Mittwoch, 18. Oktober 2006

Vorm Burgtheater

Sie stieß sich am Ankündigungsplakat. Die neue Rechtschreibung tat nicht nur dem Theater Gewalt an. Das goldene Vliess: wie sollte man sich das nur ausgesprochen vorstellen? Das doppelte ss am Schluss erforderte einen kurzen Vokal, wie Schluss eben, aber da war doch das e, das das i dehnte - allenfalls als entlegene Ortbezeichnung mochte man das durchgehen lassen, so wie Fliess, bald nach Landeck -

aber Grillparzers Goldenes Vließ - niemals ss! Gilt denn keine geschützte Schreibweise für Dramentitel?

Vorm Volkstheater

Ihre Hand hätte das Kinn zart streifen sollen, aber im Zusammenprall zweier gegenläufiger Bewegungen glitt sie ab und traf, wie ein Angriff, seine Halsschlagader. Er erstarrte einen Herzschlag lang und zog sodann mit verwundertem Blick einen Finger quer über den Hals.

Montag, 16. Oktober 2006

mir ist kein heim

[für meinen Vater]

mir ist kein heim
das nicht als zwang sich legte
zu mir, dass wand
und dach mich drängt hinaus
in unruhlust, in stete

mir wird kein raum
der schwer nicht auf mir lastet
und atem nimmt
dass ich ins fliehen will
wo eine(r) mit mir rastet

wohl find ich platz
in dem und anderm herzen
ruh' dort nur kurz
nehm mir's als flücht'gen ort
und geh und lasse schmerzen

mir ist kein heim.

Erster Nebeltag

Rot grün gelb und hauch
Von nebeltüchern noch vor
Herbsthimmelbläue


[November 2001]

Sonntag, 15. Oktober 2006

Fundspruch 12: Zettelkasten Leben

Wenn es so ist, daß wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?

[aus: Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon]

Dieser Satz, an einem stillen Herbstnachmittag im noch wärmenden Sonnenlicht gelesen, hält alles an: das diffuse Licht, meinen Atem, die Bewegung, die auch in der Stille war, und für Bruchteile von Sekunden wird alles sichtbar, ein Sehen im Spüren, was da alles noch ist und noch sei und wie es doch immer so milchig bleibt wie die Luft dieses Nachmittags, klar nur in solchen Zeitbruchteilen wie eben. Man verzettelt sich so, denke ich, unzähligen Fetzchen von möglichem Leben verstreuen sich im Alltag, ich denke an all die wirklichen Zettel und Zettelchen, die in Schubladen, Ordnern und Kartons liegen, das Leben ist ein einziger Zettelkasten mit unzähligen Schnipseln, die sich nicht und nicht zu einem Ganzen fügen wollen.

So verstehe ich Menschen, die, noch viel mehr wissend um den nicht gelebten, noch zu leben wollenden Rest, sich brennen müssen wie ANH, der seinen Arbeits- =Lebensdrang täglich mitlesbar macht und sich nur selten eine schweifende Zeit erlaubt, aber auch wie meinen Vater, der angesichts langsam sich ankündigender Schwäche (die mit 83 doch auftreten darf) sich mit einer Verzweiflung und Verachtung für die ungebetene Schwäche in sein Opus Magnum stürzt, als könne er damit noch ausreichend von diesem ungelebten Rest zum gelebten machen (und gleichzeitig immer vor Augen, dass sein E i g e n t l i c h e s, das was er noch vor wenigen Jahren für durchführbar hielt, nie mehr zum Leben kommen würde).

Was geschieht mit dem Rest?

Mittwoch, 11. Oktober 2006

Wortspiel: auf::schaukeln

Auf der Schaukel: jene Kindheitserfahrung, die schon allerfrühst konditioniert auf ein gleichzeitiges "nicht so fest" (weil es den Atem nimmt) und "noch viel mehr" (weil der Reiz des Fliegens mit nichts bislang Bekanntem gleichzusetzen ist).

Erinnerungen an den Wurstelprater: die Bootsschaukeln, im Stehen mit wenig Aufwand so lange Schwung holen, bis man oben anschlägt und der Inhaber ganz schnell auf die Bretterbremse tritt. Damals gab es auch noch die Loopingschaukeln, die verwegenen jungen Männer und ihre Mädchen, denen die Röcke über den Kopf flogen und das Gejauchze ein viel freieres schien als das Gekreische in den blinkenden Rundummaschinen heute.

