Donnerstag, 31. Januar 2008

Kult

Eine wertvolle Linkspende sogleich nützend, nehm ich mir dies Zitat:

Um einen Feuerball rast eine Kotkugel, auf der Damenseidenstrümpfe verkauft und Gauguins geschätzt werden. Ein fürwahr überaus betrüblicher Aspekt, der aber immerhin ein wenig unterschiedlich ist: Seidenstrümpfe können begriffen werden, Gauguins nicht. ... Die tausend Kleingehirn-Rastas embêtantester Observanz, welche erigierten Bourgeois-Zeigefingern Feuilletonspalten servieren (o pastoses Gepinkel?), um Geldflüsse zu lockern, haben dieserhalb Verwahrlosungen angerichtet, die noch heute manche Dame zu kurz kommen lassen. (Man reflektiere drei Minuten über die Psychose schlecht behandelter Optik; klinisches Symptom, primär: Unterschätzung der Damenseidenstrümpfe; sekundär: Verdauungsbeschwerden.)

[Walter Serner]

und passe es in den gestrigen TV-Abend, der ein Kult-Programm verbarg: 3sat nahm sich des allerersten Kottans an, jenes mit Peter Vogel als Kommissar. Abgesehen von aller Dichte an vergangenen Lebensumständen (Telefon mit Wahlscheibe, und das nur beim Friseur gegenüber stehend - hübsche Mini-Szene: Regisseur Peter Patzak, der sich seine dunkle Lockenpracht massieren lässt; metallene Koloniakübel, massive Bassena-Kultur und unsägliche 60er-Tapeten - und vor allem die Jugo-Gastarbeiter als Permanentverdächtige) kam den Damenstrümpfen große Bedeutung bei - denn Frauen wie die, die zur Leiche wurde, tragen tunlichst Kräuselstrümpfe, aber gewiss keine seidenen! Da hatt Herr Kottan selbst die Bedeutung der Damenseidenstrümpfe unterschätzt, und die Verdauungsbeschwerden sind in einem Haus mit Klo am Gang ohnehin öffentliches Gut ....

Winterfreuden: Lockerung des Ich

Frau Alma sucht ihr Vergnügen im Winter auf mannigfaltige Weise: mit dem Hirschen als adrettes Trachtenpärchen verkleidet, schwingt sie das Tanzbein zu Boarischen und Schiebern auf dem Jägerball in der Unteren Schranne (Lockerung der Gliedmaßen), entdeckt im Weinkeller des Landwirtshauses einen Brunello Pian delle Vigne 1997, erster Ansatz zu rauschhafter Lockerung des Ich.
Und morgen begibt sie sich auf Wedeltage ins Hochgebirg, allwo eine Rausch- und Wunderkammer besonderen Zuschnitts weitere Lockerungsübungen verheißt, wobei die in diesen Tagen vor allem angestrebten Rauschzustände ihr Potential nicht in der Ernüchterung zeigen sollten!

Samstag, 26. Januar 2008

Börsencrash? - Geldbörsel!

Der heutige Kommentar von Herrn Glattauer trifft's wieder einmal.

Donnerstag, 24. Januar 2008

solera

Der Zug verlässt S. in einem weiten Bogen. Sitzt man richtig, ergibt sich ein überwältigender Panoramablick auf die Berge Richtung Süden, vom Salzburgischen bis ins Bayrische. Die Sonne hält jetzt schon länger an, färbt die schneebedeckten Kämme und Spitzen rosarot; bis ich daheim bin, ist nur noch ein matter dunkeloranger Schein im äußersten Westen zu erhaschen.

Die Lektüre ermüdet die Augen vorschnell, ein Begriff bleibt hängen, Solera. Bevor ich in den Reiseschlaf hinübergleite, fantasiere ich über die Möglichkeiten der vielen Fässer. Wenn ich immer aus der untersten Reihe Wein entnommen habe zum Abfüllen, aus den oberen Reihen nachfülle, und dies immer schon so getan habe, dann bleibt in diesen untersten Fässern doch von jedem jemals nur in sie gefüllten Weines etwas zurück, vermengt mit den anderen Weinen und Jahrgängen, aber etwas davon bleibt. So wie bei homöopathischen Mischungen müsste noch vom ersten je gefüllten Wein zumindest eine Information darin sein, etwas von seiner Energie. In einer Flasche Sherry oder auch Brandy liegt so das akkumulierte Wissen ungezählter Weine, was für eine herrliche Vorstellung!

[Wie komplex die Sache mit der Solera ist, kann man hier nachlesen]

Mittwoch, 23. Januar 2008

Zusammengeklappt

Wie lebt ein Mensch, der zusammengeklappt durchs Leben gehen muss?

Soeben hielt ich am Zebrastreifen, eine junge Frau, in der Hüfte zusammengelegt, die Beine geradeaus gestreckt, der Oberkörper auf den Oberschenkeln, so in den Rollstuhl gezurrt, die Hände an den Rädern, den Kopf in den Nacken geworfen, um zu sehen, wo es langgeht, überquerte die Straße.

