Samstag, 28. Oktober 2006

Geheimes Wortleben

Der Titel des Filmes von vorgestern legte in mir ein paar Assoziationen frei:


Wer anders als ich wüsste besser Bescheid um das geheime Leben der Worte! Ich meine damit aber nicht jenes, das sich mir, durch Bücher mitgeteilt, vor meinen Augen entfaltet, wo Sätze sich aus Büchern erheben und unter meinem Blick zu einem zweiten, mit meinen Gedanken verwobenen Leben aufbrechen – nein, ich spreche von m e i n e n Worten, den durch mich formulierten Sätzen, die sich in zahllosen Seiten von Korrespondenz niedergelassen haben und dort ein zum Heil bestimmtes, aber manchmal unheilvolles Leben begannen.

Im Anfang ist das Wort, so gehen netzgeknüpfte Beziehungsnahmen an, und das Wort schafft das Bild. Bereits mit den ersten Worten aber beginnt deren geheimes Leben, denn in der Niederschrift verwandeln sie sich von etwas Persönlichem hin zu etwas Weitergültigem. Sie neigen zur „Literarisierung“, einer Art hinterhältigem Eigenleben, denn der Mensch am anderen Ende einer unsichtbaren Leitung nimmt das Gelesene als Gesprochenes, formt daraus sein Bild und geht diesem nach. Will es greifen, doch wenn der Augenblick des Greifens da wäre, sieht er doppelt, das erlesene Bild und das geschaute. Weil aber das, was sich ihm im Wortleben so glatt und verständlich zuneigte, in diesem Augenblick zu schwinden droht, wird er jegliche Anstrengung unternehmen, um genau dieses Bildes habhaft zu werden, wird versuchen, die reibungslastige Erscheinung in dieses Bild zu biegen. Mittels Beschwörung durch geschriebenes Wort. Auch. Und so fliegen die eigensinnigen Wortleben durch den Raum, glauben sich immer und immer wieder fassen zu können, während die beiden Wortschaffenden dahinter immer fassungsloser werden.

Wer es versteht, aus einer Distanz heraus dieses Worttreiben zu beobachten, seiner Dynamik auf die Schliche zu kommen, hat eine theoretische Chance, dieses geheime Leben zuzulassen und ein paralleles dazu, das mit den Reibungen, zu entwickeln. Dann könnte etwas sehr Komplettes entstehen.

Anders aber, wenn am Anfang der Blick und die Berührung stehen und irgendwann die Worte kommen, kommen dürfen, ihr Leben mitbringen, sich nach und nach einfügen: dann bewirken sie ein Öffnen, bringen einer verkarsteten Landschaft ein vorsichtiges Blühen.


Edit: Dann kann es geschehen, dass die Schreibende zur Erzählerin wird, die Bilder mit ihren Blicken und ihren Gesten färbt, eine unmittelbarere Gestaltgebung, die sich einer daraus entstehenden Erotizität verbindet.

Freitag, 27. Oktober 2006

Das geheime Leben der Worte: Die Scham des Überlebens

Der gestrige Tag war so erfüllt gewesen, und doch war noch Platz für einen Kinobesuch, da dieser Film nur an diesem einen Abend hier zu sehen war. Zwei beschädigte Menschen treffen aufeinander, in der Atmosphäre einer stillgelegten Ölplattform. Er sieht nichts, sie hört nichts. Wenn sie nicht will. Ein traumatisches Erlebnis hat ihr den Gehörssinn genommen, sie kann sich mit dem off ihres Hörgerätes aus der Welt entfernen. Aber sie, Hanna, scheint auch sonst nicht in der Welt zu sein, lebt ein solch reduziertes Leben, das in seiner Einfachheit und Stringenz zunächst so verlockend scheint, in den Bann zieht - doch als sie sich gegenüber dem vorübergehend Blinden Josef (großartig: Tim Robbins), der sich ihr nach und nach offenbart in seiner schuldhaften Verstrickung, anvertraut, trifft es den Zuseher mit einer Vehemenz, die keine Distanz mehr zulässt.

