Montag, 26. Mai 2008

Das erste Eierschwammerl der Saison

... kam aus Rumänien, war klein und knackig und Teil eines Gesamten aus Mariasteiner Lachsforelle mit Flusskrebsen in feinem Gemüsesud mit Artischocken und wildem Spargel; das Gericht selbst wiederum Teil eines gesamten Überraschungsmenüs.

Am Nebentisch wurde lautstark die Überflüssigkeit der Flusskrebse angemerkt, aber es gab auch um den Wein eine ständige Diskussion - hätten sie doch nur auf jenen anderen Teil der Karte geblickt, wo wir unseren 1996 Haut Batailley (zu einem höchst attraktiven Preis) gefunden haben, erotisch sagt der Hirsch und bekommt seine Nase nicht mehr aus dem Glas.

Dennoch waren sie höchst unterhaltsam, die von nebenan, der musikalische Mastermind und der unerbittlichenFinancier von Erl, oft uneins in Entscheidungsfragen, und doch wieder im gemeinsamen Trinken sich verlierend, mit lautstarker Unterstützung der Geldgeber-Gattin; zum Schicksal des abhanden gekommenen Lieblingswirtes meinte der Mastro nur: Der kommt scho wieder, der Otto, bald!

Apostroph

In meiner Sechziger-Jahre-Kindheit gab es eine Radiosendung namens "Sprachpolizei" - Karl Hirschbold, der Autor, hat seine sprachbeobachtende Tätigkeit dann auch schriftlich in der "Presse" fortgesetzt. Ich mochte schon damals diese grundlegende (und auch sehr grundsätzliche) und, wie ich in Erinnerung zu haben vermeine, pointierte Form der Betrachtung von Sprache in ihren Veränderungen und - ja, Inkorrektheiten.

Dass Sprache nichts ist, woran man sich festhalten kann, Sätze nicht das, was sie scheinen, lernte ich in den folgenden Jahren rasch. Aber das ist Inhalt. Nur beim Grundgerüst, der Grammatik, auch der Schreibweisen, die viel mehr Inhalt transportieren als Reformer mit Vereinfachungswillen offenbar glauben, da hab ich immer wieder Schwierigkeiten, Veränderungen oder noch viel mehr Nachlässigkeiten hinzunehmen.

Beim falsch gesetzten Apostroph aber kann ich mich wirklich echauffieren!
Gehäuft tritt es in der Gastronomie auf: von Lokalbezeichnungen bis zu Speisenbezeichnungen schwirrt dieses in der Luft hängende Stricherl in Wörtern herum, wo es nichts zu suchen hat, es soll sogar schon ein Schwein'sbraten gesichtet worden sein. Als Platzhalter für ausgelassene Buchstaben dient es in der Niederschrift von Umgangssprache, aber die Ausgelassenheit, mit der man sich dieses Hilfszeichens bedient, ist (für mich) oft nackenhaarsträubend.

Der Vater - des Vaters: ein lupenreiner Genetiv, der des s bedarf. Aber womöglich ist das Gefühl für den Genetiv abhanden gekommen, vielleicht liegt's (sic!) daran, oder dass der englische Genetiv das Apostroph benützt, father's - was dort stimmt, hätte auch im Deutschen Berechtigung?

Doch bleiben wir bei den Empfehlungen des Chef'sauf der Schiefertafel vor dem Lokal - dort vermisse ich vielleicht nicht mal so sehr die sprachliche Grundbildung; wenn sich ein solch apostrophierter Genetiv aber auf einer literarischen Seite einschleicht, sehe ich, wie unreflektiert der Usus dieses kleinen Zeichens geworden ist!

Sonntag, 25. Mai 2008

Semikolon

Soeben bei der Textarbeit festgestellt:

Es vergehen nur wenige Absätze ohne Strichpunkt. Er ist mir ähnlich lieb wie Doppelpunkt und Bindestrich - um Gedanken zu strukturieren, Rhythmen zu lenken, ein Innehalten anzudeuten, aber nicht so explizit zu machen wie der Punkt.

War da nicht unlängst ein Aufsatz dazu in der Presse gewesen? Oh ja!

Der Gartenwächter

Der Morgen war schattig und mild. Still. Vogelgezwitscher. Gibt es keine Vögel mehr? sagte die Mutter unlängst, ich höre kaum mehr welche. - Doch, sie sind alle da. Jeden Morgen um spätestens halb sechs werde ich von ihnen geweckt. - Dann muss ich mir wohl endgültig ein Hörgerät besorgen.

Zu Mittag hat sich Wind erhoben, ein warmer Südwind. Bei geschlossenen Augen fühlt es sich an wie Sommer.

Dieser hier steht Sommer wie Frühling wie Winter mit gleichem in sich gekehrtem Blick da:

gartenzwerg-001

Künstlerentwurf, limitierte Auflage. Höhe ca 54 cm. Gewicht: Beton. Preis: auf Anfrage.

Das Gras ist mir entwachsen.

Ich kauere am Kräuterbeet, in der Hand die Grasschere. Die kleinen Kräuter haben zu wenig Sonne, werden nicht nur von Russischem Estragon und Liebstöckel überschattet, sondern müssen sich auch vom rundum wuchernden Gras umzingelt fühlen. Mit der Linken umfasse ich die Büschel, greife in sattes, freuchtes Grün. Es geht ganz leicht, ich gerate in einen Schnitttaumel. Statt der Beetumrandung ist bereits eine quadratmetergroße Wiesenfläche freigelegt.

gartenschnitt

Der Bodengrund ist nicht schön, aber lebendig. Kleine weiße Nacktschneckenbabies sind auf einmal dem Licht freigesetzt. Am Sockel des Gartenzwerges kauern dunkle Käfer, Schattenwesen, die gleich flüchten. Ich hebe den Betonzwerg an, unter seinem platten Fußgestell sieht man Gänge im Erdreich, Spuren von sonst nicht sichtbarer Bewegung. Ich fasse weiter und weiter ins oberflächlich dichte Gras, das, einmal geschnitten, seinen trügerischen Anblick offenbart: übrig bleiben gelbliche Stumpfe, einzelne Stöcke, dazwischen unbewachsene Stellen. In der Mitte der Rasenfläche wuchert es hoch und dick; weiter rechts ist ist es zart und fein, ganz gänseblümchendurchzogen.

Morgen kaufe ich mir eine Sichel, ich werde die ganze Wiese so bearbeiten, der Handrasenmäher ist mir längst keine Hilfe mehr. Die Nähe zum Boden gefällt mir. Was ich da alles in Händen halte: Goldhafer, Löwenzahn, Klee, Wehrlose Trespe, Wiesenknaulgras, Ehrenpreis. Die Grüne Minze hat sich unter der Steinumrandung des Beetes in die Wiese gewurzelt, sie mag offenbar die dominante Nachbarschaft des Lavendelstockes nicht. Wird der französische Estragon, den ich von der Arche Noah mitgebracht habe, da überleben?

Unter den Fingernägeln schimmert es grün. Ja, ich werde mich so Stück für Stück durch die Wiese arbeiten, hingehockt oder hingekniet, den Geruch von Erde und Pflanzen einatmen.

Freitag, 23. Mai 2008

Glückskeks

You are a master of difficult situations

Ich bade meine wunden Füße in diesem Satz.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Spiel doch mit den Schmuddelkindern!

Zugverspätungen sind für eine Vielreisende ärgerlich, ermöglichen aber dafür ausgiebige Lektüreaufenthalte in der ÖBB-Lounge bei Freigetränken. So kam ich auch zur aktuellen Titelgeschichte des Profil über neue Erkenntnisse vom Zusammenspiel Körper - Fremdkörper. Therapie zum Beispiel: Würmerschlucken.

Ich sah damit einfach Regeln meiner Kindheit bestätigt: zu viel Sauberkeit ist nicht gut, Sand essen keineswegs ungesund, der Hühnerdreck, den meine Mutter allabendlich während unserer Aufenthalte am bauernhöflichen Sommerdomizil aus den Gummistiefelsohlen stocherte, war tagsüber sicher auch irgendwo an und in unseren Körpern gelandet.

Schmuddelkinder waren wir halt.

Montag, 19. Mai 2008

Gigantischer Quantenpartikel Wein

Vinton Cerf, einer der Entwickler des TCP/IP Internetprotokolls, hat auch ein Herz für Wein. Seinem Satz "Eine Flasche Wein ist ein gigantischer Quantenpartikel." kann ich nur zu gut folgen, denn ein Quantenpartikel kann verschiedene Zustände haben, und erst wenn man ihn beobachtet, weiß man, in welchem er sich befindet.

