Nach über 400 Kilometern und 182 Weinen erwache ich von einem merkwürdigen Krächzen/Krähen: ein Fasan und seinen Hennen spazieren durch den Morgentau eines sich in aufbrechender Blüte befindlichen Gartens, dahinter fließt dunkle und still der Kamp.
Nach Jahresfrist war es mir wieder vergönnt, durch eine seit Kindheit vertraute Landschaft zu fahren; endlose Kirschbaumalleen in voller Blüte, Ebene und sanfte Hügel wechseln einander ab, im nordöstlichsten Eck ist kein Empfang mehr für OE1, dafür gibt's slowakische Popmusik. Rebhühner spazieren auf der Straße, die Felder sind bevölkert von Hasen, Rehen, Fasanen. Aber nicht überall ist Idylle: der Neubau der B7 schneidet sich mit meterhohen Erdanhäufungen durch die erwachende Landschaft, LKW stößt an LKW auf dem verbleibenden Rest der Fahrspur Richtung Norden, immer wieder liegen zerquetschte Hasenfelle auf dem Mittelstreifen.
Aber das alles sind Geschichten von gestern, am Gaumen liegt noch die Erinnerung an Rote und Frührote Veltliner, Grüne sowieso, Weißburgunder, Traminer, Zweigelt, sogar Syrah, das ganze Sortenspektrum des Weinviertels bis hinunter zum Kamp.
Frau Alma wird heute noch dem Hirschen auf seinem Frühjahrsritual folgen, eine Woche in den französischen Bergen hoch droben, Sonne und Schnee, eine Woche weitab von allem.
Urlaub.
ConAlma - 2008-04-18 08:12
Aus purer Liebe tu ich, was ich sonst nicht mag - mit Vorbehalt jedoch:
1. Setze einen Link zu der Person, welche dir das Stöckchen zugeworfen hat.
Mock turtle
2. Erwähne die dazugehörigen Regeln in deinem Blog.
StöckchenspenderIn verlinken, 6 Macken nennen und 6 potentielle StöckchennehmerInnen verlinken
3. Erzähle von dir 6 unwichtige Dinge/Gewohnheiten/Macken.
Eins. Die meisten Geschichten entstehen unterwegs, wenn ich sie nicht festhalten kann.
Zwei. Wenn ich ankomme, habe ich meist keine Möglichkeit, sofort ans Werk zu gehen. Die Wichtigkeit der Geschichten verliert sich später in Müdigkeit, die Erinnerung an sie verblasst.
Drei. Tägliche Geschichten auf täglichen Fahrten - welcher Erzählschatz wäre dies!
Vier. Ich erwache fast jeden Tag zwischen fünf und sieben Uhr. Ich stehe selten später auf.
Fünf. Um sieben Uhr richte ich die Schlujause für meine Tochter, damit sie zumindest einmal am Tag das Gefühl hat, die Mutter kümmere sich um sie.
Sechs. Wenn ich Wein zum Verkosten im Mund habe, spucke ich nicht mehr unbedingt. Die Herren Polizisten in ihrem Versteck an der B7 gestern hätten möglicherweise ihre Freude gehabt.
4. Stöckchen weitergeben
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!
ConAlma - 2008-04-16 08:52
Alois Lageders kleine, feine
Summa in seinem wundervollen Cason Hirschprunn ist alljährlich (und dies seit 10 Jahren) eine gehaltvolle Anti-Vinitaly-Veranstaltung, wo es ausreichend zu kosten gibt, aber auch der persönliche Kontakt zu Winzern (und damit vielen Freunden) ungleich näher und inniger ist. Italien, Deutschland, Österreich, Portugal: wer auch immer hier vertreten war, befand sich nicht nur in guter Gesellschaft, sondern auch in einem ungleich wertvolleren Rahmen - denn es ist schon ein Unterschied, ob lustige Menschentrauben samt Kinderwägen und Lufstballonwurstviecherln (ja, so soll es zugegangen sein in Verona) vorüberziehen oder handverlesene Gäste wie Winzer die Atmosphäre eines alten Getreidespeichers mit schwerem Holztramgebälk auf sich wirken lassen.
Lieblingswein des gestrigen Tages: Tenuta Boscarelli, Nocio dei Boscarelli 2004, ein Vino Nobile aus 100 % Sangiovese von alten Rebstöcken. Derzeit ist noch der 03 am Markt aktuell.
Und die Entdeckung des Tages: Azienda Agricola Bruna aus Liguerien, in der Nähe von Albegna, die mit drei Varianten von
Pigato aufhorchen ließ. Ich muss gestehen, es war das erste Mal, dass ich mit dieser Rebsorte Kontakt hatte - und der war gleich sehr überzeugend. Zwei mal Pigato aus dem Stahltank, nur von verschiedenen Lehmböden (einmal weiß, einmal rot) - doch gleich eine ganz andere Aromatik. Und dann U Baccan, ebenfalls Pigato reinsortig, eine Riserva aus alten Rebstöcken - ein ziemlich eindrucksvolles Frucht- und Strukturerlebnis, ganz schön zupackend, dieser Wein. Und sehr ungewöhnlich. Weil halt so "unbeschrieben".
