Mittwoch, 12. Juli 2006

unumkehrbare momente (cover version)

Der Titel ist bei anobella geklaut, die anlässlich der Kopfstoß-Debatte den nachhaltigen Beriff der unumkehrbaren linearen Achse geführt hat (schönes Kafka-Zitat dann im Anschluss).

Diese Unumkehrbarkeit von Momenten muss man nicht extern sammeln, die kennt man ja zur Genüge aus dem eigenen Leben. Das Verrückte ist: man erkennt sie meist auch sofort, im Augenblick noch. Und doch hat man keine andere Handlungsmöglichkeit. Danach kann man nur so gerade und erstarrt wie Zidane das Spielfeld verlassen. Man wusste es.

Puuh. Beängstigend.

Freitag, 7. Juli 2006

Mein Almsommer: Angerer Alm

Mein Almsommer währte einen Nachmittag lang, einen Abend und noch eine Nacht. Die Nacht begann mit Kuhgebimmel neben dem Lagerfeuer, an dem Kaffee gereicht wurde, Kössler-Brände und zur Wild-Schokolade (aus wildwachsenden Kakaobohnen produziert) ein mit Birnendestillat versetzter Birnenmost, genannt Mostella: sehr feine Kombination!

Schon aus dieser Schilderung lässt sich entnehmen, dass es nicht einfach irgendeine Alm war, zu der es mich zog, aber es hat auch nicht jede Alm einen Weinkeller wie die Angerer Alm, die ich hier schon einmal beschrieben habe.

Es war diesmal das alljährliche Highlight des Tiroler Sommelierverbandes, das mich an einem veritablen Sommertag hinan zog. Ein wahres Highlight setzt sich zusammen aus ausreichend Höhe und phantastischem Licht. Von beidem gab es zur Genüge: Höhenluft mit grandiosem Panorama zum Beispiel auf der riesigen Terrasse. Das Licht wiederum war in vielen Gestalten zugegen: Zunächst als strahlend-wärmende Sonne auf der Terrasse, als noch zugewartet werden musste. Dann aber, beim eigentlichen sinnstiftenden Inhalt des Nachmittags, aus dem noch ein friedlicher Abend und eine leuchtende Nacht wurde: Licht, eingefangen in zahllosen Luftperlen champagnergefüllter Gläser. Denn zum Champagner-Seminar war eingeladen worden: Toni Wallner, Vinothekar aus Freising, versierter Verkoster und profunder Kenner der Materie, führte mit einer launig gestalteten und fachlich fundierten Präsentation durch die wunderbare Welt des besten Schaumweines der Welt: da musste auch die Qualität eines Franciacorta, der als einer der Piraten eingeschmuggelt worden war, klein beigeben.

Zur geschmacklichen Illustration dieses Umstandes wurden mitgebracht (teilweise aus Privatkellern – und ich zähle hier nur die absoluten Highlights auf):
Jacques Selosse Grand Cru Blanc de Blancs Brut / André Clouet Grand Cru Bouzy Brut, ein Blanc de Noir: die Paarung für den Unterschied zwischen Blanc de Blanc und Blanc de Noir.

Pol Roger Brut 1990 / Ruinart Dom Ruinart Blanc de Blancs Brut 1990: Jahrgangschampagner vom Besten!

Maurice Vesselle Collection Bouzy Grand Cru 1985: Dieser Solist bewies überzeugend, dass auch Champagner in Frische und Eleganz zu altern versteht – dem hätten wir noch gut 10 weiter Jahre gegeben! Für die meisten DER Höhepunkt der Verkostung.

Detaillierte Notizen hierzu finden sich auch hier!

