Bewegung bringt Ordnung, Berge aber schenken Klarheit.
Lech, Blick aufs Karhorn.
ConAlma - 2009-08-30 18:00
Zwei Wochen, ab morgen. Doch statt in den dänischen Norden zu fahren, wie ich es mit dem Hirschen kurz anträumte, sind die Termine dicht gedrängt: zwei Tage im Salzburgischen, genussreich bei den Döllerers und musikalisch intensiv mit der Achten von Schostakowitsch bei den Festspielen. Einer Freundin beim Übersiedeln helfen. Ein Abstecher nach Lech zu einem Kräutertag auf höchster Ebene. Den Sohn in die Steiermark übersiedeln. Mit der Mutter ein paar Tage ins Vorarlbergische, auf Vergangenheits-Spurensuche.
Und heute kam das große Kind überraschend und tränenreich von der Ferne "nach Hause": nach drei Wochen Lateinamerika hat sie der Freund vor die Tür gesetzt. Nach dreieinhalb Stunden Autofahrt Trost und Rat bei der Mutter. Und gleich ging es nicht mehr um Männer und Wut und Enttäuschung, sondern um Beruf, Pläne und Veränderungen. Morgen werden alle drei Kinder beim Essen mit dabei sein, das ich für den ältesten Enkel des Geliebten bereite: Morchelcrespelle (nach Sissy Sonnnleitner) und Hirschbraten (nach Christian Petz). Schöner Urlaubsbeginn.
ConAlma - 2009-08-23 22:23
Mander, sagt der Hirsch, wenn er die Gruppe seiner verstreuten Freunde, einst Arbeitspartner ("Netzwerk" würde das heute heißen) zu einer geeinten Aktion bewegen will, Mander, wia moch ma des?
Sie waren fast alle gekommen, den bevorstehenden Geburtstag des Hirschen vorzufeiern, Sterne zu schauen, zu wandern, zu essen und zu trinken, zu reden. Sie kamen aus Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten, Osttirol; der jüngste wird 60, ist erst spät zu dieser Kaufmannsgruppierung hinzu gestoßen, sein Vater war Gründungsmitglied gewesen. Der beste Freund, ein Jäger, wird 70, die anderen sind 80, 82, 83. Der Bruder, auch schon über 80, der sich von selbst nicht mehr auf den Beinen halten kann, lässt sich dennoch einen kurzen Besuch im Sommerhaus nicht nehmen, die Idee zur Gruppe stammte von ihm. Für wenige Augenblicke blitzen die Augen noch einmal auf, kehrt etwas von deren lebendigem Glanz zurück bei einem, der sich von überbordender Heiterkeit in die absolute innere Emigration zurückgezogen hat.
Zwei Tage, sechs Männer und ich. Mir kommt immer der Kopfplatz an der Tafel zu, beim späten Abendessen unten nahe des Sees, beim Frühstück im Garten der Konditorei, beim langen Abendessen an der warmen Abendseite des Häuschens, bei Forelle blau und dann stundenlang geschmorter Lammkeule. Sie sind allesamt noch trinkfest, die Gespräche bewegen sich um Persönliches und Historisches, die Akribie des einen Geschichtsbeflissenen vermittelt neue Blicke auf scheinbar längst Vergangenes, das doch im kollektiven Gedächtnis der Völker gespeichert bleibt. Nächtliche Heiterkeit unter Sternenhimmel, unbeschwerte Stunden, die die gewachsene, nachhaltige Nähe dieser Männer dokumentieren.
Mander, es war Zeit nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, zu spüren.
ConAlma - 2009-08-23 10:43
Der Abend ruhte. Eine vollkommene Stille lag über dem Garten, Bäume und Sträucher blieben unbewegt. Als hätte der Tag alle Luft eingeatmet und hielte sie nun an. Ein kühler Hauch aber fiel ohne sichtbare Bewegung den Berg herunter und mischte sich mit der Wärme der hölzernen Terrasse. Wir saßen still beieinander, tranken Armailhac 1999 und lächelten in den schnellen Fall der Sternschnuppen.
Morgen wird der Geliebte in die
Sterne schauen, und am Donnerstag, bei Neumond,
wieder. Ein vorgezogener Geburtstagswunsch, den er sich mit den alten Freunden erfüllt.
ConAlma - 2009-08-17 22:44
Der Hohe Frauentag schenkt mir einen arbeitsfreien Samstag. Zwei Tage im Sommerhaus.
Die Landbevölkerung lässt sich jene sieben Kräuter in der Kirche weihen, die die bösen Geister vertreiben, für gesundes Vieh und für eine gute Ernte sorgen sollen. Böse Geister haben den Geliebten heimgesucht, ich helfe ihm durch die Familienwirren. Wir spazieren zum See, in den Abendstunden ist er ganz ruhig, Libellen schwirren, Fische springen, langes Schwimmen in der untergehenden Sonne. Auf der Abendseite des Hauses, an der warmen Holzwand dann Wein trinken und zusehen, wie die Sterne sich mehren.
ConAlma - 2009-08-16 20:16
Warum erzählen wir einander dies alles, hier, von nächtlichen Autofahrten und Wetterleuchten, von Bergen und vom Meer, von Brüchen und Veränderungen, von Träumen, und dass ich mir seit Tagen zuflüstere
Ich will mein Leben zurück, all dieses Geschichten erzählen, dieses
Schreiben? Hunger und Nahrung.
Looking for words to say +
part 2
ConAlma - 2009-08-13 23:56
An der Abendseite stand ein Strauß aus fruchtbehangenen Zweigen.
Es gab gerührtes Schaf, Strudel mit Ziegenkäse, Marillen und Nüssen, Tabbouleh, Garnelenquiche, und noch anderes. Die Freunde waren gekommen, das entfallene Beisammensein vom Juni nachzuholen, ein kleinerer Kreis, ohne die Familie, aber doch irgendwie geburtstäglich, nachträglich, sonntäglich, gemütlich die Stunden vom warmen Mittag bis in den kühlen Abend ziehen lassend. Alles war da vor mir, vor allem Geborgenheit, und doch war mir, als wäre Ich, dieses Ich, gar nicht anwesend.
Das kleine Mädchen, das mit war, wollte beschäftigt sein, wir bastelten Boote,
sie schnitt mit dem Messer Früchte vom Baum und bastelte Bilder:
Es war ein Sonntag wie in einem französischen Film.
ConAlma - 2009-08-10 23:22
Ein schöner Titel (und sah den Film auch auf spanisch). Aber der Almodóvar, der im Kopf gespeichert ist, der wird nur in den Film-im-Film-Sequenzen am deutlichsten sichtbar. Sonst herrscht ein fast unerwarteter ruhiger Erzählfluss. Die schöne Penelope sah ich gestern Nacht, ganz zufällig, in einem
früheren Film, einem voller Unerklärlichkeiten, die einzige Sicherheit darin ihr Lächeln.
Auf dem Weg dann ein Blick wie im Film. Doch was das Auge sieht, vermag die Kamera nicht auf die Schnelle festzuhalten:

ConAlma - 2009-08-08 23:11