Freitag, 7. September 2007

Zusammengeschobenes

Unbesorgtes und Aufgeschobenes hat sich zusammengeschoben, ein abzutragender Berg mit kleinen Spitzen. Viele Tage bleiben nicht mehr, bevor ich aufbreche zu den Spitzen und Zacken von Inseln, die abgefahren werden wollen, höchst kommod mit einem solch flotten Dingelchen an Automobil. Immerhin ist dort Sommer, während ich hier gestern schon durch den ersten Schnee fuhr, auf der ganz normalen Abkürzungsstrecke, vorbei an der Weltmeistersennerei. Die Kühe, die ich vormittags (fast im Stau) und nachmittags (ganz im Stau) neben der Autobahn sah, schienen ungerührt von Dauerregen und Kälte, standen und käuten mit der ihnen zueigenen Eigensinnigkeit, dazustehen und wieder und wieder zu käuen.

Montag, 3. September 2007

kann ich heute nichts besorgen ...

...dann verschiebe ich's auf morgen.

Damit bin ich, im heutigen Sprachgebrauch, prokrastin. Ich bin das zwar mit einer überzeugten Nonchalance , falle damit offenbar aber doch auch nicht in die gängige Psychologie des Aufschiebens. Allerdings kann ich zusätzlich die immer wieder auftretende Symptome des procrastin-eatings vorweisen: also jetzt trink ich erst einen Kaffee, dann tu ich was - jetzt brauch ich noch ein Marmeladebrot (aus Hainburg mitbekommen: hausgemachte Marmelade von der "Ananas-Marille" - usw.

Zum Schluss bin ich dann krank wie heute - aber im Blog besorg ich mir's trotzdem! Die Arbeit bleibt ja ohnehin da ....

Erfahrene Landschaften

Am Wochenende fuhr ich durch die Wachau, sah einmal vom einen Ufer hinüber aufs andere und dann wieder zurück vom anderen aufs eine, wohl zum letzten Mal in diesem Jahr. Einem Jahr, das mir reiche Landschaftserfahrungen geschenkt hat, immer neue Blicke auf vermeintlich Vertrautes, auf neu Angenommenes, zum Vertrauten Gemachtes; ich wurde süchtig nach diesen Begegnungen mit Wegen, mit Hügeln, mit Bergen, süchtig nach Obstbäumen, blühend wie tragend, nach Linden- und Akaziendüften, nach Weingärten und Kellergassen, nach den damit verbundenen Begegnungen. Nur mehr fahrend und somit erfahrend hätte ich mich bewegen mögen, fahrende Gesellin, stets neu ansetzend, nur nicht verharrend, wiederkehrend wohl, aber nicht bleibend.

***

Jahrgangspräsentation im Schloss: die guten Weine sind wie immer, die weniger guten leiden an falscher Frucht oder falsch verstandenem Holz, ich mag an diesem Tag nur zwei wirklich gelten lassen, den Rubin vom Franz Taferner und den so sehr konträren von der jungen Birgit Wiederstein. Alles also wie immer, so wird es auch sein, wenn ich das "Wein sein, beinander bleiben" wieder anstimme, fahren und kommen werde im Tagesrhythmus, ein Verharren und Bleiben kundtuend, wo aber werde ich wirklich sein?

Mittwoch, 29. August 2007

Welch Glück, ein Mannsbild zu sein

Diese Worte sang Genia Kühnmeier heute vormittag so beherzt und überzeugend aus weiblicher Brust, dass ich Goethes Text aus Egmont gleich als Anreiz nahm für künftige Jobüberlegungen. Ist doch eine meiner USPs neben der weiblichen Gastgeberinnenqualität auch jene bereits schon einmal firmenseitig angesprochene, nämlich der Mann im Team zu sein.


Die Trommel gerühret,
Das Pfeifchen gespielt!
Mein Liebster gewaffnet
Dem Haufen befiehlt,
Die Lanze hoch führet,
Die Leute regieret.

Wie klopft mir das Herz! Wie wallt mir das Blut!
O hätt' ich ein Wämslein Und Hosen und Hut!
Ich folgt' ihm zum Thor 'naus mit muthigem Schritt,
Ging' durch die Provinzen, ging' überall mit.

Die Feinde schon weichen,
Wir schiessen da drein;
Welch' Glück sondergleichen,
Ein Mannsbild zu sein!

Dienstag, 28. August 2007

Zetteltraum

Die zu fällende Entscheidung zwingt meinen Blick auf das, was ist, in die Tiefen des augenblicklichen Lebens. In die Abgründe? Ich aber sehe Berge, das Zimmer ist ein einziger Zettelkasten, gesammeltes Material türmt sich, ist schon auf die unbenützte Betthälfte gewandert, was für eine Verzettelung! Und ein jeder hält einen Traum. Zettelträume.