Hanna gehörte zu den mit unvorstellbarer Gewalt missbrauchten Frauen des Balkankrieges, dieses vergessenen Krieges, die kaum Kraft zum Überleben hat und noch weniger zum Sterben. Vor allem aber ist es die Scham des Überlebens, die sie so unscheinbar macht, zu einem perfekten Rädchen in einer trostlosen Maschinerie. Die Tage zwischen den wenigen Menschen auf der Bohrinsel, jeder von ihnen eine eigene Insel, die nur in Ruhe gelassen werden will, öffnen sie langsam, lassen sie neue Geschmäcker erleben und Worte wieder zu ihr dringen. Die eindringlichsten kommen von Josef, der die Frau seines besten Freundes geliebt hat, dieses ihm auch gestanden hat, und ihn vor dem Feuertod nicht zu retten vermocht hat: Scham auch hier, doch im Vergleich wiegt alles weniger, und vielleicht sucht er deshalb Hanna, die nach erfolgreicher Pflege verschwunden ist.

Auch wenn das scheinbare Happy-End des Filmes irritiert: die Regisseurin Isabel Coixet muss man sich merken. Sarah Polley sowieso.

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Die Wanderung

In der Früh sah ich hinauf, wo ich 2 Stunden später stehen würde.
Dazwischen gab es eine Wanderung, keine wirkliche Besteigung, eher einen Spaziergang - aufgrund einer nachmittäglichen Verabredung beim Filmatelier in Thiersee nahm ich den Berg von hinten: eine breite Forststraße zunächst, die Alm weiter oben verfügt über eine Luxuszufahrt, die Wanderer aber nehmen den Steig, der geradlinig die Serpentinen quert und auch etwas an Steigen abverlangt. Aber weit war's nicht. Oben dann gab es den Blick in die Tiefe, dorthin, von wo aus ich wenig zuvor heraufgeblickt hatte; vor allem aber gab es den Blick in die Weite, der mich zu einem Zeitpunkt öffnete, wo ich wieder einmal an der Enge des Tales und der Enge der Köpfe, die darin sind, zu scheitern drohte.

Im Anstieg war mir der Traum der letzten Woche wieder vor Augen, diese fremde Wohnung, die ganz in Orange zu leuchten schien, die ich zu hüten hatte für die auf Reisen gegangenen Besitzer. Meine Kinder waren wohl mit gekommen, aber nicht sichtbar - aber es gab noch andere W e s e n, auch Kinder?, die zurückgelassen worden waren, und ich w e i ß, dass ich sie getötet habe, es schien etwas zu sein, das ich tun m u s s t e, auch wenn es keine Spuren gab. Genausowenig kann ich mich an Emotionen erinnern, da waren nur diese nackten Erdstellen an einem schattigen Platz im Garten, wie kleine Gräber. Aber es war ein Gefühl von S c h u l d da, ich erwartete jederzeit das Eintreffen der Polizei, wollte achtsam sein, fluchtbereit. Doch dann hatte ich mich in irgendeiner Tätigkeit verzettelt, und als ich noch schnell in die Schuhe schlüpfen wollte, weil ich Autos vorfahren sah, und bei der Hintertür hinaus, was es schon zu
spät und die Uniformierten im Raum. Aber nichts geschah, alles blieb ruhig, die Herren zogen wieder ab, stellten keine Fragen. Etwas später kamen die Wohnungsbesitzer zurück, sahen um sich, mit fragenden Blicken, auf einem Stuhl lag ein weißes gehäkeltes Babyhäubchen, aber Fragen kamen nur zu den fehlenden Skulpturen im Garten; tatsächlich waren da zu Beginn eine ganz große Figur vor der Terrassentür gewesen und kleinere Objekte im Rasen, nun war alles weg, ich musste eine schlüssige Erklärung gehabt haben, die mir aber beim Aufwachen ebensowenig wiederkam wie andere Details.

So lag ich nun da und konnte nichts festmachen, fand keine Bezüge, es gab eine Schuld und keine Sühne, nur etwas Verscharrtes im Garten, das ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Die ungeborenen Kinder, kam heute ein Gedanke. Allerdings musste ich nun, im Gehen, an die Diskussion zur Vergana denken, an die Schwierigkeit, mit solch mystischen Bezügen zurechtzukommen, die zugleich eine prekäre Beziehung widerspiegeln; was da wohl an Ängsten aufstieg, gegenüber eigenen Abgründen!