Die Schaukel: Erwachsenenspielzeug im Rokoko, die Frivolität der fliegenden Röcke schaukelte die Phantasien hoch, ganz unverbrämt dann die Schaukelbilder des Thomas Rowlandson.

Heute: das Schaukeln im Netz, das Spiel der Sätze, die wiederum mit der Phantasie spielen: Durch Anstöße mit der richtigen Wiederholungsfrequenz kommt es zum Aufschaukeln. Eine Schwingungserregung. Die Gedankenkraft wird dazu verwendet, die natürliche Vorwärtsbewegung zu beschleunigen - mittlerweile beliebtes Sujet auch in belletristischer Literatur, z.B. bei Daniel Glattauer.

Die Erwartungshaltung im Netz ohne Boden ist groß, die Bereitschaft zum Aufschaukeln und Aufgeschaukelt-Werden nicht minder, als gäbe es keine Sturzgefahr. Ein gelegentlich auftauchendes Dilemma (dies nur als sehr dezentes Beispiel über die Unterschiede der Schaukelebenen zu lesen) wird nicht grundsätzlich den Willen zu weiterem Schaukeln beeinträchtigen: es fliegt sich so leicht! Wer mit wem schaukelt, lässt sich nicht immer eindeutig feststellen, auch nicht, ob man nicht schon längst alleine schaukelt, und: geht es denn um mehr als Schaukeln?

Aber: die kleinen feinen Anstöße, die man gibt und erfährt, sie bringen so oft ein sonst nicht vorrätiges Lächeln in den Tag.

Freitag, 6. Oktober 2006

Pfaffenschwendter Chutney

Man nehme
ein paar Zwiebelchen aus dem Vorratskeller, schneide sie fein, schwitze sie in etwas neutralem Öl an, füge reichlich feingeschnittenen Biopfefferoni (österr., höllisch!), Ingwer, Cumin, Piment hinzu, eine Sternanisblüte vielleicht, lasse dann Rohrzucker karamelisieren, gieße mit (Bio)Apfel(balsam)essig auf, salze auch,

dann schneide man
die von selbst gefallenen Äpfel und Birnen samt ihren Flecken in kleine Stücke, verfahre ebenso mit den herabgezwungenen Zwetschken, füge das zu den dünstenden Zwiebeln hinzu und lasse einkochen, bis es recht scheint. Auch Rosinen würden dem Chutney gut stehen.

Heiß in Gläser füllen.

Vielfalt einer Rebsorte: Sankt Laurent

Am 10. August, just wo die Sankt Laurent-Trauben mit ihrer Véraison, der Farbnahme, beginnen, hat der Schutzpatron der Köche, der Hl. Laurentius, seinen Tag. Dass aber die Befähigung des Sankt Laurent (jetzt als Wein) als feiner Speisenbegleiter daher rühre, ist ein Gerücht.

Sankt Laurent, geschätze 2000 ha in Mitteleuropa, in Österreich um die 450 (die letzte offizielle Zählung stammt von 1999), in Deutschland jüngst eruierte 669 ha (Pfalz und Rheinhessen), der Rest muss in Kroatien, Tschechien und dem Elsass wachsen, hat Geschichte, eine dunkle allerdings. Von kleinen Beständen in Frankreich kam er durch einen Herrn Bronner Mitte des 19.Jahrhunderts in die Pfalz, endete nach kurzer Blüte als Bewahrungsobjekt in einer Rebschule, von dort wurde er einem neuen Leben in Österreich zugeführt.

Selbst mittels DNA-Analysen ist nur so viel sicher: ein Elternteil muss eine Spielart des Pinots sein, aber ob blau, grau oder weiß, lässt sich nicht sagen. Und der zweite Partner ist weiterhin unbekannt. Wie auch immer, die Trauben sind mittelgroß, dichtbeerig, etwas weniger dünnschalig als der Pinot Noir, und die Rebe hat Ansprüche: gedeiht am besten auf kalkhältigen Böden, wie es Burgundersorten eben so zu eigen ist, und braucht gute Durchlüftung, damit aufgrund der Dichtbeerigkeit die Pilzgefahr nicht zu groß ist. Zudem verrieselt Sankt Laurent leicht, das macht die Erträge unsicher. Solcherart kapriziös und nach wie vor nicht gerade mit großem Renommée behaftet, muss er die guten Lagen den prominenteren Rebsorten überlassen; in Österreich macht sein Anteil 0,9% der Rebfläche aus.