Sonntag, 26. August 2007

Der Gesang der Geister

Geister haben mich heimgesucht, ungebeten, hinterrücks über Nacht. Die lautesten unter ihnen waren jene der Angst, tanzten mir allesamt auf der Nase herum, bis Schuberts tieftönender Gesang der Geister über den Wassern sie erst durchs Festspielhaus wirbelte und dann durch Harnoncourt und Bruckners Siebte endgültig gebannt waren.

***
Als wir nach Mitternacht ins Hotel zurückkehren (jenes mit Salzburg und seinen Festspielen so untrennbar verbundene Haus, zu dieser Zeit ein einziges Theater für sich, in dem die Hirsche auf Handtüchern und Pölstern, auf Tellern und Tassen springen und geweihweise die geduckten Räume zieren), liegt eine Ausgabe der Salzburger Nachrichten bereit. Eine Kollegin schreibt über jenen alpingastrosophischen Event, den ich mir auch, mehr privat, gegönnt hatte. Die Bilder sind gut, von Bildern lebt die Zeitung, der Text ist – nun, er genügt wohl, wer will sich denn noch auf erzählendes Wort einlassen, um daraus eigene Bilder entstehen zu lassen? Eine der vielen Überlegungen der letzten Tage ist wieder da: wie wichtig ist mir diese Egobefriedigung pur, die in den letzten Monaten so herrliche Blüten getrieben hat, wirklich? Da und dort und hin und wieder auch den eigenen Namen lesen zu können, über einem Text, der Text sein darf?

***
Wir sind wegen Harnoncourt in die Stadt gekommen, und jetzt lastete die zu fällende Entscheidung über den Tagen. Alles war zurechtgelegt, die veränderten Strukturen, die Aufgaben, ja auch der tägliche Reiseweg, alles war schon geordnet gewesen, auch was mir an Zeit bliebe für den Geliebten und die Kinder, und wie ich noch welche für mich finden könne. Vorgestern noch, den Chiemsee passierend, aus den Bergen in die plötzliche Weite fallend, schien alles so klar und überzeugend; doch dann hatte ich die verwinkelten Räume in der Stadt vor mir, und vor allem jene eine Stelle bei den Stufen legte sich allmählich, in den Nachtstunden daherschleichend, mit ihrer Enge aufs Gemüt und ließ mir jene Angst, die ich ausgetrickst hatte, wieder aufstehen.

***
So aus dem Nichts auftauchend habe ich die Siebte Symphonie von Bruckner noch nie gehört. Selbst ganz oben, in den Rängen des Festspielhauses, war jeder hingehauchte Ton zu hören, atemlose Stille rundum, da bin ich auch dem Publikum dankbar für diese Konzentration. Es war ein großer Wunsch von mir gewesen, einmal Harnoncourt live zu hören, schwierig war es gewesen, überhaupt noch Karten zu bekommen; alles Drumherum war arrangiert und – was zunächst nicht selbstverständlich war – gelungen; da saß ich aber nun mit dieser unerwarteten Trübnis statt reiner Freude und wollte doch ihm, der dies alles ermöglicht hatte und dem das gemeinsame Hören und Erleben zu einer solch großen Wichtigkeit geworden war, nichts davon allzu sehr spüren lassen, ihm die Freude nicht nehmen. Harnoncourt ließ kein falsches Pathos aufkommen. Setzte die Themen und Motive ganz klar hin, nichts verschwamm im trügerischen Schmelz und Saft, so luzide, dachte ich, und immer wieder dieses Auflaufenlassen, wo eine Erwartung ist und ein Anderes kommt, das aber gut ist.

***
Mit dem Herausschälen und Entkernen fielen auch mir nach und nach die Mahre der Nacht ab, die nicht einmal ein Gesicht hatten, Alben, die auch im gleißenden Sonnenlicht drücken wollten. Ich tauchte ein in Bruckner und auf erst wieder daheim, im Sommerdaheim des Hirschen, das ich mir nimmer wegzudenken vermag aus meinem Leben. Ein Schatten ist geblieben von diesen zwei Tagen, der wird mich begleiten, aber es ist gut zu wissen, dass er da ist, er hält die zu hohen Erwartungen, die ich auch immer an mich selbst habe, ein wenig in Zaum.