Als ich die Vergana das erste Mal gehört hatte, geschah dies in einer für mich unangenehmen Umgebung, obwohl eingebunden in den Rahmen von Literaturtagen - aber vielleicht bin ich nur so empfindlich. Die Unruhe draußen auf der Terrasse drang durch die großen Fenster, eine Beschattung tat sich mit dem Wandern der Wolken immer auf und zu, eine Rückkoppelung am Mikrofon verursachte Nervosität bei einer der verantwortlichen Literaturdamen, ihr betont unauffälliges leies Tappen war lauter als das weghörbare gelegentliche Gepiepe. Ein Text aber, der im Vortrag gerade einer deutlichen Nuancierung bedarf, verlangt nach einer Atmosphäre aufmerksamer Ruhe. Dennoch geriet ich in eine Stimmung von anhaltender Spannung, aus der ich nicht entlassen werden wollte, war in eine Parallelwelt versetzt.

Während ich auf der Terrasse in 1500 Metern Höhe saß, geradewegs zum Großglockner blickte und dieses hier festhielt, glitt plötzlich eine großer Rabe vom Dach, kreiste über den Köpfen der Wanderer, verharrte stehend in der Luft, den Kopf gesenkt, und mir war, als käme er direkt aus jener Welt.

Den Weg hinab nahm ich dann doch über den Forstweg: um die Knie zu schonen. Auf der Abseite vom Inntal blieb die Autobahn weg, die sonst bis ganz in die Höhe drang, es war plötzlich still. Die Landschaft schien in dieser Ruhe zu verharren, die Lärchen in einem dahingehenden Grün, die Tannen und Fichten ungerührt aufrecht, als wollten sie alle Wärme und Stimmung dieser Tage speichern - bald schon konnten kalte Winterstürme über sie hinwegfegen. Weiter unten, wo sich das Siedlungsgebiet wieder zusammenfügte, lag eine farbberauschte heitere Gelassenheit über den Wiesen und Rainen, das Kuhglockengeläut eine flirrende Klangkulisse. Viel später saß ich dann noch am Wasser, bis die Sonne ganz in der Senke verschwunden war. Ich war nicht allein, und es war wunderschön.

Mittwoch, 25. Oktober 2006

Ein Sherry namens Morgenröte

Der Sherryproduzent klagte: "Mir stirbt meine Kundschaft aus!" Und tatsächlich: Sherry ist aus der Mode gekommen, gerade da, wo er doch ritualisierter Bestandteil gesellschaftlichen Lebens war: in England, auch Holland. Wären da nicht Spanien und Mexiko, es gäbe kaum mehr Grund, sich die Mühen der Verwandlung eines bescheidenen Grundweines - die Rebsorte Palomino sticht ja durch keinerlei besondere Merkmale hervor - in ein komplexes, von blassgelb über karamell bis tiefstes Mahagoni schillerndes Getränk mit hohem Meditationspotential zu machen.

Das Entstehen des Sherry ist von Beginn an von einer fast alchemistischen Geheimnishaftigkeit umgeben: der Klassifikation der Weine in zwei Grundtypen – für Fino oder Oloroso, nach der Aufspritung mit Flor ausgebaut oder der oxidativen Reifung anheimgegeben - folgt das komplexe Verfahren des Solerasystems, Fässerreihen bis in Dachhöhe, und alle paar Monate das umziehen von Teilen eines jüngeren Fasses in ein älteres, von dem bereits ein Teil in ein wiederum älteres gefüllt worden war, und so fort, bis man bei der untersten Reihe, der Solera eben, angekommen ist, aber natürlich hatte man bei der begonnen, und doch ist es wie ein von oben nach unten. Das Ergebnis sind stets gleichbleibende Qualitäten und Cuvées, Vermählung von Weinen, die auch bis weit über 100 Jahre alt sein können: was für ein Eintauchen in Tiefe!

Fino, unter der Florhefe mindestens 3 Jahre gereift, ist frisch, nussig, auch mit leichten Apfelaromen, nicht nur klassischer Aperitif, sondern durchaus auch als begleitendes Getränk zu verstehen. Vor allem wenn er sich so spannend präsentiert wie der Manzanilla Aurora von Pedro Romero: 9 Jahre gelagert, immer unter einer dicken Florhefeschicht, ausgeprägte reife Aromen von Nuss und Apfel, salzig (wie man es von einem Manzanilla aus Sanlúcar erwartet), kräftig strukturiert, mit einer leisen Geschmeidigkeit. Ich mag ja diese salzig-bitteren Noten sehr, doch mein Nachbar plagte sich. Aber es kam noch anderes:

Der Moscatel Solera Reserva, Emilio Lustau, bot ein schwer zu ergründendes Aromenspiel: von Orangenlikör über Hustenzuckerl war da alles vermerkt, auf das Naheliegende, Muskat nämlich, kam man mangels Erfahrung bei solch intensiven (auch in punkto Alkoholgehalt) nicht. Die 200 gr. Restzucker waren gar nicht so massiv spürbar, es gab mehr eine Säuresüße-Empfindung, und immer wieder war man versucht, die Nase tief ins Glas zu halten, um all das Wunderbare, was da aufstieg, einzusaugen.

