Donnerstag, 1. Mai 2008

Primo Maggio

In Salzburg fuhren die Busse.

Regen und kühle Luft sind für ein paar Abendsonnenblicke gewichen. Das Paar ohne Bleibe sitzt auf der Steinumrandung des struppigen Gebüsches. Auch gestern saßen sie da, Schulter an Schulter und doch voneinander abgewandt, der Mann und die Frau. Der Wein ist ein anderer geworden, statt bordeauxroten Tetrapacks heimischer Provenienz (zumindest der Aufschrift nach) leuchtet schon von weit eine sonnig-gelbe Emballage mit bunter Schrift - Pineapple? Orange? Nein, einfach nur das spanische Pendant aus dem ebenso untersten Alkoholfach.

Und von weit schon schallt scharf entgegen
"Wäu i ka Ontwuat kriag fo dia!
Wäu'st a Drecksau bist!
Wäu'st wos im Schüd fiast ..."
*
aber da bin ich schon vorbei, mir fällt der Montagmittag ein, da hatte sie alleine dagesessen, friedlich und entspannt die Gesichtszüge, ja fast freundlich, als müsse da eine nur kurz innehalten im Stadtspaziergang.

Erster Mai vor 28 Jahren, ein erzwungener Stadtspaziergang, mit dem Gepäck für ein halbes Jahr von einem als Frauenzentrum dienenden alten Palazzo nahe der Piazza Navona bis hinauf zum Bahnhof, auf dem Weg zu einem Studienunterbrechungsjob auf unbekanntem Terrain:

In Rom fuhren keine Busse.

* Dank des Schriftverkehrs mit der Tochter bin ich immer geübter in der Dialekt-Transkription. Keine Gefahr von Entfremdung also, lieber Dr. Schein!

Dialektion

guad dass ois klappt hod.
wead morgn glei noch da schui zua post gehn. briefmarkn homma ned ge ?!

und wia wors sist so as schifohrn?! mei des wead scho wieda midn sonnenbrond!
gfreit mi foi dass endlich moi zum skifohrn kemmen seds! und sist is a ois guad?!
mia gehts guad jo. najo scho ziemlich komisch wiedamoi gonz alloa. oba najo hoit i scho aus, am wochenend kemmen eh boor freindinnen.
wünsch eich no an schenen urlaub und an schen gruas ondn hermann! und i find des foi nett das ma per email in kontakt nu sein kennen. danke ans internet.
morgen hob i wieder übungskochen, oiso muas i nu bügeln gehn (nicht sehr erfreulich) woast du zufällig wo mei kopftuach is weil des vamiss i scho seid 2 wochen...
bussi


Auszug aus der Mail des Kindes an die urlaubsferne Mutter.

Mittwoch, 30. April 2008

Jede gemeinsame Nacht.

Jede gemeinsame Nacht ist ein Wunder.

Montag, 28. April 2008

Beschleunigte Teilchen

Das Auf & Ab auf kilometerlangen Pisten, die rund um Felsmassive durch eine sich immer neu ausdehnendenSchneelandschaft führen,

weisse-weite

Höhenunterschiede, die daheim die Entfernung vom Zuhause bis zum höchsten Gipfel des Kaisers bedeuten würden: viel Beschleunigung gab es in den vergangenen Tagen für zwei, deren unterschiedliche Lebenstempi sich zudem auch ein wenig aneinander rieben.

Und dann langsame Entschleunigung auf dem Weg zurück in den Frühling, noch lange die weiße Weite im Blick missend, Schwindel plötzlich im Tal, wie betäubt die allenthalben grasenden Schafe, Ziegen und pferdebraunen Kühe in saftigen Wiesen zwischen blühenden Obstbäumen wahrnehmend, und endlich, nach verlorenem Treiben zwischen samstagsfröhlichen Menschenmengen in den von der Sonne aufgeheizten Gässchen von Annecy, im komfortablen Refugium

chateauvieux

auf einer sanften Erhebung im Hinterland von Genf ankommen. Noch winterstille Weingärten rundum (oh ja, so ist im Laufe des Abends zu erschmecken, auch hier geraten wunderbar trinkbare Weine!), um sieben ein Läuten im Glockenturm des Anwesens

glockengelaeut

- zu Tisch? zum Gebet? - doch sonst Stille mit Vogelklang.

