privat

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Entwaffnet

Warum glaubst du eigentlich, dass du mich überlebst?

Dienstag, 2. Dezember 2008

Für mich gibt es keine Zukunft,

... sagt er, ich lebe nur in der Gegenwart.
Ja, denke ich, aber 80 Prozent dieser Gegenwart bestehen aus Vergangenheit, einer vor 60 oder 70 Jahren. Und die Zukunft, die gab und gibt es wohl, in allen geschäftlichen Belangen, immer vorausgedacht, Ich erkläre damit meine Person, sagt er. -- Und was ist mit der Vergangenheit vor 10 oder 20 Jahren, wo ist die? frage ich, damit hab ich ihn ertappt, Ja, sagt er, ich weiß, aber ich weiß nicht, was es ist, welche Angst.

Welches Recht habe ich, mich so über ein Leben zu erheben, einem, der vor der letzten Phase seines Lebens steht, solche Fragen zu stellen, frage ich mich, doch er sieht mich an und küsst mich und nimmt diese Fragen an. Also ist da Zukunft.

Donnerstag, 20. November 2008

Il Piano Perduto

So kam es mir nun abhanden, willentlich wohl, und doch ward es irgendwie verloren. Eine Klavierspielerin ist ja nie aus mir geworden, doch es war mein Wunschinstrument gewesen. Nur hatten sie damals, an der Städtischen Musikschule, mich als "zu alt" fürs Instrument eingestuft, die Schwester, zwei Jahre jünger, aber durfte. Mir wurde die Violine zugewiesen; erst viele Jahre später, als wir darüber sprachen, sagte sie, sie hätte wohl viel lieber Geige gelernt. So hatte ich mir das Klavierspiel selbst beigebracht, den Baßschlüssel für die linke Hand, mit dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach. Die zwei Jahre Unterricht dann viel später waren eine Zeit der Nötigung, aber das lag an persönlicheren Umständen als der des Unterrichtnehmens.

Es gab Jahre, da spielte ich gar nicht, hatte kein Instrument zur Verfügung; als die Älteste dann lernen wollte, wurde eins angeschafft, das ist auch schon viele Jahre her. Viel wurde nie darauf gespielt, von der Tochter nicht, die nach zwei Jahren das Interesse verlor (und ich, selbst so vielen Zwängen in musikalischem Umfeld ausgesetzt, sie nicht zum Durchhalten drängen wollte), von mir nicht, immer nur gelegentliche Anfälle, am dauerhaftesten dann vom Sohn, der aber durch den schulischen Ortswechsel auch dem Instrument abhanden kam. Und so diente es seit einem Jahr nur mehr als Ablage für meine nichtbearbeiteten Mitbringsel von Ess- und Weinreisen, war eingehüllt von Stößen von Papier. Die Noten lagen längst woanders.

Der künftige reduzierte Raum, der mir zum Wohnen sein wird, legte mir, nebst anderen Überlegungen, den Abschied vom glänzend schwarzen Pianino nahe; es war einer ohne Wehmut. Wirklich geliebt hab ich d i e s e s Instrument ohnedies nie. Einzig die Abholung heute Morgen verstörte mich, aber das lag am Mann der Käuferin, der nach einer durchzechten Nacht mit deutlichem Restalkohol viel zu spät zum Abholen kam, so gar keine Ehrfurcht vor dem Instrument hatte. Aber bei ihr, seiner Frau, weiß ich es in guten Händen, sie hat mit Enthusiasmus zu lernen begonnen, und da ist auch noch der kleine Sohn, der sich beim Begutachten ganz selbstverständlich ans Klavier gesetzt hatte und in den Tönen drauflos spazierte, als wär's ihm tägliches Vergnügen. Es wird gespielt werden, das gereicht mir zur Freude, dazu wurde es gebaut.

