Donnerstag, 19. April 2007

Die Erzählerin

Eine Reaktion auf den vorhergehenden Eintrag ließ mich stocken: wird, was ich schreibe, wortwörtlich genommen? Als Darstellung eines tatsächlichen Lebens?

Ich erzähle. Ich erzähle von Möglichkeiten. Was sein könnte, was vielleicht war, gewesen sein hätte können. Was nie so war, oder doch? Die Zusammenfassung einer Stimmung, eines Verlaufes ist immer auch Verfremdung, ein Überführen in eine bleibende und damit dauerhaft lesbare real virtuality. Hier gibt es keine Strukturen, die (illusorischen) Halt geben. Hier ist ständiges Fließen. In dem ich mich bewege. Aber wer außer mir wagt zu sagen, wer dieses Ich ist?

Mittwoch, 18. April 2007

Zeitaspekt bei Caterina Valente

Sing' mit mir!
Lach' mit mir!
Tanz' mit mir um die Welt!
Warte nicht,
zögre nicht,
wenn mein Lied dir gefällt.
Der richtige Augenblick,
der kehrt sonst nie mehr zurück,
und darum: Sing' und tanz' mit mir.

Mit 14, 15 war ich süchtig nach alten Filmen. Dieses Lied konnte ich noch auswendig.

Neid

Dies ist der Titel von Elfriede Jelineks neuem Roman, den sie ausschließlich im Netz (unter
Aktuelles
) verfasst - als work in progress, als Privatroman. Ihre auch eingestandene pathologische Unmöglichkeit eines Lebens in der Öffentlichkeit, damit einhergehend der Neid an den Lebenden, lässt sie ausgerechnet in der Öffentlichkeit des Netzes Platz nehmen, einer Öffentlichkeit, die zugleich ist und nicht ist. Und so kann ihr Werk sein und auch nicht sein, als Stückwerk bleiben, fortgesetzt werden oder ganz verschwinden, wenn sie dessen Da-Sein nicht mehr aushält.

Viele Blogs scheinen mir wie Privatromane, noch torsohafter als das Werk einer schreibbewussten Autorin allerdings; Neid auf die Lebenden scheint auch da eines der möglichen Motive zu sein, ebenso wie das Verschwinden von oft großen Textteilen dazugehört. Man ist und ist nicht und weiß es selbst oft nicht.

The Sad Machinery of Spring

Der Frühling hat auch traurige Tage.

Ganz wunderschön besungen von Tin Hat, soeben auf OE1 auch im Webradio zu hören.

Dienstag, 17. April 2007

Lasst mich allein

Ein letztes Mal für dieses Mal am rechten Ufer entlang, im nachmittäglichen Sonnengleißen. Als erst das Lieblingslied der Jugendliebe gespielt wird und dann der zweite Satz von Dvoraks Cellokonzert, erfüllt diese Musik nicht nur mich, sondern die ganze Landschaft rundum, als dürfe nichts anderes klingen hier. Tränenblind und sehend zugleich, mit jenem Ziehen im Herzen, das mich sonst verschont, weiß ich, dass d i e s e Form des Erlebens mir nur allein vergönnt ist.

Days of Wine and Blossoms / Hallelujah

Rosen wuchsen auch, später, eine sehr schöne zu beschwingter Nachtstunde in der Himmelsbar. Der Sonntagvormittag aber blühte weiß.

Blueten

Am Abend entfalteten sich Stimmen, ließen den Goldenen Saal erneut glänzen - dem Altruismus eines besonderen Menschen dankte ich ein tiefgreifendes Musikerlebnis. Die sich bis zu einem überwältigenden Hallelujah steigernde Intensität von Orchester, Dirigent und vor allem Chor war zunächst eindrücklich an meinen Händen zu spüren; wie sehr der ganze Körper sich hatte mitnehmen lassen von dieser Musik, war erst danach am anhaltenden Schwindel abzulesen.

Zum Ausklang dieses Abends fanden zwei Dreiecke zu einem Viereck zusammen, etwas windschief zunächst noch, doch in der Fortsetzung eines nächsten Abends wurde das Gefüge immer geschmeidiger - nicht zuletzt dank feinen Weinflusses.

