Gesetz der Lakonie

Je wichtiger ein Gedanke, umso kürzer muss er gefasst werden.



So etwa formulierte Alexander Kluge gerade eben im Literaturhaus München.
Ich warte auf den Zug nach Hause.
albannikolaiherbst - 2006-12-14 09:52

Ich denke.

Da hat er unrecht. Und verheddert sich in der abendländischen Subjekt-Objekt-Doktrin, der diejenige von Substanz und Akzidenz entspricht. Es sei denn, er sähe die kurze Fassung als ein Fragment unter Tausenden an. Dann - n u r dann - ist Kluges Satz richtig. Aber dann hätte der kurzgefaßte Gedanken für sich keinerlei Aussagekraft, - oder eine verfälschende.

GESCHICHTE UND EIGENSINN zeigt im übrigen, daß Kluge seiner neuen Formulierung mit ausgesprochener Erkenntniskraft selbst etwas entgegensetzte.

ConAlma - 2006-12-14 12:31

Es war im Zuge der Präsentation von Tür an Tür mit einem anderen Leben: da ging es um die vortragbare Länge von Geschichten und dass die kürzeren eben n i c h t die unwichtigeren seien.

Der kurzgefasste Gedanke: im Gedicht hat er ja wohl Aussagekraft?
albannikolaiherbst - 2006-12-14 13:07

Das ist etwas anderes.

Daß Kürzeres nicht unwichtiger sei als Langes, ist ebenso wahr, wie daß Längeres nicht unwichtiger sei das Kurze; hier herrscht kein ausschließender und wahrscheinlich überhaupt kein Widerspruch, sondern gegenseitige Ergänzung: Gewebe, dessen Synapsen nicht symmetrisch sein müssen, auch wenn Symmetrie unsere Art ist, es als, zum Beispiel schön, zu erfassen.
Mein Einwand zielte gegen das - billig verbreitete - Primat des Einfachen, dem auf der moralischen Seite Reinheit zugeschlagen ist. Man bekommt da, von einfach strukturierten Leuten, zu schnell einverständige Klatscher.
Anobella - 2006-12-15 10:50

ich mag alexander kluge sehr.

er spricht nur immer so gehetzt ... als säße er einem gesprächspartner gegenüber, der ihn laufend unterbrechen will und er muss noch schnell seinen gedankengang zu ende bringen.

nömix - 2007-05-28 14:20

erinnert an den Satz von Antoine de Saint-Exupéry,
“Perfektion ist nicht erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen,
sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.“

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