Rührsdorf, 18 Uhr

Bouvier-Chardonnay beim Architekten, der Tuba spielt und nicht Weinbauer werden durfte.
Almas Winetasting Show
Ohne Bild und Ton
Die Damen hätten's gerne mit, die Herren lieber ohne. Ohne geht sofort, mit würde noch einige Zeit dauern. Auch wenn meine Grimassen vererbungsbedingt ausdrucksvoll sein müssten, ist für heute Beschränkung im Wort angesagt.
*schwenkt das Glas, steckt die Nase hinein*
Nach vier Jahren brauchen Sie keine frische Frucht mehr zu erwarten, etwas wie eindeutige Brombeeren oder Zwetschken. Das hier duftet eher nach Heidelbeer-Holunder-Kompott mit einem Hauch von Advent-Gewürzen, aber wirklich nur einem Hauch. Oder auch Zederngehölz, ja.
*hält das Glas ins Licht und gegen ein weißes Blatt*
Ziemlich heller Wasserrand und Granatreflexe, da zeigt schon die Farbe, dass der Wein unmöglich ein Youngster sein kann. Hm, im ersten Augenblick schien er trüb, aber ich hab ja solch eine schlechte Beleuchtung im Haus.
*wechselt zur Neonleuchte in der Küche*
nein, tadellos klar, wunderschön!
*nimmt einen Schluck, lässt ihn etwas im Mund herumrollen, schluckt*
Hui! Ganz schön lebendig, das Bürscherl, vibriert ja richtig, hat auch eine kesse Säure, und jede Menge Pfeffer. Das ist im ersten Augenblick nichts für Liebhaber des Samtigen!
*riecht nochmals im Glas*
Eigentlich kommt da auch ein bisserl Likör durch, der Alkohol steigt schon in die Nase. Aber ich war auch seit 3 Tagen enthaltsam, das kann täuschen. Wirkt aber im Augenblick nicht wie ein Wein zum Dahinsüffeln. Zum Hasenpfeffer jedoch? Ich erinnere mich, vor zwei Jahren, da bekam ich diesen Wein, muss aber wohl ein anderer Jahrgang gewesen sein, zum Pfeffersteak - perfect match!
*nimmt weiter Schlucke zu sich*
Hmmm, also ganz hinten, irgendwie, da ist schon was von Holzsüße zu spüren, und in der Nase war auch was von den berühmten Röstnoten, bitte nicht an Geröstete Knödel denken dabei, sondern ans Toasting, nein, nicht Englisches Frühstück, sondern das Rösten des Holzes, da wird ganz schön herumgefackelt mit den Fässern. Ich glaub, ich hätt ihn lieber dekantieren sollen vorher. Wenn nur das Karaffenwaschen nicht immer so eine Plag' wär!
Nach einer Stunde:
Jaa, jetzt wird er langsam, mit der Luft geht er auf, wunderbar! Jetzt kommt die ganze Geschmeidigkeit, die er a u c h hat, aber die Pfefferspröde, die behält er trotzdem, wenn's nicht so blöd wär, tät ich ja sagen, wunderbar, ein richtig m ä n n l i c h e r Wein! Wie aus einem Guß, schön langsam, ja, Zeit muss man ihm schon lassen, die schönsten Erlebnisse kommen nicht beim Hudeln, nicht wahr?
*nimmt einen großen Schluck*
Ja, auch am Gaumen, da ist er nicht mehr so unbeherrscht, keck aber allemal noch, ein reizvolles Wechselspiel, und er bleibt auch lang, reißt nicht so schnell ab, das hat er schon drauf, ja. Blöd, ich hätt mir doch was Feines kochen sollen. Aber nach 16 Uhr soll man nix mehr essen, dann findet die Zellerneuerung besser statt, und ich will ja mit 70 noch .... da wär dann der Weinkeller im richtigen Zustand!
*trinkt*
Das war eine gute Wahl heute. Mei hab ich eine Freud'!
*denkt*
Gut, dass ich kein Video hab; nach mehr als einer halben Flasche würde mich niemand mehr sehen wollen.