Dienstag, 14. November 2006

Live-Tasting: Creitzer

Almas Winetasting Show
Ohne Bild und Ton

Die Damen hätten's gerne mit, die Herren lieber ohne. Ohne geht sofort, mit würde noch einige Zeit dauern. Auch wenn meine Grimassen vererbungsbedingt ausdrucksvoll sein müssten, ist für heute Beschränkung im Wort angesagt.

*schwenkt das Glas, steckt die Nase hinein*

Nach vier Jahren brauchen Sie keine frische Frucht mehr zu erwarten, etwas wie eindeutige Brombeeren oder Zwetschken. Das hier duftet eher nach Heidelbeer-Holunder-Kompott mit einem Hauch von Advent-Gewürzen, aber wirklich nur einem Hauch. Oder auch Zederngehölz, ja.

*hält das Glas ins Licht und gegen ein weißes Blatt*
Ziemlich heller Wasserrand und Granatreflexe, da zeigt schon die Farbe, dass der Wein unmöglich ein Youngster sein kann. Hm, im ersten Augenblick schien er trüb, aber ich hab ja solch eine schlechte Beleuchtung im Haus.

*wechselt zur Neonleuchte in der Küche*

nein, tadellos klar, wunderschön!

*nimmt einen Schluck, lässt ihn etwas im Mund herumrollen, schluckt*

Hui! Ganz schön lebendig, das Bürscherl, vibriert ja richtig, hat auch eine kesse Säure, und jede Menge Pfeffer. Das ist im ersten Augenblick nichts für Liebhaber des Samtigen!

*riecht nochmals im Glas*
Eigentlich kommt da auch ein bisserl Likör durch, der Alkohol steigt schon in die Nase. Aber ich war auch seit 3 Tagen enthaltsam, das kann täuschen. Wirkt aber im Augenblick nicht wie ein Wein zum Dahinsüffeln. Zum Hasenpfeffer jedoch? Ich erinnere mich, vor zwei Jahren, da bekam ich diesen Wein, muss aber wohl ein anderer Jahrgang gewesen sein, zum Pfeffersteak - perfect match!

*nimmt weiter Schlucke zu sich*

Hmmm, also ganz hinten, irgendwie, da ist schon was von Holzsüße zu spüren, und in der Nase war auch was von den berühmten Röstnoten, bitte nicht an Geröstete Knödel denken dabei, sondern ans Toasting, nein, nicht Englisches Frühstück, sondern das Rösten des Holzes, da wird ganz schön herumgefackelt mit den Fässern. Ich glaub, ich hätt ihn lieber dekantieren sollen vorher. Wenn nur das Karaffenwaschen nicht immer so eine Plag' wär!

Nach einer Stunde:

Jaa, jetzt wird er langsam, mit der Luft geht er auf, wunderbar! Jetzt kommt die ganze Geschmeidigkeit, die er a u c h hat, aber die Pfefferspröde, die behält er trotzdem, wenn's nicht so blöd wär, tät ich ja sagen, wunderbar, ein richtig m ä n n l i c h e r Wein! Wie aus einem Guß, schön langsam, ja, Zeit muss man ihm schon lassen, die schönsten Erlebnisse kommen nicht beim Hudeln, nicht wahr?

*nimmt einen großen Schluck*

Ja, auch am Gaumen, da ist er nicht mehr so unbeherrscht, keck aber allemal noch, ein reizvolles Wechselspiel, und er bleibt auch lang, reißt nicht so schnell ab, das hat er schon drauf, ja. Blöd, ich hätt mir doch was Feines kochen sollen. Aber nach 16 Uhr soll man nix mehr essen, dann findet die Zellerneuerung besser statt, und ich will ja mit 70 noch .... da wär dann der Weinkeller im richtigen Zustand!

*trinkt*
Das war eine gute Wahl heute. Mei hab ich eine Freud'!

*denkt*
Gut, dass ich kein Video hab; nach mehr als einer halben Flasche würde mich niemand mehr sehen wollen.


Blaufränkisch Creitzer 2002 Weingut Albert Gesellmann, Deutschkreutz, Mittelburgenland.
"Creitzer" leitet sich ab von den Menschen aus Deutschkreuz. BF aus besten Lagen.
Bitte unbedingt dekantieren!

Montag, 13. November 2006

Würden Sie mich so sehen wollen?