Wie aber schmeckt Sankt Laurent, was ist sein Profil? Hohe Säure, das lässt sich vorweg sagen, und irgendwie ein rustikalerer Pinot Noir, auch das ist zu hören. Aber dann wird es schon schwierig, denn seine Ausformung als Wein ist nicht nur von Böden und mikroklimatischen Bedingungen bestimmt, sondern vor allem von der Arbeit des Winzers, in Garten und Keller. Das wurde bei der gestrigen Verkostung von österreichischen Sankt Laurents nur allzu deutlich.

1. transparentes rubinviolett, weich und warm nach reifen Kirschen duftend, mit feiner Würze, etwas Liebstöckl; anregende Säure, mittlere Länge, guter Trinkfluss, grüne Tannine, klassisch ausgebaut, jung: Hans Igler St.Laurent classic 2005, ein gutes Beispiel für einen im Stahltank ausgebauten, für einige Zeit im großen Holzfass gelagerten St.Laurent aus dem Burgenland, unkomplizierter Trinkspaß, vor allem als universeller Speisenbegleiter geeignet. Dieser Wein wurde im Nachhinein als der einzige als typisch zu bezeichnende St.Laurent gesehen.
2. etwas dunkler, purpurner, dichter im Farbkern; Weichselfrucht, leicht zwetschkig, leise Holznoten; sehr frische Säure, reifere Tannine, noch unbalanciert. Paul Achs St.Laurent 2005, 40% des Weines waren in neuem Holz, das gibt einen gewissen Schmelz, aber der Wein wurde nicht durchgänig gut bewertet.

Der nächste Flight war ein großer Kontrast, hier kamen die unterschiedlichen Vinifizierungsansichten besonders zur Geltung:
3. dunkles rubin, orange Reflexe; intensiv nach dunklen Beeren duftend, etwas Kaffee, reif; kräftiger Körper, sehr elegant, lang. Juris St.Laurent Reserve 2003, ein sehr schönes Beispiel für einen Wein in klassischer Stilistik, nicht durchgängig neue Barriques, in großem Holzfass ausgereift; durch den Jahrgang wirkt er bereits jetzt sehr gereift, die Eleganz und Länge sind wohltuend unaufdringlich.
4. dunkelrubin, fast schwarzrot, dichter Kern, violetter Rand; dunkle Kirsche, etwas blättrig zunächst, wird dann intensiver, etwas Blütenduft, ein Hauch von Zwetschkenkern, Zimt; weich, samtig, noch jugendlich, nicht identifiziertbar in eine bestimmte Richtung, sondern sehr modern vinifiziert, konzentriert: Grassl St.Laurent Reserve 2004 - niemand hätte den Wein diesem eher mageren Jahrgang zugeordnet, das macht die Arbeit vom Garten bis zum Keller deutlich. Hoch im Alkohol, dunkel und rund, vordergründig, der junge Winzer setzt auf wertige Attribute wie Farbe, Kraft, jetzt toll, aber was ist in ein paar Jahren? Beim Nachspüren im leeren Glas war zunächst kaum etwas da, dann blieb noch Suppenwürze übrig.

5. Einzelstück: mittleres Rubin, heller Rand. Süße Fruchtnoten, Kräuter, Himbeere; kernige Tannine, mittlerer Körper, noch ungestümes Tannin, spürbare Mineralik, Feuerstein, Schiefer, lang, sehr interessant: Hannes Schuster St.Laurent Alte Reben 2003. Der Sohn von Rosi Schuster macht viel versprechende Weine wie auch diesen hier, von Schotter-Lehm-Kalkböden und 40jährigen Rebstöcken.

