es wird ein wein sein

Freitag, 6. Oktober 2006

Vielfalt einer Rebsorte: Sankt Laurent

Am 10. August, just wo die Sankt Laurent-Trauben mit ihrer Véraison, der Farbnahme, beginnen, hat der Schutzpatron der Köche, der Hl. Laurentius, seinen Tag. Dass aber die Befähigung des Sankt Laurent (jetzt als Wein) als feiner Speisenbegleiter daher rühre, ist ein Gerücht.

Sankt Laurent, geschätze 2000 ha in Mitteleuropa, in Österreich um die 450 (die letzte offizielle Zählung stammt von 1999), in Deutschland jüngst eruierte 669 ha (Pfalz und Rheinhessen), der Rest muss in Kroatien, Tschechien und dem Elsass wachsen, hat Geschichte, eine dunkle allerdings. Von kleinen Beständen in Frankreich kam er durch einen Herrn Bronner Mitte des 19.Jahrhunderts in die Pfalz, endete nach kurzer Blüte als Bewahrungsobjekt in einer Rebschule, von dort wurde er einem neuen Leben in Österreich zugeführt.

Selbst mittels DNA-Analysen ist nur so viel sicher: ein Elternteil muss eine Spielart des Pinots sein, aber ob blau, grau oder weiß, lässt sich nicht sagen. Und der zweite Partner ist weiterhin unbekannt. Wie auch immer, die Trauben sind mittelgroß, dichtbeerig, etwas weniger dünnschalig als der Pinot Noir, und die Rebe hat Ansprüche: gedeiht am besten auf kalkhältigen Böden, wie es Burgundersorten eben so zu eigen ist, und braucht gute Durchlüftung, damit aufgrund der Dichtbeerigkeit die Pilzgefahr nicht zu groß ist. Zudem verrieselt Sankt Laurent leicht, das macht die Erträge unsicher. Solcherart kapriziös und nach wie vor nicht gerade mit großem Renommée behaftet, muss er die guten Lagen den prominenteren Rebsorten überlassen; in Österreich macht sein Anteil 0,9% der Rebfläche aus.

Wie aber schmeckt Sankt Laurent, was ist sein Profil? Hohe Säure, das lässt sich vorweg sagen, und irgendwie ein rustikalerer Pinot Noir, auch das ist zu hören. Aber dann wird es schon schwierig, denn seine Ausformung als Wein ist nicht nur von Böden und mikroklimatischen Bedingungen bestimmt, sondern vor allem von der Arbeit des Winzers, in Garten und Keller. Das wurde bei der gestrigen Verkostung von österreichischen Sankt Laurents nur allzu deutlich.

1. transparentes rubinviolett, weich und warm nach reifen Kirschen duftend, mit feiner Würze, etwas Liebstöckl; anregende Säure, mittlere Länge, guter Trinkfluss, grüne Tannine, klassisch ausgebaut, jung: Hans Igler St.Laurent classic 2005, ein gutes Beispiel für einen im Stahltank ausgebauten, für einige Zeit im großen Holzfass gelagerten St.Laurent aus dem Burgenland, unkomplizierter Trinkspaß, vor allem als universeller Speisenbegleiter geeignet. Dieser Wein wurde im Nachhinein als der einzige als typisch zu bezeichnende St.Laurent gesehen.
2. etwas dunkler, purpurner, dichter im Farbkern; Weichselfrucht, leicht zwetschkig, leise Holznoten; sehr frische Säure, reifere Tannine, noch unbalanciert. Paul Achs St.Laurent 2005, 40% des Weines waren in neuem Holz, das gibt einen gewissen Schmelz, aber der Wein wurde nicht durchgänig gut bewertet.

