Freitag, 29. Mai 2009

Herztieflage

Herz in der Fut.
Schmerz, und die Wut?
Merz, was nicht gut,
aus!

Mittwoch, 27. Mai 2009

Herzplatz

femme



Wem schrieben Sie ein solches Bild zu?





être femme c'est fatal

Montag, 25. Mai 2009

Körperleben

Es ist unermesslich, was ich bei der Berührung deines Körpers empfinde, sagt der Hirsch und lächelt in seinem hoffenden Glück, vielleicht auch zufrieden, so be s t e h e n zu können. Ich aber werde traurig, be-stehe nicht, finde meinen Körper nicht, ver-stehe ihn nicht. mehr. Postmenopause, sagte die Ärztin, da kann manches geschehen. Doch nicht das, dieses Abgetrenntsein von mir, von einem wesentlichen Teil meiner selbst, meines Selbst. Der Fluss unterbrochen, die Quelle versiegt. Nicht einmal ein Fingerlein mag s i e da unten zu mehr erdulden, geschweige denn Fleischiges, Hartes, sie spricht nur noch mit trockenem Schmerz.
Freilich könnt ich mich an ihm reiben, den Leib in Schwingungen versetzen, die dringen auch ins Innere, die Wellen kommen, ich spür’s im Kopf. Aber unten bleibt’s Wüste. Ja, fürs Gleiten gäb’s Hilfe, das ist auch nicht das Problem. Es ist im Kopf. Dass etwas nicht mehr von selbst will. Mich ausschließt. Sich ausschließt. Dass die spontane Selbstverständlichkeit des Ineinander versagt scheint, dieses schwebende Versunkensein mit Auflösung, das unser Miteinander so grundlegend ausmacht, das macht mich still. Und streng. Ich bin doch in Relation zum Hirschen noch ein junges Ding!

Der Traum vom Norden

Über Intervention der Cellistengattin, die aus unserer Kleinstadt stammt, wurden uns 2 Karten für die gestrige Matinee zuteil, erste Reihe Balkonloge, da seht ihr unseren Stardirigenten besonders gut, den ungepflegten den ..., der Rest verschwand in Gemurmel.

Erste Symphonie Sibelius, für den Geliebten eine so wichtige Musik, in der er seinen Traum vom Norden verbildlicht sieht; seine Ergriffenheit war in seinem festen Griff um mich spürbar. Ich mochte mich nicht über die Brüstung beugen, um von Valery Gergiev mehr zu sehen als seine beginnende Glatze; mit geschlossenen Augen konnte ich besser hören. Und auch wenn der Klang des Goldenen Saales oben ein anderer ist, die Bläser viel prägnanter, überhaupt die einzelnen Gruppen im Orchester viel deutlicher als solche wahrnehmbar - aber doch auch mir inzwischen wichtig und angesichts des riesigen Saales der Münchner Philharmonie am Mittwoch wieder so spürbar geworden: die Intimität dieses Raumes in Wien, die a u c h zum Hörerlebnis beiträgt, gerade das enge Sitzen, merkwürdig, bei aller Akustikperfektion zum Beispiel auch in Luzern, aber das Erleben in diesem Saal geht über das Hören weit hinaus - ich erlebte also eine intensive, aber nicht breitgetretene, vielmehr eine ungemein lebendige Interpretation der Symphonie. Dem Feuervogel nach der Pause indes fehlten die getanzten Bilder. Oder aber der schlemmerische Vorabend auf der Terrasse des Grandhotels zeigte seine Wirkung.

Welche Sendung war das nochmal, die sich eine Passage aus dem Feuervogel für die Signation geliehen hatte?

Donnerstag, 21. Mai 2009

Brillenschlangen in Akazienträumen

...Das...Konzert...aber mögen die Konzertgeber sich und dem Publikum künftighin schenken. Dieses musikalische Geräusch mag vielleicht gut genug sein, Brillenschlangen in Träume zu lullen oder rhythmische Gefühle in abgerichteten Bären zu erwecken - in den Konzertsaal taugt es nicht.