Zweimal derselbe Jahrgang, aber welche Unterschiede!:
6. transparent, helles rubin mit reichlich orangen Reflexen, breiter Wasserrand; leicht Kaffee, moribunde Früchte, Himbeermarmelade in sehr "herbstlicher" Ausprägung, man muss sich das als letztes Aufbäumen einer Fruchtsüße vorstellen, die weiß, dass sie nicht mehr lange zu bestehen hat; frische Säure, herrliche Reifenoten, zart gebaut, seidige Struktur, Himbeeressig, Rum, Karamel, manche nehmen Honigtöne wahr; man würde diesem Wein wesentlich mehr Jahre geben als er tatsächlich hat, jetzt bereitet er noch großes Trinkvergnügen, aber ist bereits beim Absteigen. Bründlmayer Ried Ladner 2001, ein aktueller Händlerjahrgang, die süße Extraktfülle und die verblassende Farbe erinnern an einen reifen Pinot Noir, die dekadenten Abbaukomponenten machen ihn so reizvoll.
7. dunkles Rubin, keine violetten Reflexe mehr; rund und weich in der Nase, Moosbeeren, dunkle Zwetschke, etwas Leder; kräftig, seidige Struktur, weiche Tannine, Würze, Kräuter, Kaffee, Eiche gut integriert: Reinisch St.Laurent Grande Reserve 2001, eindrucksvoll, doch für das, was er letzendlich kann, als für zu teuer empfunden. Aber dieser Wein kommt erst noch, die großen Reinisch-Weine brauchen immer lang.

Und zuletzt, es sollten zwei Jahrgänge desselben Weines sein, der 2001 aber hatte kräftigen Kork:
8. dunkel mit Orangereflexen; Sauerkraut, Lack, Uhu, kräftige Säure, weiche Tannine, die unangenehmen Noten verfliegen mit der Luft etwas, dennoch bleibt was Irritierendes, sehr reife Frucht, Eleganz in der Struktur; die meisten mögen diesen Wein nicht: Umathum St.Laurent vom Stein 1999. Bei diesem Wein sind in den Jahrgängen immer wieder kräftige Brettanomyces-Noten feststellbar, auch das Sauerkrautige ist mir nicht unbekannt. Das ist aber überhaupt in der Umathum-Stilistik gern drin. ( --->Vom Stein-Vertikale)

Dieser kleine Ausschnitt aus Möglichkeiten für St.Laurent (in Österreich) zeigt doch deutlich, wie wenig eindeutig diese Rebsorte zuzuordnen ist, nicht einmal die Farbe gibt ausreichend Aufschluss. Einige Winzer haben das Potential erkannt; Schloss halbturn etwa macht einen intensiven Wein aus extrem selektionierten Beeren, Brigit Braunstein kann auf die große Tradition ihres Vaters hierbei zurückgreifen, die südliche Thermenregion wie das Kamptal haben hier einiges an Erfahrung. Und so fesch der Philipp Grassl auch sein mag: seine Interpretation ist definitiv nicht mein Favorit.

Montag, 2. Oktober 2006

Erntetag

Die Äpfel und Birnen, klein, fleckig und hart,
sind fest in das weiche Moos gewachsen
als müssten sie dort neue Heimat sich finden
da sonst keiner war, der sie nahm.

Wären sie gern noch geblieben, dort droben
im dichten Gezweig, im Schutz des Belaubten,
statt hinabzustürzen ins Ungewisse,
da der Baum sie nicht länger mehr halten konnt'?

Die wilden Zwetschken wohl ließen sich bitten
herabzufallen, und Schütteln nur zwang sie
herunter, uns nah: ihre Süße zu schenken.

Auch du, wie die Zwetschken, den moosweichen Boden
nicht suchend und Heimat stets fliehend:
genommen wohl wärst. Wie lang hält dich der Baum?

Freitag, 29. September 2006

Die Seidenhäutige

Die Seidenhäutige
zog dem Prinzen das Kettenhemd über den Kopf
um nach dem Herzen zu langen.

Da sie aber sah
dass ein haarfeiner Schild
hautverwoben und undurchdringlich
die Brust ihm deckte
warf sie Seide über ihn
damit keiner glaube, er sei entblößt.

Im Augenwinkel
barg sie das kleine Glück
das darunter pochte.

Architektur. Klang: Schimana - Bösze im BTV-Stadtforum.

Am Anfang war Heinz Tesar. Führte eine bunte Gruppe durch das farbreduzierte Gebäude der neuen BTV Innsbruck. Stein, Beton, Holz. Grau und weiß. Holzfarben. Stadtforum. Der Stadt (im Sinne eines gelebten Ortes) etwas zurückgeben, mit Schönheit gut machen, dass ein Ort besetzt wird. Ortsneubildung, Raumschaffung. Bankgebäude: Aufgabe des Architekten, Widersprüche ins Nichts aufzulösen. Zentraler Raum von nicht unmittelbarer Funktion,"überflüssiger Raum" also, halböffentlich, die volle Höhe wiedergebend: Säulenrechtecke aus Beton, schlank hinanstrebend bis zum Nordkettenblick, in pointierter Ornamentik endend, die Brüstung des vierten Stockes schlägt ironische Haken, die Strenge des Unten mündet in der Heiterkeit des Oben: der überbaute Innenhof, Forum fürwahr, möglicher Ort der Begegnung. Durch die hohe Türe dann in die Tonhalle, ein in sich geschlossener Raum (trotz hoher Fenster in den offenen Hof): Wand Boden Decke in kopfgeschnittenem Bambus (kopfgeschnitten: das könnte aus einer dieser bemüht poetisierenden Speisenkarten stammen), die Menschen werden gleich weich beim Betreten des Raumes, geben sich mit einem Aahh ihm hin.