Am folgenden Morgen dann, auf der Suche nach dem nächsten Autobahnanschluss, die Hinweistafel: CERN. Mme Lisa Randall, theoretische Physikerin auf der Suche nach Parallelwelten und Klein-Teilchen (makellos und schön seien sie!), hofft dank LHC auf Hinweise für nächste Ebenen der Realität; andere hingegen fürchten sich vor schwarzen Löchern oder gefährlichen Zeittunnels.

Zwei Schleunige bleiben davon ungerührt auf ihrer Wegstrecke, haben jeweils zugehörige Zeitdimensionen einander verträglich zu halten, im Augenblicksstillstand von Berührungen eigenen Zeittunnel schaffend, Univers Privé.

Mittwoch, 23. April 2008

Col d'Iseran

Vor 50 Jahren ist der Geliebte über den Col d'Iseran gefahren, da war ich grad mal ein Jahr alt, er wollte unbedingt den höchsten Pass Europas überqueren. Ist von K. nach Alessio, Mutter und Ehefrau zur Kur bringen, und fuhr dann weiter über Turin hinauf zum Pass. Alles in einem Tag. Fiat 1100, keine Autobahnen.

So aber entdeckte er dieses Tal, seit 45 Jahren kommt er nun her zum Schilauf im April, hat nur wenige Jahre ausgelassen. Heute war von der Straße zum Iseran nichts zu sehen. Der Schnee liegt noch hoch, die Pisten ab 2500 m Höhe sind in traumhaftem Zustand - der Neuschnee der letzten zwei Tage lässt nichts von einer Frühjahrsermüdung des Schnees verspüren.

Erst weiter unten werden die warmen Temperaturen spürbar, aber da sitzen wir dann schon vor der Schihütte, L'Edelweiss, eine richtige Steinhütte, die Neubauten unten im Tal bestehen alle aus mit steinen verkleidetem Beton. So viel rustikales Stilbemühen wirkt in dieser Ansammlung künstlich, wie Disney-Kitsch, da erscheinen die Bausünden der 80er und 90er geradezu ehrlich dagegen - was für ein Paradox!

Die Weinkarte auf der Schihütte umfasst 2 Seiten, darunter auch Guigal, Sauzet, Clinet, Haut-Brion (1992), Bollinger - alle Weinregionen Frankreichs vertreten.

Morgen geht's hinauf zum Glacier Grande Motte.

Montag, 21. April 2008

altitude: 1855

sturm. schneefall. kein fruehlingssonnenschilauf bislang. dafuer viel schlaf. und eine tastatur, die zum vertippen einlaedt ohne genauen blick. kaese und wuerste der haute tarentaise sind nahrhaft, der hiesige marché hat feine weine; frank phélan (zweitwein, erschwinglich) zum saftig-dunkelroten filetsteak.

à bientôt!

Freitag, 18. April 2008

Fasanenmorgen

Nach über 400 Kilometern und 182 Weinen erwache ich von einem merkwürdigen Krächzen/Krähen: ein Fasan und seinen Hennen spazieren durch den Morgentau eines sich in aufbrechender Blüte befindlichen Gartens, dahinter fließt dunkle und still der Kamp.

Nach Jahresfrist war es mir wieder vergönnt, durch eine seit Kindheit vertraute Landschaft zu fahren; endlose Kirschbaumalleen in voller Blüte, Ebene und sanfte Hügel wechseln einander ab, im nordöstlichsten Eck ist kein Empfang mehr für OE1, dafür gibt's slowakische Popmusik. Rebhühner spazieren auf der Straße, die Felder sind bevölkert von Hasen, Rehen, Fasanen. Aber nicht überall ist Idylle: der Neubau der B7 schneidet sich mit meterhohen Erdanhäufungen durch die erwachende Landschaft, LKW stößt an LKW auf dem verbleibenden Rest der Fahrspur Richtung Norden, immer wieder liegen zerquetschte Hasenfelle auf dem Mittelstreifen.

Aber das alles sind Geschichten von gestern, am Gaumen liegt noch die Erinnerung an Rote und Frührote Veltliner, Grüne sowieso, Weißburgunder, Traminer, Zweigelt, sogar Syrah, das ganze Sortenspektrum des Weinviertels bis hinunter zum Kamp.

Frau Alma wird heute noch dem Hirschen auf seinem Frühjahrsritual folgen, eine Woche in den französischen Bergen hoch droben, Sonne und Schnee, eine Woche weitab von allem.