Wer dies schrieb, war ein noch junger Hugo Wolf, worüber er schrieb, war das a-moll-Klavierkonzert von Edvard Grieg. Nun, ich nenne den Geliebten Hirsch und nicht Bär, er liebt jedenfalls dieses Konzert, deshalb fuhren wir ins Bayrische, um Buchbinder spielen zu hören und Thielemann, diesen zu groß gewachsenen Buben mit der schlechten Frisur und den guten Manieren - erst das Orchester und dann er, beim Schlussapplaus - dirigieren zu sehen. Nun, Grieg ist schon etwas mehr als Geräusch, ein überarbeiteter Zustand aber nicht der rechte Modus für Konzertgenuss.

Akazien aber auch in München:

muenchner-akazien

die opulente Süße ihrer letzten Blütentage drang mehr zu mir durch als die Musik. Der Hirsch, stellte ich fast mit Entsetzen fest, kannte diese Bäume nicht, sie waren offenbar noch nie an seinen Wegen gewachsen.



Daheim dann ein verwundertes Auflachen: Was tun vier halbwüchsige Burschen an einem lauen Maifeiertagsabend? Sie sitzen vorm Fernseher beim Finale des Next Top Models ....

Arbeitsblick

Ich hab das Büro des Geliebten vom Notschlafplatz nun auch zum Ausweicharbeitsplatz umgemodelt. Wenn der Sohn länger als ein Wochenende daheim ist, wird's ja in unserer Miniwohnung an allen Ecken und Enden zu eng.

Geh ich schlafen, blicke ich von der Terasse im zweiten Stock so wunderbar frei auf den Sternenhimmel. Sitz ich an meinen Zweitgeräten (ein bissl kompliziert wegen des fehlenden Internetanschlusses), erahne ich bei geöffnetem Fenster den Einschnitt des Kaisertales neben dem Stadtberg. Virtuelles Wandern.

buero

Mittwoch, 20. Mai 2009

Verklärte Nacht

Eröffnungskonzert der Musik im Riesen. Nach einem filigran, mit viel Witz musizierten Haydn dann eines meiner Lieblingswerke, "nur" in der Orchesterfassung - ich hatte irgendwo schon einmal angemerkt, dass mir die schlankere Sextett-Version ungleich lieber ist. (Der engliche Titel transfigured night scheint mir fast noch stimmiger als das deutsche verklärte) Doch gestern, mit Heinrich Schiff als Dirigent, mochte ich auch diese Fassung gelten lassen, so klar und trocken, kein Gramm Schmelz zuviel, fast skelettiert; dem kam auch die gnadenlose Akustik der Swarovski-Werkshalle entgegen. Die Intensität, mit der der Dirigent ans Werk ging, war deutlich zu hören, ich verstand seinen Atem nur zu gut. In der Pause war ich froh, ins Freie treten zu können, die Kraft, die ich beim Zuhören aufgewendet hatte und die noch im Körper festsaß, in die Nachregenluft atmen zu können.

wattens

Mozarts Klarinettenkonzert aber, sonst zum Dahinschmelzen gut (weshalb fällt mir da immer Wallace & Gromit - The Wrong Trousers ein?), konnte ich nur mit geschlossenen Augen hören - die Solistin hatte sich schon so exaltiert in Pose und Show begeben, bevor noch ein Ton von ihr gekommen war, dass ich mir dieses Theater ersparen wollte. Und so fehlte mir im Klarinettenpart die Seele; die heitere, im zweiten Satz gar ironisch-sehnsüchtig anmutende Interpretation durch Kremerata und Schiff, die Tänzelei im dritten und die lose Fröhlichkeit im vierten Satz konnten die Schlangenbeschwörer-Attitüde der Klarinettistin (ich hab geblinzelt) nicht aufheben.

Nacht

Montag, 18. Mai 2009

Zwerithaler

Ein alter Weingarten. Abbröckelnde Mauern, geduckte Weinstöcke, die dort versammelten Rebsorten sind nur zum Teil identifizierbar. Im Vergleich zur sonstigen Ordnung rundum, vor allem zu Füßen des Hanges, ist dies hier geradezu Wildwuchs. Der Wein daraus jedoch ist das vielversprechende Lagenprojekt eines weitsichtigen jungen Winzers.