Was aber am Beginn der Fahrt noch verschlossen schien, öffnete sich mit jedem Sonnentag mehr, war heute ganz aufgebrochen: Flieder! Doch irgendwann endet jede Reise.

Samstag, 14. April 2007

Tägliches Staunen ...

...als sähe ich erstmals.


Hundsheim 19 Uhr 20

hundsheim-19-15

Und lebte neu.

Oh what a perfect day

Der Keller unterm Nikolaihof ist aus der Römerzeit. Heinz Sigl in Rossatz macht bemerkenswert fruchtunbetonte Weine (unfruchtbetont war mir zu waghalsig) . Zwischen Kellerkühle und Gartenhitze gelustwandelt. Auf OE1 ist grad ein Diagonal zum Wirtshaus, die Sonne scheint mir ins Dachkammerl. Youtube funktioniert (unterwegs) nicht, so muss ich allein singen (vor 40 Jahren tat dies Lou Reed), to whom it may concern: "you just keep me hanging on"

Rührsdorf, 18 Uhr

ruehrsdorf

Bouvier-Chardonnay beim Architekten, der Tuba spielt und nicht Weinbauer werden durfte.

Freitag, 13. April 2007

...ein Anflug von Beinschinken ...

... zum Marchfelder Spargel. Am rechten Wachauer Donauufer. Und zwei Varianten von Spargelwein vor mir. Die Frau Doktor gegenüber wartet auf mein Urteil. Ich mag ja den Veltliner lieber, weiß aber, dass sie den Sauvignon blanc vorzieht. So bin ich diplomatisch, lüge nicht, und sie, Stammgästin die sie ist, ist's zufrieden.

Es ist einer jener Tage, wo ich aus blütengetränktem Herzen (kenne Sie das Mostviertel in voller Blüte? Der Flieder ist auch schon am Aufbrechen, und die Hänge hinauf zum Dunkelsteiner Wald sind mit wattebauschähnlichen Tupfern gefleckt) sagen kann: Ach, was liebe ich dieses Leben!

Das Lokal zum Tag: Raimund und Ina Thiery, Rossatz. Nur Do-So. Aber dafür gibts die besten Marillenpalatschinken, die eleganteste Ansprache, den schönsten Gastgarten (weil wirklich Garten, zwischen Weingärten) der rechten Wachau. Und die Stammgästin sagt: es ist das bessere Ufer.

Donnerstag, 12. April 2007

Nahrung

mein leib so weich
den ich füllt' mit den schätzen der tische,
mit lämmern und tauben
und enten, mit krebsen und fischen.
mit lust verzehrt' ich
die früchte von äckern und gärten.
die lenden genährt
und die schenkel: genuss dem gefährten.
mein leib so weich
wie noch nie.

Freitag, 6. April 2007

Das weiße Blatt

Das weiße Blatt erscheint fast täglich auf meinem Bildschirm. Und habe ich nicht schon zuvor im schwarzen Büchlein einen Gedanken, einen Satz festgehalten, es bedarf so langer Minuten, bis sich aus dem Knäuel in meinem Kopf langsam ein lesbares Gefüge ergibt, das auch in dem Umfeld, für das es gedacht ist, funktioniert. Heute ist wieder so ein Tag, wo ich vor dem weißen Blatt stocke. Gestern war doch alles anders ...?

Mittwoch, 4. April 2007

Deutsch-Verzeichnis 810

Wild sind wir, die wir an diesem Leben hängen,
Als könne uns kein anderes sein.
Er nicht, der Tod, der dir seine Hand
So schwer und dunkel in den Nacken legt,
Als wolle er dem Ungestüm der späten Jahre
Erzählen, dass es sich verlief.



[Heute, beim Anhören von Schuberts Streichquartett Nr.14 in d-moll "Der Tod und das Mädchen". Meinem Vater]

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ulovesexdoll - 2018-12-13 06:51
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karrri - 2014-06-24 12:18
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uferlos - 2011-10-08 00:28
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ConAlma - 2011-10-07 11:40
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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
!
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books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
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