Donnerstag, 4. Oktober 2007

kunst-wurscht

Mit Dank an Adele

Der dritte Zwiebelrostbraten

Das Sommerdomizil wird winterfest gemacht, die Himbeersträucher sind geschnitten, der Speisesalon ist wieder an seinen ursprünglichen Ort zurückgekehrt. Sogar das Kaminfeuer lodert schon. Es gab Zwiebelrostbraten, der dritte Versuch - der Hirsch als Fischspezialist verlässt sich auf das Rezept der Mutter seines einen Schwiegersohnes, einer Bäuerin aus dem Antholzer Tal. Damit wird der Zwiebelrostbraten so, wie ich ihn mag: mit reichlich mitgedünsteten Zwiebeln und nicht irgendwelchen "Krosskringeln" übers Fleisch getürmt, wie sie selbst in der besseren Gastronomie - möglicherweise sogar einzeln handgestaubt? - zu finden sind. Die Erdäpfel, in feinen Scheiben in reichlich Butter-Öl-Gemisch im Gußeisenpfandl geschmurgelt, sind sowieso eine Klasse für sich und gehören zum Speisesalonstandard.

Was dazu trinken, war die Frage; ein roter Italiener passte mir rein gefühlsmäßig nicht, für ein Stöbern im Keller war ich schlichtweg zu faul, uns so nahm ich den Sauvignon Reserve 2003 von F.X.Pichler mit, der beim letzten Mal nicht gebraucht worden war. Viel zu jung noch, wenig Sauvignon, aber viel Wein. Sinnlich in der Nase, fordernd am Gaumen und genug in der Flasche, um ihn ausgiebig nachtrinken zu können. Damit haben wir die Herbstsaison im Speisesalon offiziell eröffnet, die immergrünen Zweige der Tischdekoration nahm ich als Motto und Wunsch. Dazu passte dieser Satz: "Ich will mit dir nach Mailand fahren." - "Ja, im Dom war ich schon lang nicht mehr."

Beim Aufwachen blicke in auf hohe alte Birken, deren ermattetes Grün sich langsam ins Gelb wandelt.

Mittwoch, 26. September 2007

Schneller Herbst

Da wir an jenem Tag die Berge überquerten, riefen uns die Wälder noch grün entgegen. Die hohnlachenden Kürbisse in allen Vitrinen übersah ich, hatte doch eben erst mein wirklicher Sommer begonnen, mein Feriensommer. Ich mochte vom Meer nicht genug bekommen, der Hirsch tauchte in seine Fische, und als wir wieder aufblickten, leuchteten die Bäume gelb rot braun in den blauen Tiroler Himmel.

Ein schneller Herbst ist es, heute roch es nach Oktober.

Dienstag, 25. September 2007

Die Farbe der Wahrheit

Verstrichen die Zeit, da die Wahrheit des einen als veritas alterius auch dem anderen zu nehmen wär möglich gewesen, blass und doch warm (Wegbereiterin gar für die Suche nach der eigenen Wahrheit?),
gekommen die Zeit, da nichts mehr Wahrheit sein darf als die eigene Schicksalsverstrickung, sich selbst geflochten aus Schmerz und Verletzung, getränkt mit der giftigen Farbe der schrillen Verzweiflung.







[Für besorge Freunde: mir geht's gut, ich spreche ausnahmsweise mal nicht über mich]

Donnerstag, 13. September 2007

Stürme

Stürme haben gewütet
In diesem einen Herbst
Wie noch nie
In all den Jahren zuvor
Verwüstungen
Auf deiner und meiner Seite
Beide stehn wir
Wie Gerippe
Bloßglegt
Bis auf die Wurzeln
Keine Rätsel
Keine Versprechungen mehr
Einander
Welten
Anders geschaffen und
Unergiebig füreinander
Stehen wir
Jeder auf seinem Hügel


[Galsan Tschinag]
Für M. und S.

Mittwoch, 12. September 2007

Mock Turtle's Soup

Es tut gut, sich gelegentlich in die berufenen Hände von Freunden fallen zu lassen, in der Agentur für Wehwehchen und Freuden aller Art (vulgo Sechsecksesselaufbewahrungsanstalt) gehen Willkommensein, Shiatsisierung und kulinarisches Verwöhnprogramm von Hand zu Hand. Ich konzentriere mich hier auf letzteren Teil, weil doch recht bemerkenswert; Teamarbeit auch in der Küche, wobei jedem das Seine ist.

So war der Aufwand, den Mock Turtle für das Kürbissupperl betrieb, recht beträchtlich, aufgegossen wurde mit einem intensiven Gemüsefond, an Ingwer fehlte es auch nicht, dafür kam kein bissl Rahm vor. Den Enten - ob Busen oder Brüstl, wurde zu einer auch noch anderswo weitergeführten Tittendiskussion - ward die Haut genommen, zu herrlichen Grammeln gebraten, mehr als handgestampftes Erdäpfelpüree (Alma-Lieblingsspeise), ein paar in Entenfett gebratene Pilzerln und die exquisite wie säuerliche Rhabarber-Knoblauch-Chili-Beilage gab es nicht zu den in ihrer Ausformung doch eher opulenten Brüsten.

Die mitgebrachte Weinbegleitung war so perfekt, als hätten wir uns zuvor abgesprochen: erst ein frischer, aber doch ausreichend fester Chardonnay 05 der jungen Brüder Sax, die vor allem auch für dichte, fleischige Weißburgunder gut sind, er war grad recht zur Suppe; der St.Laurent 2003 von Schloss Halbturn, für sich allein vielleicht durch die doch markante Säure nicht so glatt wie der Pinot desselben Hauses, lockte aber dann, zur Ente als der absolut perfekte Speisenbegleiter, nur mehr Ahs und Ohs hervor.

Allerdings hat er nicht mit der Konkurrenz des Eisweines Riesling 2003 vom Weinrieder (dieses Wochenende Tag der offenen Tür, hinfahren!) gerechnet, der zum Käse vorgesehen war: Entzücken pur in drei Gesichtern. Und mit jedem Käse harmonierend, das muss auch einer erst können. Die waren - Kompliment ans Agentur-Paar - auch sehr geschmackssicher eingekauft. Na ja, Naschmarkt halt.

Ach ja, Tischkultur, Gedeck uns was sonst noch wichtig ist in gehobenen Etablissements - alles vom Feinsten. Ernstzunehmende Privat-Speisesalon-Konkurrenz.

Freitag, 7. September 2007

Zusammengeschobenes

Unbesorgtes und Aufgeschobenes hat sich zusammengeschoben, ein abzutragender Berg mit kleinen Spitzen. Viele Tage bleiben nicht mehr, bevor ich aufbreche zu den Spitzen und Zacken von Inseln, die abgefahren werden wollen, höchst kommod mit einem solch flotten Dingelchen an Automobil. Immerhin ist dort Sommer, während ich hier gestern schon durch den ersten Schnee fuhr, auf der ganz normalen Abkürzungsstrecke, vorbei an der Weltmeistersennerei. Die Kühe, die ich vormittags (fast im Stau) und nachmittags (ganz im Stau) neben der Autobahn sah, schienen ungerührt von Dauerregen und Kälte, standen und käuten mit der ihnen zueigenen Eigensinnigkeit, dazustehen und wieder und wieder zu käuen.

Montag, 3. September 2007

kann ich heute nichts besorgen ...

...dann verschiebe ich's auf morgen.

Damit bin ich, im heutigen Sprachgebrauch, prokrastin. Ich bin das zwar mit einer überzeugten Nonchalance , falle damit offenbar aber doch auch nicht in die gängige Psychologie des Aufschiebens. Allerdings kann ich zusätzlich die immer wieder auftretende Symptome des procrastin-eatings vorweisen: also jetzt trink ich erst einen Kaffee, dann tu ich was - jetzt brauch ich noch ein Marmeladebrot (aus Hainburg mitbekommen: hausgemachte Marmelade von der "Ananas-Marille" - usw.

Zum Schluss bin ich dann krank wie heute - aber im Blog besorg ich mir's trotzdem! Die Arbeit bleibt ja ohnehin da ....

Erfahrene Landschaften

Am Wochenende fuhr ich durch die Wachau, sah einmal vom einen Ufer hinüber aufs andere und dann wieder zurück vom anderen aufs eine, wohl zum letzten Mal in diesem Jahr. Einem Jahr, das mir reiche Landschaftserfahrungen geschenkt hat, immer neue Blicke auf vermeintlich Vertrautes, auf neu Angenommenes, zum Vertrauten Gemachtes; ich wurde süchtig nach diesen Begegnungen mit Wegen, mit Hügeln, mit Bergen, süchtig nach Obstbäumen, blühend wie tragend, nach Linden- und Akaziendüften, nach Weingärten und Kellergassen, nach den damit verbundenen Begegnungen. Nur mehr fahrend und somit erfahrend hätte ich mich bewegen mögen, fahrende Gesellin, stets neu ansetzend, nur nicht verharrend, wiederkehrend wohl, aber nicht bleibend.

***

Jahrgangspräsentation im Schloss: die guten Weine sind wie immer, die weniger guten leiden an falscher Frucht oder falsch verstandenem Holz, ich mag an diesem Tag nur zwei wirklich gelten lassen, den Rubin vom Franz Taferner und den so sehr konträren von der jungen Birgit Wiederstein. Alles also wie immer, so wird es auch sein, wenn ich das "Wein sein, beinander bleiben" wieder anstimme, fahren und kommen werde im Tagesrhythmus, ein Verharren und Bleiben kundtuend, wo aber werde ich wirklich sein?

Mittwoch, 29. August 2007

Welch Glück, ein Mannsbild zu sein

Diese Worte sang Genia Kühnmeier heute vormittag so beherzt und überzeugend aus weiblicher Brust, dass ich Goethes Text aus Egmont gleich als Anreiz nahm für künftige Jobüberlegungen. Ist doch eine meiner USPs neben der weiblichen Gastgeberinnenqualität auch jene bereits schon einmal firmenseitig angesprochene, nämlich der Mann im Team zu sein.


Die Trommel gerühret,
Das Pfeifchen gespielt!
Mein Liebster gewaffnet
Dem Haufen befiehlt,
Die Lanze hoch führet,
Die Leute regieret.

Wie klopft mir das Herz! Wie wallt mir das Blut!
O hätt' ich ein Wämslein Und Hosen und Hut!
Ich folgt' ihm zum Thor 'naus mit muthigem Schritt,
Ging' durch die Provinzen, ging' überall mit.

Die Feinde schon weichen,
Wir schiessen da drein;
Welch' Glück sondergleichen,
Ein Mannsbild zu sein!

Sie sind

Du bist nicht angemeldet.

Sie lesen:

Beiträge zu meiner real virtuality

sehsucht

pamuk

Was gibt es Neues?

love
I saw a hope in the game. sex doll
ulovesexdoll - 2018-12-13 06:51
Wow, ich mag das Licht...
Wow, ich mag das Licht und die Anzüge! Vokalmusik ist...
karrri - 2014-06-24 12:18
einfach nur schön finden...
einfach nur schön finden geht auch
uferlos - 2011-10-08 00:28
lasst mir noch ein bissl...
lasst mir noch ein bissl zeit. vielleicht gibt es ein...
ConAlma - 2011-10-07 11:40
Was gab's denn so wichtiges...
Was gab's denn so wichtiges anderswo?
rinpotsche - 2011-10-07 00:37
!
!
books and more - 2011-10-07 00:30
sang und klanglos :-(
sang und klanglos :-(
profiler1 - 2011-10-06 21:55
Erwischt... und Sie fehlen...
Erwischt... und Sie fehlen...
katiza - 2011-10-06 10:34

wo?

angel underline de ätt kufnet dot at

Suche

 

Status

Online seit 7327 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2021-07-15 02:08

Credits

Web Counter-Modul

kostenloser Counter


adventkalender
aus dem arbeitsleben
aus dem kulturbeutel
aus dem reich der sinne
Autofahrer unterwegs
begebenheiten
blogweise
einfach zum nachdenken
es wird ein wein sein
farben
filmblicke
fundsprüche
gehört
gelebt: kitsch und literatur
gelesen
geschichten aus dem großraumwagen
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren