Mittwoch, 20. Februar 2008

Tanz 1: Im Botox-Land

La Serenissima strahlt gewissenhaft in der matten Februarsonne, als sich eine junge Frau anschickt, ihrem Kleinmädchentraum wahrzumachen und damit auch ein Versprechen an die Großmutter einzulösen: Nozze a Venezia.

Multikulturell, finanzweltlastig und erlesenen Namens die Gästeschar, kunterbunt in Stilfragen wie Zugehörigkeiten. Jede Menge Vogue, wenig Individualität, viel Laufsteg auf der jugendlichen Seite, Model-Figuren überragen ihre Wallstreet-Begleiter. Und sonst: Fabelhafte Schuh-Show, erbarmungswürdige Demaskierungen durch Missgriffe in die Designerkiste, der Reichtum manchen Mannes am erstarrten Antlitz der Begleiterin abzulesen, und eine unglaubliche Nebenbühne die Londoner Botox-Fraktion am Nebentisch.

Über allem schwebend, sich an Säulen rankend, über Treppen fließend und die Tische in Farb- und Duftrausch hüllend: die Blumeninszenzierung im Teatro, Kunst aus Echtem inmitten von Überhang an künstlichem Theater.

Inmitten all dessen ein Grüppchen Freunde, von sechs zur glorreichen sieben angewachsen; der Beweggrund für die Anwesenheit ist hier kurz wie treffend genannt. Sieben, das ist auch wesentliche Zahl in der Zeremonie, die Anlass gab für all das grandiose Drumherum, das goldene Theater zum Sakralraum gemacht

teatro

durch die blumenumkränzte Chupah, Wiener Musik und jüdische Riten, Minuten der Ehrfurcht inmitten von Stunden der Show.

Freitag, 15. Februar 2008

Charme und Bourgoisie

Eigentlich war es ja das Gespenst der Freiheit, das mich gestern Nacht noch über Gebühr vor dem Bildschirm hielt - Bunuels ausreichend surrealistisches Alterswerk (freilich nicht zu vergleichen mit Chien Andalou oder L'âge d'Or). Das Wiedersehen längst vergessener Szenen beschwerte doch recht unbändiges Vergnügen, die Decouvierung einer so bemühten Bürgerlichkeit ließ mich fröhlich in die alleinige Nacht lachen. Den Diskreten Charme der Bourgoisie in der Woche zuvor hab ich hingegen viel schwerer vertragen, aber der Titel des Films führt mich zum eben beginnenden Wochenende, an dem einiges an Charme, aber wohl auch reichlich an Bourgoisie zu erwarten ist - in all ihren rühmlichen und lächerlichen Facetten.

Worauf ich mich wohl freue: Tanzabend im Palazzo. Und dass der Hirsch mit mir über die Kanäle springen wird.

Sonntag, 10. Februar 2008

A so a Bahö!

Wien, Porgy & Bess: Galanacht der Wärmespender für die VinziRast. Suppe und Soul - da musste Frau Alma natürlich dabei sein!

Die sieben Suppenkreationen von sieben Wiener Gourmet- und Szenelokalen konnten diesmal im feinen Ambiente des Porgy gelöffelt werden, zwar nicht von Obdachlosen, aber doch irgendwie Heimatlosen der Nacht. Es gab
1. Minestrone alla Milanese
2. Kürbiscremesuppe mit Kernöl
3. Sauerkrautsuppe mit Blutwurstschnitten
4. Tom Kha Gai-Kokossuppe mit Hühnerfleisch
5. Petersilienwurzensuppe mit Anis und Cointreau
6. Cremige Kartoffelsuppe mit Speck und Lauch
7. Rindsuppe mit Fritatten

von
a) Meinl am Graben
b) Österreicher im MAK
c) Ramien
d) Steirereck
e) Il Carpaccio
f) Zum Schwarzen Kameel
h) Hansen

(Für richtige Zuordnungen - ohne Schummeln, versteht sich - gibt es vielleicht einen Preis)

Aber eigentlich kam man, um feine Musik zu hören und dann noch ordentlich abzutanzen, die Suppen waren gute Grundlage, man zahlte für einen guten Zweck und hätte frühmorgens noch gut einen Nachschlag vertragen!