Kleiner Seitenhieb gegen gewisse Hochzeitsveranstalter bzw. deren Catering aus Luxushänden: ich hab mit
Norbert Niederkofler gesprochen, der die kulinarische Versorgung auf Hirschprunn übernommen hat. Mit einem augenzwinkernden Lächeln meinte er auf meine Frage: ach etwa 1000 Essen, und überhaupt kein Problem, das ginge ganz locker. Jedenfalls gabs geschmorte Kalbsbackerl und Kalbsfilet in Kräuterkruste mit feinen Gemüsen. War halt nicht sonderlich viel (aber gratis), weshalb die Schlange bei
Hansi Baumgartners Käsebuffet doch sehr lang war ....
ConAlma - 2008-04-07 21:21
Am Makartplatz blühen die Magnolien beharrlich gegen den kalten Schneehauch der letzten Tage. Jene, denen das Leben auf der Straße nicht seltsamer erscheint als uns das in den Häusern und Wohnungen, schlüpfen wieder in die Wärme der öffentlichen Toilette unter den Bahngeleisen, aus der sie unzeitige Frühlingsluft schon vor Wochen hinausgetrieben hatte.
In den ersten verführerischen Sonnenstrahlen, als zaghaftes Vogelgezwitscher an einen bereits gebannten Winter glauben ließ, war gar trauliches Geflüster zu beobachten gewesen, schiefes Lächeln aus kleinen Augen, der Mann und die Frau, die immer beieinander stehen, sie nie ohne Tetrapack mit Wein (Niederösterreicher, nicht Süditaliener), er immer mit beschwörendem Redefluss. Bisweilen saßen sie gar auf der steinernen Bank, als hätten sie nichts anderes als Lenz.
Doch es gab auch andere Tage, dunkle Tage, da lag sie am kalten, dreckigen Fliesenboden der Herrentoilette, die Tür so weit offen, dass der Blick hineinfallen musste, und schrie Unverständliches, umringt vom Gebrabbel von Männern, alt oder doch nicht, zottelig, schmutzig, verwahrlost, verfallen, und trunken, ein wüstes Szenario, die Unwürdigkeit schmerzt selbst im eilenden Blick.
Nahezu täglich halt ich Ausschau nach dem Paar ohne Bleibe, seh, wie ihr gedunsenes Gesicht sich zum Lächeln verzieht, er sich in schwankender Neigung beharrlich erklärt (oder ist's die Welt, die er meint?) und bin froh, wenn ich's flüstern hör und nicht schreien.
ConAlma - 2008-04-05 23:31
Die Tage verfliegen schneller als die Landschaft (sich zwischen Winter und Frühling tagweise wandelnd) am Zugfenster vorüberzieht.
Trete ich aber über die Schwelle ein in jene Räume, die, geplant in einer Zeit größten Schmerzes, gewachsen sind aus der Kraft einer nie verlorenen Hoffnung, die also die ganze daraus gewachsene Energie eines Lebenssinnes in sich tragen, dehnen sich die wenigen verfügbaren Stunden weit übers messbare Maß hinaus, und ich bin geborgen.
[verfasst 25.3.08 7:36]
ConAlma - 2008-04-01 19:15
Jetzt hab ich Sie hergelockt, gell? Dabei hab ich mich wirklich verlesen, im Überfliegen der abwesenheitsbedingten ungelesenen Zeitungen. Habe aus Männerbastion die Masturbation gemacht. Nein, eigentlich nur der Bastion ein paar Buchstaben drangelesen. Und bin nochmals zurück, weil mir das keinen Sinn zu geben schien: Bundesheer: Immer mehr Frauen in der Männermasturbation?? Wobei ja auch die Masturbation keine Männerbastion ist. Nicht wahr?
ConAlma - 2008-04-01 16:11
Während ich mich noch immer nicht entscheiden kann, ob mir die Buckelpiste unterm Kriegerhorn, klassisch zu befahren, lieber ist oder aber die weiten Carving-Schwünge über den sanften Hang der Weibermahd, sehe ich eine junge Frau in eigenwilliger Kniebeuge-Haltung über den Hang gleiten: Telemarken, sagt der Hirsch lächelnd, nichts als das Wiederaufleben einer
alten Technik! Ich bin fasziniert von der schwerelos und tänzerisch anmutenden Bewegungsart auf Schnee.
Der Schnee, ja: aus der Schneebeschaffenheit kann auf Hangausrichtung, Dauer und Grad der Sonneneinstrahlung geschlossen werden, das erinnert mich an Wein.
