Dienstag, 3. April 2007

Requiem

Samstag, Musikverein, Ein deutsches Requiem von Brahms. Wiener Philharmoniker und der Schönberg-Chor - zwei der besten Klangkörper Österreichs im überwältigenden Miteinander. Dazu eine Stimmung von aktuellem Tod und künftigem, greifbarer gewordenem Vergehen: bei den hämmernden Versen des zweiten Satzes, Denn alles Fleisch, es ist wie Gras, diesem eindringlichen Trauermarsch, spätestens hier beginnt eine Auflösung alles in dieser Woche Aufgestauten, ein sich in Mahnung und Trost Begeben; dazu bedarf es keiner christlichen Religiosität, nur eines Annehmens: das ist Sein.

Sonntag, 1. April 2007

Dreams come true

Das muss nicht unbedingt angenehm sein. Wie lebt ein Mann mit einem Urteil, das ihm zu einem hohen Prozentsatz die Fertigstellung ihm wesentlich seiender Aufgaben unmöglich macht?

Freitag, 30. März 2007

Trennungen

Neu aufgesetzt. Altes ist noch irgendwo. Von wievielem soll ich mich trennen?

Mittwoch, 28. März 2007

Étrangère à Lech

Es ist fast 15 Jahre her, ein Sommer war es, da fuhren wir nach Lech, um einen kleinen Schweizer Zirkus bei seiner Höhenpremiere zu erleben. Damals war es dort droben im Sommer so verlassen, wie es im Winter noch exklusiv war. Aber von den Wintern ahnte ich nur, sie interessierten mich nicht. Der Bergsommer hingegen, der war überwältigend: seltene Pflanzen bei jedem Schritt, was für ein Unterschied zu den überdüngten Almwiesen der tieferen Lagen!

Wir gondelten hinauf auf den Ruefikopf und wanderten querfeldein, verloren den Weg, querten einen Wasserfall, eine sehr waghalsige Aktion, und gingen irgendwie sonnenorientiert hinunter in Richtung Ortschaft. Wir, das waren damals die große Tochter mit knapp sechs, die kleine, knapp einjährige Tochter, um den Körper geschnallt, eine entfernte Cousine mit 12 aus dem deutschen Osten, die noch niemals zuvor solche Landschaft gesehen hatte, und ein Kindsvater. Die Höhenluft muss fruchtbar gewesen sein, denn neun Monate später gebar ich einen Sohn.

Lech im Winter heute lebt von einem Ruf, der nicht mehr zu halten ist bei genauerem Hinsehen. Nicht, dass mich das bestürzte. Aber das Mißverhältnis von überzogenen Preisen zu Gebotenem, die zunehmende Lässigkeit, verbunden mit einem Nach- davor, verärgert. Entschädigend sind Situationen wie heute Abend, in einem besonders lässigen Lokal, das wohl mit seiner Modernität im Ambiente spielt, aber inhaltlich Schwächen zeigt: zwei Damen, ein Herr, knapp vierzig, Unmengen von schlechtem Parfum legen sich über die Distanz von drei Tischen. Zweimal Suppe, einmal Salat. Eine große Portion, wo doch Salat am Abend nicht gerade als leicht verdaulich einzustufen ist. Aber die Figurförderung sitzt offenbar ausreichend tief. Und da: verschluckt. Husten, bis das sorgfältig geschminkte Gesicht in Auflösung begriffen ist. Dekonstruktion einer Figur, die Julia Stemberger spielt, wie diese Schnitzler spielt.

Fast jedes wichtige Haus hat einen exorbitanten Weinkeller. Auch wenn mir nicht mehr vergönnt ist als die Weinkarten zu lesen. Und es nur für eine Halbflasche Paul Achs Pinot Noir reicht. Es war mein erster Winter in Lech. Das darf ich ruhig eingestehen. Und bin somit Fremde hier, mit staunendem, zweifelndem, aber auch wohlwollendem Blick. Für jene, die dem falschen Fluß widerstehen. So habe ich zum Beispiel (im letzten Sommer gefunden) eine Pension ganz im Zentrum, mit viel Komfort, zu einem absolut verständigen Preis. (Nach der müssen sie mich schon direkt fragen)

Dennoch komme ich im Sommer lieber wieder. Der Pflanzen wegen, der Ruhe halber, und weil es von Qualität zu Preis ein feines Verhältnis wird.

Samstag, 24. März 2007

Thielemann in Ereignispose

Gestern im Wiener Musikverein: die Wiener Philharmoniker mit Bruckners Achter Symphonie. Nach einem fulminanten Vierten Satz erstarrte Christian Thielemann skulpturgleich, verharrte in einer Pose wie von Rodin gemeißelt: Oberkörper nach vorne gebeugt, Kopf gesenkt, die rechte Hand zur Faust geballt, als hielte er darin noch alles, was zuvor gewesen, fest. Und blieb, als wolle er ein paar ungezügelte Zu-Früh-Klatscher strafen, darin um noch einige endlose Sekunden länger, ehe er mit seinem Aufrichten den ungezügelten Applaus und Begeisterungsrufe auslöste. Der Dirigent als Ereignis.

Doch abgesehen von dieser Selbstinszenierung, die am Rande des Erträglichen schillerte, bescherte er mit diesem zuvor in Amsterdam und Berlin schon heftigst applaudierten Konzert nun auch in Wien ein intensives, streckenweise schier unfassbares Klangerlebnis. Im Adagio war ich mir immer wieder sicher, so Schönes noch nie gehört zu haben, die Ergriffenheit war rundum fassbar, und ich bin voller Dankbarkeit, dieses Erlebnis geteilt haben zu können.

Die (Klang)Größe des Orchesters lässt sich mit nichts anderem als Superlativen mitteilen; über die Anstrengungen der langsamen Tempi und der Intensität, die der Dirigent abverlangt, kann ich nur mutmaßen.

Als uns, viel später irgendwann, die Worte wieder kamen, ging der Hirsch auf die Suche nach einer Instanz, der er seine Dankbarkeit über das Erlebte mitteilen könne. Doch abgelenkt von einer Flasche Schrammler und einem exzellenten Branzino al Cartoccio blieb nur ein begonnener Satz über die europäische Musik als abendländische Form von Meditation zur Erfahrung des Seienden im Raum hängen. Das innerlich vorhandene Dankesbedürfnis, gerichtet an etwas, das über eine mütterliche Instanz hinausgehen müsste, sei so groß, dass es von einem Menschen, der versuche, dies aufzunehmen, wohl gar nicht erfasst werden könne. Ein solches Bedürfnis war den Hirschen gestern mit großer Vehemenz überkommen und damit der Wunsch, dies "irgendwo" aufgehoben zu wissen.


Nachtrag des Hirschen:
Zusätzlich zum eigentlichen, durch die Musik evozierten Musikempfinden, das für sich alleine schon für große Dankbarkeit gut ist, ist es noch der Umstand, solches gemeinsam mit Alma erlebt haben zu können, auch wenn nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Empfindungen jeweils dieselben seien. Aber doch ist die Dankbarkeit durch das Gemeinsame über alle Maßen gesteigert.

Mittwoch, 21. März 2007

Die Leidenschaft des Douro-Boys

Zweiter Abend in Düsseldorf: Abendessen mit den Douro-Boys. Das sind jene fünf Weingüter, die schon seit einiger Zeit im Douro für wirklich bemerkenswerte Stillweine gut sind. Neben mir saß Miguel Roquette* von Quinta do Crasto, der am Vortag, als ich zum Verkosten am Stand war, noch nicht von Norwegen zurück war (die Verbindung Portugal-Norwegen ergibt sich schlüssigerweise durch den bacalhao). Und so kam ich für einen langen Abend nicht nur zu einem ständigen Blick in ein durchdringendes Paar grünbrauner Augen, sondern auch in den Genuss eines voller Leidenschaft geführten Gespräches, in perfektem Englisch, versteht sich. Und erfuhr so einiges über die Untiefen des Portweingeschäftes, aber auch über große Pläne und die gnadenlose Schönheit einer Landschaft. Ganz nebenbei aß ich einen saftigen Schopf vom Iberico-Schwein (confiert nannte sich das) mit Sellerie-Nuss-Trüffelgemüse, zuvor ein hübsches Törtchen aus Hummertatar und rohen Jacobsmuscheln mit pikant-orientalischer Würzung, mittendrin Gänseleber (sehr pur) mit Artischockensalat - aber wir waren ja immerhin im Berens am Kai, da darf's schon was Besonderes sein. Der für mich interessanteste Wein des Abends war der reinsortige Touriga nacional 04 der Quinta do Crasto, aus der Magnum. Faszinierend ist hier die unglaubliche Frische, die trotz des hohen Alkohols keine Schwere aufkommen lässt – aber das ist überhaupt das Merkmal der do Crasto-Weine und das große Thema der Roquettes. The taming of the tannins – das muss vorrangige Aufgabe im heißen Dourotal zu sein, die Kontrolle der Hitze. „Tricky“, sagt der schöne Miguel mit einem verschmitzen Grinser – ihm gelingt’s.

* Er ist mittlerweile 40 und noch immer zu haben ;-)

Sonntag, 18. März 2007

Viosinho Rabigato Codega do Larinho

Was wie der Beginn eines Gedichtes klingt, sind weiße portugiesische Rebsorten, in 800 m Höhe auf Schiefer und Granit mitten im Dourotal wachsend und von Sandra Tavares da Silva zu einem wunderbaren Wein von vibrierender Dichte vinifiziert. Mit dem ersten Jahrgang 2004 wurde der "Guru" auf der Londoner Weinchallenge gar Weißweinsieger; ich hatte vorhin eine Faßprobe des 2005 kosten dürfen. Vor allem aber eine halbe Stunde lang das Vergnügen, in die strahlend grünen Augen dieser bemerkenswerten jungen Önologin schauen zu dürfen. Sie schien mir heute die Schönste ihres Faches , aber wie schrieb ich nach Amsterdam? Jede ist die Schönste im Augenblick des Augenblicks!

Neben dem eigenen großen Wein "Pintas" ist sie auch zuständig für die Vinifizierung auf Quinta do Vale Dona Maria (waren für mich heute die durchgängig eindrucksvollsten Weine) und jene des elterlichen Weingutes in der Estremadura, eine gänzlich andere Herausforderung.

Zum Verlieben jedenfalls ist auch der unbändige Duft der Touriga nacional . . .

Samstag, 17. März 2007

Die wundersame Vermehrung der fünf Gänge

Am Anfang war eine Karte.

Darauf stand geschrieben: Menü.
- Bluntauforelle mit gelber Paprikacreme und tasmanischem Pfeffer
- Langoustine royale. Gravensteiner Apfel mit Blunzn und Langustinen
- Egelseer Waldschwein & Perigordtrüffel. Knuspriger Bauch mit geschmortem Trevisano, Selleriecreme und Banyulsreduktion
- Ochsenbacke "sous vide" mit Bärlauchtortelloni
- Dessert

Gezählte fünf. Dann kam das Gedeck.

Sehr schlicht: Rohmilchbutter, gesalzen, sehr puristischer Thunfischaufstrich, Schwarzbrot, Weißbrot. Einzige Extravaganz: hausgemachtes Popcorn mit Arganenöl und Limetten. Dazu: Vin Santo 2000 Castello di Querceto

Dann Gruß aus der Küche 1:

Minitürmchchen aus Frischkäse, Olive, Sardelle, Erdbeersauce. Bei Tisch nappiert mit Olio aus Maurino und Bianchera (Olivensorten) von Starec, einem Triestiner Architekten. Mit römischer Foccaccia. Der Schoß ist von einer weißen Leinenserviette bedeckt.

Gruß 2:

Clubsandwich (sehr dünne Toastscheiben) mit Lardo di Colonnata, geräuchertem Waller und Krensorbet.

Gang 1 wird dann endlich serviert mit Skringer Sauvignon Blanc Ried Trautenburg 03

Gelber Parika zu gelbem Parika macht sich gut. Gang 2 war mein persönliches Highlight. Die Linsen mit Spinat, die noch dabei waren und mit dem Langustino ein eigenes Gericht ergeben hätten, waren mir zu viel. Aber sonst: perfekt. Beste Blunzen seit je. Wein hierzu: GV Renner 02 Schloss Gobelsburg.

Dann entkam dem Küchenchef noch eine Zwischengeste: Gänseleber im Gewürzrauch. Optisch nicht so aufregend, aber was sich beim Öffnen der Pseudoglasschachtel abspielt, ist - aromatisch gesehen - eindrucksvoll und nachhaltig. Mit einem Schlauch wird intensive Würzluft ins Gefäß geblasen und haftet an der Gänseleberterrine. Dazu das Kompott von der Williams Christ-Birne. Und ein neckisches Mohnkipferl. Und ein Ramandolo 04 von Giovanni Dri.

Dann war es leider aus mit der Stube für mich allein. Ein runder Tisch lautstarker Herren (eigentlich nur 1 lautstarker Anführer, der seinen Geschmack über die anderen stülpte) übernahm den Raum. Ich versuchte mich nicht ablenken zu lassen: zum wirklich knusprigen Waldschweinbauch mit extrem geschmortem Trevisano in dicker Banyulssauce eine leichtfüßige und doch intensive Cuvée Cécile 2000 von Willi Bründlmayer (Pinot Noir), zur Ochsenbacke, die im Vakuum gegart war - saftig, zerfallend, großartig in der Konsistenz - ein Schluck Château Fonbadet 2000 aus dem Pauillac.

Und was so vernachlässigbar als Dessert apostrophiert wird, sind der Köstlichkeiten einige: Passionsfrucht mit Pinzgauer Schotten und Rum, in der Frucht mit Strohhalm serviert. Ananas-Pralinenraviolo auf roter Paprikasauce mit Milchschaum. Dukatenbuchtel mit Schwarzbeerkoch, Nougatfondue (rumlastig) und Rumeis. Domori Bitterschokolade-Variation mit Buttermilcheis. Crème brulee, weisse Valhrona mit Zitronenthymian, hausgemachte Marshmallows mit Kardamom, Pralinen, zum Kaffee ein flaumiges Löffelchen Mohr im Hemd. Auf weiteren Alkohol hatte ich verzichtet.

Und wohin soll'n Sie sich wenden? (auch ohne dass Gram und Schmerz Sie drücken): Gasthof Döllerer in Golling.

[Was, wenn wir dies gemeinsam hätten verspeisen können?]

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