Das Musikprogramm vermittelte zunächst gemischte Gefühle; eine ungestimmte Gitarre zu einer weiblichen Stimme mit traurigen Texten war ein sehr zögerlicher Beginn. Eine Art naiver Fröhlichkeit kam dann bei jener frauendominierten Gruppierung auf, wo das Cello für sonoren Untergrund sorgte, während der Sohn der Samtratte mit einer viel zu langen morbiden Vorstellung für anhaltende Flucht zu den Suppentöpfen sorgte - trotz oder wegen einer brünetten Julia , deren weitgespreiztes Dasitzen im grünen Drillich keineswegs zu mehr Sexappeal ihrer ästhetisch-starren Begleitungsperformance führte.

Dann aber die Jungs aus Bulgarien! Eine geballte Ladung aus Spaß, Drive und Können, unbekümmert heruntergeblasen von der Bühne, am Saxophon ein untersetzter und etwas bäuerlicher Mr.Bean, an der autochthonen Flöte hingegen ein alle überragender Bankbeamter in dezentem Blau (Pullunder war bei dieser Gruppe offenbar Pflicht). Mit ihrer Eigenkomposition "Istanbul darf nicht Wien werden" spielten sie sich direkt in die aufrechten Herzen .... und produzierten das erste Bahö des Abends.

Der Hauptact aber war mit Sicherheit The Slow Club - do you remember Hansi Lang? Seine Interpretationen von Nat King Cole oder, ja! Billie Holliday sollten unbedingt versucht werden! So gut kann keine Suppe schmecken - das ist wirklich Soulfood!

Dann ging es endlich hinein in die Clubnacht, DJs und Live Acts sorgten für anhaltend in die Leiber fahrende Stimmung; Frau Alma wagte so manch anzügliches Tänzchen mit dem schönen Herrn G. Albin Janoska mit seinem "Grand Baheux" hatte da schon den richtigen Titel, und DJ "Soulsugar" Arno (korrektes feinkariertes Hemd) wurde nicht umsonst so umfassend akklamiert.

Wie gesagt, irgedwann um irgendeine Zeit dann doch auf der Spiegelgasse, hätten noch ein paar Schöpfer Suppe gut getan! An dieser Stelle seien die soulfriends aus vollem Herzen bedankt!

Donnerstag, 7. Februar 2008

Mehr Raum Mehr Zeit

Lech, Ort luxuriöser Hotels und (einstmals) luxuriöser Gäste, wirbt mit dem Luxus von Raum und Zeit.

Inmitten einer aus scheinbar endlosen Schihängen sich formenden Landschaft

raum-und-zeit

dehnt sich mir jeder Augenblick zur Unendlichkeit. Auf den Richtung Süden gewandten Bergkuppen weht der Föhn mit stürmischer Gewalt entgegen, nimmt wieder kurz jenen Atem, der sich doch gerade in diese Unendlichkeit breiten wollte, legt aber auch eine weiche Schicht aufgewirbelten Schnees über die harten Pisten.

foehn

Auf den steileren Hängen aber vermisse ich die Eleganz der alten langen Skier, die die knappen, von Fersendruck gesteuerten Schwünge in perfekter Parallelität ermöglicht hatten. Mit den mir überantworteten kurzen und schaufeligen schwarzen Brettern muss ich mich bewusst in das weit ausholende und hangraumgreifende Gleiten fallen lassen, aber ich folge den routinierten Schwüngen des schönsten Geliebten*, lasse mich von seiner Freude über meine Gegenwart tragen.

Über dem Hochplateau mit extremer Hoteldichte holen Fettgeruch und Schneebargedröhne wieder ins enge Jetzt zurück, nur der Respekt vor der Erinnerung eines Mannes, der schon vor 35 Jahren auf dieser einen Bank mit einer zu früh verstorbenen Frau in der Sonne saß, lässt ein kurzes Verweilen zu. Abends führt die Flucht vor billigem Trubel in jene wundersamen Räume,

rausch-und-wunderkammer

wo aphrodisierende und rauschbringende Gewächse auf güldenem Grund den inszenatorischen Rahmen bilden für die schlichte Kunst des grand pièce. Und wieder öffnen sich Raum und Zeit.


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Mittwoch, 6. Februar 2008

den zweiten

von links gibts bei mir derzeit auch ....

