Fundspruch 13: Körper und Geist

[Wieder mal aus Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon]

Auch hier bestätigt sich, was mich die Erfahrung stets von neuem gelehrt hat, ganz gegen das ursprüngliche Temperament meines Denkens: daß der Körper weniger bestechlich ist als der Geist. Der Geist, er ist ein charmanter Schauplatz von Selbsttäuschungen, gewoben aus schönen, besänftigenden Worten, die uns eine irrtumsfreie Vertrautheit mit uns selbst vorgaukeln, eine Nähe des Erkennens, die uns davor feit, von uns selbst überrascht zu werden.

Da überrascht er also, der Körper, und lehrt die Staunende, wie wenig jene Worte halfen, die doch g u t gedacht waren. Als sich selbst "Belügende" die Verletzung eines Menschen bewirkt zu haben. Der ebenso an die Worte geglaubt hatte.

[Für HH]
walhalladada - 2006-11-27 17:21

Ich zweifele nicht an der Differenz zwischen 'Körper' und 'Geist'
und stimme Ihnen ganz zu, wenn Sie sagen, dass Aussagen des Körpers irrtumsfreier und unverfälschter zu bewerten sind...
Es gibt die 'Wahrheit' des Körpers genau so, wie es die'Unwahrheit der Worte gibt!
Woher aber stammt denn eigentlich diese unheilige Diskrepanz?
Ich denke,dass die Trennung von 'Körper' und 'Geist'
letztlich eine 'Kulturleistung' ist, mit der es sich auf Dauer nicht behaglich einrichten lässt.
Was in dieser Trennung laut wird, ist letztlich ein Indiz für 'Entfremdung', insofern diese Trennung eine
Arbeitsteilung refektiert, die eine 'Ganzheit', aber auch 'Intaktheit' nicht erlauben will.
Wieder ist es die Kunst, die auf diese Entfremdung als erste reagiert hat:
Ihr moderner Ausdruck wird körperlich, Munchs "Der Schrei" ist seinem Ausdruck nach ganz Körperbild!
Die (moderne) Kunst greift gerne auf die Materialität des Körpers zurück,um die Irrtümer der Sprache weitgehend auszuschließen...

(was aber auf der anderen Seite, Missgriffe wie die Inszenierung der sprechenden Vaginas nicht ausschließen kann. .. Aber das scheitert an was anderem...)

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