Abrupter Themensprung (zur eignen Erheiterung auch, weil ein Programm, zu dem ich mich ohnehin durchringen musste, nun doch nicht möglich ist): Würden Sie mich so sehen wollen? (#125 anklicken). Hübsch ist ja auch die Dornfelder-Episode.

Sonntag, 12. November 2006

Zeitlosen

Dass mir keine Zahl sei
zwischen deiner Haut und meiner!
Nur ohne Gestern und Morgen
bleibt uns der Augenblick.

Verdichtete Stunden

Ich schreibe mir Tage und Stunden, erzähle sie, leise und laut.
Wo nichts ist, lasse ich werden, verdichtetes Etwas, gebaut
zur Möglichkeit hin -
doch nicht greifbar und da.

Dort aber, wo i s t, sind nicht nötig die Worte des Fassens, ich b i n,
so dicht ist die erste Berührung, dass allem gegeben der Sinn
schon im Tun. Diesem Sein fehlt kein Wort.
Es ist nah.

Samstag, 11. November 2006

Wortpflege

Frau Sopran betreibt vorbildliche Wortpflege, die wahrlich Unterstützung verdient - und so hoff' ich für mein Teil, dass mir heut' nichts überzwerch gerät, getrieben wie ich bin!


[going for a Martinigansl]

spam poetry

Die Kursleiterin der letzten Tage hat ein erfrischendes Verhältnis zu spam-Mails: sie wertet die Anhäufung von Anpreisungen blauer Pillen (mir fällt auf: die meisten Spams beziehen sich auf M ä n n e r d i n g e - deshalb stelle ich diesen Beitrag auch in die vernachlässigte Rubrik Männersorgen) als Ergebnis gelungener Verlinkung der eigenen Seite: je mehr Spams, desto besser mit Keywords bestückt sei sie.

Bei Durchsicht meiner Spams, die ich bislang immer stiefmütterlich gleich noch vom Server löschte, ohne sie groß eines Blickes zu würdigen, fiel mir nun zum ersten Mal der - na schön, poetisch wäre jetzt übertrieben, auch wenn mit poetry allerlei Schnickschnack getrieben wird - also sagen wir reizvolle Gehalt mancher Spam-Überschrift auf.

Hier ein Beispiel, gleich etwas ins Szene gesetzt, denn in einer Wurscht liest es sich nicht so gut:

oppressed to do
increase they cast them
they
that

it

Donnerstag, 9. November 2006

Herbstfrühling

Es war nun schon der vierte Tag gewesen, da ich im vierten Stock des Seminargebäudes gesessen hatte, den Blick vom Bildschirm immer wieder nach der Nordkette richtend, welche bis gestern mit tadellosem Weiß gegen ein spätes Blau gestrahlt hatte. Heute aber sanken nach und nach die nassen Wolken nieder, eine milde Sonne schickte noch einen satten Regenbogen über die Türme und Dächer der Stadt, der Regen aber mochte sich nicht mehr halten.

Ich hatte die Gastfreundschaft einer Freundin, der Malerin angenommen, um einmal nicht die nervöse Autofahrt mit der früheren Kollegin unternehmen zu müssen, auf einer Autobahn mit zu vielen Baustellen, zu viel Verkehr und einem Tempo 100, das bei allem Verständnis für notwendige Maßnahmen sich ins Gegenteil des Gewünschten zu verkehren scheint: da fließt nichts mehr, es herrscht ein stetes Abbremsen und Beschleunigen, und die mit der Beamtenmentalität und knapp unter 100 wollen partout nicht von der Überholspur weichen.

Dank dieser Freundin also spazierte ich gestern in der beginnenden Dämmerung durch die Stadt, ein starkes Abendrot lag noch über dem Tal, und die Luft roch nach einer Erinnerung an Frühling, so wie Frühling damals roch, als ich mit 17 abends noch hinauswollte und die Amseln schon schlugen, der Winter aber noch lange nicht gegangen war. Diese Empfindung kehrte auch heute morgen wieder, hatten wir denn nicht vor ein paar Tagen schon Schneeluft in der Nase gehabt? So ging ich durch neue Straßen, an fremden Bürgerhäusern vorbei, denen die Bürger abhanden gekommen waren, im milchigen Morgenlicht waren es nicht Luster und Kandelaber, die durch die hohen Scheiben leuchteten, sondern unerbittliche Büroleuchten, die den Fassaden eine traurige Gegenwart geben. Hinter dem Klinikum, das sich wie eine Krake in die ganze umliegende Gegend zu verteilen schien, lag, von einer hohen trockenen Mauer abgeschirmt, der Westfriedhof wie ein geträumter Ort der Ruhe.