Der nächste Flight war ein großer Kontrast, hier kamen die unterschiedlichen Vinifizierungsansichten besonders zur Geltung:
3. dunkles rubin, orange Reflexe; intensiv nach dunklen Beeren duftend, etwas Kaffee, reif; kräftiger Körper, sehr elegant, lang. Juris St.Laurent Reserve 2003, ein sehr schönes Beispiel für einen Wein in klassischer Stilistik, nicht durchgängig neue Barriques, in großem Holzfass ausgereift; durch den Jahrgang wirkt er bereits jetzt sehr gereift, die Eleganz und Länge sind wohltuend unaufdringlich.
4. dunkelrubin, fast schwarzrot, dichter Kern, violetter Rand; dunkle Kirsche, etwas blättrig zunächst, wird dann intensiver, etwas Blütenduft, ein Hauch von Zwetschkenkern, Zimt; weich, samtig, noch jugendlich, nicht identifiziertbar in eine bestimmte Richtung, sondern sehr modern vinifiziert, konzentriert: Grassl St.Laurent Reserve 2004 - niemand hätte den Wein diesem eher mageren Jahrgang zugeordnet, das macht die Arbeit vom Garten bis zum Keller deutlich. Hoch im Alkohol, dunkel und rund, vordergründig, der junge Winzer setzt auf wertige Attribute wie Farbe, Kraft, jetzt toll, aber was ist in ein paar Jahren? Beim Nachspüren im leeren Glas war zunächst kaum etwas da, dann blieb noch Suppenwürze übrig.

5. Einzelstück: mittleres Rubin, heller Rand. Süße Fruchtnoten, Kräuter, Himbeere; kernige Tannine, mittlerer Körper, noch ungestümes Tannin, spürbare Mineralik, Feuerstein, Schiefer, lang, sehr interessant: Hannes Schuster St.Laurent Alte Reben 2003. Der Sohn von Rosi Schuster macht viel versprechende Weine wie auch diesen hier, von Schotter-Lehm-Kalkböden und 40jährigen Rebstöcken.

Zweimal derselbe Jahrgang, aber welche Unterschiede!:
6. transparent, helles rubin mit reichlich orangen Reflexen, breiter Wasserrand; leicht Kaffee, moribunde Früchte, Himbeermarmelade in sehr "herbstlicher" Ausprägung, man muss sich das als letztes Aufbäumen einer Fruchtsüße vorstellen, die weiß, dass sie nicht mehr lange zu bestehen hat; frische Säure, herrliche Reifenoten, zart gebaut, seidige Struktur, Himbeeressig, Rum, Karamel, manche nehmen Honigtöne wahr; man würde diesem Wein wesentlich mehr Jahre geben als er tatsächlich hat, jetzt bereitet er noch großes Trinkvergnügen, aber ist bereits beim Absteigen. Bründlmayer Ried Ladner 2001, ein aktueller Händlerjahrgang, die süße Extraktfülle und die verblassende Farbe erinnern an einen reifen Pinot Noir, die dekadenten Abbaukomponenten machen ihn so reizvoll.
7. dunkles Rubin, keine violetten Reflexe mehr; rund und weich in der Nase, Moosbeeren, dunkle Zwetschke, etwas Leder; kräftig, seidige Struktur, weiche Tannine, Würze, Kräuter, Kaffee, Eiche gut integriert: Reinisch St.Laurent Grande Reserve 2001, eindrucksvoll, doch für das, was er letzendlich kann, als für zu teuer empfunden. Aber dieser Wein kommt erst noch, die großen Reinisch-Weine brauchen immer lang.

Und zuletzt, es sollten zwei Jahrgänge desselben Weines sein, der 2001 aber hatte kräftigen Kork:
8. dunkel mit Orangereflexen; Sauerkraut, Lack, Uhu, kräftige Säure, weiche Tannine, die unangenehmen Noten verfliegen mit der Luft etwas, dennoch bleibt was Irritierendes, sehr reife Frucht, Eleganz in der Struktur; die meisten mögen diesen Wein nicht: Umathum St.Laurent vom Stein 1999. Bei diesem Wein sind in den Jahrgängen immer wieder kräftige Brettanomyces-Noten feststellbar, auch das Sauerkrautige ist mir nicht unbekannt. Das ist aber überhaupt in der Umathum-Stilistik gern drin. ( --->Vom Stein-Vertikale)

Dieser kleine Ausschnitt aus Möglichkeiten für St.Laurent (in Österreich) zeigt doch deutlich, wie wenig eindeutig diese Rebsorte zuzuordnen ist, nicht einmal die Farbe gibt ausreichend Aufschluss. Einige Winzer haben das Potential erkannt; Schloss halbturn etwa macht einen intensiven Wein aus extrem selektionierten Beeren, Brigit Braunstein kann auf die große Tradition ihres Vaters hierbei zurückgreifen, die südliche Thermenregion wie das Kamptal haben hier einiges an Erfahrung. Und so fesch der Philipp Grassl auch sein mag: seine Interpretation ist definitiv nicht mein Favorit.