In der Zwischenzeit war auf der Terrasse eine opulente Tafel gedeckt worden: die bereits sehr entspannte Tischgesellschaft konnte sich im immer intensiver werdenden Abendlicht bis hin zu einem orangegoldenen Sonnenuntergang hinter dem Massiv des Wilden Kaisers wärmen, während ein Gericht nach dem anderen aus dem fulminanten 8-Gang-Menü, in bekannt spektakulärer Weise vom Angerer-Alm Küchenchef Stefan Assmann zubereitet, mit überragender Weinbegleitung aus den unergründlichen Tiefen des Almweinkellers (jede Höhe braucht auch ihr entsprechendes Tiefenpendant!) zu Tisch kam.

So kurz als möglich: Zum hausgemachten Brot im Blumentöpfchen Zitronen-, Rotwein- und Bärlauchbutter (das gilt noch nicht als Gang, sondern als Gedeck!). Tatare klassisch mariniert mit Jacobsmuschel, Erdbeerpaprikasauce – Vermetto (Riesling-Scheurebe) 2005 von Riffel aus Rheinhessen. Safrankarfiol mit Mango, Kaiserschoten, Vanille- und Korianderöl. Gurkenspaghettini mit Maracujaespuma, Gurkenkaltschale – Knoll Traminer Smaragd 2001. Rehtascherl mit Trüffelschaum und Tomatenreduktion – Xynomavro-Merlot 1998 von Boutaris (wie viele sprachen da von Sangiovese?); Sauvignon Blanc Bonus Erectus 04 Milan Sukal, Tschechien. Ananas-Moosbeer-Sorbet. Lammkoteletts im Steinpilzstaub mit Lavendelrisotto und Rucola-Vogerlsalat-Spinat – Veltliner 1997 Ilse Mazza! (die Österreicher vermuteten alles andere, die Münchner Kollegin war als einzige auf der GV-Spur). Schimmelkäseröllchen mit Zucchinischlaufen und Thymianhonig – Weissburgunder Beerenauslese 2001 Sepp Moser. Da war es 22:39, und noch immer lag ein rötlicher Lichtschimmer über den Ausläufern des Kaisers .... Erdbeerparfait und Holundertopfenmousse mit Minzpesto – Rieussec 1999.

Das leuchtende Licht zum nächtlichen Wärmen kam dann noch vom Lagerfeuer, und mit reichlich Erleuchtung ging es schließlich zur wohligen Bettruhe (im Himmelbett), bis das Morgenlicht, das in der Höhe viel früher kommt als im Tal, nicht mehr zu übersehen war.

Mittwoch, 5. Juli 2006

ZIA: Agentin Passig

Das war ja klar: wenn Menschen sich zusammentun, fröhliche Internetseiten konzipieren, die vor subversiver Intelligenz nur so strotzen, reichlich Vergnügen bereiten und überhaupt eine Fundgrube für lesenswertes Allerlei darstellen, dann sind Neid und Häme nicht weit, und die Preiswürdigkeit einer Einzelnen rasch in Frage gestellt.

So ergangen ist es jedenfalls Frau Passig, die den diesjährigen Bachmannpreis mitnehmen durfte. Dass dies selbstverständlich einem ZIA-Komplott zu verdanken ist, beweist die inkriminierte Seite ja selbst !

Die Trendkolumne Das nächste große Ding erscheint auch in der Berliner Zeitung, monatlich; mit Vergnügen hab ich die Vintage-Geschichte gelesen, betrifft sie doch in ihren Grundlagen meinen unmittelbaren Tätigkeitsbereich. Also was sich da am Modesektor für Abgründe auftun ... Aber das Prinzip von Vintage-Sardinendosen, das gab es auch schon anderswo zu lesen! (irgendwo inmitten der Kommentare unter "Dosenhuhn" und "Haltbarkeitsrekorde")

Sonntag, 2. Juli 2006

1986: Honifogl und Blaufränkisch forever young!

Die Sache mit dem Älterwerden hatten wir gerade in so manchem Weblog herumgeistern (suchen Sie doch selbst, wenn Sie's interessiert), und die Geburtstage rundum (Gruß an alle gewesenen und werdenden Geburtstagskinder!) geben natürlich Anlass für allerlei Nachdenklichkeiten.