Wahrlich berückend aber war zuletzt der Brandy Punto Azul „Heritâge“ Gran Reserva von Pedro Romero – ein Brandy aus dem Solera-System, wo der Weinbrand die criaderas durchläuft, bis zu 80 Jahre sind die einzelnen Brände alt, eine Rarität, von der nur 200 Flaschen im Jahr produziert werden, das schlägt sich auch im Preis nieder: mit 400-600€ muss gerechnet werden! Und auch wenn man nicht unbedingt Fan von Weinbränden ist: das ist eine jener Gelegenheiten, wo man angesichts des langen Lebens der Weine über das eigene kurze zu sinnieren beginnt und diesem einen, besonderen Augenblick in größter Aufmerksamkeit begegnet.

[Dank an Ferdinand Mayr für diese Anregung!]

Weitere Weine der Verkostung:
Tio Pepe Fino/Gonzales Byass: ein klassischer Fino, leicht salzig, Apfelsaft und Nuss.
Amontillado dry/Pedro Romero: karamellbraun, Rosinen, Rumtopf; leicht salzig, Kaffe, scharf, strukturiert, aggressiv: der Ursprung aus Fino lässt sich nachvollziehen.
Medium Dry Amontillado/Gonzales Byass: ein handelsübliches Produkt, zugänglicher durch die leichte Süße, weicher, runder, aber wenig Struktur, dünner. Schlüpft.
Cream/Pedro Romero: helles braun, salziges Kaffeezuckerl – eine witzige Kombination. Aber schon sehr süß ...

Für Ihre Sherryversuche wichtig: Fino, also nicht oxidierter Sherry, sollte zügig getrunken werden, er verliert schnell seine Frische und macht dann nur noch halb so viel Vergnügen. Wenn er nicht überhaupt schon zu lange im Verkaufsregal stand .... Im Zweifelsfall hilft verkochen: mit dem Kleinen Sherrybuch!


Wer mehr über die detaillierte Sherry-Produktion lesen will, kann dies hier tun. Oder sich diese Serie reinziehen.

Montag, 23. Oktober 2006

Literarisches Feinkostpapier

Die Extrawurst in Kurt Schwitters, der Gouda in Ringelnatz, die Salami in Morgenstern: wer in Tirol bei der heimischen Supermarktkette M-Preis (M für Mölk, die Familie, die hinter diesem Unternehmen steht) seine Feinkost kauft, bekommt Lyrik als Draufgabe, auf das Einwickelpapier gedruckt. Mit dabei sind auch der Tiroler Hans Aschenwald, oder, mit neuer Südtiroler Mundartlyrik, Luis Stefan Stecher (um Tiroler Rindersaftschinken gehüllt gewesen):

mai maadele, mai tschuurale,
mai rutschlz paalapiirl,
ollz, woosdr sui drzeiln wäarn,
hot ollm a hintrtirrl.

gäa du lai piineibm af dein tonz,
unt lossdr nicht drzeiln,
itlai di räasln plian roat,
roat plian aa di frseiln.

Samstag, 21. Oktober 2006

Pathetisches Klavier

Keine Alliteration, kein Spiel mit den Buchstaben - aber diesen Eintrag
s c h u l d e ich jetzt geradezu, in Kenntnis eines unterlassenen Kommentars.


Aus dem Klavier spricht die Persönlichkeit des jeweils Spielenden. Mein Sohn hat sonst offenbar verborgene melancholische Tiefen, die in seinem Spiel hörbar werden. Mir gerät alles ziemlich schlampig (allerdings ü b e ich ja nicht, sondern s p i e l e nur), fühle mich bei Haydn unbehaglich, bei Chopin wohl. Bach ist klar und zeigt mir sofort Grenzen.

