Parsifal in Erl: Lasset die Kinder zu mir kommen!
Dritter Teil der Erl-Tage: Parsifal. Als Bühnenweihspiel passt es natürlich perfekt in die Kulisse des Passionsspielhauses. Dass ein Teil der Kostüme Anlehnungen an ortsübliche Trachten nahm, war mir weiters nicht störend. Auch die Landidylle im dritten Aufzug - Gurnemanz unter Schindeldach mit Ziehbrunnen - ist, wenn man ohnehin rundum nichts anderes sieht, keineswegs irritierend. Vor allem war generell das Bühnenbild eindrucksvoll, klar, sparsam. Hohe, drehbare Vierkantsäulen, die beim Öffnen des Grals Licht reflektierten. Der Gral selbst, eine elegante Designschale, im langen Tisch versenkt und mittels Hebemachanismus daraus aufsteigend. Überhaupt die Lichtregie: hinter dem Orchester, diesmal nicht stoffverdeckt, alle Farbschattierungen. Eine Balleteuse als Schwan, im dritten Aufzug als Heiliger Geist von den Toten auferstanden. Klinsgsors Zaubergarten: sehr bunt, geradezu schrill gewandete Blumenmädchen von bemühter, aber wenig wirkungsvoller Erotik, mehr laufsteggeeignet denn sexualchakraanimierend. Klingsor selbst: senfgelb gewandet, Sonnenbrille, und auf einer sich vor und zurück bewegenden Leiter turnend - das sorgte für manche Schrecksekunde im Publikum. Der Regieeinfall, eine Zigarre aus dem entmannten Schritt zu ziehen, genüßlich daran zu riechen, brachte auch keine neue Erkenntnis. Kundry, ganz in rot, verlockend, lasziv, großartig. Und selbst ihre Verwandlung in eine himmelsblickende Maria ist ihr abzunehmen. Als Parsifal der Sänger des Tristan von zwei Tagen zuvor: mit dieser Partie tat er sich eindeutig leichter, und vor allem als tumber Tor war er mehr als glaubwürdig, während die Transformation zum Jesus dann doch wieder mehr bemüht wirkte - da fehlt dem Sänger einfach die darstellerische Größe. Ganz hervorragend aber Gurnemanz als derjenige, der alles zusammenzuhalten versucht, irgendwann aber recht resigniert vor seinem Waldhütterl sitzt.
Kuhn bringt mit seiner Inszenierung ganz schön viel religiöse Bilder hinein, und das ist auch bis kurz vor Ende sehr schlüssig und stimmig. Aber dann: die Kinder! Die Erler Kinder, ohne die offenbar keine Opernserie hier auskommt! Gemäßen Schrittes, wirklich süß und lieb und hübsch und alles anzusehen, wandeln sie in Reih und Glied auf die Bühne, um dramatisch in betenden Gruppen niederzuknien. Die Rührseligkeit im Publikum war deutlich spürbar, um das Erlösungsgefühl aber war es damit schlecht bestellt.
Dennoch fand ich mich sehr friedlich in eine laue Nacht entlassen.
Kuhn bringt mit seiner Inszenierung ganz schön viel religiöse Bilder hinein, und das ist auch bis kurz vor Ende sehr schlüssig und stimmig. Aber dann: die Kinder! Die Erler Kinder, ohne die offenbar keine Opernserie hier auskommt! Gemäßen Schrittes, wirklich süß und lieb und hübsch und alles anzusehen, wandeln sie in Reih und Glied auf die Bühne, um dramatisch in betenden Gruppen niederzuknien. Die Rührseligkeit im Publikum war deutlich spürbar, um das Erlösungsgefühl aber war es damit schlecht bestellt.
Dennoch fand ich mich sehr friedlich in eine laue Nacht entlassen.
ConAlma - 2006-07-25 13:28
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