Gestern war ich bei einem schönen runden Geburtstag zugegen, wo Alter wieder mal beispielhaft keine Rolle spielte, und das galt auch für 2 Weine:

Der eine Wein war ein Last Minute-Einfall, da der Weg mich durch die Wachau geführt hatte, direkt bei Franz Hirtzberger vorbei. Der fand in seinem Keller eine Flasche 1986 Veltliner, doppelter Honivogl. Um genauer zu sein: Einmal HoniVogl für die Lage und einmal HoniFogl für die Reifestufe: das einzige Jahr, als die nunmehr als Smaragde bezeichneten Weine der Vinea Wachau eben noch Honifogl hießen!

Natürlich, ein 1956er hätte es schon sein können, für einen Fünfziger, werden Sie denken. Aber 1956 war im Bordeaux (viel anderes schenkt man nicht, alt?) ein Katastrophenjahrgang. Und das Geburtstagskind ist nun mal mehr dem Weißwein zugetan. Zudem gibt es für 1986 gibt es durchaus markante private Bezüge. Also wurde es dieser Veltliner.

Verzeihen Sie, wenn ich keine detaillierte Verkostungsnotiz mitliefern kann: auf Festen pflege ich zu feiern und lasse meine versucht professionelle Nase, wo sie ist. Nur so viel: keine Spur von Alter! Ganz viel Frische = Säure! Goldglanz und leichte Honignoten, gewiss. Unverkennbar die Würzigkeit der Lage (die zwei beste Hirtzberger-Lage für Veltliner). Ein Wein, mit dem man sich dann doch gerne aus der Ausgelassenheit des Festes in eine stille Beschaulichkeit zurückgezogen hätte. Warum wir ihn dann getrunken haben, gleich? Weil das eine Auflage der Winzersgattin war. Gemeinsam mit dem 1986er-Kind. Ist ja nicht immer leicht, die rechten Menschen zueinander zu bringen.

Der zweite Wein war dann einer dieser berühmten „Geburtsweine“: eine Magnum Blaufränkisch 1986 von Josef Leberl. Den zu trinken hatten wir uns vorgenommen. Auch wenn die Tochter noch nicht wirklich im idealen weintrinkreifen Alter ist. Aber lieber gleich mit was ganz Gutem anfangen, oder? Ja was soll ich sagen: Ordentlich Säure! Und eine berückende Nase, die keineswegs Blaufränkischen vermuten ließ. Durchaus Bordeaux-ähnlich, aber das lag wohl an diesem Reifeduft. Oder der Tatsache, dass Château Latour immer als Vorbild galt für Josef Leberl?
Herrlich frisch jedenfalls war der Wein und leicht am Gaumen (12 % vol.!) –man darf nicht vergessen: vor 20 Jahren waren dies seine ersten Barrique-Schritte. Keine Lagen-, keine Vinifizierungsbezeichnung. Einfach Blaufränkisch. Und in Erinnerung sind noch die Worte des Winzers damals, zu dem Wein, der zum Verkostungs- und Kaufzeitpunkt fast untrinkbar erschien vor lauter Säure und Tannine: dass der eben für ganz lange Lagerung gemacht worden sei. Das hat er gestern jedenfalls eindrucksvoll bewiesen.

Conclusio: Haben Sie Mut zum Alter, trinken Sie dementsprechend!

Freitag, 30. Juni 2006

besoffene kapuziner

Heute ereilte mich ein Buchgeschenk der besonderen Art: keine literarische Aufmerksamkeit eines liebenden Mannes, kein Bestseller aus Freundinnenhand (die schenken neuerdings nur mehr Badezusätze oder merkwürdige Küchengeräte), sondern eine Verlagsentschuldigung für Unpässlichkeiten bei der Zustellung der täglichen Zeitung.

Aus Standard-Herausgabe kam mir Besoffene Kapuziner ins Haus, Rezepturen zur kulinarischen Verbesserung Mitteleuropas von Christa Fuchs und Gudrun Harrer.