Dienstag, 22. Januar 2008

Blumen im Hintern

Lähmender Halbschlaf im Morgenzug. Die Vollmondnacht brachte schwere Träume und unruhigen Schlaf, aber keine Erholung. Langsam dringt die Stimme des immer pausenloser vor sich hin plaudernden Mädchens in mein Bewusstsein. Es scheint Gefallen an dem Burschen gegenüber gefunden zu haben, der dem unbekümmert auf ihn niederprasselnden Wortschwall nichts entgegenzuhalten vermag. Er muss irgendwann einmal angemerkt haben, bei der Rettung zu helfen, denn plötzlich ergießt sich eine Fülle an makabren Vorstellungen von Hilfseinsätzen in den Raum. Blumen im Hintern war noch die harmloseste, stell dir vor, die müssen dann im Krankenhaus so warten!

Freitag, 18. Januar 2008

Pragmatismus-Balance

Wie viel Lebenszeit hab ich darauf verwendet, die Nähe von Grenzgängern zu suchen, glaubend, dass mir dadurch mehr Raum gegeben sei! Weit gefehlt - deren grenzüberschreitendes Suchen nahm mir mehr Luft, als mir lieb sein konnte, engte ein, wo Weite schien. In meinem nnunmehr pragmatischeren Ansatz, der mir so viel mehr Möglichkeiten lässt und Raumtiefen erschließt, passt gut die aktuelle Ausgabe des auch ästethisch wertvollen Wirtschaftsmagazins brand eins, das gegen extreme Erscheinungen wie Fanatismus, Dogmatismus und alle möglichen Grenzsuchungen eine Rezeptur vorrätig hat.

Freilich frage ich mich, ob mir der bewusste Pragmatismus etwas vom Enthusiasmus, der mich ja auch immer wieder beflügelt, nimmt. Die rechte Dosage macht es aus (ja ja, Sweetness ist auch bei trockenen Wesen möglich), denn nein, in bestimmten Zusammenhängen ist da kein Mangel an Enthusiasmierbarkeit festzustellen! Und in anderen wiederum ist mir die pragmatismusdosierte Balance einfach lieber.

Extremmusiktube

[Dank an brand eins für weitere Entdeckungen Extremer Musik wie dies oder das]

Mittwoch, 16. Januar 2008

Der Schnorrer

Vorsicht, ein Schnorrer! flüstert die Kollegin, derweilen der Mann durch die Regale im Oberstock schleicht, ich hab ihn erwischt, im alten Geschäft, als ich etwas aus dem Kühlraum holen wollte und die Tür öffnete, saß er drin und hat gegessen! Und als ich noch ungläubig eine solche Situation mir vorzustellen versuche, setzt sie nach: Und ein anderes Mal, da wollte ich was aus dem Lager holen, da war er auch drin und hat in den Regalen gekramt. Aber vor dem Geschäftsführer alles abgestritten!

Ich beobachte den schmächtigen Mann, Brille, Pulli, Sakko, Ende Dreissig, oben unauffällig, aber unten eine um gut 10 cm zu kurze Hose an (falsche Größe geschnorrt? kann ich mir nicht verkneifen zu denken), und in dem Augenblick greift er sich zwei Weinzeitschriften. Die sind zu bezahlen! rufen die Kolleginnen unisono nach, Was? kontert er, in den Hotels liegen die massenweise auf! - Mag schon sein, diese Tourismus-Promotion-Journale, aber das hier sind aktuelle Weinzeitschriften, die sind überall zu bezahlen! - Nein, in den Hotels nicht beharrt er und klammert sich an die Hefte, dann gehen Sie doch in die Hotels! platzt mir der Kragen, indigniert legt der Mann die Zeitschriften zurück, ja murmelt er, bleibt noch kurz bei den aufgelegten Tageszeitungen an der Bar hängen, und geht ab.

Journalist sei er, gerüchteweise, sagt die Kollegin noch, das trifft mich in meiner Teilzeitehre, aber dass da einer im kalten Kühlraum hockt und vor sich hin isst, das bedarf schon besonderer Chuzpe, bleibt als Bild der traurigen Lächerlichkeit hängen..

Montag, 14. Januar 2008

avec ailes d'ange

Im Schein
des Leselichtes nehme ich zur Hand
was anderswo mir zugedacht,
Gedanken über eine Himmelsmacht
(auf Engelsflügeln überbracht?).

Ich schlage auf und wähle aus, nach Willkür, und die Neigung liest
im Codex XVII aus Ritterszeit den Satz,
der jedes Sentiment vertreibt:
Eine Neue Liebe vertreibt die alte.

dabadabada eben.



[Co(i)nspirative Überraschungen würzen den vorsätzlichen Pragmatismus meines gegenwärtigen Lebens. Frau Alma dankt.]

dabadabada

... und Männer anscheinend speziell dazu neigen, in der Auseinandersetzung mit starken Frauen zu regredieren und in die Kindheit zurückzufallen.

Danke, Gloria Steinem, für diesen starken Nachsatz, der für mich lebensdurchgängig beobachtbar war und ist, auch im engsten Freundeskreis.

An solche Ab- und Umwege zwischen Mann und Frau werde ich aber sicher nicht denken müssen, wenn ich zu meinem (noch fernen) Geburtstag auch dort sein werde (was hat mir mein Unterbewusstsein da zusätzlich an Idee beschieden?)!

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ulovesexdoll - 2018-12-13 06:51
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ConAlma - 2011-10-07 11:40
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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
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sang und klanglos :-(
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