Nietzsche)

Mittwoch, 22. Juni 2011

Heute ist eine schöne Zahl.

Heute ist eine schöne Zahl. Ihre Quersumme ist ein Quadrat, das mit den beiden Einzelziffern der Zahl ein pythagoräisches Zahlentripel ergibt. Heute besteht aus den natürlichen Zahlen c und b, die sich zur Quersumme a vereinen. Und alle drei sind wiederum im Lehrsatz des Pythagoras verbunden. Weil b auch ein Quadrat ist, ergibt die Wurzel aus b, multipliziert mit der Wurzel aus a jene Zahl, die, mit der Quersumme a multipliziert, wiederum zur Zahl Heute führt, das Vielfache eines Jahrneunt. Ich sagte ja, eine schöne Zahl.


Schade, dass ich heute keine Möglichkeit für ein großes Fest habe. Im nächsten Jahr ist die Zahl bei weitem nicht so schön.

Donnerstag, 16. Juni 2011

the other way

Grätzlwanderung.

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ConAlma - 2011-10-07 11:40
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