Nach dieser Speise ist ein Äquator benannt.
Frau Alma hat eine Sinnkrise und lenkt sich mit Essen ab
ConAlma - 2008-08-13 14:03
Ich kaue bei Nacht.
Woran immer ich kaue, ich tue es so heftig, dass ich vom Zähneknirschen wach werde.
Ich kaue bei Tag.
Woran immer ich kaue, ich tue es so heftig, dass sich die Kiefermuskulatur verspannt und ich den Mund nicht mehr richtig öffnen, nicht mal einen Bissen Essen so recht aufnehmen kann.
Kann der Zahn, der so nagt, nicht einfach ausfallen?
Inspired by mu
ConAlma - 2008-08-12 22:11
Die beiden Männer erschienen vor der mächtigen Kulisse der Felsenreitschule unfreiwillig reduziert auf ein höchst bescheidenes menschliches Maß.
Sich eine Verbindung zur intimen Geschichte über Liebes- und Objektbesessenheit zu verschaffen war in dieser Raumunendlichkeit nicht leicht, und der Eindruck, es handle sich nicht eigentlich um den
Dichter zu Gast, sondern eine in pompösem Rahmen inszenierte Promotion für dessen neuen Roman, ließ sich nicht wegschieben.
Helmut Lohner las einige Passagen aus der deutschen Übersetzung vor, aber seine schnarrende Stimme und der immer ein wenig auf Effekt bedachte Tonfall mochten atmosphärisch so gar nicht zu dem Text passen, in den man bereits gefallen war dank Pamuks von immer feinem Lächeln begleiteter eigener Worte zu den 600 Seiten, in eigenwilligem Englisch und endlos mäandernden Sätzenvorgetragen, in deren Fluss man am liebsten geblieben wäre.
Will man nun wissen, wie es zu den 4213 gesammelten Zigarettenkippen kam und zu all den anderen Objekten aus der Berührungsnähe der Geliebten? Bei gebackenem Kalbskopf und Veltliner im Garten der Blauen Gans gerieten Frau S. und ich allzu schnell vom Thema des Nachmittags zu eigenen Obsessionen. Und die Philharmoniker warteten auch schon.
ConAlma - 2008-08-10 11:26
-Sono scellerato
Perché son uomo
singt Jago, sich zum Dämon von eigenen Gnaden stilisierend (aber im Showdown dann eine höchst lächerliche, nur mehr stammelnde Figur abgebend), während Otello durch die starre Kulisse taumelt, zu zart die Stimme, um sich über den doch so weich und dunkel gefärbten Klang des Orchesters zu erheben. Liebe, Raserei, Eifersucht - die großen Gefühle erstarren in einstudierten Bewegungen, als wären sie nie selbst gefühlt worden, als wäre der Sänger diesbezüglich noch unbeschrieben; ja, junge, noch wenig beschriebene Kräfte habe sich Muti hiefür geholt, war zu lesen. Starr auch die Personenführung, statisch die Chöre, die venezianische Wollüstigkeit der Kostüme erstickt im Halbdunkel der Bühne, in der Steife der Choreographie, und als im hinterhältig vertraulichen Zwiegespräch Jago-Cassio die beiden immer dann zu einem festgefrorenen Filmkader werden, wenn der verborgene Otello das Gehörte kommentiert, wird die ungeschickte statische Gewolltheit der Inszenierung, die da ins Lächerliche gleitet, überdeutlich.
Die zarte Transparenz der Vorspiele zum dritten und vierten Akt, die plakativ in unschuldiges Weiß gekleidete, auch stimmlich fließende Desdemona stimmen nur vorübergehend milde, der Abend bleibt als Unbehagen hängen. Die Salzburger Nacht danach ist kühl und menschenleer.