Bach. Damit habe ich einem, der mich mit seinem Klavierspiel schon beim ersten Treffen am liebsten überschüttet hätte, wehgetan. Ich sagte, dass er Bach nicht spielen könne - zumindest seinem Zitat nach.
G e m e i n t hatte ich, dass Bach aus seinen Händen nicht so klänge, wie ich Bach hören mag. Sein Chopin hingegen: Schwelgen. Beethoven: Grenzenlos. Bei Schubert war ich zwiegespalten: Im Solo sehnsuchtsweckend, im Trio für mich zu wenig eingewebt ins Dreisein. Und immer: die für mich in allen Zusammenhängen herauszuhörende pathetische Figur. Das pathetische Klavier.

Freitag, 20. Oktober 2006

Poetische Posaune

"Lyrische" wär mir auch eingefallen, oder "sprechende", aber aus beidem ergab sich kein halbwegs passendes Pendant zum vorhergehenden Titel.

Who's afraid of the tromboist - oder: ein Posaunist alleine, darf der das? Ich weiß nicht, was sich jene Herrschaften, die am vergangenen Dienstag im Loos-Salon der Musiksammlung der Wiener Stadtbibliothek zusammenkamen und größtenteils sicher zum Stamminventar dieser Räume gehören, erwartet haben vom Posaunenvarieté, behutsam umsprochen von Otto Brusatti und nachgespült mit Weinen von Hans Czerny. Wohl nicht jene Kombination aus eigenen Texten und einer am ehesten eben poetischen Hinwendung zum Instrument, das in Bertl Mütters Händen jegliche Schwerfälligkeit, die man ihm vielleicht gern unterstellt, verliert und nicht einfach spielt, sondern singt, pfeift, haucht, seufzt, spricht, doppelstimmig tönt und ganz der Inventionskraft des Musikers ergeben ist.

Improvisationen zu Träumen und Geschichten, Assoziationen zu großen Werken der Musikgeschichte, wie Schuberts Winterreise oder, neu, die Müllerin, Schumanns Dichterliebe: Bertl Mütter nützt den Vorteil eines Instrumentes, für das kaum ernstzunehmende Musik geschrieben wurde, und er kennt die Literatur gut, die musikalische wie die der Wörterverführungen, verführt seinerseits, indem er durch sein Instrument zu uns spricht, erzählt.

Ein Jüngling liebt ein Mädchen, Heine-Gedicht aus der Dichterliebe: das täppische Stolpern des arme Burschen ist köstlich sichtbar gemacht; Wanderers Nachtlied, Goethe - Schubert - Mütter: meditatives, mehrstimmiges Schweben, und ich wünschte, es wäre wirklich Nacht gewesen. Zum Vormerken: die Präsentation von Mütters Müllerin wird am 21. Dezember in der Musiksammlung sein. Der Loos-Salon ist sehr schön.

Donnerstag, 19. Oktober 2006

Elegische Geige*

Ein unlängst stattgefundenes nächtliches Getänzel in Reimen ließ mich doch tatsächlich nach langer Zeit den Geigenkoffer wieder öffnen, sein Platz zwischen Klavier und CD-Regal war auffällig genug, um immer wieder mahnende Anwesenheit zu verspüren. Die Saiten waren kaum verstimmt, a gerade mal einen Viertelton, d und g einen halben, e passte.

Ich fing dort wieder an, wo ich aufgehört hatte, Schubert und Bach. Die Sonate D 384 hab ich so sehr im Ohr, dass ich den Klavierpart mithören kann. Und ich denke an den gestern geäußerten Satz: die linke Hand als Verbindung vom Herzen ins Instrument. Aber es muss auch eine Verbindung zu den Ohren da sein, denn die Finger irren sich kaum. Nur die Rechte, sie sträubt sich noch, ungelenkt führe ich den Bogen, ich überfliege im Geist das Übungsmaterial, das da ist: Küchler, Seybold, Ševčík natürlich. Aber wie sagte mir gestern der stürmische Radfahrer? Nicht üben, spielen! Also spiele ich, und als ich nach dem Schubert noch zu Bach greife, Violinkonzert No.1, hat sich die rechte Hand bereits gelockert, auch die Schulter, und der erste Satz fließt, noch etwas etüdengleich, dahin. Jetzt muss sich nur noch das Kinn gewöhnen.


* Das Buchstabenspiel entstand hier.

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