Nun, die beiden Damen sind mir nicht unbekannt, einzeln wie als Team, aber mit diesem Bändchen habe ich wohl große Freude! Die stilistische Wendigkeit der Autorinnen ist mir ja vertraut, aber so gesammelt noch mehr Quell der Ergötzung. Die Startgeschichte "Glocken der Heimat gibt Wissenswertes zum zweitbesten Stück des männlichen Säugetiers zum Besten, inklusive Rezept für Stierhoden in Rahmsauce. Von Erdäpfelpüree über Caponata bis zum malaysischen Lammgulasch kann man sich an fundierten Eßgeschichten aus verstreuten Kulturkreisen erfreuen - das rechte Buch für meinen soeben (auch als Geschenk, von meiner großen Tochter) erhaltenen Superbequemterrassenruhesessel! Nicht unwesentlicher Bestandteil des Buches zudem: das für Nichtösterreicher essentielle Glossar - denn auszuzeln, fuzelig, letschert oder zach können nicht zum Allgemeinbildungswortschatz gerechnet werden.

Göttinnen spielen Fußball

Nachtrag zum Lücken-Glück :

Für (österreichische) Ehen besteht derzeit eine 50:50-Chance fürs scheidungsfreie Gelingen. Das heißt noch lange nicht, dass die restlichen 50% gut sind. Wenig Lücke fürs Glück also, oder viel Teufel, wie man will.

Bei den (deutschen) Fußballern siehts, einem Standard-Artikel zufolge (keine verweisende URL, unter WM mit dem Titel "Die Frau ist der zwölfte Mann" zu finden), anders aus: dort sorgen die Gattinnen, die neuerdings selbstverständlich ins Trainingslager mitgenommen werden (wo sind die Zeiten, als dem ekstatischen Saftablass vor entscheidenden Wettkämpfen nur Böses nachgesagt wurde?), für positive Entspannung.

Jörg Löhr, Mental- und Personaltrainer: "Zu dieser Entscheidung kann ich Jürgen Klinsmann nur gratulieren. In einem psychologisch wichtigen Moment, in dem die Spieler aus dem Alltag heraus auf ein Ereignis zusteuern, das viel von ihnen abverlangt, macht er etwas ganz Entscheidendes: Er stellt den Spielern ihren wichtigsten Ansprechpartner zur Seite."

Als neuerdings Sakrileg-Bewanderte weiß ich wiederum, das der (eindimensionale) Orgasmus des Mannes direkt in die Spähre der weiblichen Göttlichkeit führt. Also sollten dann Göttinen Fußball spielen Heute um fünf.

Und spätestens um sieben werden wir wissen: haben sie oder haben sie nicht?

Donnerstag, 29. Juni 2006

Das Glück ist eine Abwesenheit

Ein Artikel zum Magazin des Glücks, einer Veranstaltungsreihe dieser Tage in Salzburg, gestaltet von Alexander Kluge, ließ mich die Titelüberschrift des Standard etwas abwandeln - Fragezeichen weg und ist eingefügt.

Es geht um die Zwischräume zwischen den Schüben des Schmerzes oder Nicht-Glücks; in seinem Buch Die Lücke, die der Teufel lässt reiht [Kluge] Lebensläufe, Anekdoten [...]Szenen, in denen das zähe Unkraut des Daseins an den unerwartetsten Orten des Teufels Sperren durchbricht, aneinander - die Lücken zu finden, in denen sich das Leben bewegt.

Wenn Glück also durch eine Abwesenheit von etwas definiert werden kann, wie sieht dann mein derzeitiges Leben aus? Ja, glücklich! Das ist komisch. Aber der Untertitel zur Veranstaltung heißt ja:
Salon zur Erforschung der Grundlagen des Komischen.

Mittwoch, 28. Juni 2006

Lardo

Ich hab mir von der VieVinum ein Stück Neusetzer vom Mangalitza-Schwein mitgebracht - eine Art Lardo (natürlich nicht die Colonnata, aber die Krispel). jetzt such ich nach netten Rezepturen und find eines, das in seiner (automatisierten Übersetzungs)Poesie gradwegs in den Rezeptgedichtwettbewerb vom Steppenhund passen tät!

ZUTATEN:
250gr Brot casereccio; 150gr von Wurst; 150gr von Speck; ich öle Extra Jungfrau von Olive
VORBEREITUNG:
Ihr schneidet zu Scheiben den Speck und die Wurst und den soffriggere mit etwas Öl zu lebendigem Feuer für einige Minuten. Ihr fügt in Stücke geschnittenes Brot hinzu, dir ihn zu vergolden und diene ihm warmes Gute.

Also diese Wendung: soffriggere zu lebendigem Feuer! Unübertroffen!

Und die Herren haben, wenn die reifen Damen schon den Fußballern nachschauen müssen, sicher Freude am Extra ölen der Jungfrau von Olive - auch noch adelig!

Dienstag, 27. Juni 2006

Die gelbe Tasche

Eine mit mir in beruflichem Zusammenhang stehende Frau fertigt nebenher Taschen. Für eine Vernissage vergangene Weoche bat sie ihre Freunde um Geschichtenspenden zu den jeweiligen Taschenkreationen. Ich bekam eine große gelbe Tasche, so wie früher die Posttaschen waren, zugeteilt. Ich hatte für die Geschichte nicht viel Zeit; der Strand von Marina di Ravenna (bzw. das sich dort abspielende ununterbrochene Nahrungs- und Getränkeaufnahmeerlebnis) waren nicht ausreichend inspirierend, nicht so wie ich gehofft hatte. Und so blieben mir tatsächlich nur eineinhalb frühe Morgenstunden für das Niederschreiben. Heute erhielt ich endlich Rückmeldung: eh kloa, hod ihr gfoin!