Urlaub.

Mittwoch, 16. April 2008

Nötigung

Aus purer Liebe tu ich, was ich sonst nicht mag - mit Vorbehalt jedoch:

1. Setze einen Link zu der Person, welche dir das Stöckchen zugeworfen hat.
Mock turtle

2. Erwähne die dazugehörigen Regeln in deinem Blog.

StöckchenspenderIn verlinken, 6 Macken nennen und 6 potentielle StöckchennehmerInnen verlinken

3. Erzähle von dir 6 unwichtige Dinge/Gewohnheiten/Macken.

Eins. Die meisten Geschichten entstehen unterwegs, wenn ich sie nicht festhalten kann.
Zwei. Wenn ich ankomme, habe ich meist keine Möglichkeit, sofort ans Werk zu gehen. Die Wichtigkeit der Geschichten verliert sich später in Müdigkeit, die Erinnerung an sie verblasst.
Drei. Tägliche Geschichten auf täglichen Fahrten - welcher Erzählschatz wäre dies!
Vier. Ich erwache fast jeden Tag zwischen fünf und sieben Uhr. Ich stehe selten später auf.
Fünf. Um sieben Uhr richte ich die Schlujause für meine Tochter, damit sie zumindest einmal am Tag das Gefühl hat, die Mutter kümmere sich um sie.
Sechs. Wenn ich Wein zum Verkosten im Mund habe, spucke ich nicht mehr unbedingt. Die Herren Polizisten in ihrem Versteck an der B7 gestern hätten möglicherweise ihre Freude gehabt.


4. Stöckchen weitergeben
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!

Montag, 7. April 2008

Anti-Vinitaly

Alois Lageders kleine, feine Summa in seinem wundervollen Cason Hirschprunn ist alljährlich (und dies seit 10 Jahren) eine gehaltvolle Anti-Vinitaly-Veranstaltung, wo es ausreichend zu kosten gibt, aber auch der persönliche Kontakt zu Winzern (und damit vielen Freunden) ungleich näher und inniger ist. Italien, Deutschland, Österreich, Portugal: wer auch immer hier vertreten war, befand sich nicht nur in guter Gesellschaft, sondern auch in einem ungleich wertvolleren Rahmen - denn es ist schon ein Unterschied, ob lustige Menschentrauben samt Kinderwägen und Lufstballonwurstviecherln (ja, so soll es zugegangen sein in Verona) vorüberziehen oder handverlesene Gäste wie Winzer die Atmosphäre eines alten Getreidespeichers mit schwerem Holztramgebälk auf sich wirken lassen.

Lieblingswein des gestrigen Tages: Tenuta Boscarelli, Nocio dei Boscarelli 2004, ein Vino Nobile aus 100 % Sangiovese von alten Rebstöcken. Derzeit ist noch der 03 am Markt aktuell.
Und die Entdeckung des Tages: Azienda Agricola Bruna aus Liguerien, in der Nähe von Albegna, die mit drei Varianten von Pigato aufhorchen ließ. Ich muss gestehen, es war das erste Mal, dass ich mit dieser Rebsorte Kontakt hatte - und der war gleich sehr überzeugend. Zwei mal Pigato aus dem Stahltank, nur von verschiedenen Lehmböden (einmal weiß, einmal rot) - doch gleich eine ganz andere Aromatik. Und dann U Baccan, ebenfalls Pigato reinsortig, eine Riserva aus alten Rebstöcken - ein ziemlich eindrucksvolles Frucht- und Strukturerlebnis, ganz schön zupackend, dieser Wein. Und sehr ungewöhnlich. Weil halt so "unbeschrieben".

Kleiner Seitenhieb gegen gewisse Hochzeitsveranstalter bzw. deren Catering aus Luxushänden: ich hab mit Norbert Niederkofler gesprochen, der die kulinarische Versorgung auf Hirschprunn übernommen hat. Mit einem augenzwinkernden Lächeln meinte er auf meine Frage: ach etwa 1000 Essen, und überhaupt kein Problem, das ginge ganz locker. Jedenfalls gabs geschmorte Kalbsbackerl und Kalbsfilet in Kräuterkruste mit feinen Gemüsen. War halt nicht sonderlich viel (aber gratis), weshalb die Schlange bei Hansi Baumgartners Käsebuffet doch sehr lang war ....

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sang und klanglos :-(
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