Sonntag, 22. Juni 2008

Höhenfeuer

Stete Glut
entfacht nur vom Geruch der Nähe.
Der Kamm des Zahmen Kaisers
gesäumt von Höhenfeuern, fünfundfünzig an der Zahl.
Irrlichterndes Glühwürmchen unter Holunderduft.
Obertöne im Bachrauschen,
die in singenden Ohren zu Glockenklang werden.
Sechsunddreissig ausschließliche Stunden:
unermesslicher Reichtum, der alles Abgehetzte und Spärliche des Stundenweisen vergessen macht.

geburtstagsstrauss
[Geburtstagsstraußdetail]

Sonntag, 15. Juni 2008

Give me a Cristal

Er schien siegessicher zu sein, der junge Russe mit der heiseren Stimme, machte es kurz und bündig, crystal, mehr ü als i sprach er es aus, er war auf dem Weg zum Stadion und wollte den Kultchampagner danach gekühlt für den Nachtzug mitnehmen.

Aus dem entferntesten Osten aber waren die vier Herren mit den auffälligen Filzkappen gekommen: der Insel Sakhalin.

Samstag, 14. Juni 2008

Hatschi Bratschi Uuuh

Sind Sie auch mit Hatschi Bratschi groß geworden? Mein kindliches Morgenland war aber doch mehr von Wilhelm Hauff und dem Kleinen Muck, Kalif Storch oder Zwerg Nase bestimmt.

Freitag, 13. Juni 2008

Unfreiwillige Fanzone

Da entweich ich für einen Abend dem fanzonenahen Arbeitsplatz und finde meinen Lieblingsperser hinter Absperrgittern! Seitenschauplatz nur, wie sich herausstellte, doch der Ausgleich in letzter Sekunde ließ plötzlich trommelndes, tanzendes Leben auf dem Platz vorm Theater entstehen. Der nächtliche REX dann absolute Fanzone: rotweißrote Gesichter, rhythmisches Tröten und ein Staccato an schlechten Witzen. Zwischendrin die flapsige Anmerkung eines sich besonders durch turnendes Muskelspiel hervortuenden Jugendlichen zur persönlichen Lebensgeschichte: "Vor drei Jahren ham sich die Mama und Papa scheiden lassen, und heut ruaft die Muata an und sogt, dass sie wieda g'heirat hat. I war eh ned zur Hochzeit gangan.", woraufhin er sich wieder nahtlos in seichte Frauenfeindlichkeit stürzt, Witze am Fließband, aber das kurze Glitzern im Aug hab ich gesehen.

Beim gemeinsamen Aussteigen hat er sich entschuldigt, für die vielen schlechten Witze, "mia worn hoid so drüba wengan oans oans". Er hatte ein hübsches, besonders sorgfältig bemaltes Gesicht.

Dienstag, 10. Juni 2008

Zwie

Wann bin
ich zuletzt //:draußen g'wen://

Wann hab
ich Wald und //:Wiesen g'sehn://

Wann war'n
wir ganz ver//:eint zu zwein://

Lang darf's
so nimmer sein.

Zwiefacher zum akuten Zwiespalt zwischen Erfolg und Leben.

Samstag, 7. Juni 2008

Fehlton

Der Billa am anderen Ufer verkauft alte Jahrgänge. Ich kann nicht widerstehen und nehme eine Flasche Högl Riesling Smaragd Bruck 2004 mit. Späte Gäste, der Stellvertreter und seine aparte part time-Begleiterin, teilen eine Flasche Setzberg 07 mit mir, natürlich muss draufhin der Högl verkostet werden. Lange Gesichter: Champignon, verbrannter Gummi - in dieser Konzentration nicht Ausdruck von Reife, sondern Fehltöne. Mademoiselle im neue Kleidchen aber lässt nicht locker, sie trainiert für die erste Diploma-Prüfung, hängt ihre Nase wieder und wieder ins Glas. Also mit der Luft, sagt sie, da könnte einer schon auf die Idee eines fetten kalifornischen Chardonnays kommen!