Im überflüssigen Raum dann: Schimana on Tesar. Auftragswerk der Klangspuren Schwaz, Uraufführung. Elisabeth Schimana - machen Sie sich hier selbst ein Bild - füllt, inspiriert von Textfragmenten und Gesprächen mit Heinz Tesar, den Raum. Die Instrumente: ein Apple-Laptop, ein Mischpult, vier Boxen, Cordula Bösze mit zwei Flöten. Der Flötenton wird übernommen, rhythmisiert, unterschiedliche Tonhöhen übereinandergelegt, dazwischen feines Pfeifen, eine kleine Melodie, kaum hörbar, denn der eindringliche Klang legt sich , ja, gewebegleich über alles, ein Vibrieren stellt sich ein, zerteilte Töne, einmal ist man an ein Digeridoo erinnert, dann hebt ein Surren Summen Flirren an, Insektenschwarm, der Grundton steigert sich weiter und weiter, ein Knistern, das durch die Boxen wandert, harte Schläge wie schwere Regentropfen, Knattern, laufende Explosionen, Hubschrauberrotor im Hintergrund, die Schläge dringen in den Boden hinein, und aus der kleineren Flöte ohne Tonabnehmer kreisen feine Töne, einem Luftballonaufblasen gleich, durch den Raum, der bis in die Ornamentspitzen mit Klang erfüllt ist.

Pause, in der Toilette (weiß, nichts als weiß): alles scheint starr, die absolute Stille. Man steht: noch im Klang schwankend, in dieser plötzlichen Stille, wie eine unziemliche Bewegung sich selbst scheinend. Dann erst kommt das verwirrte Summen der anderen Frauen.

Teil zwei, in einem kleineren Raum, der zur Galerie im Hause gehört: Leinwand, Boxen, Laptop, Theremin, Flöte, drei Frauen: zu Schimana und Bösze noch Lena Golovasheva, deren Bewegungen den Input der Flöte (gespeist in eine analoge Filterbank) mittels Theremintechnologie frequenzmodulieren: Feedback aus Instrument, Bewegung und Elektronik.



Der Titel des Stückes: 4:3, die Proportion, daraus fließt das harmonische Verhältnis der Quart. Sinustöne, in Licht gewandelt, rot grün blau, die Grundfarben. Ein klarer Aufbau des Stückes: vier mal Bewegung und Elektronik, die Grundfarben, immer harter, trockener Klang, mit einem Halbton absteigend beginnend, Grundton, Terz, Quart, Schichtungen, Vibration, die Töne sitzen in der Magengrube, decken die Ohren zu. Und drei mal die Zwischenstücke: vor gelber Lichtleinwand, die Tänzerin, die die Flötenbewegungen umsetzt, das Schlagen auf den Löchern, das Flüstern ins Instrument, wie Wasserblubbern, Surren, Zirpen. Der letzte Teil gleitet von eindringlichem Ostinato in einem Fünfertakt in eine stehende Quart, senkt sich zur Tonika und atmet sich aus.

Raumklang, spürbar, visualisiert. Verdichtung der Sinne.



*Nachsatz: Ich hatte Elisabeth gleich wiedererkannt. Vor dreissig Jahren waren wir einmal gemeinsam einkaufen. Sie war damals schon eine Frau mit Stil. Da kannte ich aber nur ihren Vornamen.

Donnerstag, 28. September 2006

Ins Tausendste

Er kam vom Rücken ins Tausendste
und machte den Morgen singen.

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uferlos - 2011-10-08 00:28
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ConAlma - 2011-10-07 11:40
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Was gab's denn so wichtiges anderswo?
rinpotsche - 2011-10-07 00:37
!
!
books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
sang und klanglos :-(
profiler1 - 2011-10-06 21:55
Erwischt... und Sie fehlen...
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katiza - 2011-10-06 10:34

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