Freitag, 13. Juni 2008

Unfreiwillige Fanzone

Da entweich ich für einen Abend dem fanzonenahen Arbeitsplatz und finde meinen Lieblingsperser hinter Absperrgittern! Seitenschauplatz nur, wie sich herausstellte, doch der Ausgleich in letzter Sekunde ließ plötzlich trommelndes, tanzendes Leben auf dem Platz vorm Theater entstehen. Der nächtliche REX dann absolute Fanzone: rotweißrote Gesichter, rhythmisches Tröten und ein Staccato an schlechten Witzen. Zwischendrin die flapsige Anmerkung eines sich besonders durch turnendes Muskelspiel hervortuenden Jugendlichen zur persönlichen Lebensgeschichte: "Vor drei Jahren ham sich die Mama und Papa scheiden lassen, und heut ruaft die Muata an und sogt, dass sie wieda g'heirat hat. I war eh ned zur Hochzeit gangan.", woraufhin er sich wieder nahtlos in seichte Frauenfeindlichkeit stürzt, Witze am Fließband, aber das kurze Glitzern im Aug hab ich gesehen.

Beim gemeinsamen Aussteigen hat er sich entschuldigt, für die vielen schlechten Witze, "mia worn hoid so drüba wengan oans oans". Er hatte ein hübsches, besonders sorgfältig bemaltes Gesicht.

Dienstag, 10. Juni 2008

Zwie

Wann bin
ich zuletzt //:draußen g'wen://

Wann hab
ich Wald und //:Wiesen g'sehn://

Wann war'n
wir ganz ver//:eint zu zwein://

Lang darf's
so nimmer sein.

Zwiefacher zum akuten Zwiespalt zwischen Erfolg und Leben.

Samstag, 7. Juni 2008

Fehlton

Der Billa am anderen Ufer verkauft alte Jahrgänge. Ich kann nicht widerstehen und nehme eine Flasche Högl Riesling Smaragd Bruck 2004 mit. Späte Gäste, der Stellvertreter und seine aparte part time-Begleiterin, teilen eine Flasche Setzberg 07 mit mir, natürlich muss draufhin der Högl verkostet werden. Lange Gesichter: Champignon, verbrannter Gummi - in dieser Konzentration nicht Ausdruck von Reife, sondern Fehltöne. Mademoiselle im neue Kleidchen aber lässt nicht locker, sie trainiert für die erste Diploma-Prüfung, hängt ihre Nase wieder und wieder ins Glas. Also mit der Luft, sagt sie, da könnte einer schon auf die Idee eines fetten kalifornischen Chardonnays kommen!

Edit: Am Tag danach.
Etwas Honig, hinten Graphit. Deutlich Umami - die sechste Geschmacksdimension. Kommt bei gereiften Weinen, gerade auch in der Wachau, vor. Aber dennoch: am Gaumen keine angenehmes Geschmacks bild, zu viel an Gummi, wie es bei Syrahs auch gerne zu finden ist. Und das ist für einen 2004er eindeutig zu viel an "Gereiftem".

Ich verzichte auf eine weitere Stunde wertvollen Nachtschlafes, bespreche mit der Barchefin die Anforderungen des heutigen ersten Tages des Ausnahmezustandes. Das halbe Gläschen Premiers Saveurs dazu rundet den Tag im Nachhinein. Eine weiche, karamellige Einstiegsdroge in die vor über 30 Jahren kurz betretene Welt des Cognacs, zudem ein aromatisch betörender Schlafmittler.

Alors, Petit Déjeuner!

Schriftbild

Ein Mitglied der beratenden Unterwanderungstruppe hat sich zu uns vorgewagt. Ein unkomplizierter junger Mann mit dem Fokus auf Prozesse, der durch richtige Fragen und vor allem Zuhören entstandene Blockaden löst. Wie ein Beichtvater, denke ich mir mitten unter dem Gespräch, und empfinde es auch als sehr angenehm, dass er nicht in ein Notebook starrt, sondern handschriftliche Aufzeichnungen macht. Die rasch hingeworfenen Notizen ergeben ein verschlungenes Schriftbild; das spätere Übertragen in eine lesbare Form vertieft die Auseinandersetzung mit dem Gehörten, zwingt von vornherein zur aufmerksamen Auseinandersetzung und Reflexion. Nicht minder wohltuend: nach langem jemand aus dem (wenngleich nicht unmittelbaren) Arbeitszusammenhang, der meine Sprache spricht.