ConAlma - 2008-04-01 09:13
Die mutwillige Verkürzung der Nacht durch menschliche Willkür ist nicht ohne Spannung, will doch der Frühzug ins Hochgebirge erreicht werden: nicht mehr klar erinnerbar ist, ob sich das Handy von selbst an die gemachte Zeit anpasst und damit der Wecker stimmt. Auch wenn die späte Heimkunft der Tochter (Mei, mia ham a Stund aufs Taxi wartn miassn) die Korrektheit der Zeitannahme bestätigt (Bei mia wor's erscht zwanzg vua viare) und das sternklare Nachtdunkel auf noch allzu nächtliche Stunde schließen ließ, verschaffte erst die vertraute OE1-Stimme Gewissheit: eine Stunde blieb noch für kurzen Zusatzschlaf.
In dem schlich die alte Nachbarin aus viel früheren Jahren in einem zerschlissenen Kittel, mühsam an einem Stock gehalten, aber mit einem Glas voller Wein wirr ums Haus, jenes Haus, das ich schon lang nicht mehr bewohne, das sich aber immer wieder in meine Träume schleicht. Aus dem Stiegenhaus öffnen sich nicht existente Räume, fremde Bewohner sind hier (es ist immer noch Nacht) zugange, ein junger Handwerker schleicht durch mein offenes Schlafzimmer, ein Spielzeugtierchen kehrt wieder, doch plötzlich hängt ein ausgewachsener Ratz festgebissen an meiner Hand.
Die Tochter und ich, wir wollen doch nach Lech, aber wie machen wir das mit der Wohnung, das Jahr Wohnrecht ist um, wie sollen wir da in aller Eile alles verpacken, muss ich zu meiner Mutter ziehen? Aber vielleicht können wir ja bleiben, ist ja nur die alte Frau im Haus, ach und das Kind, sie muss doch morgen früh zur Schule, gibt es einen Frühzug herunter vom Berg? Aus der Kompliziertheit dieser Fragen holt mich dann tatsächlich der Wecker.
Frühmorgenlicht und Vogelgezwitscher.
ConAlma - 2008-03-30 06:24
Heute früh schwamm ich in der Donau.
Es war ein zartlichter Morgen, ein feines Sonnenlicht war hinter dem diesigen Vorhang aus warmen Nebeln zu erahnen, blasses Blau und Apricot bestimmten den Ton dieses Tages. Ich tauchte nackt ins Wasser, in den Händen ein kleines Spielzeugtierchen, das - gut aufgezogen - vor sich hin vibrierte und mich mit bemerkenswerter Geschwindigkeit mit sich zog. So musste ich selbst nichts zum Fortkommen tun, wurde dahingezogen, sah Ufer längs des sich glatt und klar ausbreitenden Flusses, die teilweise bewachsen waren von Gesträuch und Wiese hinter sandigem Ufer, zum Teil aber dicht bebaut mit Mauern, seltsamen Gebäuden, dann wieder Hafenanlagen. Immer wieder kamen im Dunst Schiffe entgegen, kleine Kähne und große meerestaugliche Gefährte, das Tierchen in meinen Händen aber manövierte mich geschickt zwischendurch, ich sah, wie das Wasser sich immer mehr weitete, gegen Norden geradezu meerhaft sich dehnte.
Irgendwo entstieg ich dem Strom, da war eine Inselzunge, Buchten aus Plastik und Beton, wie eine futuristische Strandanlage, ein paar einzelne Menschen, und dann sah ich erst mit dem immer klarer werdenden Licht, dass überall Schnee lag, ja, es war Schnee, auch wenn er wie weißer Sand aussah. Mich fror aber nicht, ich wollte wieder ins Wasser, zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war, aber nun hatte ich die Strömung gegen mich, das Tierchen war nicht mehr da, das milchige Licht wich klaren Farben und scharfen Konturen, Hafen- und Industriegebäude lagen in einem rötlichen Abendlicht vor intensiv blauem Himmel, und auf einmal war nur mehr ein einzelner leuchtend oranger Schein am fast schwarzen Horizont, ich wusste, es war Zeit, heimzukehren, und so wachte ich auf.
Diesmal waren es die Morgenglocken von Salzburg, die mich zu viel zu früher Stunde aus dem Schlaf geholt hatten.
ConAlma - 2008-03-29 23:25
Das tägliche Defizit summiert sich, gräbt sich tief ein um die Augen.
Den Kater lässt das kalt, er springt um halb vier Uhr morgens ungerührt an die Türklinke, schleicht sich ins Zimmer, um meine nächtliche Aufmerksamkeit zu erzwingen. Während ich mich schlaflos wälze, streunt er fröhlich durch die nasse Nacht.
ConAlma - 2008-03-28 08:52