Freitag, 22. Dezember 2006

Jede Geschichte hat ihren Anfang.

Weshalb eine Begegnung geschieht, zwischen genau diesen Menschen zu genau dieser Stunde: wer vermag es zu sagen? Zufall ist’s und Zugefallenes wird’s, in der Achtsamkeit der beiden Begegnenden einem Sinn sich erschließend. Dem Zufall dankt die Begegnung, nicht die Last der Vorsehung tragen zu müssen, der Achtsamkeit aber, die Möglichkeiten des Zugefallenen auszuloten.

Donnerstag, 21. Dezember 2006

Almacosima

Almacosima - schrieb gerade der Wächter - ist jedoch der Beste aller möglichen Titel - gibt es mehr an Erinnerung, Geschichte, Hirn, Hintergrund, doppeltem Leben und Phantasie? Und Verführung?


Ach, die Zeit, da Alma dort, im Raum der Frivolitäten, der nicht mehr ist, zugegen war, und vor ihr noch Cosima, die hat sich eingeigelt, wie im Winterschlaf, ist in wenigen Dokumenten und mehr Bildern irgendwo abgelegt - stellte sie denn je wirklich jenen Freiraum zur Verfügung, der gesucht worden war? War da nicht zu viel Dummheit rundum? An der jede Phantasie erstickt? Und doch muss ich ein Bild vermittelt haben, das so lange nachwirkt.

Hélène Grimaud schwelgt gerade in Rachmaninovs zweitem Klavierkonzert, an diesen banalen Schluß werd ich mich nie gewöhnen. Ich hole mir Beethoven, späte Streichquartette.

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Gesichte

Seit zwei Wochen drückt jener Traum, der wenige Tage danach eine schreckliche Erklärung erfahren sollte. Und es ist nicht die nunmehr vorliegende Klarheit, dass ein Leben, wie es zuletzt gelebt worden war, so nicht mehr zu leben ist (Gewissheit aber, wie es - anders - werden wird, was überhaupt noch werden kann, gibt es auch nicht). Es ist vielmehr die Tatsache des Traumes, dieses S e h e n zu einem Zeitpunkt, da nichts sichtbar war, das sich mir als ungekannte Last auf die Seele legte.

Freitag, 15. Dezember 2006

Strings im Musikverein

Manchmal verlaufen die Tage anders, als sie in der Vorstellung hätten sein sollen; manchmal aber wird der andere Verlauf auch selbst gegeben. Vor zwei Wochen war es, im Zug nach Wien, als ich das Kino- gegen das Konzertprogramm abwog und die letzte Entscheidung der nicht abschätzbaren Dauer einer Verkostung deutscher Rieslinge im Palais Coburg überließ. Es blieb früh genug für den Musikverein, es gab auch noch eine Karte. Für das Emerson String Quartet.

Ich saß viel zu früh in den engen Reihen des Brahms-Saales, zwischen zwei ernsten Herren, blickte nach draußen - und sah auf einmal: Lilli! Die Tänzerin mit den langen blonden Haaren und den langen weiten Röcken, gut ein Vierteljahrhundert ist es her, immer noch dieselben großen Augen, der wache, staundende Ausdruck darin, mit dem sie der Welt gegenübertrat. Ich hatte einem ihrer beiden Söhne den ersten Violinunterricht gegeben, der erste war es für ihn wie für mich, die Kinder waren bei einer Pflegemutter untergebracht, es war, wie ich damals erstaunt feststellte, meine erste Volksschullehrerin gewesen, ich war damals in ihrer ersten Klasse. Viele erste Male waren da zusammengekommen ... Hatte sie nicht auch Cello gespielt, Lilli?, es hätte zu ihr gepasst. So überraschend wie sie in der Tür aufgetaucht war, war sie auch wieder verschwunden. Und doch wusste ich, dass es einer jener Abende sein würde, an dem ich allein und doch so von Glück beseelt sein konnte.

Die Musiker spielten, bis auf den Cellisten, im Stehen, sie wirkten entblößter so, aber freilich, so könnte ich auch spielen wollen, käme das nicht dem Durchfluß zugute? Mendelssohn op.13 a-moll: das Streichquartett kannte ich gut, oft und oft hatte ich es gehört, es war verbunden mit einem Aufenthalt im Bregenzerwald, bei der Schubertiade, und einem elektrisierenden Zusammentreffen dort. Gleich die ersten Takte legten die Erinnerung frei, aber das war nicht bloße Sentimentalität, es ist die Vertrautheit mit der Musik, die in solchen Augenblicken greift. Die spiccato-Stellen im piano waren so leicht hingelegt, dass man kaum zu atmen wagte, wie überhaupt die großen Herren diese kleinen Instrumente mit so bewegender Behutsamkeit fassten. Ab dem zweiten Satz schien mir eine leichte Unsauberkeit in der Stimmung zu sein, eine feine Reibung, die gegenüber der Makellosigkeit einer CD (immerhin daheim: Alban Berg Quartett) das Spiel in ein Weicheres gleiten ließ. Das irgendwie lakonische Ende dieses Werkes glitt ganz sanft aus.

Danach Schostakowitsch, Streichquartett Nr.15 in es-moll: es wurde das letzte, obwohl 24 davon in allen Tonarten geplant waren. Ich hatte in den Tagen zuvor immer wieder seine vierte Symphonie gehört, dieses Quartett aber kannte ich nicht, zu diesem Zeitpunkt. Vorgestern aber hatte ich es auf OE1 wiedergehört, in einer Aufnahme mit Gidon Kremer und Yo Yo Ma, diese eindrucksvolle Interpretation beeinträchtigt nun etwas die Erinnerung an den 1. Dezember im Musikverein. Am Anfang steht eine bedächtig wegschwebende Tonfolge, ein stetes Ineinanderschmiegen der Instrumente, "zueinandergeneigt" fiel mir ein, als wären alle vier Streicher in einem Gespräch miteinander. Es ist eine sehr reduzierte, sehr radikale Musik, die Schostakowitsch hier geschrieben hat: die Sätze sind allesamt langsam zu spielen: Elegija, Serenada, Intermezzo, Noctjurn, Traurnij marsch und Epilog. Geschrieben sei es für alle Menschen, die auf dieser Erde leiden, an den anderen Menschen und am Menschsein selbst. Und dann sitzt man atemlos im Konzertsaal und hört dieser leidgewidmeten Musik zu und empfindet - Glück.

Dienstag, 12. Dezember 2006

Internet-Museum

Betreten Sie doch mal dieses Museum!

http://www.paulfloramuseum.org/

Gesetz der Lakonie

Je wichtiger ein Gedanke, umso kürzer muss er gefasst werden.



So etwa formulierte Alexander Kluge gerade eben im Literaturhaus München.
Ich warte auf den Zug nach Hause.

Montag, 11. Dezember 2006

Auf die Minute ein Jahr

Auf die Minute ein Jahr
das in Veränderungen wuchs
und wurde
im Schreiben
Lesen
Hören
und Leben

Franz Schubert, Sonate B-Dur op. posth. D 960
>>Molto moderato [15:53] 1 + >>2 - >>Andante sostenuto [09:46] - >>Allegro vivace con delicatezza [4:00] - >>Allegro, ma non troppo [8:54]

Da bewege ich mich in und mit Worten, werde bewegt, und doch ist mir Musik das einzige von Menschen Geschaffene, das so direkt ins Innere dringt.
Das Andante: Immer Schauer und tiefste Berührung. Erinnerungen und doch ein gänzlich eigenes Erleben.

Sonntag, 10. Dezember 2006

Verunglückte Zimtsterne

Die Zimtsterne sind aus der Fassung geraten
Zuckerguß fließt zwischen ihre Zacken,
die verloren in alle Richtungen ragen
Im Herzen aber sind sie weich
und duften nach Mandeln und Nüssen.


Angesichts von Teigmassen verliere ich offenbar die Fassung und muss eingestehen, dass ich fürs Keksebacken nicht tauge

Freitag, 8. Dezember 2006

es gab eine taumelnde zeit

es gab eine taumelnde zeit
da wir uns drehten
trunken von früchten und wein
im säumigen tanz

der prinz im kettenhemd zog
in den fremden sommer
die wirbelnde herbstluft nahm er
mit übers meer

prinz jussuf, lass nicht vom flug!
ruft mir der wächter
ach gönn mir die kosende stille
sie nährt mich mit mut


für CF

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uferlos - 2011-10-08 00:28
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ConAlma - 2011-10-07 11:40
Was gab's denn so wichtiges...
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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
!
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books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
sang und klanglos :-(
profiler1 - 2011-10-06 21:55
Erwischt... und Sie fehlen...
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katiza - 2011-10-06 10:34

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