Sonntag, 26. November 2006

Fundspruch 13: Körper und Geist

[Wieder mal aus Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon]

Auch hier bestätigt sich, was mich die Erfahrung stets von neuem gelehrt hat, ganz gegen das ursprüngliche Temperament meines Denkens: daß der Körper weniger bestechlich ist als der Geist. Der Geist, er ist ein charmanter Schauplatz von Selbsttäuschungen, gewoben aus schönen, besänftigenden Worten, die uns eine irrtumsfreie Vertrautheit mit uns selbst vorgaukeln, eine Nähe des Erkennens, die uns davor feit, von uns selbst überrascht zu werden.

Da überrascht er also, der Körper, und lehrt die Staunende, wie wenig jene Worte halfen, die doch g u t gedacht waren. Als sich selbst "Belügende" die Verletzung eines Menschen bewirkt zu haben. Der ebenso an die Worte geglaubt hatte.

[Für HH]

Gedankentasche

Ei welch hübschen Traum hat mir doch die Nacht gebracht: dass eine Tasche eingewachsen wär am Rücken, kuvertgleich, und alle Gedanken, die herumschwirrten den langen Tag über, schlüpften geradewegs in sie hinein. Dann müssten keine Verrenkungen mehr gemacht werden, um zur Inspiration zu kommen, ein wenig Kramen in diesem Gedankenschatz brächte immer das Rechte hervor!

Samstag, 25. November 2006

Der Fall Furtwängler

im Fernsehen. Einer meiner seltenen Fernsehabende. Ich muss zwischendurch immer wieder flüchten.

Die Konstellation Kunst-Macht-Ohnmacht - nein: Musik-Macht-Ohnmacht greift an immer noch Virulentes. Treibt mich in schreckliche Zwiespältigkeiten. Ich k a n n solche Geschichten nicht distanziert von einer hautnahen erfassen. Dieses >Im Namen der Musik ü b e r s e h e n<. Im Namen einer musikalischen Freundschaft sogar die Tochter opfern. Nein, nicht mich. Aber ich war daneben, unmittelbar. Und auf mir lastet die Schuld, zugesehen zu haben und nichts gesagt zu haben. Ich wäre selbst zu jung gewesen, wurde mir gesagt. War ich das wirklich?

[Entgegen nächtlicher Absicht habe ich diesen Eintrag, nach Ratschlag, nun doch belassen]

Freitag, 24. November 2006

Ineinanderschlafen

hüfte an hüfte
und deine hand in meinen schoß gelegt
so verschwinden die grenzen der körper
wir träumen auflösenden schlaf

Dienstag, 21. November 2006

Rom im November

Die Stare bilden Schwärme über ewigen Dächern,
ziehen Muster ins milde Blau.
Spätsommerwarmer Lufthauch öffnet Mäntel und Krägen,
über den Schanigärten liegt Zigarettenrauch.
Die Orangenallee der Via Barberini verharrt noch im Blassen,
auch bei Prada stöbern die Herren in gedämpften Tönen.
Vor der Villa Hassler eine Menschentraube, d e n Blick zu erhaschen, attore famoso!
An der Fontana di Trevi sehnt man ein Nacht wie bei Elsa und Fred.
Feltrinelli, Piazza Colonna, hält bis 22 Uhr offen,
Tschaikowsky liegt, ethnisch gelistet, beim C.
Der Taschendieb im 452er greift nicht tief genug in die Hose,
ich muss an Pasolini denken und die Peripherie von Rom.
Spigola und Rombo dann, zwischen Brokatwänden und Silberbesteck
bei den alten Herren hinter der Porta Pia,
der Gavi di Gavi macht den Weg in die Nacht
zu tänzelnder Kurzweil.

Montag, 20. November 2006

und es begab sich

Die Frau begab sich in die Hand des Mannes.
Als sich die ihre dazu fand,
War ihnen keine Grenze mehr.

Samstag, 18. November 2006

Entführung

Wenn Sie diesen Beitrag lesen, werde ich entführt sein.
Während ich diesen Beitrag verfasse, weiss ich nicht, wo ich sein werde, wenn sie ihn lesen.
Während Sie ihn lesen, werde ich aber wissen, wo ich bin. Doch möglicherweise noch immer nicht genau, warum.

Eine Entführung mit Einwilligung. Ich fühle mich, als wären mir die Augen verbunden worden.

Donnerstag, 16. November 2006

Orion

Heute Nacht war der Sternenhimmel näher als sonst und von einem ungewohnten Leuchten, kam herunter, als wär er irgendwann zu fassen. Als ich um fünf Uhr vor die Tür trat, stand Orion geradewegs vor mir, rechts oben über dem Berg hing Ursa Minor. Mir war, als sprächen sie mit mir. Und hätte der Südwind nicht so durch mein dünnes Hemd geblasen, ich wär noch länger in Betrachtung versunken geblieben.

So aber sprang ich wieder ins warme Bett und ließ mich mit einem Lächeln in weitere Träume fallen.

Mittwoch, 15. November 2006

não Brasil, doch Bossa Nova kann man immer singen

A Felicidade

Tristeza não tem fim, felicidade sim
A felicidade é como a pluma, que o vento vai levando pelo ar
Voa tão leve, mais tem a vida breve
Precisa que haja vento sem parar

A felicidade do pobre parece
A grande ilusão do Carnaval
A gente trabalha o ano inteiro
Por um momento de sonho, prá fazer a fantasia
de rei ou de pirata ou jardineira
e tudo se acabar na quarta feira

Tristeza não tem fin, felicidade sim
A felicidade é como a gota
de orvalho numa petala de flôr
Brilha tranquila depois de leve oscila
e cai como uma lágrima de amor

A minha felicidade está sonhando
nos olhos da minha namorada
É como esta noite passando, passando
em busca da madrugada
Falem baixo por favor
pra que ela acorde alegre como o dia
ofrecendo beijos de amor




Vinicius de Moraes, Antonio Carlos Jobim, Tom Jobim
Aber eigentlich mag ich Insensatez noch lieber.

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