es wird ein wein sein

Dienstag, 1. Juli 2008

Ableitung

Es ist nicht gerade die mildeste Ableitungsdiät, die ich mir verordnet hab: spontane Abschiedsfeier einer Coburg-Weinfreundin mit allerlei Weinfrauen, Köchen, Winzern und definitiv einem Zuviel an Blue Gin (die Suche nach den 26 Kräutern drin kann dauern, vor allem wenn der Macher himself ausschenkt ...) im höchst empfehlenswerten Umar, und soeben unterwegs zur Angerer Alm und einem hochgelegenen Weinnachmittag und -abend; Thema: Kalifornien. Wer die Hüttenwirtin kennt, weiß, dass es nur Bestes geben wird.

Samstag, 7. Juni 2008

Fehlton

Der Billa am anderen Ufer verkauft alte Jahrgänge. Ich kann nicht widerstehen und nehme eine Flasche Högl Riesling Smaragd Bruck 2004 mit. Späte Gäste, der Stellvertreter und seine aparte part time-Begleiterin, teilen eine Flasche Setzberg 07 mit mir, natürlich muss draufhin der Högl verkostet werden. Lange Gesichter: Champignon, verbrannter Gummi - in dieser Konzentration nicht Ausdruck von Reife, sondern Fehltöne. Mademoiselle im neue Kleidchen aber lässt nicht locker, sie trainiert für die erste Diploma-Prüfung, hängt ihre Nase wieder und wieder ins Glas. Also mit der Luft, sagt sie, da könnte einer schon auf die Idee eines fetten kalifornischen Chardonnays kommen!

Edit: Am Tag danach.
Etwas Honig, hinten Graphit. Deutlich Umami - die sechste Geschmacksdimension. Kommt bei gereiften Weinen, gerade auch in der Wachau, vor. Aber dennoch: am Gaumen keine angenehmes Geschmacks bild, zu viel an Gummi, wie es bei Syrahs auch gerne zu finden ist. Und das ist für einen 2004er eindeutig zu viel an "Gereiftem".

Ich verzichte auf eine weitere Stunde wertvollen Nachtschlafes, bespreche mit der Barchefin die Anforderungen des heutigen ersten Tages des Ausnahmezustandes. Das halbe Gläschen Premiers Saveurs dazu rundet den Tag im Nachhinein. Eine weiche, karamellige Einstiegsdroge in die vor über 30 Jahren kurz betretene Welt des Cognacs, zudem ein aromatisch betörender Schlafmittler.

Alors, Petit Déjeuner!

Samstag, 31. Mai 2008

Rot: Sonne, Mond, Erde

Ich liebe diese kleinen Verrücktheiten, diese Heimlichkeiten, wenn niemand weiß, wo ich gerade bin oder war, also niemand von jenen, die mir nahe sind. Diesen Blick hatte ich schon lang nicht mehr, um halb sechs die Sonne über den Dächern Wiens aufsteigen zu sehen, eine Viertelstunde später dann schon über den Praterauen. Gestern abend war vom Mond über Wien die Rede gewesen, wie er vor zwei Jahren, beim Nussbergfest im Rahmen der VieVinum, als überdimensionaler roter Ballon plötzlich am Horizont aufgestiegen war. Dieser Blick über die Stadt vom Nussberg aus, so unermesslich, kleine Karpaten, Leithagebirge, Weite in alle Richtungen, und dann erhebt sich da plötzlich dieser riesige rote Vollmond und steigt empor, sein Schweben überträgt sich auf die Menschen, bis er schließlich klein und weiß auf dem von samtblau ins Nachtschwarze sich wandelnden Himmel festzustehen scheint.

Gestern aber saß mit 11 Weinfrauen in einem der schönsten Gastgärten der Stadt, nicht mit diesen 11 Frauen, wiewohl zwei von ihnen dabei waren, wir tranken Rote Erde, die Weine vom Spitzerberg haben allesamt einen eigenen Duft, Veilchen vielleicht, egal welche Rebsorte, das sei der Kalk, sagt die Weinmacherin, der diese Vielfältigkeit schaffe und viel mehr hergäbe als der sonst so gerühmte Schiefer.

Die russische Weinjournalistin mir gegenüber ist eine bemerkenswerte Person, sie lebt am Comer See, ihr Nachbar ist George Clooney, seine Villa sei zu mieten, las ich grad gestern, für 120 000 €, die Woche, versteht sich. Ich freue mich über den Kontakt, überhaupt hatte ich mich auf dieses Zusammentreffen mit allen gefreut, sechs Stunden Zugfahrt, dazwischen fünf Stunden Schlaf für einen Abend mit Frauen und Wein, ja ich mag diese kleinen Verrücktheiten, da geht mir keine Energie verloren, solche Abende sind ein Gewinn.