Freitag, 6. Juni 2008

Unterwanderung

Der Eindruck im täglichen Heute: Am besten schon gestern das, was morgen verlangt werden wird, erfüllt zu haben.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Statt eines Bulletins

Immer wieder aufs Neue gültig.

Stadt im Fieber

Montag Früh hat sich der zur Verstärkung geholte Koch aufgehängt. Bittere Tränen verschleiern den Kollegen den Tag. Über der Stadt lastet noch immer die schwüle Hitze einer langen Woche, mag nicht aus den Innenräumen weichen.

Der nahende dreiwöchige Ausnahmezustand manifestiert sich in erhöhtem Verkehrs- und Passagieraufkommen. Jeder fünfte Kleinwagen gebärdet sich als Staatskarrosse - Fähnlein im Wind.

In der Zentrale hat eine Beraterfirma das Sagen übernommen. Gewohnte Abläufe sind unterbrochen, der Druck erhöht sich.

Die Frau auf der Steinbank vor den öffentlichen Toiletten ist akkurat frisiert, gar geschminkt, das Gesicht jedoch aufgedunsener denn je, die Augen nur mehr schmale Schlitze. "Du Sau!" brüllt sie mit brüchiger Stimme in die stehende Abendstickigkeit, "du Sau, du bist so deppat!". Der Mann hockt, das Gesicht abgewandt, reaktionslos neben ihr. Das Frühlingslächeln scheint ihnen vergangen.

Der nach dichten Tagen nächtens hereingebrochene Regen kling, als träten die Flüsse über die Ufer.

Sonntag, 1. Juni 2008

Nachtmutter

Um Mitternacht ist er heimgekommen, der Bub, ich saß, auf die Tochter wartend, bei Kill Bill. "Gfoit dia dea Füm?" ist die lakonische Frage, die mich aus der Trance reißt, ich war immer wieder in die schon schmerzende Müdigkeit geglitten, hab mich dennoch mit aufgerissenen Augen an den bunten und absurden Szenen festzuhalten versucht, an den Blutfontänen, "mia hod'a guat gfoin, a typischa Tarantino hoid", was weißt du Fünzehnjähriger von typischen Tarantinos, denke ich bei mir, die frühen Tarantinos habe ich gesehen, in meiner Kinosucht der Studentenjahre, aber was weiß ich schon, wovon mein Sohn weiß. Wenige Minuten später: "Deaf i no in de Stodt?", es ist zwanzig nach zwölf, was will er da noch, "umahänga", ich muss sowieso hinein, der Bus der Tochter ist in Kramsach, unterwegs sprechen wir über die Ästhtik der Kill Bill-Inszenierung, den zweiten Teil könne ich mir sparen, meint er, ich möchte schlafen, sitze auf dem Parkplatz im Auto und falle in die OE1-Jazznacht.

Soeben wurde eine über Tage aufgeschobene Geschichte fertig über den Traum einer Jugend, der Bub war damals auch fünfzehn, als er seinen eigenen Wein zu machen begann, was tat ich mit fünfzehn? Bücher gelesen und vor mich hin geträumt wohl.

Samstag, 31. Mai 2008

Das Leben ohne mich

Es gibt Spuren. Ich war vier Tage nicht zu Hause, in der Wohnung riecht es nach Zigaretten. Das Wohnzimmer ist merkwürdig aufgeräumt, im Handwaschbecken des Gästeklos liegt ein nicht gänzlich abgeschleckter Löffel mit Haselnusscreme, im Geschirrspüler stehen alle verfügbaren Wassergläser. Im Badezimmer riecht es nach Parfum, meinem Parfum, das ich von der Tochter zu Weihnachten bekam, Kenzo. Ich benütze es nie, seit ich mich so intensiv mit Wein befasse, vertrage ich kein Parfum mehr.

