Dienstag, 28. November 2006

Stellt's meine Roß' in Stall ...

sang Friedrich Gulda bei einem seiner letzten Konzerte, ein halbes Jahr etwa vor seinem Tod. Ein Abschiednehmen war das Lied bereits, und ich frage mich, wie er zu diesem Zeitpunkt mit der Knappheit des verbleibenden Lebens umgegangen ist.

Ein Mann wacht auf in Panik, er e r k e n n t plötzlich, dass er eine bestimmte Sache, etwas, das ihm über alle Maßen wichtig wäre, was zur Ganzheit seines Lebens beitragen würde, niemals wird tun können. Und so entsteht die Angst vor dem Tod. Aus einem vorweggenommenen Fehlen heraus, wie es im Augenblick des Todes sein müsste.

Ist das, so fragte ich mich, als ich auf diese (noch viel weiter greifenden) Gedanken stieß, nun eine zutiefst männliche Haltung? Oder werden Frauen auch von ähnlicher Angst bewegt? Etwas nicht mehr erfüllen zu können?

Das einzige, was mir hierzu einfiele, ist der Umstand, keine Kinder je geboren zu haben, und dies dann irgendwann nicht mehr machbar ist. Dass also etwas offen bleibt, der Ganzheit eines (Frauen)Lebens fehlt. Aber deshalb die Angst vor dem Tod?

Im Durchdenken dessen, was es bedeutet, etwas n i e tun zu können, nie erreichen zu können, stößt man auf den Umstand, dass solchem Denken ein bestimmtes Bild zugrundeliegen muss vom eigenen Leben: und also die Angt, nicht der werden zu können, auf den hin man sich angelegt hat.

[vlg. Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon, S. 238 ff]

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