Donnerstag, 31. August 2006

Frau Alma ist jetzt auch mindestenshaltbar

Und zwar hier, und in bester Gesellschaft:
Bertl Mütter kannte ich bislang als großartigen Posaunisten, jetzt kann ich ihn auch täglich lesen.
Und über nömix wie nahlinse, bewährte towday-Kollegen, müssen ja hier nicht viele Worte verloren werden, die sprechen für sich.

Mittwoch, 16. August 2006

Der Weinentertainer: René Gabriel in der Wachau.

Ich kenne René Gabriel als vergnüglichen, humorvollen Bordeaux-Autor. Ich kenne ihn als stets fröhlichen und mitreissenden Präsentator. Ich kannte ihn nicht als Sänger und Entertainer!

Das hat sich geändert, ich war am vergangenen Sonntag beim Veltliner-Fest im Loibnerhof der Familie Knoll dabei. Es waren ziemlich viele Schweizer gekommen, der Weinbauverein Zentralschweiz zum Beispiel, oder der Männerkochclub Willisau - und so geballte Vereinskraft ließ den Abend zunächst ganz kurz nach gemütlicher Kaffeefahrt mit Musikbegleitung aussehen - wenn da nicht die erkleckliche Ansammlung an Veltliner Federspielen gewesen wäre, als reichlich fließender Aperitif, denn zum Menü gab's dann ausschließlich Smaragde. So kam man ganz zwanglos ins Plaudern, mit anderen Gästen aus Wien, Tirol oder Berlin, und als es ernsthaft losging mit dem musikumrahmten Abend, war die Stimmung schon gut.

Das Menü war sehr fein (ganz großartig in Qualität und Zubereitung das Geschmorte und Gebratene vom Waldviertler Milchkalb, mit vielen vielen Steinpilzen), die Smaragde durchwachsen (Jäger aus Weissenkirchen hielt sich gut neben den Namhaften), die Musikbegleitung zwischen den Gängen und danach: einfach zum Tanzen! Nein, eine solche Stimme hätte ich ihm nicht zugetraut, smooth bei Nat King Cole und anderen Evergreens, eine Superschmeichelstimme mit Gitarrenbegleitung oder Begleitband aus dem Synthesizer. Das ließ mitswingen, mitsingen und vor allem: tanzen. Hatte ich mir nicht schon lang ein Diner mit Tanz gewünscht? Hier war es! So sah ich mich denn auch plötzlich übers Parkett fegen, einen lupenreinen Boogie hinlegend wie schon seit Jahren nicht mehr - gute Führung halt! *Knickserl*

Was mich begeistert hat, auch wenn das wiederholte "Mariandl" nur mit übermäßigem Genuß von Lokalkolorit zu erklären und damit zu ertragen war, lag in der Nonchalance und Souveränität von René Gabriel, mit der er durch sein Musikprogramm führte: entwaffnend selbstverständlich und offen.

Den ruhigen Ausklang erfuhr ich dann am Tisch der Familie FX Pichler, wo noch ein paar erlesene Feinheiten zur Verkostung kamen: Grüner Veltliner M 05, ein mehr als mächtiger Wein, oder der von mir bevorzugte Riesling Kellerberg 05, aber auch Riesling Schütt 02 von Knoll, Hirtzberger Honivogl 04 ...

Ein ausgedehnter Spaziergang am Nachmittag hatte mich noch durch die Weingärten Loibens geführt, am Fuße des Loibenbergs fand ich einen reich tragenden Brombeerschlag, die verlassenen Weingärten zwischendurch, alte Weinstöcke mit schwer hängenden Trieben legten einen Hauch von Melancholie über die spätsommersonnendurchflutete stille Landschaft. Die 24 Stunden Wachau und retour waren kein unnützes Unterfangen.

Montag, 7. August 2006

11 frauen, ihre weine und die alm oder: wie ich für einen abend zur winzerin wurde

Sie kommen aus unterschiedlichsten Weinbaugebieten, vom Mittelburgenland bis zum Kremstal. Sie sind noch ganz jung, am Beginn ihres erfolgreichen Winzerinnenlebens, oder geben ihre reiche Erfahrung bereits an die Kinder weiter. Sie sind Schwestern, Töchter, Ehefrauen oder Einzelgängerinnen, sind eingebunden in einen Familienbetrieb oder eigenköpfig-selbständig. Sie stehen selbst in Weingarten und Keller oder legen die ganzen Strahlkraft ihrer Persönlichkeit in die Arbeit nach außen. Eine jede hat ihre unverwechselbare Individualität, und es ist die gemeinsame Leidenschaft für den Wein, die sie zusammenbrachte und eint.