Felicitas und die gelbe Tasche

Felicitas saß an ihrem schattigen Platz im Garten, hinter der hohen Hecke aus blühenden Sträuchern von der Welt draußen getrennt, und atmete tief den süßen Duft ein, der über der ganzen Umgebung lag. Die Lindenbäume entlang der Straße standen in letzter Blüte, die Süße hatte im anhaltend warmen Wetter eine honiggleiche Intensität erreicht. Felicitas lehnte sich zurück, schloss die Augen und wollte sich gerade in eine sanftere Welt träumen, wo es keine Rollstühle gab, keine spottenden Kinder, keine mitleidige Mutter, als die flirrende Nachmittagsstille von einem unerwarteten Geräusch unterbrochen wurde: erst ein scharfes Quietschen, dann ein dumpfer Knall, und in diesem Augenblick flog eine große gelbe Tasche in hohem Bogen über die Hecke. Felicitas blickte mit offenem Mund nach oben: wie ein merkwürdiger Vogel, der einen schweren Flügel majestätisch bewegt, den Trageriemen als verschlungenen Schwanz steuernd in Bewegung, schwebte die Tasche über ihr, und Hunderte Zettel und Briefe und Prospekte flatterten wie ein aufgeregter Schwarm kleiner Vögelchen drum herum. Dann fiel die Tasche genau vor die verbogenen Füße des Mädchens, sehr plötzlich und sehr direkt, als hätte sie sich diesen Platz ausgesucht. Im Bücken spähte Felicitas für einen kurzen Moment durch ein Loch in der Hecke: ein Fahrrad lag zerbeult neben dem Stamm einer Linde, sie sah auch die Kühlerhaube eines Autos, und ein Mann in blauer Uniform lag seltsam verrenkt davor. Sein Gesicht war ihr zugewandt, es ähnelte dem ihres Vaters, und in diesem Augenblick glaubte sie zu sehen, wie er ihr unter dem Blut, das von seiner Stirn sickerte, zuzwinkerte. Mit einem Ruck setzte sich Felicitas wieder auf: das Szenario ihres eigenen Unfalls blitze bedrohlich aus der Erinnerung auf. Wie hatte sie den Vater damals gerüttelt, um ein Lebenszeichen gebeten, umsonst! Ganz vorsichtig bückte sie sich noch einmal – doch inzwischen waren schon Menschen herbeigeeilt, deren Geschäftigkeit die Sicht verstellte. Aber sie war sich sicher: der Mann hatte gezwinkert, und dieses Zwinkern hat ihr gegolten. Sie starrte verloren auf die gelbe Tasche zu ihren Füßen: bewegte sich da nicht etwas? Ja, tatsächlich, diese stand auf dem Rasen, als wäre sie prall gefüllt, hatte seltsame Beulen, die sich hin und her bewegten, und man konnte ein immer intensiver werdendes Gemurmel und Gewirr hoher Stimmchen vernehmen. Wie gebannt blickte Felicitas auf die Tasche und traute ihren Augen kaum, als nach und nach kleine Männchen mit bunten Zipfelmützen aus ihrem Inneren entstiegen, genau sieben an der Zahl waren es, und sie sprangen auf die Fußstütze des Rollstuhls, machten sich an den nackten Füßen des Mädchens zu schaffen, die so nutzlos in die warme Sommerluft ragten. „Seht doch mal, was für hübsche zarte Zehen!“ rief da einer der Zwerge - denn solche mussten sie sein - und ein zweiter strich sanft darüber und meinte: „Ja und diese glänzenden Zehennägelchen!“ Mit großem Geschick turnten die sieben Männchen an den dürren Beinchen empor, und fast vermeinte Felicitas ein leichtes Kribbeln zu spüren, aber in ihrem Staunen und ihrer Aufregung muss sie sich da getäuscht haben. Auf dem Schoß angekommen, sahen die Zwerge ihr zum ersten Mal ins Gesicht. Sie schloss reflexartig die Augen. Die Narben, die das zersplitternde Glas hinterlassen hatten, waren kein schöner Anblick, das wusste sie. Doch die Zwerge schienen unbeeindruckt, hatten ja selbst ganz zerknitterte Gesichtlein. „Hallo, du da oben, wer bist du denn, was machst du da, mach doch die Augen auf, ja, seht nur, was für leuchtend grüne Augen, und diese dunklen Haarlocken, das muss ein Spaß sein, darin herumzuturnen!“ – „Bloß nicht!“, rief Felicitas vor Schreck, denn tatsächlich war diese Haarpracht ihr einziger Stolz, aber als sie in die schelmischen Gesichter der Sieben blickte, musste sie lauthals lachen. „Ei und die hübschen weißen Zähnchen, wie Perlenschnüre zwischen den roten Lippen!“ riefen sie voller Begeisterung und begannen auf dem Schoß des Mädchens herumzutanzen. In diesem Augenblick sah Felicitas die Mutter mit dem ewig besorgten Blick nahe kommen. Mit einem entschlossenen Griff schnappte sie die Tasche, packte die verwirrten Zwerglein und stopfte sie hinein, verstaute die Tasche hinter ihrem Rücken und blickte wie gleichgültig auf die Hecke. „Kind, komm doch da weg, das ist nichts für dich“, jammerte die Mutter und schob den Rollstuhl in Richtung Haus. Felicitas lächelte verstohlen vor sich hin. Im Rücken konnte sie die turnenden Zwerge in der großen gelben Tasche spüren. Sie war nicht mehr allein.

Sein erster Chopin

Das Einzelstunden-Klavierjahr meines Sohnes hat durchaus Ergebnisse gezeitigt: jetzt kann ich seine Stücke nicht mehr einfach vom Blatt spielen, sondern muss schon mitüben. Und bei den vierhändigen Stücken bekomme ich immer den schwierigeren Part. Aber mit ihm gemeinsam zu musizieren erfüllt mich mit Stolz und Freude. DAss er mich überhaupt dazulässt!

Er übt Chopin. Ich übe Schumann.

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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
!
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sang und klanglos :-(
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Erwischt... und Sie fehlen...
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