Sonntag, 11. Februar 2007

Experimente

Mir ist aufgefallen, dass ich seit einigen Wochen mitten in Experimenten stecke. Solche, die ich mit mir selbst anstelle, und andere, die nicht nur durch mein eigenes Betreiben entstanden sind, für Außenstehende auch nach ganz normalem Vorgehen aussehen mögen, für mich jedoch durchaus experimentellen Charakter haben. Zumindest wenn es um einen Vergleich mit meinem Leben der letzten 10 Jahre geht. Mein Versuchskäfig ist allerdings ein sehr angenehmer, gerade auch im beruflichen Feld.

Das leichtgewichtigste Experiment schien die stark veränderte Frisur, die mir aber mehr zu denken gibt als ich vermutet hatte. (Allein dass ich bereit war, einen Vorschlag, der als Frage formuliert war, anzunehmen, als wäre es ein Spiel, war für mich ungewöhnlich, aber ist dem einen Experiment zuzuordnen.) Ich sehe im Spiegel einem gutaussehenden Kopf entgegen, aber ich finde mich selbst nicht. Nicht auf Anhieb jedenfalls. Im Augenblick des Lachens bin ich wieder da. Und jetzt kann ich mir selbst diese Veränderung nicht mal als Maßnahme zur verdeckten Restauranterkundung verkaufen, da mir heute, in Osttirol, gleich in zwei Lokalen der Satz entgegenkam: "Sie waren schon mal da, nicht wahr?" So bin ich also doch nicht versteckbar.

Mittwoch, 7. Februar 2007

Wo ist das Normale?

Ein über andere Wege in den Untiefen der Blogs hier gestrandeter Mensch schrieb mir, er vermisse das Normale. In all diesen künstlerisch-philosopisch-sympathischer Welten fände sich so gar nichts vom alltäglichen Leben, wovon diese Leute zum Beispiel lebten, wie sie aussähen, ach und all diese kleinen Dinge, die eine Person näher heranführten.

Nun, antwortete ich ihm, gerade dies sei das Reizvolle: kein "normales" Bild serviert zu bekommen, sondern sich dem jeweils Schreibenden über zahlreiche Beiträge langsam anzunähern, zwischen den Zeilen klänge ohnehin manches durch, und jeder begänne als dämlicher Außenseiter, erst längeres Ausharren brächte einen Zugang, der dennoch von einem im "richtigen Leben" abweicht.

Hilft denn ein Bild oder eine Berufsbezeichnung besser, den Menschen dahinter zu erkennen, oder sind es nicht vielmehr jene Beiträge, die einen mangels artiger Vorstellung nur aufgrund ihrer Texte und Präsentation zum Menschen dahinter führen?
Coolness oder Nimbus kann ich als Beweggrund für geläufige Anonymität nicht sehen - zumindest nicht bei von mir verlinkten Seiten.

Montag, 5. Februar 2007

Almfrühstück mit Pinot Noir

Wenn mir nicht gerade Zweifel über die Sinnhaftigkeit manch meiner Tätigkeit als Alb im Nacken hocken, können die Begleitumstände selbiger durchaus lustvolle sein. Wie etwa bei einem Weingesprächsfrühstück auf der Angerer Alm hoch über St.Johann.

Ein Pinot aus dem Elsass sowie einer aus der Schweiz, beide im Preissegment unter 10 €, zeigten, dass diese Rebsorte da nicht wirklich sinnvoll eingesetzt ist; bei den deutschen Spätburgundern sah das dann gleich ganz anders aus. Eine interessante Begegnung war der Pinot Noir 05 vom aufstrebenden jungen Winzer Holger Koch, mit feinem Burgunderstinkerl, ein sehr klarer, anregender Pinot; der Spätburgunder Alte Reben 04 des Weingutes J.L.Wolf kam im großen Burgunderglas mit seiner ganzen Himbeerfülle und Sehnigkeit wunderbar zur Geltung; eine Klasse für sich dann natürlich der Spätburgunder 03 von Robert Weil: süße Frucht, Gewürznelken, Anis und Fenchel waren da zu verspüren. Da tat sich der Spätburgunder Blauschiefer von Meyer-Näkel schwer dagegen, war er doch mit Jg 04 vergleichsweise zu jung.

Die Franzosen durften Alter zeigen: Vosne-Romanée Dorflage 1999 von der Domaine Gros, ganz Ribiselfrucht, weich und seidig; und jetzt gerade noch gut zu trinken (er begann am Gaumen schon auszutrocknen) ein 1989 Nuit St. Georges 1er Cru von Daniel Rion. Dagegen musste sich der 1997 Pinot Noir von Josef Lentsch aus Podersdorf in keinster Weise verstecken, der erste Österreicher in der Folge: fleischiger als alles vorher, erdig, ein wenig Lakritz. Und in der kleinen Helmut Preisinger-Vertikale (der Winzer saß auch mit beim Frühstück) kam der 2001 mit großer Ausgewogenheit und Harmonie am besten an, während das Modell 2003 eindeutig bewies, das dies KEIN Pinot-Jahr war: merkwürdige Johanniszuckerlaromatik; eigentlich wollte er ihn eh nicht abfüllen, aber für die Jahrgangsdurchgängigkeit tat ers doch. Und ist ja kein schlechter Wein, nur irgendwie kein Pinot.

Dass 2003 doch auch gelingen konnte, zeigte der PN Kapellenberg vom Weinviertler Fidesser - das kühlere Klima bekam dem Wein eben besser. Toll auch der Pinot Gebling 01 von Niki Moser aus Gedersdorf, eindeutiger Sieger im Preis-Leistungsverhältnis, mit feinen Himbeer- und Eibischnoten sowie eleganter Struktur ein gutes Beispiel für österreichischen Pinot, wenn er nicht so kraftvoll wie die Burgenländer sein soll.

Resümée des Vormittags, der sich in den Nachmittag zog: Deutschland und Frankreich sind unschlagbar in Eleganz, Österreich kontert mit Kraft, Pinots werden erst ab etwa € 10 interessant, und wir hatten 22 Weine verkostet - dabei hätte der grandiose Keller der Alm noch einige mehr vorrätig!

Forelle blau

Das Geheimnis der perfekten Forelle blau, so verriet mir der Hirsch, sei natürlich in erster Linie die Forelle selbst: ganz frisch gefangen, und eine Bachforelle, weil langsamer wachsend und von intensiverem Fleisch, möglichst mit Bio-Fütterung. Dann der Sud: kalt zugestellt, Karotten, Sellerie, Schalotten, Lauch, Petersilwurzel, ja die ist wichtig. Lorbeer, Wacholder, weißer Pfeffer zerstoßen aber erst zum Schluss, damit der Sud nicht bitter wird. Frischer Thymian, der im Garten schon fröhlich wächst, war auch dabei. Und ein sehr guter Weinessig - aber bevor man den zufügt, entnimmt man noch jenen Teil des Gemüses, den man zu essen gedenkt. Nicht länger als 7 Minuten dürfen die Forellen ziehen, damit sie nicht trocken werden, ihr Fett behalten.

Also die zwei Tierchen, die ich gestern aß (samt der blauen Haut!) - die waren so gut wie noch niemals zuvor gegessen.

Donnerstag, 1. Februar 2007

Kunst vorm Essen

Gestern empfand ich es als sehr angenehm, dass im Gebäude, in welchem ich zu speisen geruhte, auch eine Galerie untergebracht ist: so musste ich die Zeit, die ich umständehalber zu früh gekommen war, nicht in der mir für diese Vorabendstunde zu lauten Bar durchbringen, sondern konnte mich den Wahren Bildern widmen. Bühne, Kulisse, Inszenierung - wieviel davon betrifft mein Leben, auch ohne Kamera? Vor allem aber Erwin Wurm und René Magritte mit ihren Absurditäten führten mich in lächelnde Leichtigkeit.

Sonntag, 28. Januar 2007

shostakovich im abendrot

Es war einer jener vollkommenen Augenblicke, die nie endend wir uns wünschen, die wir festhalten wollen und doch nicht, weil in der Erstarrung ihr Leben hingegeben wäre, wo wir doch lieber unser Leben hingäben in eben jenem Augenblick: der Himmel erglühte in feurigem Abendrot, strafte mit seiner Schönwetterverheißung die Vorhersagen Lüge, Shostakovitchs Fünfte Symphonie* füllte den leuchtenden Raum, ich legte mein Ohr an das Herz des Hirschen, um zu hören, ob es mir etwas erzählen wollte, und seine Hand lag, wo sie liegen sollte: deutliche Sprachen allesamt.




* Aufnahme: Mariss Jansons und die Wiener Philharmoniker.

Der Ton

Ein zarter Geigenton zog durch den Raum
von einem fernen Instrument gewoben
er schwebte seiden, ich vernahm ihn kaum
und spannte doch von dort nach da den Bogen

Donnerstag, 25. Januar 2007

Erotische Anmutung im Supermarkt

Es muss zwischen den Feiertagen gewesen sein, da türmten sich die Granatäpfel gleich beim Entrée des Supermarktes. Es war, als dürfte ich gar nicht anders, ich musste hingreifen, nahm einen in die Hand. Ich blickte mich wohl auch verstohlen um, ob ich beobachtet würde, und hätte instinktiv zubeißen wollen, so kommt das, wenn man Literatur so sehr ins Leben nimmt; dann aber dachte ich an den Hirsch, und dass ich ihm die Kerne ganz manierlich übers Dessert streuen würde zu Silvester und wir so am Leben blieben.

Silvester kam, aber kein Dessert, und der Granatapfel blieb in der Kühllade. Dort fand ich ihn soeben, etwas verschrumpelt, ich musste gleich wieder an die Schrumpelzumpferl-Eidechsen von Araki denken, aber ein Granatapfel mit intakter Schale, der bewahrt doch seine inwendige Feuchte länger?

Sonntag, 21. Januar 2007

Liebe mich, filme mich

Ein schöner Themenabend auf ARTE heute: zu Paaren in der Kunst, speziell: im Film. Um 22:30 kommt eine Traumpaarung zu Bild und Wort - Ingrid Bergman und Roberto Rossellini. Im Wiener Filmmuseum läuft übrigens derzeit der Themenschwerpunkt Neorealismo!

Aber zurück zu Arte: soeben reisen und streiten Albert Finney und Audrey Hepburn. Und bitte: die Filmmusik von Henry Mancini ist mindestens ebenso wichtig wie die Darsteller!

Ich kann leider über keine geglückten Experimente bezüglich ähnlicher Arbeitsinhalt im Paarzustand berichten - mein Motto allerdings müsste noch immer sein: Liebe mich, fotografiere mich!

Inwendige Zwiesprache

Der Hirsch klopfte frühmorgens an meine Pforte, begehrte drängend Einlass.
Legte sich hierauf friedlich ins Zentrum des Lebens und hielt stille Zwiesprache mit mir.

Mittwoch, 17. Januar 2007

Der Tao-Hirsch

Der Wanderer kam aus einer anderen Zeit.
Er nahm mich unter den Mantel seiner Geschichten,
dort hocke ich seither und lausche.
Im Gemurmel von Gewesenem, das ins Seiende ging, bin ich geborgen.

Allabendlich aber blitzen seine Augen.
Dann wandelt er sich zum Tao-Hirschen und springt mit mir über die Gräben der Angst.

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ConAlma - 2011-10-07 11:40
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rinpotsche - 2011-10-07 00:37
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books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
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profiler1 - 2011-10-06 21:55
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