Edit: Am Tag danach.
Etwas Honig, hinten Graphit. Deutlich Umami - die sechste Geschmacksdimension. Kommt bei gereiften Weinen, gerade auch in der Wachau, vor. Aber dennoch: am Gaumen keine angenehmes Geschmacks bild, zu viel an Gummi, wie es bei Syrahs auch gerne zu finden ist. Und das ist für einen 2004er eindeutig zu viel an "Gereiftem".

Ich verzichte auf eine weitere Stunde wertvollen Nachtschlafes, bespreche mit der Barchefin die Anforderungen des heutigen ersten Tages des Ausnahmezustandes. Das halbe Gläschen Premiers Saveurs dazu rundet den Tag im Nachhinein. Eine weiche, karamellige Einstiegsdroge in die vor über 30 Jahren kurz betretene Welt des Cognacs, zudem ein aromatisch betörender Schlafmittler.

Alors, Petit Déjeuner!

Schriftbild

Ein Mitglied der beratenden Unterwanderungstruppe hat sich zu uns vorgewagt. Ein unkomplizierter junger Mann mit dem Fokus auf Prozesse, der durch richtige Fragen und vor allem Zuhören entstandene Blockaden löst. Wie ein Beichtvater, denke ich mir mitten unter dem Gespräch, und empfinde es auch als sehr angenehm, dass er nicht in ein Notebook starrt, sondern handschriftliche Aufzeichnungen macht. Die rasch hingeworfenen Notizen ergeben ein verschlungenes Schriftbild; das spätere Übertragen in eine lesbare Form vertieft die Auseinandersetzung mit dem Gehörten, zwingt von vornherein zur aufmerksamen Auseinandersetzung und Reflexion. Nicht minder wohltuend: nach langem jemand aus dem (wenngleich nicht unmittelbaren) Arbeitszusammenhang, der meine Sprache spricht.

Freitag, 6. Juni 2008

Unterwanderung

Der Eindruck im täglichen Heute: Am besten schon gestern das, was morgen verlangt werden wird, erfüllt zu haben.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Statt eines Bulletins

Immer wieder aufs Neue gültig.

Stadt im Fieber

Montag Früh hat sich der zur Verstärkung geholte Koch aufgehängt. Bittere Tränen verschleiern den Kollegen den Tag. Über der Stadt lastet noch immer die schwüle Hitze einer langen Woche, mag nicht aus den Innenräumen weichen.

Der nahende dreiwöchige Ausnahmezustand manifestiert sich in erhöhtem Verkehrs- und Passagieraufkommen. Jeder fünfte Kleinwagen gebärdet sich als Staatskarrosse - Fähnlein im Wind.

In der Zentrale hat eine Beraterfirma das Sagen übernommen. Gewohnte Abläufe sind unterbrochen, der Druck erhöht sich.

Die Frau auf der Steinbank vor den öffentlichen Toiletten ist akkurat frisiert, gar geschminkt, das Gesicht jedoch aufgedunsener denn je, die Augen nur mehr schmale Schlitze. "Du Sau!" brüllt sie mit brüchiger Stimme in die stehende Abendstickigkeit, "du Sau, du bist so deppat!". Der Mann hockt, das Gesicht abgewandt, reaktionslos neben ihr. Das Frühlingslächeln scheint ihnen vergangen.

Der nach dichten Tagen nächtens hereingebrochene Regen kling, als träten die Flüsse über die Ufer.

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ulovesexdoll - 2018-12-13 06:51
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Wow, ich mag das Licht und die Anzüge! Vokalmusik ist...
karrri - 2014-06-24 12:18
einfach nur schön finden...
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uferlos - 2011-10-08 00:28
lasst mir noch ein bissl...
lasst mir noch ein bissl zeit. vielleicht gibt es ein...
ConAlma - 2011-10-07 11:40
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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
!
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books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
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profiler1 - 2011-10-06 21:55
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katiza - 2011-10-06 10:34

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