Donnerstag, 23. August 2007

Der erste Freund

[Ein Special für die Tochter der Testsiegerin]

Das Kind, eben erst aus Wien zurück, will gleich in die Stadt. Kaum im Auto, die Frage:
"megst wos neis wissn?"
"Ja?"
"I hob an Freind!"
Sofortbremsung und spontane Umarmung meinerseits.
"Wer?"
"Da Sennad, woaßt eh, wo die Simmi und i letztn Montag so long woan"
"Ah-der Bosnier! Ist der auch ein Skater?"
"Na, eha a Fuaßbolla"
"Aha, und arbeitet und ist 18?"
"Na, zwanzge"
"Oh - dann willst du jetzt wohl wie deine Schwester damals sofort zur Ärztin und die Pille?"
"Na ja ..."
"Morgen hab ich einen Termin, um halb elf, komm gleich mit"
"Na gehd ned, i foa mid da Pia shoppn"
"Aber ein neuer Termin kann dauern, ich hab dir allerdings Kondome gegeben."
"Mamaaa...!!!"
.
.
.
"War er in Wien mit?"
"Na"
"Ja seit wann dann?"
"Seit gestan"

"??? Wie geht das?"
"mid sms!"

...

Wenn diese first love mit sms geht, wozu dann die Muttersorgen??

Sonntag, 19. August 2007

WaldWildSee

Ich verließ den großen See und befand mich plötzlich zwischen vielen kleineren, waldumgeben. Vielleicht hätte ich den vor mir parkenden Mann nicht so freundlich grüßen sollen, automatisch, dann wäre mir die Mulmigkeit später erspart geblieben; den Gruß hätte ich, als er ausstieg, ohnehin wieder am liebsten verschluckt, da sah ich erst diesen wenig präzisen Blick, diese ganze große schlacksige unsichere Figur, die hilflos in schweren Schuhen steckenden weißen Beine, eine altmodische kurze Hose, ein Leinenrucksack in den Arm gepresst, trottender Gang. So wie er mich ansah, schien er einer jener zu sein, denen halbwegs erbauliche sexuelle Begegnungen bislang verwehrt waren, wenn es überhaupt jemals etwas in der Art gegeben haben sollte; ein Mensch, in dem sich die Unsicherheiten so aufgetürmt haben, dass die Unruhe des Blickes direkt aus den Ungewissheiten im Inneren zu springen schien.

Da er sich dann aber abwandte und in die Gegenrichtung schritt, dachte ich nicht weiter und ging mit meiner Kamera zu jener Wiese, auf der, steil abfallend zu einem kleinen See, ich am Vortag ein paar Weinstöcke gefunden hatte, ganz junge Reben noch, die blaue Trauben trugen. Einer jener ominösen 99-Stöcke-Weingärten offenbar, die bis zu dieser Zahl als Hobby durchgehen und deshalb rund um den Chiemsee neuerdings in Mode gekommen sind. Danach wollte ich im größeren See gegenüber ein kurzes erfrischendes Bad nehmen, ein Handtuch hatte ich im Auto liegen, im Zurückgehen aber sah ich den Mann von vorhin wieder entgegenkommen, auf der anderen Straßenseite, er sah verstohlen zu mir herüber, ging weiter zu dem See, von dem ich gekommen war, und schien mitder Wiese unten Gefallen zufrieden, er hatte wohl Badesachen im Rucksack.

Ich nahm mein Handtuch, kletterte über die Holzabsperrung neben der Straße und rutschte die kleine Böschung hinunter ans schattige Ufer; die Stelle hatte mir gefallen, weil da ein bequemer Einstieg zwischen dem Schilf zu sein schien. Erst aus der Nähe sah ich die Schlammbrocken am Uferrand, und als ich - nackt, die paar Radfahrer, die mich hätten sehen können, für die Autos war ich zu tief, rührten mich nicht - ins Wasser stieg, fühlte ich den tiefen weichen Boden unter den Füßen, Schlamm und Blätter, erst viel später ausreichende Schwimmtiefe, ich mag doch so weichen Untergrund nicht, ich mag keinen Schlamm, ich mag auch keinen Sand, genausowenig mochte ich Gips, sieben Jahre habe ich mit einem Stuckbildhauer gelebt, seine Werkstatt zu betreten hatte mich immer Überwindung gekostet. Aber das Wasser dann, herrlich, seidig fühlte es sich an, und ich war an einem gänzlich unberührten Ende des Sees, nur auf einem Steg auf der weit weg gegenüberliegenden Seite tummelten sich andere Menschen.