Als ich in der Wohnstadt aus dem Zug stieg, schien es noch wärmer als morgens, es fiel dichter Regen, und mein rotes Mäntelchen roch, als ich daheim ankam, wollnass. Der Regen aber war weich gewesen.

Sonntag, 5. November 2006

Alma::Mater und der Pragmatismus der Plazenta*

Ein Wochenende lang plagte ich mich an einem Text, den ich vor mir sah und doch nicht greifen konnte, bei jedem Zulangen schien sich ein Gedankengang in zehn andere zu zerteilen, die Verschlingungen wurden immer mehr und waren nicht mehr zu verfolgen, die Längenvorgabe zwang mich zu einer Reduktion, die ich nicht füllen konnte mit dem, was mir wesentlich schien. Um Mitternacht gab ich auf, ließ den akademischen Aufsatz solchen sein und übergab ihn mit wenig professionellen Worten, die meine Zweifel enthielten. In einem Zustand von Erschöpfung und Niederlage versuchte ich, den folgenden warmen Sonnentag (es sollte einer der letzten gewesen sein) zuzulassen, als ein Anruf kam: Spiel noch mal damit, meinte der Chefredakteur, und nimm die Emotionen mit hinein.

Das traf. Riss mich auf. Ich sah bestürzt auf mich: hatte mich von mir selbst getrennt, in einer verständlichen Not; aber nach einer Zeit der Ruhe und des Innehaltens war ich in einer kontrollierten Haltung steckengeblieben, hatte meine Leidenschaften so gut verscharrt, dass sie nur noch in homöopathischen Zufriedenheitsbläschen emporsteigen durften, ein schrecklicher Pragmatismus, gnadenlos gegenüber der Fruchtbarkeit. Als Mutter ohnehin schon geschlagen, ja, zu oft empfand ich so, als dass ich es nicht aussprechen dürfte, mit einem Zwang zur Vernunft, der direkt aus der Plazenta zu wachsen schien, ergab ich mich einem vorauseilenden Gehorsam gegenüber vorgeblichen Kinderbedürfnissen, verlegte mich in dürftige Rationalisierungen und trank im Wein von anderen Träumen. Wieder und wieder saß und sitze ich, muttergleich und ganz Seele (wo aber, wo, die Leidenschaft?), vor den Nöten und Ängsten der Männer, werfe Ihnen Verständnis entgegen und schnüre mich selbst, als dürfe Rücksicht nie mir, sondern nur den anderen gelten.

Einen Sonntag später gelang der Text.

* Angeregt zu diesem Titel wurde ich hier,
einiges findet sich auch da. Die fast tägliche Lektüre dieser Seiten ist mir ein S p i e g e l, mit dem wider als wichtiger Stachel.

Freitag, 3. November 2006

Die Kirchen von Krems

Die Kirchen von Krems haben ihre Pfaffen,
da sie die Kelche zu voll nahmen,
in die Weingärten verwiesen.
Dort wurzeln sie im Urgestein und mühen sich redlich
zurückzukehren als funkelnder Pfaffenberger im Glase.

Sonntag, 29. Oktober 2006

Deutsch-Verzeichnis 759

Musikverein. Philharmoniker. Harnoncourt. Schubert. Unvollendete.

Sie klatschen schon wieder, ehe der letzte Ton verhallt ist. Haben sie nicht g e h ö r t??


Zuvor: Der Gesang der Geister über den Wassern. Mit den tiefen Streichern. Warum nur habe ich ein so hohes Instrument wie die Geige gelernt? Die mag ich doch gar nicht. Diese Höhe. Ich mag den tiefen Klang. Mindestens Bratsche. Aber vor allem Cello, das mir das schönste Fraueninstrument erscheint, außer der Stimme. Weil es zwischen den Beinen liegt und so der Klang noch direkter verbunden ist. Denn das habe ich beim Singen gelernt: mit geschlossenem Beckenboden klingt nichts.

Mir fällt eine Cellistin von damals, während meiner kurzen Zeit beim AOV ein, sie war an ihrem Instrument wie aus einem Guß.

Weil der Schubert auf OE1 zu hören war, ein Programmhinweis: Ilse Aichinger heute abend.

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sang und klanglos :-(
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