Und ich könnte mich von noch viel mehr trennen als ich bald muss, pian piano werd ich's wohl tun.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Halbierung des Hausrates

Eine Eindämmung der Fixkosten hätte die Beschränkung auf ein wohnliches Minimum zur Folge: ein Schlafplatz pro Person, Eliminierung überschüssigen Luftraumes, Bewahren des tatsächlich Benötigten in Griffweite und Aufbewahrung des Gesammelten in einem angemessenen Depot. Sonne und Frischluftzugang als Befindlichkeitsoptimierer blieben gewahrt, unangenehme Nachbarn sind ausgeschlossen.

Diese Reduktionsmöglichkeit spukt seit Tagen.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Die Augen schließen.

Ich schließe die Augen.
Ich schließe die Augen, um besser sehen zu können,
zu sehen was ist und nicht, was scheint.

Ich schließe die Augen in den Konzertsälen,
unter dem Luzerner Sternenhimmel, um Mussorgskys Lieder und Tänze des Todesnicht von Yuri Temirkanovs Feldherrengestus eingeengt zu sehen

luzern-sternensaal

und im Salzburger Festspielhaus, um Salonens jungenhaftes Erscheinen in Hochwasserhosen nicht als Ohnmacht vor der bizarren Klangwelt von Mahlers Dritter Symphonie zu deuten, sondern ganz dem Gehörten und damit Geschauten zu vertrauen.

Ich schließe die Augen, wenn der Hirsch sich über mich neigt, über mich kommt, um der Verwandlung zum greisen Marabu zu entkommen, wohl aber den Jüngling zu sehen, der er in den Lenden ist.

Ich schließe die Augen zum Schlafe und sehe Räume und Landschaften, die mir seit Jahrzehnten Heimstatt sind, in denen ich irre und fliege, liebe und fürchte, lache und so lebendig bin wie mit offenen Augen. Gar lebendiger. So verbringe ich die Tage mit dem Warten darauf: die Augen zu schließen.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

CUT!


























Which cut is the deepest?

Sonntag, 21. September 2008

Der kalte Griff des Todes.

Ein Vater ist gestorben. Nein, nicht der meine. Aber die Tochter ist mir so nah, dass ich bei Eintreffen der Nachricht einen kalten Griff verspürte.

Plötzlich hat nichts, was heute für wichtig erachtet worden war, noch Bedeutung. Geschichten von gestern können auch morgen noch geschrieben werden.

Sonntag, 14. September 2008

Für die Jahre

Ich schenke dir
meine Zukunft
dass dir Gegenwart sei
aus Lebendigkeit, Nähe und Feuer
und keine Vergangenheit
dein Leben frisst.

Dienstag, 12. August 2008

Kauen

Ich kaue bei Nacht.
Woran immer ich kaue, ich tue es so heftig, dass ich vom Zähneknirschen wach werde.

Ich kaue bei Tag.
Woran immer ich kaue, ich tue es so heftig, dass sich die Kiefermuskulatur verspannt und ich den Mund nicht mehr richtig öffnen, nicht mal einen Bissen Essen so recht aufnehmen kann.

Kann der Zahn, der so nagt, nicht einfach ausfallen?


Inspired by mu

Montag, 28. Juli 2008

Demut der Arbeit

Gestern tat ich's gebückt, dann in der Hocke.
Wie machen das die kleinen Kinder nur? Beschäftig sie etwas auf dem Grunde Liegendes (und immer ist alles des Augenblicks grundlegend), so gehen sie einfach in die Hocke und verharren dort, als gäbe es keine andere Haltung.

Heute versuchte ich's im Knien. Nicht weniger zu spüren auch dies. Aber sofort kam mir dieses Gefühl von Demut, das dem Knien offenbar zughörig ist. Und mit einer ganz anderen Geste griff ich ins Gras, fasste es zu Garben und schnitt es mit gesenktem Haupt.

Bin ich hoffärtig gewesen? ging es mir durch den Kopf, aus dem feuchten Boden stieg Unsicherheit, aber auch Erkennen, die Wiese als Spiegel.



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sang und klanglos :-(
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