Nichts als die Lagenbezeichnung ist auf dem Etikett, keine Rebsorte, das sind die Leute nicht gewohnt, schon gar nicht in der Wachau. Dabei ist es nicht irgendein Weingut, sonderns eins mit Tradition, folgerichtig unter den Traditionsweingütern zu finden.
Aus meiner kurzen Verkostungsnotiz zum Wein: Unfiltriert, Würze, saftig, Tiefe, rauchig, reiches Spektrum an Strukturen, lebendig, knackig, Mineralik. Ich hatte zunächst den Wein (als Fassprobe) verkostet, dann erst bin ich hinaufgefahren, von oben wieder hinunter geklettert in die Steillage. Ganz ruhig ist es dort, wie verwunschen.

treppe

Das saftige Grün, das mich umgab, wird im direkten Kontrast zu den Lagen in der Ebene, wo es unter den meisten Rebzeilen ungesund gelbbraun heraufleuchtet vor lauter Pestizideinsatz, gleich noch einmal so lebendig. Garten und Boden sind wie ein Museum, überall wächst die Hauswurz. Der erste Jahrgang dieses Weines ist gerade erst gefüllt, und doch freu ich mich schon auf den nächsten. Der noch ausgeprägter sein muss. Doch keiner der Weine ist für den schnellen Genuss gedacht. Sie müssen ihre Zeit haben - wie ja auch der Weingarten sie hatte.

Sonntag, 17. Mai 2009

Familienfest

Der Vater entschuldigt sich dafür, die Frau mit fünf Kindern allein gelassen zu haben. Die Mutter bedankt sich, dass er ihr zumindest finanzielle Sorgen erspart habe. Die eine Tochter bedankt sich, dass die Mutter die Idee zu diesem Familientreffen gehabt habe. Die andere Tochter klagt, mit einem kurzen Blick auf die unreflektierte Selbstverständlichkeit des Mutterseins, die stattgefundene Benützung der Mutter an und entschuldigt sich im Namen der Geschwister für die gefehlt habende Wertschätzung ihres Tuns unter Verzicht auf (oder Unmöglichkeit von) Eigenleben; nicht jeder hat das Glück wie ich, eine Tochter zu haben, die zumindest einmal in der Woche ein "ich hab dich lieb, Mama" bekundet.

24 Stunden Familienfest, anlässlich des 80. Geburtstages der Mutter trafen aus West, Ost und Süd Mitglieder einer Familie in einem Dorf mitten im Wienerwald zusammen, die einander teilweise seit langen Jahren nicht gesehen hatten - oder noch gar nie, wie die Enkelkinder die Kinder der Großtante. Die sind anders, sagt die eine Enkeltochter, das dachte sich die Familie meiner Tante vielleicht auch von uns.

Doch sonst das gewohnte lebendige Durcheinander, immer ein wenig zu laut, in Teilen ausufernd, die Eltern nebeneinander, in nicht mehr von der Vergangenheit belastetem Gespräch, die fünf Geschwister quer über die Tafel hin und her rufend, deren Kinder, ob noch Kind oder schon erwachsen, in fröhlichem Kartenspiel vereint. Das Familientrauma scheint endgültig ein Gewesenes, nur in Nebensätzen der Schwester erahnt man deren zutiefst erlebte Verletzung noch da und dort flammend. Ihr Ehemann, Tiefbauingenieur, geht wohl mit ihren Tiefen sorgsam um.

In den Dank des Vaters eingeschlossen: das trotz seiner Abwesenheit "großartige" Werden nicht nur der eigenen Kinder, sondern auch der Kindeskinder.

the-kids-are-alright

the kids are alright

Samstag, 16. Mai 2009

rea (l) (good) food

Als ich sie das erste Mal sah, bestand sie aus großen Augen, einem überwältigendem Lachen und einem fast zum Platzen gespannten Bauch, stolz nach vorne getragen.

Der Bub läuft inzwischen auf eigenen Beinen fröhlich durch sein noch anfängliches Leben, und sie hat weder das Lachen noch ihr Eigenleben verloren. Die ihr zu eigenen Feinfühligkeit, ihr Spürsinn, ihre Suche nach Harmonie, ihre Neugierde formen sich in ihren Händen zu wundersamen Gebilden, die als fingerfood, Catering kalt und warm oder auch außergewöhnliche Tramezzini-Füllungen nur unzureichend beschrieben sind - es ist einfach rea food!

So zart und manchmal durchscheinend sie auch wirken mag - vor Abenteuern ist sie nie zurückgeschreckt, und so muss es auch nicht verwundern, dass ein indisches Angebot als bedenkenswürdig erachtet wird. Noch aber dürfen ihr Künste hierzulande in Anspruch genommen werden!

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sang und klanglos :-(
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