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Dass mir keine Zahl sei
zwischen deiner Haut und meiner!
Nur ohne Gestern und Morgen
bleibt uns der Augenblick.
ConAlma - 2006-11-12 17:58
Ich schreibe mir Tage und Stunden, erzähle sie, leise und laut.
Wo nichts ist, lasse ich werden, verdichtetes Etwas, gebaut
zur Möglichkeit hin -
doch nicht greifbar und da.
Dort aber, wo i s t, sind nicht nötig die Worte des Fassens, ich b i n,
so dicht ist die erste Berührung, dass allem gegeben der Sinn
schon im Tun. Diesem Sein fehlt kein Wort.
Es ist nah.
ConAlma - 2006-11-12 13:09
Die Kirchen von Krems haben ihre Pfaffen,
da sie die Kelche zu voll nahmen,
in die Weingärten verwiesen.
Dort wurzeln sie im Urgestein und mühen sich redlich
zurückzukehren als funkelnder Pfaffenberger im Glase.
ConAlma - 2006-11-03 18:38
[für meinen Vater]
mir ist kein heim
das nicht als zwang sich legte
zu mir, dass wand
und dach mich drängt hinaus
in unruhlust, in stete
mir wird kein raum
der schwer nicht auf mir lastet
und atem nimmt
dass ich ins fliehen will
wo eine(r) mit mir rastet
wohl find ich platz
in dem und anderm herzen
ruh' dort nur kurz
nehm mir's als flücht'gen ort
und geh und lasse schmerzen
mir ist kein heim.
ConAlma - 2006-10-16 12:06
Rot grün gelb und hauch
Von nebeltüchern noch vor
Herbsthimmelbläue
[November 2001]
ConAlma - 2006-10-16 11:02
Die Äpfel und Birnen, klein, fleckig und hart,
sind fest in das weiche Moos gewachsen
als müssten sie dort neue Heimat sich finden
da sonst keiner war, der sie nahm.
Wären sie gern noch geblieben, dort droben
im dichten Gezweig, im Schutz des Belaubten,
statt hinabzustürzen ins Ungewisse,
da der Baum sie nicht länger mehr halten konnt'?
Die wilden Zwetschken wohl ließen sich bitten
herabzufallen, und Schütteln nur zwang sie
herunter, uns nah: ihre Süße zu schenken.
Auch du, wie die Zwetschken, den moosweichen Boden
nicht suchend und Heimat stets fliehend:
genommen wohl wärst. Wie lang hält dich der Baum?
ConAlma - 2006-10-02 17:52
Die Seidenhäutige
zog dem Prinzen das Kettenhemd über den Kopf
um nach dem Herzen zu langen.
Da sie aber sah
dass ein haarfeiner Schild
hautverwoben und undurchdringlich
die Brust ihm deckte
warf sie Seide über ihn
damit keiner glaube, er sei entblößt.
Im Augenwinkel
barg sie das kleine Glück
das darunter pochte.
ConAlma - 2006-09-29 16:42
Er kam vom Rücken ins Tausendste
und machte den Morgen singen.
ConAlma - 2006-09-28 09:34
wenn der Sternenhimmel herunterstürzt.
ConAlma - 2006-09-23 01:32
Der Mann liegt neben der Frau. Er streichelt sie, wieder und wieder. Er kann nicht anders als seine Hände stetig über ihre Haut gleiten zu lassen, angezogen von einer Sanftheit, die, als er sie das erste Mal berührt hatte, so unerwartet und überraschend gewesen war. – Ich muss damit aufhören, sagte er, ich bin süchtig danach. Das wird gefährlich. Die Frau lächelt. – Was dich süchtig macht, sagt sie, ist, dass du das, wovor du dich anderswo fürchtest, bei mir nicht finden kannst. Überall anders fürchtest du, was du suchst und gleichzeitig meidest. Bei mir bleibt dir nur das Suchen. Das macht dich süchtig.
ConAlma - 2006-09-17 20:45