Donnerstag, 31. Januar 2008

Kult

Eine wertvolle Linkspende sogleich nützend, nehm ich mir dies Zitat:

Um einen Feuerball rast eine Kotkugel, auf der Damenseidenstrümpfe verkauft und Gauguins geschätzt werden. Ein fürwahr überaus betrüblicher Aspekt, der aber immerhin ein wenig unterschiedlich ist: Seidenstrümpfe können begriffen werden, Gauguins nicht. ... Die tausend Kleingehirn-Rastas embêtantester Observanz, welche erigierten Bourgeois-Zeigefingern Feuilletonspalten servieren (o pastoses Gepinkel?), um Geldflüsse zu lockern, haben dieserhalb Verwahrlosungen angerichtet, die noch heute manche Dame zu kurz kommen lassen. (Man reflektiere drei Minuten über die Psychose schlecht behandelter Optik; klinisches Symptom, primär: Unterschätzung der Damenseidenstrümpfe; sekundär: Verdauungsbeschwerden.)

[Walter Serner]

und passe es in den gestrigen TV-Abend, der ein Kult-Programm verbarg: 3sat nahm sich des allerersten Kottans an, jenes mit Peter Vogel als Kommissar. Abgesehen von aller Dichte an vergangenen Lebensumständen (Telefon mit Wahlscheibe, und das nur beim Friseur gegenüber stehend - hübsche Mini-Szene: Regisseur Peter Patzak, der sich seine dunkle Lockenpracht massieren lässt; metallene Koloniakübel, massive Bassena-Kultur und unsägliche 60er-Tapeten - und vor allem die Jugo-Gastarbeiter als Permanentverdächtige) kam den Damenstrümpfen große Bedeutung bei - denn Frauen wie die, die zur Leiche wurde, tragen tunlichst Kräuselstrümpfe, aber gewiss keine seidenen! Da hatt Herr Kottan selbst die Bedeutung der Damenseidenstrümpfe unterschätzt, und die Verdauungsbeschwerden sind in einem Haus mit Klo am Gang ohnehin öffentliches Gut ....

Winterfreuden: Lockerung des Ich

Frau Alma sucht ihr Vergnügen im Winter auf mannigfaltige Weise: mit dem Hirschen als adrettes Trachtenpärchen verkleidet, schwingt sie das Tanzbein zu Boarischen und Schiebern auf dem Jägerball in der Unteren Schranne (Lockerung der Gliedmaßen), entdeckt im Weinkeller des Landwirtshauses einen Brunello Pian delle Vigne 1997, erster Ansatz zu rauschhafter Lockerung des Ich.
Und morgen begibt sie sich auf Wedeltage ins Hochgebirg, allwo eine Rausch- und Wunderkammer besonderen Zuschnitts weitere Lockerungsübungen verheißt, wobei die in diesen Tagen vor allem angestrebten Rauschzustände ihr Potential nicht in der Ernüchterung zeigen sollten!

Samstag, 26. Januar 2008

Börsencrash? - Geldbörsel!

Der heutige Kommentar von Herrn Glattauer trifft's wieder einmal.

Donnerstag, 24. Januar 2008

solera

Der Zug verlässt S. in einem weiten Bogen. Sitzt man richtig, ergibt sich ein überwältigender Panoramablick auf die Berge Richtung Süden, vom Salzburgischen bis ins Bayrische. Die Sonne hält jetzt schon länger an, färbt die schneebedeckten Kämme und Spitzen rosarot; bis ich daheim bin, ist nur noch ein matter dunkeloranger Schein im äußersten Westen zu erhaschen.

Die Lektüre ermüdet die Augen vorschnell, ein Begriff bleibt hängen, Solera. Bevor ich in den Reiseschlaf hinübergleite, fantasiere ich über die Möglichkeiten der vielen Fässer. Wenn ich immer aus der untersten Reihe Wein entnommen habe zum Abfüllen, aus den oberen Reihen nachfülle, und dies immer schon so getan habe, dann bleibt in diesen untersten Fässern doch von jedem jemals nur in sie gefüllten Weines etwas zurück, vermengt mit den anderen Weinen und Jahrgängen, aber etwas davon bleibt. So wie bei homöopathischen Mischungen müsste noch vom ersten je gefüllten Wein zumindest eine Information darin sein, etwas von seiner Energie. In einer Flasche Sherry oder auch Brandy liegt so das akkumulierte Wissen ungezählter Weine, was für eine herrliche Vorstellung!

[Wie komplex die Sache mit der Solera ist, kann man hier nachlesen]

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ConAlma - 2011-10-07 11:40
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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
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books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
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