Arbeit und dann Familie holen mich nun zurück, am Nachmittag liest Bodo Hell bei uns im Geschäft (das Literaturfest ist eine der noch zu schreibenden Geschichten von gestern), es gibt auch kein Nussbergfest heuer für mich, Martha Argerich kommt auch nicht, ich hatte mir gewünscht, sie einmal zu hören, aber der Abend morgen wird dennoch rot werden, spätes Mahl in der Roten Bar.

Am Montag aber wird Wein sein.

Samstag, 10. Mai 2008

14,3 Bdx/day

Ich muss auf fremde Geschichten zurückgreifen, für eigene fehlt mir heute schon wieder die Kraft, solche von Gestern werden zu jenen von Vor- und Vorvor- und Vorvorvorgestern. Und kommen möglicherweise zum wachsenden Haufen der Niegeschriebenen (mehr Wein als Schein, sei auf eine Anfrage aus dem Ehrenwerten Haus mitgeteilt).

Dafür fand ich diesen Beitrag recht vergnüglich, übers ungenierte Vernichten von "muck", was so manchem Kellerschöngeist wohl den Schweiß aufs den Poren treibt wird. Wie ja überhaupt so einige Feinheiten in den wenigen Sätzen stecken: 1945, 1947, 1961-Bdx mit Saveloy & Chips - uuuh! würde meine Tochter sagen. Oh und Withnail gibt's in 10 Teilen auf youtube!

Montag, 5. Mai 2008

tour de vin

Alles kam anders und ward zu einem Geschenk. Auch wenn der Hirsch hier Mariss Jansons vermisste und ich mit ihm nicht recht hineinfand in die Interpretations-Üppigkeit, in einem dichtgedrängten Saal, der gerade zum rechten Augenblick, im letzten Satz, mit hineinbrechenden Sonnenstrahlen zum wahrhaft "Goldenen" wurde.

Auf einem von schwarzen Gewitterwolken und letztem Sonnengold ausgeleuchteten Weg in dörfliche Abgeschiedenheit aber nahm der Wunsch, mich auf meiner Tour de Vin zu begleiten, fassbare Form an, mit Manhartsberger Maibock und Leithagebirgs-BF (nicht ohne zuvor die namenlosen und doch köstlichen vier Sorten-Hausachteln - Frühroter Veltliner! - verkostet zu haben) wurde Grundlage für eine friedvolle Nacht (wie kam's nur, dass mir Leichtschläferin die bis in frühe Morgenstunden dauernde Geburtstagsgesellschaft nicht zur Schlaflast fiel?).

Ein Sonntag dann voll Winzer-Herzlichkeit, eine Abendrunde durch Löss und Granit, Geheimnisse von Rebstöcken und Terrassen erkundend in bildhafter Abendruhe, wissen Sie, wie ein Wiedehopf fliegt? Die letzte Verkostung des Tages, der junge Bursch ist voller Ruhe und Sicherheit, weiß, was er tut und warum, nimmt Worte der Anerkennung doch dankbar auf, spielt nicht mit belanglosen Leichtigkeiten herum, sondern geht gleich ganz auf komplexe Tiefe.

Spätes Abendmahl zu viert, die besondere Freundin, der ein eigener Wein zugedacht ist, stieß hinzu, des Nachts sind die gewagten Bauten in den Weingärten nur geheimnisvolles Leuchten (erst im trüben Morgenlicht des nächsten Tages wird man der zwiespältigen Architektur gewahr). Drei Generationen sitzen miteinander, keine Fremdheit ist zu spüren, nur gegenseitige Achtung, Neugier, Aufmerksamkeit, Zuhören; etwas Besonderes, Schwebendes liegt über diesen Stunden. Und so ist auch ein letztes Glas Pinot Noir im scheinbar endlosen unterirdischen Gewölbereich eines Loiser Kellers folgerichtig, wie Eindringlinge in Kühle und Stille wandern wir durch die Fassreihen. Beim Abschied, wir spüren's, blieb etwas zurück.

Montag, 21. April 2008

altitude: 1855

sturm. schneefall. kein fruehlingssonnenschilauf bislang. dafuer viel schlaf. und eine tastatur, die zum vertippen einlaedt ohne genauen blick. kaese und wuerste der haute tarentaise sind nahrhaft, der hiesige marché hat feine weine; frank phélan (zweitwein, erschwinglich) zum saftig-dunkelroten filetsteak.

à bientôt!