wasser

Im Zurückschwimmen fühlte ich den mir unangenehmen Untergrund, den ich zum Verlassen des Wassers würde betreten müssen, schon lange vorher, als mein Blick sich zur Straße wandte und der Mann mit dem Rucksack wieder zurückkam. Ganz vorsichtig, ohne ein Schwimmgeräusch zu machen, glitt ich hinter die Abschirmung der Bäume am Ufer, ich wollte nicht, dass er mich sähe, er könnte dann vielleicht nachschauen, würde die Kleidung am Ufer entdecken, nicht dass ich wirklich ängstlich war, mir könne etwas geschehen, aber ich wollte keine Komplikation des Tages, der bis dahin so wundervoll gewesen war, ich wollte keinen möglicherweise verwirrten Menschen in seiner Unbeholfenheit ertappen, wollte ihm ein Exponieren ersparen, und so hielt ich mich während seines Vorübergehens immer im Sichtschutz der Zweige. Erst nach einem weiteren Zögern wagte ich mich ans kurze steile Ufer, der Schlammgrund hatte für diesen Moment seinen Schrecken verloren, ich hüllte mich schnell in das Handtuch, schnappte die Kleidung und huschte barfuß über die Straße zum Auto.

Ich war froh, es nach dem Fotografieren umgeparkt gehabt zu haben, so stand ich nicht mehr hinter dem des Rucksackmannes, der aber war inzwischen schon eingestiegen und losgefahren. Als ich die Autotür öffnen wollte, sah ich, was die wirkliche Bedrohung dieses Ortes war: ein Schwarm von Gelsen, groß und blassgrün, schien aus dem Nichts gekommen zu sein; es gelang mir einzusteigen, ohne eine einzige mitzunehmen. Etwas mühsam kleidete ich mich im stickigen Auto an und wagte erst nach einigen Metern Fahrt das Fenster wieder zu öffnen.

Einige Kilometer und wunderschöne Landschaftsblicke weiter, als ich gegen die schwarzen Gewitterwolken fuhr und keine Fragen hatte, weil nichts auf mir lastete und ich ohnehin überzeugt war, dass alles Wesentliche rechtzeitig zu meiner Kenntnis käme, da stand sie plötzlich da:

antwort

Erst ein Anruf viel später war eine gewichtige Frage auf. Für die Antwort darauf werde ich viel Zeit und Rat benötigen.

Freitag, 17. August 2007

Trakl in Salzburg

trakl-klein

gut.

Das machst du gut sagte der liebende Bruderfreund, sprach vom Hirschen und mir. Es ist gut, denk ich mir, aber machen? Und dann: Gut - worauf bezogen? Gut für mich, für ihn? Aber: ein Gut ist sie, diese Geschichte.

Diejenige, von der ich so gern einen Satz dazu hören würde, kann ihn nimmer sagen, weil ihre letzten Worte schon so lange verklungen sind, jene, der nach einem jahrelangen qualvollen Sterben im letzten Augenblick (ach, falsches Wort, das Augenlicht war schon viel früher von ihr gegangen) mehr die Sorge um die Familie als die Wahl der Worte am Herzen lasten musste. Von ihr wüsste ich wirklich gerne, ob es gut ist, was ich da mache.

Sie sind

Du bist nicht angemeldet.

Sie lesen:

Beiträge zu meiner real virtuality

sehsucht

schmeckenkosten

Was gibt es Neues?

love
I saw a hope in the game. sex doll
ulovesexdoll - 2018-12-13 06:51
Wow, ich mag das Licht...
Wow, ich mag das Licht und die Anzüge! Vokalmusik ist...
karrri - 2014-06-24 12:18
einfach nur schön finden...
einfach nur schön finden geht auch
uferlos - 2011-10-08 00:28
lasst mir noch ein bissl...
lasst mir noch ein bissl zeit. vielleicht gibt es ein...
ConAlma - 2011-10-07 11:40
Was gab's denn so wichtiges...
Was gab's denn so wichtiges anderswo?
rinpotsche - 2011-10-07 00:37
!
!
books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
sang und klanglos :-(
profiler1 - 2011-10-06 21:55
Erwischt... und Sie fehlen...
Erwischt... und Sie fehlen...
katiza - 2011-10-06 10:34

wo?

angel underline de ätt kufnet dot at

Suche

 

Status

Online seit 7494 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2021-07-15 02:08

Credits

Web Counter-Modul

kostenloser Counter


adventkalender
aus dem arbeitsleben
aus dem kulturbeutel
aus dem reich der sinne
Autofahrer unterwegs
begebenheiten
blogweise
einfach zum nachdenken
es wird ein wein sein
farben
filmblicke
fundsprüche
gehört
gelebt: kitsch und literatur
gelesen
geschichten aus dem großraumwagen
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren