Was in der korrekt geschriebenen Fassung so kurz, hart und scharf sich liest, wird in der gesprochenen Version zu einem weichen Irgendwie, das alles heißen kann und doch nichts ist als der Ersatz fürs Okay von ehedem: Passt.
Es war das Hauptwort des gar nicht so jungen Kollegen, der seit heute nicht mehr Kollege ist, weil es mit dem Passen doch nicht so gepasst hat, es ist aber auch Hauptwortschatz von Tochter und Tochterfreundinnen, an jeden Satz angehängt, an jede Frage und Antwort. Ich nehm's allemal als beruhigend, wenn mich das Gewissen ob mannigfacher Absenzen plagt, die suche ich auszugleichen durch seltsame Präsenzen, als Chauffeuse durch die Winternächte, wo ich das aktuelle Leben 16-, 17-, 18Jähriger in allzu rascher und stets unverständlicher streng dialektaler Schilderung marginal wahrnehmen darf, Zwickmühlen von Lusthaus oder Mühle?, Beziehungsspiele mit all dem dazugehörigen Von- und Zueinander, Ein- und Fremdgehen, B'scheissen sagen sie, und dass die Lena dem "Freund" die 10 Euro nicht geben wird, weil sie sie sonst nie wieder sieht, steht auch fest, kaufen kömma uns schließlich bessere purzeln die lockeren Sprüche nur so hervor, Gruppenmut vor dem Start in die Disconacht.
Auf der Hinfahrt FM4, dann stelle ich fest, dass hinter den Bergen Bayern4 so viel deutlicher zu hören ist als vor selbigen . Edgar Varèse, und dann Bartok, der Dachauer vor mir ist kein Münchner, der die Eiberg-Kurven im Schlaf kennt, so darf der Wunderbare Mandarin noch länger klingen.
Fellinis Süßes Leben stünde heute noch auf dem Programm, aber der Schlaf verteilt sich jetzt schon in den Gliedern, baasd, sag ich, Mastroianni gefiel mir im Alter ohnehin besser.
ConAlma - 2008-01-05 21:47
Schneehänge leuchten, Skipisten illuminieren künstlich die Nacht. Die Kinder tanzen sich die Stunden in schummrigem Kellern vom Leib, werden den nächsten sonnenhellen Tag vor dem Fenster vergehen lassen. Die Mutter fuhr und führte, isst trocknende Weihnachtskekse zum trockenen Wein, eine Ansammlung von heimischer Schauspielerelite trifft sich im seriengefassten Salzkammergut, bemühte Originalität in gut ausgeleuchteter Landschaftsidylle.
ConAlma - 2008-01-04 23:04
In jedem Augenblick.
Das Vergänglichkeits
tube
ConAlma - 2007-12-31 18:50
Engerle nannten mich die Eltern, als ich ihnen noch allein zu Gefallen zu sein versuchte. Doch bald schon purzelten drei weitere solcher Wesen in die Welt, in solch kurzen Abständen, dass es mit der himmlischen Ruh' wohl aus gewesen ist. Und als sich ein Fünftes mit Respektabstand dazugesellte, waren Vater und Mutter schon weit voneinander entfernt.
Mir verschieben sich indes die Jahre und Zusammenhänge zunehmend, wähne mich inmitten meiner Kinder oft Schwester, während ich den Geschwister mütterlich begegne.
Nicht vorenthalten möchte ich Ihnen die Tatsache, plötzlich
ausgezeichnete Engelmacherin zu sein:
Dieser gewinnende Schutzengel begegnete mir am Heiligen Abend.
ConAlma - 2007-12-29 13:47
Für ein
Jedes gibt es ein Blog, nicht nur für
Iche.
ConAlma - 2007-12-26 18:23
Was ich an Vorweihnachten mag, ist überraschende Weihnachtspost (ja,
Frau Nahlinse, es gibt auch eine der angenehmen Sorte!)
Dass zum Beispiel ein Wiener Palais eine ungewöhnliche Flasche Wein schickt -
irregular vom Weingut Schwarz in Andau, auch bekannt als
''The Butcher" und natürlich eine unverkäufliche Sonderabfüllung mit 14.5 % vol; die Gelegenheit für diesen Wein muss erst kommen.
Oder dass der heurige Weihnachtsbrief des Philosophenonkels eine ganz und gar wundersame kurze Textstelle enthält, die auf neue Spuren führt:
Bewahrung der Erinnerungen
Wenn die Famen ihre Erinnerungen bewahren wollen, pflegen sie sie folgender Gestalt einzubalsamieren: Nachdem sie die Erinnerung haargenau festgehalten haben, hüllen sie sie von Kopf bis Fuß in ein schwarzes Laken, stellen sie aufrecht an die Wand im Zimmer und heften ihr ein Schildchen an, das besagt: "Ausflug nach Trippstrill" oder "Frank Sinatra".
Hingegen lassen die Cronopien, jene unordentlichen und lässigen Wesen, die Erinnerungen lose zwischen fröhlichen Juchzern im Hause herumliegen und bewegen sich in ihrer Mitte, kommt aber eine Erinnerung gelaufen, liebkosen sie sie und sagen zu ihr: "Dass du dir ja nicht weh tust" oder auch: "Gib auf die Stufen acht". Daher sind der Famen Häuser immer aufgeräumt und still wie das Grab, während in denen der Cronopien die Türen schlagen und großer Radau herrscht. Die Nachbarn beklagen sich ständig über die Cronopien, und die Famen nicken dazu vielsagend mit dem Kopfe, gehen heim und sehen nach, ob die Schildchen alle sind, wo sie waren.
[Julio Cortazar]
Heute werden ein Fame und eine Cronopie zum ersten Mal gemeinsam ein Festmahl kochen.
ConAlma - 2007-12-25 13:07
Das schönste Geschenk des vergangenen Abends: die Lebkuchenfamilie. Nur die Autorin dieses Werkes, die häusliche Tochter, fehlt darauf. Sie wollte sich selbst nicht aufessen müssen. Was sie uns allen aber wohl zumutet.
Von links nach rechts: der verliebte Vater, die große Tochter, die Mutter mit Weinglas, der Sohn, die Großmutter. Eine ruhige Familienaufstellung, wie sie niemals der Realität entspricht. Und so ist es denn auch ein wilder Abend gewesen.
ConAlma - 2007-12-25 10:00
Es ist vorbei sagte der Mann, ehe er in den Armen seiner Frau zusammenbrach. Die Sanitäter brachten eine Stunde mit Reanimation zu, ehe sie angesichts der Hoffnungslosigkeit ihrer Bemühungen aufgaben. Die Frau war damit nicht einverstanden, obwohl sie doch die Worte ihres Mannes verstanden haben musste. Aber einfach so gehen zu lassen, das war ihr, zwei Tage vor Weihnachten, doch nicht möglich.
[Die eine meiner beiden Töchter arbeitet seit zwei Jahren als freiweillige Sanitäterin beim Roten Kreuz und weiß viele Geschichten von Sterben und Tod zu erzählen.]
Wenn ich einmal nicht mehr hätte als das Leben, wird dennoch das Morgenlicht die schneebedeckten Bergspitzen erröten lassen, werden apricotfarbene Woken an einem türkisen Himmel stehen. Und ich werde all das haben.
Wenn ich einmal ein Leben gehabt haben werde, an das mir, weil ich keins mehr hab, die Erinnerung fehlt, werde ich vielleicht noch ein wenig Zeit in der Erinnerung anderer verbringen, aber auch diese wird ein Ende haben. Die Berge und die Wolken und das Licht aber werden da sein.
***
Das Schönste am Fahren ist die Landschaft. Ich dachte immer, es sein mein In-Bewegung-Sein. Heute aber erfuhr ich, dass es die Landschaft ist, die auf mich zukommt. Die Berge zur Seite, die ihr Angesicht ständig verändern, das Licht, das mir den Blick erhellt oder verdunkelt. Alles um mich herum ist Bewegung, ich stehe mittendrin und staune. Die Nebel ziehen über meinem Kopf hinweg, seltsame Zwischenschichten, hinter denen Abendröte in allen Schattierungen von links nach rechts wechselt. Irgendwann liegt rechterhand, hinter den dunklen Konturen der Berge, die allerletzte blasse, sich zur Nacht neigende Röte, während zur Linken, über der Ebene, dunkelgelb der Vollmond aufsteigt, in solcher Schönheit, dass das Herz gegen die Brust drückt , die Kehle eng wird und die Augen brennen. Mit einem übervollen Seufzer kehre ich heim zur Weihnacht.
[Melancholische und andere Gedanken durch Morgen- und Abendrot auf dem Weg nach und von S.]
ConAlma - 2007-12-24 21:49
Als ich meine Mutter auf der Hochzeit meiner Schwester traf, hatte sie eine ungewohnt frische und erholte Gesichtsfarbe. Sie wird die strahlenden Tge ausnützen, dachte ich, und wandern, in der Höhe, wo es so viel wärmer ist als im Tal, sonnenbeschienen alles, aber die Inversion! Nein, sie sei vielmehr im Sonnenstudio gewesen, dem meiner Freundin S, und da fiel mir ein, dass auch mein Vater vor Jahren schon gelegentlich das Sonnenstudio aufgesucht hatte, weil er die Fragen nach seinem Gesundheitszustand leid hatte, kaum war die Blässe weg, verschwanden auch die Fragen. Wenn er jetzt nach seinem Ergehen gefragt wird, sagt er: ich lebe noch. Ich darf noch leben. Nachspielzeit, sagte der Bruder, du hast eine Nachspielzeit bekommen. Meine Familie, sagte die Schwester auf ihrer Hochzeit, ganz seltsam langgezogen das m e i n e und mit einem Tonfall zwischen Süffisanz und Unsicherheit, und lässt uns noch externer und ferner fühlen als sie uns seit Jahren schon hält. Jedes ihrer Lächeln wirkt professionell, maskenhaft und unverbindlich, wo ist SIE nur, sie selbst, frag ich mich.
ConAlma - 2007-12-23 01:30
Es gibt sie wirklich, diese Nächte, die aussehen, als hätte jemand eine blaue Linse vors Tageslicht gehalten, so mondhell, dass selbst die Sterne verblassen müssen, so schneehell, dass jeder reifüberzogene Baum wie eine Skulptur in die Landschaft ragt.
Amerikanische Nacht.
Die mütterliche Fürsorge hat mich in diese Nacht hinausgebracht, das Kind von der Diskothek abzuholen, einer, die es vor 33 Jahren schon gegeben hat. Der Beamte beim mitternächtlichen Planquadrat hätte sich eine solche Nachtfahrtmutter gewünscht, sagte er. Es sei zu voll gewesen in der Mühle, sagte die Tochter, das hielte sie einmal aus, sagte sie, die Saisoneröffnung hätte gereicht, die Freundinnen hatten aber noch bleiben wollen, doch es heißt nicht, dass sie jetzt daheim ist, aber immer hin in der Stadt, da geht's dann später auch zu Fuß.
ConAlma - 2007-12-23 00:28