Heute 20:15 3sat
ConAlma - 2008-08-10 09:35
Eineinhalb Stunden nach dem ersten Erwachen schrecke ich mit diesem Satz aus schwerem Morgenschlaf. Ist er die Beschreibung eines gegenwärtigen Zustandes? Dieser anhaltenden Lähmung, die allgemein verständlich als Ich genieße nach Monaten der permanenten Anspannung meinen Sommer kaschiert wird, dass ich's bald selbst glaube, dass es so sei. Doch wo nur tu ich's? Ich taumle durch Felsenreitschule und Festspielhaus, ein schwachbrüstiger Otello macht mich traurig, eine dumpfe Kasarowa ebenso, der Kiefer-Pavillon, Minikathedrale und gelegentliche Zuflucht, wird von Unverständigen heimgesucht oder ist gar verschlossen, ich habe einen Abend übrig, Vanessa Redgrave monologisch oder doch die Klanglabyrinthe des Salvatore Sciarrino?
...
Das Haus, das mir sieben Jahre lang Heimstatt war, ist zu einem Mutter-Kind-touristischen Objekt verkommen, der schattige Obstbaumgarten mit der tiefen Mooswiese ein riesiger, kiesbestreuter Platz geworden, niemand stößt sich dran, dass die Klettergeräte hier wohl fehlgestellt sind. Auf der Rückseite des Hauses statt Wiese Wasser, gesammelter Regen auf zerfurchtem, durchgrabenem Untergrund, ein bisschen glücklich bin ich hier doch gewesen, als alles noch anders war? Der mit mir diese Jahre geteilt hatte, ist ungewohnt analytisch, zu dunkel sei es gewesen, die Fenster zu klein, alles beengt und beengend, und ja, sage ich, nur in meinen Träumen, diesen wiederkehrenden, ist alles hell und luftig und offen, als sei's so gewesen.
Wie wir da im Traum über vergangene Träume sprechen, der kurze Dialog als luzide Gegenwart genommen wird, wie er, selbst geträumt, andere zu vergangenen Zeitpunkten tatsächlich stattgefundene Träume referenziert - diese Schichtung von Träumen erstaunt mich noch lange nach dem Wachwerden.
ConAlma - 2008-08-10 07:50
Mittagstisch in Lech. Sollte im "La Fenice" nicht Vivaldi serviert werden?
Vielleicht aber auch Übereifer bei der Erfüllung der Rechtschreibnormen ... war am 1. August.
ConAlma - 2008-08-04 17:34
Gestern tat ich's gebückt, dann in der Hocke.
Wie machen das die kleinen Kinder nur? Beschäftig sie etwas auf dem Grunde Liegendes (und immer ist alles des Augenblicks grundlegend), so gehen sie einfach in die Hocke und verharren dort, als gäbe es keine andere Haltung.
Heute versuchte ich's im Knien. Nicht weniger zu spüren auch dies. Aber sofort kam mir dieses Gefühl von Demut, das dem Knien offenbar zughörig ist. Und mit einer ganz anderen Geste griff ich ins Gras, fasste es zu Garben und schnitt es mit gesenktem Haupt.
Bin ich hoffärtig gewesen? ging es mir durch den Kopf, aus dem feuchten Boden stieg Unsicherheit, aber auch Erkennen, die Wiese als Spiegel.
Be my mirror
ConAlma - 2008-07-28 14:20
Die sonnenreifen Himbeeren bringt mir der Geliebte vom Sommersitz, "in die Moosbeer" geht auch immer wieder wer, und die Brombeeren kann ich mir täglich frisch in Nachbars Garten pflücken, wo sie überreich an den Sträuchern hängen.
Was mach ich nur draus?
ConAlma - 2008-07-27 10:56
An einem bestimmten Tag im Juli, sagt der Hirsch,
verstummt der morgendliche Gesang der Vögel. - Ja, dachte ich, an den letzten Morgen, als ich bewusst früh aufstand, um mir die Energien des langsam beginnenden Tages zu wahren, fehlte etwas. - Ich schmiegte mich noch enger an ihn und horchte ins Dämmern hinaus. Nichts, nicht einmal Wind, Hochsommerstille.
Testosteron und
aktive Gonaden, so lese ich nach, sind für die wochenlangen Gesangseinlagen zu früher Stunde verantwortlich, die, triste triste, mit postnuptialer Mauser verebben.
So singe ich nun selbst - postcoitale Traurigkeit ist mir, mehr Mensch denn Tier, fremd.
ConAlma - 2008-07-26 13:12