11 Frauen und ihre Weine - eine Winzergruppierung wie keine andere: da geht es nicht um eine neue Marke, nicht um das Vorantreiben einer Region, nicht um eine Abgrenzung gegenüber anderen. Es sind vielmehr Offenheit, Neugier, Austausch, Anregung, die das Fundament dieses freundschaftlichen Zusammenschlusses bilden, wo eine jede mit ihrem ganz persönlichen Wert zur Geltung kommt, konkurrenzfreie Unterstützung findet und mit allen Stärken und Schwächen angenommen wird. Mir wesentlich erscheint gerade dieses Nicht-Konkurrenzieren. Die Diversität ist durch die jeweiligen Weine, die als durchaus typisch für die einzelne Winzerin zu sehen sind, ausreichend gegeben, das lässt Spielraum für ein zeitlich begrenztes, umso intensiveres Miteinander.

Das macht diese 11 Frauen so stark in ihrem Auftreten und zieht all jene in Bann, die bei ihren gemeinschaftlichen Auftritten zu Präsentations- und Verkostungszwecken dabei sind. Vergangenen Samstag zum Beispiel, auf der Rudalpe in Lech am Arlberg, nach heftigem Wettersturz fast im Angesicht des Schnees.



Weswegen die nachmittägliche Präsentation auch in die Postgarage im Tal verlegt werden musste, was dank eines eleganten Klavierspielers der Stimmung keinen Abbruch tat. Einzig Birgit Braunstein war aus privaten Gründen nicht mitgekommen, und um ihren Tisch nicht verwaist oder der gehetzten Betreuung durch Kolleginnen zu lassen, sprang ich, seit einiger Zeit schon im Bann dieser Weinfrauen befindlich, spontan ein. Was dazu führte, dass ich für unbedarftes Publikum ganz selbstverständlich als die elfte Winzerin genommen wurde: ein sehr schönes und zufriedenmachendes Erlebnis!



Abends dann, auf der Rudalpe: Sechs Gänge, elf Weine . Und auch da ging es nicht darum, was besser passt, schon gar nicht, was besser ist - sondern um das Erkunden, wie sowohl der eine wie der andere Wein seine Berechtigung hat. Und um das fröhliche (und weit in die Nacht reichende) Beisammensein.

Meine bevorzugten Weine dieser Präsentation:

Judith Beck: Pinot Noir 2003 - intensiv, salzig, lang.
Birgit Braunstein: Oxhoft rot 2003 - geschmeidige Cuvée, die nicht zu dick aufträgt.
Michaela Ehn: Rosé 2005 - erfrischender Saftabzug von Cabernets und Syrah mit Struktur und Eleganz.
Birgit Eichinger: Roter Veltliner Wechselberg 2005 - vielschichtig, Artenschutz vom Feinsten!
Silvia Heinrich: Vitikult 2004 - klassischer Blaufränkischer mit vie Frucht und Substanz.
Ilse Maier: Grüner Veltliner Gutsreserve 2005 - unverwechselbare Geyerhof-Eleganz und Struktur.
Helma Müller-Grossmann: Grüner Veltliner Perfektion 2005 - aus Novemberlese, Kraft und Mineralität.
Sivlia Prieler: Leithaberg weiss 2005 - Eleganz trotz Holz, exemplarisch für die neue Marke.
Heidi Schröck: Grauburgunder 2004 - Geschmeidigkeit und Exotik, es muss nicht immer Ausbruch sein!
Rosi Schuster: St.Laurent klassisch 2005 - jung, kraftvoll mit großartigen Anlagen.
Petra Unger: Riesling Silberbügel Reserve 2005 - intensive Rieslingnase, reichlich Schmelz, eine Wohltat!

Sonntag, 2. Juli 2006

1986: Honifogl und Blaufränkisch forever young!

Die Sache mit dem Älterwerden hatten wir gerade in so manchem Weblog herumgeistern (suchen Sie doch selbst, wenn Sie's interessiert), und die Geburtstage rundum (Gruß an alle gewesenen und werdenden Geburtstagskinder!) geben natürlich Anlass für allerlei Nachdenklichkeiten.

Gestern war ich bei einem schönen runden Geburtstag zugegen, wo Alter wieder mal beispielhaft keine Rolle spielte, und das galt auch für 2 Weine:

Der eine Wein war ein Last Minute-Einfall, da der Weg mich durch die Wachau geführt hatte, direkt bei Franz Hirtzberger vorbei. Der fand in seinem Keller eine Flasche 1986 Veltliner, doppelter Honivogl. Um genauer zu sein: Einmal HoniVogl für die Lage und einmal HoniFogl für die Reifestufe: das einzige Jahr, als die nunmehr als Smaragde bezeichneten Weine der Vinea Wachau eben noch Honifogl hießen!

Natürlich, ein 1956er hätte es schon sein können, für einen Fünfziger, werden Sie denken. Aber 1956 war im Bordeaux (viel anderes schenkt man nicht, alt?) ein Katastrophenjahrgang. Und das Geburtstagskind ist nun mal mehr dem Weißwein zugetan. Zudem gibt es für 1986 gibt es durchaus markante private Bezüge. Also wurde es dieser Veltliner.

Verzeihen Sie, wenn ich keine detaillierte Verkostungsnotiz mitliefern kann: auf Festen pflege ich zu feiern und lasse meine versucht professionelle Nase, wo sie ist. Nur so viel: keine Spur von Alter! Ganz viel Frische = Säure! Goldglanz und leichte Honignoten, gewiss. Unverkennbar die Würzigkeit der Lage (die zwei beste Hirtzberger-Lage für Veltliner). Ein Wein, mit dem man sich dann doch gerne aus der Ausgelassenheit des Festes in eine stille Beschaulichkeit zurückgezogen hätte. Warum wir ihn dann getrunken haben, gleich? Weil das eine Auflage der Winzersgattin war. Gemeinsam mit dem 1986er-Kind. Ist ja nicht immer leicht, die rechten Menschen zueinander zu bringen.

Der zweite Wein war dann einer dieser berühmten „Geburtsweine“: eine Magnum Blaufränkisch 1986 von Josef Leberl. Den zu trinken hatten wir uns vorgenommen. Auch wenn die Tochter noch nicht wirklich im idealen weintrinkreifen Alter ist. Aber lieber gleich mit was ganz Gutem anfangen, oder? Ja was soll ich sagen: Ordentlich Säure! Und eine berückende Nase, die keineswegs Blaufränkischen vermuten ließ. Durchaus Bordeaux-ähnlich, aber das lag wohl an diesem Reifeduft. Oder der Tatsache, dass Château Latour immer als Vorbild galt für Josef Leberl?
Herrlich frisch jedenfalls war der Wein und leicht am Gaumen (12 % vol.!) –man darf nicht vergessen: vor 20 Jahren waren dies seine ersten Barrique-Schritte. Keine Lagen-, keine Vinifizierungsbezeichnung. Einfach Blaufränkisch. Und in Erinnerung sind noch die Worte des Winzers damals, zu dem Wein, der zum Verkostungs- und Kaufzeitpunkt fast untrinkbar erschien vor lauter Säure und Tannine: dass der eben für ganz lange Lagerung gemacht worden sei. Das hat er gestern jedenfalls eindrucksvoll bewiesen.

Conclusio: Haben Sie Mut zum Alter, trinken Sie dementsprechend!

Montag, 26. Juni 2006

Prellenkirchen: der ideale Terrassen-Rotwein.

Vorausgesetzt, Sie haben eine an eine frischgemähte Wiese angrenzende Terrasse. In der sich noch einige Heusträhnen im zerrupften Klee verfangen haben. Und ein Kräutergärtlein, dass mit viel Sonne, Hitze und Regen mächtig ins Kraut schießt. Abends wie verrückt seine Aromen verströmen muss. Bei Berührung natürlich.

Wie ich *hoppla **Anflug von Schamesröte. Die Wiese und die Kräuter meine ich. Habe ich.

Und vorausgesetzt, Sie haben ein Flasche Prellenkirchen neben sich stehen, während graue Wolken vor noch sonnenlichtgefärbtem Hintergrundhimmel über dem Pendling um flächige Bedeckung streiten.

Wie ich.

Dann kommt der nämlich mit all seinen Heu- und Kräuternoten und macht sich in dieser Stimmung breit, als wäre er immer schon dagewesen, gehörte dazu, welche Frage aber auch. Und hat so überhaupt keine penetrante österreichische Frucht, weder in Nase noch an Gaumen. Und auch kein Rösterchen Holz zuviel. Aber ein Struktur vom Feinsten, zärtliche Tannine, die doch ausreichend Kraft besitzen, was sich ja nicht ausschließt.

Wie das geht, fragen Sie? Da kommt Portugal ins Spiel. (Bisserl wild gespielt, gestern, by the way.) Dieser Wein wird nämlich mit Füßen getreten! Da schaun Sie, was? Kommt sonst nicht, vor, hierzulande. Aber wenn Dorli Muhr und Dirk Niepoort ihre Finger (und Füße) im Spiel haben, dann vermählen sich Österreich und Portugal aufs Gelungenste! .

Montag, 19. Juni 2006

Zlahtina!

Restauranttestberichte am laufenden Band - da wächst der Hunger. Doch nach drei Schlemmertagen am Meer ist zumindest vorübergehende Zurückhaltung verordnet (morgen abend wartet ja schon wieder Festmenü). Ich stille die Gelüste mit einem Glaserl Zlahtina 2001, barriquisiert, der den Weg zu mir trotz widriger Umstände gefunden hat. Vordergründig Holz, hintergründig ein nachgeschmack von ... ich komm nicht drauf. Aber man kann sich dran gewöhnen! Auf jeden Fall trink ich auf die Gesundheit - auch der Seelen.

Da der Sohn schon im Bett ist, bin ich heute fußballtechnisch nicht am Laufenden.

*ist heute streng zu sich selbst
** da passt Zlahtina gut dazu

Montag, 12. Juni 2006

Wien, Wein und ein orangefarbener Mond

Gestern abend, am Nussberg: die langen Regentage haben alle Staubpartikel an die Tropfen gebunden, der Blick reichte so weit wie noch nie: hinauf ins Weinviertel, hinunter zum Schneeberg, hinüber zur Parndofer Platte. WeinWien hatte zu einem Barbecue geladen, inmitten jener Weinberge, die zu den besten von Wien zählen. Entlang des Weges roch es nach Sauvignon Blanc: der Holler hat zu blühen begonnen. Irgendwann stieg ein dunkelroter riesiger Mond geradezu mystisch aus der Dämmerung, und als ich wieder unten, in der Stadt angekommen war, lag er noch als orangefarbene Kugel auf einem geradezu violetten Himmel.

Im Gewirr in der Hofburg entdeckt:
- Graben-Gritsch aus Spitz (dem Hinweis eines treuen Mitlesers zu verdanken)
- Ebenauer aus Poysdorf
- Thomas Hareter aus Weiden
Und berichtenswert wichtig: Leithaberg

* Nähere Angaben und allfällige Verlinkungen werden nachgereicht. Vom bequemeren Arbeitsplatz daheim.
** Muss noch zum Frühstück der 11 Frauen und ihre Weine im Palmenhaus/Burggarten eilen.

EDIT: Aus Urlaubsgründen (eine mehrtägige Reise nach Ravenna steht an) muss ich allfällige Interessenten um Nachsicht bitten - die detaillierten Betrachtungen werden nachgereicht)

Freitag, 19. Mai 2006

John Wayne vs. Marcello Mastroianni

Vorgestern fand ich mich inmitten von blitzlichtgewitternden Seitenblicken wieder: Riedel-Glas feierte 250 Jahre Dynastie. Die Adabei-journalistische Aufmerksamkeit galt aber weniger der Familie Riedel selbst, auch nicht den Heroen der Tiroler Politik, schon gar nicht anwesenden Weinmachern, sondern vor allem und überhaupt dem Dream-Team jeglicher Inszenierungs-Berichterstattung, Fiona und KHG (für Nicht-Österreicher: unser schöner Finanzminister und seine Frau Swarovski).
Ich hielt mich ja mehr an die Winzer, die im Verein mit Spitzenköchen der Region zu den Durchhaltern des Abends zählten. Mit Emmerich Knoll geriet ich in ein Gespräch über Wein, Alkoholgehalt und Markterfordernisse - aber das ist eine andere Geschichte

Unter den vielen Reden, die natürlich im Laufe dieses Abends zu absolvieren waren zu Ruhm und Ehre von Riedel-Glas, gelang die pointierteste Ausführung Angelo Gaja . Da sei zum einen John Wayne, aufrechter Mann, immer unterwegs zu hehren Zielen, ein bisserl limitiert vielleicht in seiner Nahrungsaufnahme, "lamb or beef and beef or lamb", der Wilde Westen gibt ja nicht viel her diesbezüglich, da ist auch nicht mehr als Cabernet dazu vorstellbar, ja und auch der Umgang mit Frauen sei ein sehr geradliniger, "one hour of persistant daily duty", mit unbedingter Treue natürlich.