Der Garten ist noch struppiger geworden. Am Handrasenmäher klebt frisches Gras, die Gartenschere liegt auf dem Tisch, ein Drittel der Wiesenfläche ist in einem Zustand zwischen abgerupft und niedergedrückt. Die Nachbarskinder sagen: Da waren viele Mädchen und Buben, ganz viele, doch sie vermögen nicht zu sagen, ob das nachts war oder heute tagsüber. Der Sohn war alleine, ist gestern erst gegen 22 Uhr heimgekommen, mit zweistündiger Verspätung aus der fernen Schule; als ich grad vorhin kam, war er schon wieder unterwegs. Was tut ein Fünfzehnjähriger in dieser Kleinstadt an einem Samstagabend? frag ich mich, ich weiß nichts mehr von ihm, seit er ins Südsteirische pendelt, wer hat mein Parfum benützt, wundere ich mich wieder, was geschieht da in diesem Leben ohne mich?

Jetzt warte ich, dass das andere Kind, die eine Tochter, von einer Sprachwoche in Nizza zurückkommt. Auch sie hat Verspätung, der Bus hatte in der Schweiz einen Kupplungsschaden. Ich muss morgen Mittag wieder weg, sie wird ihr Pflichtpraktikum am Montag ohne mich beginnen.

Rot: Sonne, Mond, Erde

Ich liebe diese kleinen Verrücktheiten, diese Heimlichkeiten, wenn niemand weiß, wo ich gerade bin oder war, also niemand von jenen, die mir nahe sind. Diesen Blick hatte ich schon lang nicht mehr, um halb sechs die Sonne über den Dächern Wiens aufsteigen zu sehen, eine Viertelstunde später dann schon über den Praterauen. Gestern abend war vom Mond über Wien die Rede gewesen, wie er vor zwei Jahren, beim Nussbergfest im Rahmen der VieVinum, als überdimensionaler roter Ballon plötzlich am Horizont aufgestiegen war. Dieser Blick über die Stadt vom Nussberg aus, so unermesslich, kleine Karpaten, Leithagebirge, Weite in alle Richtungen, und dann erhebt sich da plötzlich dieser riesige rote Vollmond und steigt empor, sein Schweben überträgt sich auf die Menschen, bis er schließlich klein und weiß auf dem von samtblau ins Nachtschwarze sich wandelnden Himmel festzustehen scheint.

Gestern aber saß mit 11 Weinfrauen in einem der schönsten Gastgärten der Stadt, nicht mit diesen 11 Frauen, wiewohl zwei von ihnen dabei waren, wir tranken Rote Erde, die Weine vom Spitzerberg haben allesamt einen eigenen Duft, Veilchen vielleicht, egal welche Rebsorte, das sei der Kalk, sagt die Weinmacherin, der diese Vielfältigkeit schaffe und viel mehr hergäbe als der sonst so gerühmte Schiefer.

Die russische Weinjournalistin mir gegenüber ist eine bemerkenswerte Person, sie lebt am Comer See, ihr Nachbar ist George Clooney, seine Villa sei zu mieten, las ich grad gestern, für 120 000 €, die Woche, versteht sich. Ich freue mich über den Kontakt, überhaupt hatte ich mich auf dieses Zusammentreffen mit allen gefreut, sechs Stunden Zugfahrt, dazwischen fünf Stunden Schlaf für einen Abend mit Frauen und Wein, ja ich mag diese kleinen Verrücktheiten, da geht mir keine Energie verloren, solche Abende sind ein Gewinn.

Arbeit und dann Familie holen mich nun zurück, am Nachmittag liest Bodo Hell bei uns im Geschäft (das Literaturfest ist eine der noch zu schreibenden Geschichten von gestern), es gibt auch kein Nussbergfest heuer für mich, Martha Argerich kommt auch nicht, ich hatte mir gewünscht, sie einmal zu hören, aber der Abend morgen wird dennoch rot werden, spätes Mahl in der Roten Bar.