Montag, 7. April 2008

Anti-Vinitaly

Alois Lageders kleine, feine Summa in seinem wundervollen Cason Hirschprunn ist alljährlich (und dies seit 10 Jahren) eine gehaltvolle Anti-Vinitaly-Veranstaltung, wo es ausreichend zu kosten gibt, aber auch der persönliche Kontakt zu Winzern (und damit vielen Freunden) ungleich näher und inniger ist. Italien, Deutschland, Österreich, Portugal: wer auch immer hier vertreten war, befand sich nicht nur in guter Gesellschaft, sondern auch in einem ungleich wertvolleren Rahmen - denn es ist schon ein Unterschied, ob lustige Menschentrauben samt Kinderwägen und Lufstballonwurstviecherln (ja, so soll es zugegangen sein in Verona) vorüberziehen oder handverlesene Gäste wie Winzer die Atmosphäre eines alten Getreidespeichers mit schwerem Holztramgebälk auf sich wirken lassen.

Lieblingswein des gestrigen Tages: Tenuta Boscarelli, Nocio dei Boscarelli 2004, ein Vino Nobile aus 100 % Sangiovese von alten Rebstöcken. Derzeit ist noch der 03 am Markt aktuell.
Und die Entdeckung des Tages: Azienda Agricola Bruna aus Liguerien, in der Nähe von Albegna, die mit drei Varianten von Pigato aufhorchen ließ. Ich muss gestehen, es war das erste Mal, dass ich mit dieser Rebsorte Kontakt hatte - und der war gleich sehr überzeugend. Zwei mal Pigato aus dem Stahltank, nur von verschiedenen Lehmböden (einmal weiß, einmal rot) - doch gleich eine ganz andere Aromatik. Und dann U Baccan, ebenfalls Pigato reinsortig, eine Riserva aus alten Rebstöcken - ein ziemlich eindrucksvolles Frucht- und Strukturerlebnis, ganz schön zupackend, dieser Wein. Und sehr ungewöhnlich. Weil halt so "unbeschrieben".

Kleiner Seitenhieb gegen gewisse Hochzeitsveranstalter bzw. deren Catering aus Luxushänden: ich hab mit Norbert Niederkofler gesprochen, der die kulinarische Versorgung auf Hirschprunn übernommen hat. Mit einem augenzwinkernden Lächeln meinte er auf meine Frage: ach etwa 1000 Essen, und überhaupt kein Problem, das ginge ganz locker. Jedenfalls gabs geschmorte Kalbsbackerl und Kalbsfilet in Kräuterkruste mit feinen Gemüsen. War halt nicht sonderlich viel (aber gratis), weshalb die Schlange bei Hansi Baumgartners Käsebuffet doch sehr lang war ....

Mittwoch, 6. Februar 2008

den zweiten

von links gibts bei mir derzeit auch ....

Donnerstag, 24. Januar 2008

solera

Der Zug verlässt S. in einem weiten Bogen. Sitzt man richtig, ergibt sich ein überwältigender Panoramablick auf die Berge Richtung Süden, vom Salzburgischen bis ins Bayrische. Die Sonne hält jetzt schon länger an, färbt die schneebedeckten Kämme und Spitzen rosarot; bis ich daheim bin, ist nur noch ein matter dunkeloranger Schein im äußersten Westen zu erhaschen.

Die Lektüre ermüdet die Augen vorschnell, ein Begriff bleibt hängen, Solera. Bevor ich in den Reiseschlaf hinübergleite, fantasiere ich über die Möglichkeiten der vielen Fässer. Wenn ich immer aus der untersten Reihe Wein entnommen habe zum Abfüllen, aus den oberen Reihen nachfülle, und dies immer schon so getan habe, dann bleibt in diesen untersten Fässern doch von jedem jemals nur in sie gefüllten Weines etwas zurück, vermengt mit den anderen Weinen und Jahrgängen, aber etwas davon bleibt. So wie bei homöopathischen Mischungen müsste noch vom ersten je gefüllten Wein zumindest eine Information darin sein, etwas von seiner Energie. In einer Flasche Sherry oder auch Brandy liegt so das akkumulierte Wissen ungezählter Weine, was für eine herrliche Vorstellung!

[Wie komplex die Sache mit der Solera ist, kann man hier nachlesen]

Sonntag, 13. Januar 2008

Weinartikel gefährden die Gesundheit

Einem französischen Richter fiel ein, bei Presseartikeln über Wein (oder, in diesem Falle, Champagner) nach der sonst in der Werbung obligaten Gesundheitswarnung zu verlangen. Aber wahrscheinlich gefährdet Pressefreiheit an sich schon die Gesundheit ....

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katiza - 2008-07-15 09:11
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