Move him into the Sun

Als ich vorgestern im Sonnenlicht von den Abhängen des Manhartsberges in die heiße Stadt fiel, war Dunkelheit, Kühle, gar Schauder nicht im Bereich meiner Vorstellungskraft. Doch die Aufführung von Brittens War Requiem brachte dies und noch viel mehr. Ich war unvorbereitet, kannte den zusätzlichen, von Britten verarbeiteten Text nicht: die Verszeilen des englichen Lyrikers Wilfred Owen, der mit 25 Jahren 1918 gefallen war und die mit ihrer verdichteten Form so viel eindrücklicher Kriegsschrecken vermitteln als lange Plädoyers, erfahren durch die musikalische Ausgestaltung Britten s eine ins Unheimliche, wahrlich Erschütternde gehende Ausgestaltung: Tenor- und Baritonsolo, Kammerorchester. Ian Bostridge und Christian Gerhaher transportierten die Inhalte auf so eindringliche Art, dass am Schluss nur mehr Tränen blieben.

Die Abraham-Isaak-Passage, die erstes Schmerzempfinden brachte: But the old man would not so/but slew his son/and half the seed of Europe/one by one. Die beiden Sänger nahmen mich mit ihren Blicken und ihrer Stimme bei der Hand, führten mich vor die unvorstellbare Szenerie des Schlachtens: I am the enemy you killed, my friend/I knew you in this dark; for so you frowned/yesterday through me as you jabbed and killed.

Beim abschließenden gemeinsamen Let us sleep now ... konnte auch Ian Bostridge seine Berührung nicht mehr verbergen, mit Tränen nahm der den nach lang anhaltender Stille langsam aufbrausenden Applaus entgegen.

Jeder - so dachte ich da - der auch nur im Geheimen einen Krieg anzudenken wagte, müsse mit diesen Männerstimmen und diesem Text und diesem Kammerorchester eingeschlossen werden und so lange hören, bis er fühlt. Und versteht.

Die gleißende Sonne, in die wir uns dann bewegten, schien härter als zuvor; weich und wohlig wärmend aber war die Liebe der Freunde, die mich danach umfing.
katiza - 2007-06-18 10:45

Ja.

dfw - 2007-06-18 12:01

ich trockne meine tränen

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