Ganz anders Marcello Mastroianni, ein Diener der Frauen, der sie erst zu dem macht, was sie sein können, mit Aufmerksamkeit und Hingabe, eine Erhöhung! Die Schlussfolgerung: Riedel als Marcello Mastroianni der Glasmanufaktur, die mit ihrer Glaskunst dem Wein (nicht dem Weib) höchste Aufmerksamkeit schenkt und damit aus dem Wein erst so recht das hervorholt, was drin ist.

Abgesehen vom brandenden Applaus und Gelächter im Festzelt eine durchaus beachtenswürdige Frage: wir sind ja heute allesamt anständige Glaskultur in Sachen Wein gewohnt, aber wie war das vorher? Tatsächlich scheint mir die Wahrnehmung von Wein, wie wir sie heute kennen, mit der Entwicklung der "idealen" Glasformen, wie sie in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts begann, Hand in Hand zu gehen. Und die geschah nun mal durch Claus Riedel, der mit seiner Sommelier-Serie die Glasproduktionswelt in Bewegung brachte.

Und egal, ob Cabernet oder Pinot - das falsche Glas kann die Freude am Trinkgenuss ganz schön schmälern.

Mittwoch, 10. Mai 2006

Wein-Donnerstag: Chenin Blanc

Wer sich mit Wein befasst, über das üblicherweise gerne gepflegte Maß eines "ich trinke, also bin ich" hinaus, dem geschehen ständige önophile Weltreisen, erzählt ein jeder Wein doch die Geschichte seiner Herkunft, eines Landstriches, eines Bodens, eines Klimas, und auch die Geschichte eines Winzers. Oder einer Produktionsform, dann aber verblasst die Landschaft.

Ich ziehe die landschaftsbezogenen Weine vor, die, wenn Glas um Glas die Fähigkeit zum Lesen und Verstehen erarbeitet wird, wenn die mögliche Auskunft auch endlich, oft noch nur in Teilen, ankommt, so viel mitzuteilen haben.

An jedem ersten Donnerstag im Monat habe ich das Vergnügen, im gediegenen Schachtnerhof im Tiroler Unterland an einer themenbezogenen Verkostung teilnehmen zu können, die auch (zumindest in heimischen Verkaufsstätten) weniger präsente Regionen des Weinbaus zur Kenntnis zu bringen geeignet ist. Im April war es etwa das Valtellina, vergangene Woche die Loire.

Und da ist, wie schon der mehr als gustiöse Beitrag des unverzichtbaren Arthur Landwein auch im Feinschmecker so signifikant mitteilt, unbedingt dem Chenin blanc Augen- und Gaumenmerk zu schenken, was denn, vergangenen Donnerstag, auch sehr vorbildhaft geschah.

Und ich kann die Attribuierung von Sensibilität und Mächtigkeit nur bestätigen; wir bekamen aber auch ausnehmend eindrucksvolle Beispiele kredenzt:

1996 AC Vouvray Le Mont Première Trie Moelleux von Huet: betörendes Spiel von Säure und leichtem Restzucker sowie von Frische und Reife - da muss ich doch mal bei Herrn Quendler in Wien vorbeischauen!
2000 AC Quarts de Chaume Chateau Pierre-Bise von Papin-Chevalier: Beispiel eines edelsüßen Chenin Blanc, Pumpernickel, Honig, Malz und Blüten, beeindruckende Süße-Säure-Balance; wie sich das anschmiegt und cremig gleitet! - es muss ja nicht immer was Süßes vom Neusiedlersee sein, oder?
1992 AC Savennières Coulée de Serrant von Nicolas Joly : diese beeindruckende Verbindung von Reife (leichte Sherrytöne) und gleichzeitig kecker Frische, einer nicht ermüdeten Jugendlichkeit am Gaumen - mehr davon!

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