Dass sich bei der genauen Beobachtung von Wein und seiner sich verändernder Zustände, die nicht nur durch die zuvor stattgefundene Lagerung, sondern auch während des Beobachtungs- und Trinkrituals durch die Belüftung entstehen, dann auch noch bei den möglichen Teilnehmern Veränderungen deren Zustandes einstellen, ließ sich am vorgestrigen Abend im familiären Freundeskreis wieder einmal trefflich miterleben (ein tiefer Dank an diese unermüdliche Gastgeberin samt Gespons).



Und wo sonst als im vielfältigen Beziehungsgeflecht gilt noch viel mehr: erst wenn man alle genau beobachtet, weiß man, in welchem der verschiedenen Zustandsmöglichkeiten sie gerade weilen. Da man sich aber selbst immer in einer t e i l n e h m e n d e n Beobachtung befindet, sind noch die eigenen Zustände zu berücksichtigen .... Wie gut, dass der Wein als gigantisches Quantenpartikel da ganz hilfreich ist im Entwirren von Zustandsempfindungssituationen.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Vermutungen und Schönheit

Manche Vermutungen sind richtig. Viele aber auch falsch. Auf emotionalem Feld tragen die falschen Verletzungspotential in sich. Wenn Mathematiker Vermutungen anstellen, so haben sie oft mit Schönheit zu tun. Ob sie richtig sind oder falsch, stellt sich oft erst nach Jahren heraus, gar Jahrhunderten. Das nimmt nichts von deren Schönheit.

Fundstück im Zug

Sonntag, 11. Mai 2008

Benn in Wörgl

Ungewohnte Zwischenstation nach einem Muttagsmittag im Zillertal. Unter den sms-Entwürfen (Codes, Zugänge, varia) finde ich auch Gottfried Benn:

Erkenne die Lage. Rechne mit deinen Defekten.

Fühle ich mich nicht schon defizitär genug?

Vom Glück des Fensterputzens

Der sonnige Morgen ist verführerisch. Ich könnte laufen gehen, nach viel zu langer Zeit endlich wieder Waldboden unter den Füßen spüren. Ich könnte natürlich auch, mit Blick auf die wachsende Baustelle vorm Fenster (wie lange dauert es noch, bis mir die Sicht auf den seit Kindertagen vertrauten Hausberg endgültig verstellt ist?), an längst fälligen Schreibarbeiten kauen.

Doch dann finde ich mich mit einem Packen Zeitungspapier vor den unzählichen Glasflächen der Wohnung wieder, und mit jeder wieder glänzenden Scheibe löst sich etwas von den Anspannungen der letzten Tage. Die Terrassentür sperrangelweit offen, von Vogelgezwitscher begleitet (so reichhaltig an Tönen und Stimmlagen ist es nur zu dieser Zeit) Baustellendreck von Monaten endlich von den Jalousien waschend, falle ich in die Zufriedenheit des Augenblicks.

Die Kinder schlafen noch, das Frühstück zum Tage gibts schon seit Kindergartenzeiten nimmer. Muttertag, was für eine Erfindung! Kinder seien doch die Erfindungen ihrer Mütter, rumort es hingegen gerne, wenn wieder mal nach der Schuld gesucht wird. Oh ja, Mother's Invention.

Samstag, 10. Mai 2008

14,3 Bdx/day

Ich muss auf fremde Geschichten zurückgreifen, für eigene fehlt mir heute schon wieder die Kraft, solche von Gestern werden zu jenen von Vor- und Vorvor- und Vorvorvorgestern. Und kommen möglicherweise zum wachsenden Haufen der Niegeschriebenen (mehr Wein als Schein, sei auf eine Anfrage aus dem Ehrenwerten Haus mitgeteilt).

Dafür fand ich diesen Beitrag recht vergnüglich, übers ungenierte Vernichten von "muck", was so manchem Kellerschöngeist wohl den Schweiß aufs den Poren treibt wird. Wie ja überhaupt so einige Feinheiten in den wenigen Sätzen stecken: 1945, 1947, 1961-Bdx mit Saveloy & Chips - uuuh! würde meine Tochter sagen. Oh und Withnail gibt's in 10 Teilen auf youtube!

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sang und klanglos :-(
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