Am Montag aber wird Wein sein.

Montag, 26. Mai 2008

Das erste Eierschwammerl der Saison

... kam aus Rumänien, war klein und knackig und Teil eines Gesamten aus Mariasteiner Lachsforelle mit Flusskrebsen in feinem Gemüsesud mit Artischocken und wildem Spargel; das Gericht selbst wiederum Teil eines gesamten Überraschungsmenüs.

Am Nebentisch wurde lautstark die Überflüssigkeit der Flusskrebse angemerkt, aber es gab auch um den Wein eine ständige Diskussion - hätten sie doch nur auf jenen anderen Teil der Karte geblickt, wo wir unseren 1996 Haut Batailley (zu einem höchst attraktiven Preis) gefunden haben, erotisch sagt der Hirsch und bekommt seine Nase nicht mehr aus dem Glas.

Dennoch waren sie höchst unterhaltsam, die von nebenan, der musikalische Mastermind und der unerbittlichenFinancier von Erl, oft uneins in Entscheidungsfragen, und doch wieder im gemeinsamen Trinken sich verlierend, mit lautstarker Unterstützung der Geldgeber-Gattin; zum Schicksal des abhanden gekommenen Lieblingswirtes meinte der Mastro nur: Der kommt scho wieder, der Otto, bald!

Apostroph

In meiner Sechziger-Jahre-Kindheit gab es eine Radiosendung namens "Sprachpolizei" - Karl Hirschbold, der Autor, hat seine sprachbeobachtende Tätigkeit dann auch schriftlich in der "Presse" fortgesetzt. Ich mochte schon damals diese grundlegende (und auch sehr grundsätzliche) und, wie ich in Erinnerung zu haben vermeine, pointierte Form der Betrachtung von Sprache in ihren Veränderungen und - ja, Inkorrektheiten.

Dass Sprache nichts ist, woran man sich festhalten kann, Sätze nicht das, was sie scheinen, lernte ich in den folgenden Jahren rasch. Aber das ist Inhalt. Nur beim Grundgerüst, der Grammatik, auch der Schreibweisen, die viel mehr Inhalt transportieren als Reformer mit Vereinfachungswillen offenbar glauben, da hab ich immer wieder Schwierigkeiten, Veränderungen oder noch viel mehr Nachlässigkeiten hinzunehmen.

Beim falsch gesetzten Apostroph aber kann ich mich wirklich echauffieren!
Gehäuft tritt es in der Gastronomie auf: von Lokalbezeichnungen bis zu Speisenbezeichnungen schwirrt dieses in der Luft hängende Stricherl in Wörtern herum, wo es nichts zu suchen hat, es soll sogar schon ein Schwein'sbraten gesichtet worden sein. Als Platzhalter für ausgelassene Buchstaben dient es in der Niederschrift von Umgangssprache, aber die Ausgelassenheit, mit der man sich dieses Hilfszeichens bedient, ist (für mich) oft nackenhaarsträubend.

Der Vater - des Vaters: ein lupenreiner Genetiv, der des s bedarf. Aber womöglich ist das Gefühl für den Genetiv abhanden gekommen, vielleicht liegt's (sic!) daran, oder dass der englische Genetiv das Apostroph benützt, father's - was dort stimmt, hätte auch im Deutschen Berechtigung?

Doch bleiben wir bei den Empfehlungen des Chef'sauf der Schiefertafel vor dem Lokal - dort vermisse ich vielleicht nicht mal so sehr die sprachliche Grundbildung; wenn sich ein solch apostrophierter Genetiv aber auf einer literarischen Seite einschleicht, sehe ich, wie unreflektiert der Usus dieses kleinen Zeichens geworden ist!

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!
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books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
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profiler1 - 2011-10-06 21:55
Erwischt... und Sie fehlen...
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